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Weihnachten

Weihnachten

22.12.2016, 10:28 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Als das Christkind in den Lallinger Winkel einflog Am Heiligen Abend trollte der Specht umher - Alte Geschichten von früher


Deggendorf /Lalling - Früher schmückten an Weihnachten das „Paradeisl“ die Bauernstuben
im Lallinger Winkel - das waren Pyramiden aus Tannengrün, erzählte Kneipp-
vorsitzender Gerard Zacher beim Kneippverein . Hinzu kamen die aufblühenden
Barbarazweige. Der Christbaum setzte sich erst relativ spät durch und war zunächst
auch nur mit Lametta und Äpfeln aus dem Lallinger Winkel behangen. Erst im
20. Jahrhundert kamen dann Glaskugeln und andere Glitzerzeug dazu.
Vom Ranzinger Berg grüßte am Heiligen Abend das Weihnachtsfeuer.
Gespannt warteten früher die Kinder im Lallinger Winkel, dass
das Christkind kommt und in den Lallinger Winkel „einflog“. Um den 24. Dezember,
früher ein voller Fast- und Abstinenztag, rankten sich vielerlei alte Bräuche,
wußte Kneippvositzender Gerard Zacher. Erst am späten Abend erstrahlte
der Christbaum dann im vollen Glanze. Und über dem
Hochaltar in der Kirche „St.Stephan“ war bei der Christmette eine „lebende Krippe“
mit einer „echten“Maria und einem „echten“ Josef zu sehen. Das große Hochaltar-
bild des Heiligen Stephanus wurde deswegen eigens entfernt. Es wurde zudem
ein beeidruckendes Krippenspiel gezeigt, so Gerard Zacher. In späteren Zeiten
standen dann nur noch Figuren in der Hochaltargrippe, der Pfarrer ließ es sich
dabei nicht nehmen bei der Mitternachtsmette das kleine Holz-Jesulein selbst in
die Krippe zu legen.
Die Zeit der „Erwartung“, der Advent war insbesondere für die Kinder sehr
erlebnisreich, es herrschte eine gewisse Angst vor. Der Knecht Ruprecht, der den
heiligen Nikolaus begleitete, wollte böse Buben in den Sack stecken und
drohte gar sie in die „Schwemm“ zu werfen. Die Luzier wetzte gefährlich
ihre Sichel und der blutige Tamerl kam gar mit dem Hammer und einer
klirrenden Eisenkette. Da schrieben die Kinder fleißig Wunschzettel ans
Christkind, das ja Frieden bringen wird, und steckten diese in die Fensterritzen.
Freilich die Wünsche waren damals eher bescheiden, es waren meist „Kleinigkeiten“,
-aus heutiger Sicht betrachtet. Am frühen heiligen Abend bei Eintritt der
Dämmerung trollte der „Specht“, eingehüllt in ein weißes Linnen und mit einem
schwarzen Schnabel daher, die Messer wetzend. Da kam nochmals Bangigkeit
auf. Er wartete auf kleine Gaben -je mehr um so größer sollte der Obstreichtum im
kommenden Jahr sein. Und das war für den Obstwinkel besonders bedeutungsvoll.
Fromme Frauen trafen sich am Nachmittag letztmals zur Herbergsuche, diesmal
in der Kirche, während sie zuvor täglich die Marien-Statue in ein anders Haus trugen.
Die Kinder fragten die Mutter, ob denn das Christkind vergessen habe, in den
„Lallinger Winkel“ einzufliegen, waren sie doch am späten Nachmittag schon beim
„Christkindlwiegen“, wobei sie mit Laternen um die Kirche „St.Stephan“ zogen.
Und die Mutter fragte zurück: „Ward ihr auch brav, sonst wird´s nicht kommen.“
Die „große Stube“ war seit der Mittagszeit verschlossen und es war recht dunkel
drinnen, selbst ein verstohlener Blick durchs Schlüsselloch half nicht weiter. Die
bange Erwartung stieg, werden die Kinder heuer das Christkindl auch sehen können? Na ja,
immer war man nicht brav, schon auch recht schlimm. Die kalte sternenklare Nacht
ließ die Kinderherzen höher schlagen, da eine hellaufleuchtende Sternschnuppe,
war das etwa das Christkind? Denn heuer kommt´s doch bestimmt -war die
herrschende Meinung. Die Mutter huschte gespenstisch durch das Haus und
ließ sich keinerlei Andeutungen entlocken.
Da läutete plötzlich ein helles Glöckchen: Jetzt ist´s soweit, das Christkind
kommt! Die Mutter öffnete weit die Stubentür, und verkündete: „Das Christkind
war da, es ist schon wieder weitergeflogen“. Und die Kinder stürzten in den erwärmten
Raum, in dessen Mitte der Christbaum mit vielen Lichtern, glitzernden Kugeln und
silberndem Lametta erstrahlte. Darunter befand sich ein selbst gebasteltes Kripplein mit
dem Jesuskindlein. Doch da kam der Vater, die Kinder mußten inne halten: Er
las aus einem dicken Buch die Frohbotschaft „Als Kaiser Augustus den Befehl gab.....“
vor, die darin gipfelte „Heute ist der Heiland geboren, Christus der Herr“.
Da glühten die Kinderherzen, unbeschreibbare Freude kam auf. Und alle
sangen „Stille Nacht, heilige Nacht.....“. Dann durften die schön verpackten Geschenke,
die das Christkind brachte ausgewickelt werden. Überall stand der Vorname drauf,
das Christkind hatte offenbar keinen vergessen: Eine Puppe für das Marerl,
Fäustlinge für den Thomas, eine Strickweste für die Mutter, eine Wärmflasche
für die Großmutter und Socken für den Vater....... War das eine riesige Freude!
Es gab Punsch mit Plätzchen und Kletzenbrot, großer Hunger war schon vorhanden,
den ganzen Tag über gab es nur wenig , wegen des Fast- und Abstinenz-
tages. Die Mutter erzählte vielerlei Geschichten von früher : Wie einmal
die Katze während der Becherung eine riesige Maus ins Zimmer schleppte.
In der Christmettennacht sollen die Tiere reden können - und wer ganz
genau hinhört, besonders im Stall, soll dabei sogar in die Zukunft erfahren
können. Ein Knecht soll sich während der Christmette einmal unter dem
Futterdrog versteckt haben, er soll danach stark verstört gewesen und noch vor Neujahr
verstorben sein.
Rechtzeitig rüsteten alle zum Besuch der mitternächtlichen Christmette,
nur der Vater oder der Knecht blieben zum Schutze des Hofes daheim.
Die Laterne stand schon bereit und die Mutter entzündete die Kerze. Oftmals
war es bitter kalt. Doch selbst ein Schneesturm konnte vom Weg in die Christ-
mette nicht abhalten. Hell läuteten die Glocken in der heiligen Nacht. Das
Geheimnis des Heiligen Abends wurde wieder Wirklichkeit.
Derweil warte der Vater zuhause begierig auf das Mitternachtsschlagen, er
hatte schon ein Rankerl Gselchtes vom „Weihnachterer vor sich: Nach den langen
Entbehrungen in der Adventszeit und dem Abstinenztag (es durfte bis Mitternacht kein
Fleisch gegessen werden) sollte in der Heiligen Nacht auch etwas Herzhaftes nicht
fehlen und er murmelte vor sich hin: „Schlag - und i` schneid.....“. Die
obligatorischen Mettenwürst gab es für die Mettenbesucher erst danach - und
sie mundeten vorzüglich: „Es war Weihnachten......“ gz

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