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Aschermittwoch

01.03.2017, 08:36 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Wackere Burschen ackerten zu Beginn der Fastenzeit den Fasching ein

Gerard Zacher erzählte über Brauchtum in der 40-tägigen Fastenzeit

Deggendorf/Lalling – Am frühen Morgen des Aschermittwochs bzw. zu Beginn
der 40-tägigen Fastenzeit ackerten früher wackere Burschen im Lallinger Winkel
hinter der Pfarrkirche St. Stephanus den Fasching in Form von Masken, Luftschlangen
und Luftballons ein, erzählte Kneippvorsitzender Gerard Zacher beim Kneippzirkel.
Vier zogen einen alten Pflug, zwei sorgten für tiefe Furchen und
eine ganze Gruppe achtete darauf , dass alles reibungslos ablief. Das war freilich gar nicht so
einfach, wenn der Boden noch gefroren war bzw. sogar harscher Schnee lag. Da musste
mit Feuer vorgearbeitet werden. Einmal wurde sogar eine faschingsmäßig angezogene
Puppe eingeackert und ein als Kooperator verkleideter Bursche nahm die feierliche „Ein-
segnung“ vor. Doch das gab erheblichen Ärger beim Pfarrer und wurde dann wieder
eingestellt.
Früher gingen fast alle an dem „abgeschafften Feiertag“ Aschermittwoch in die
Frühmesse, um sich „einascherln“ zu lassen. „Memento homo…“ (Gedenke o Mensch,
dass du Staub und wieder zu Staub zurück kehren wirst..) sagte der Pfarrer im violetten
Ornat in gedämpfter Stimme in lateinischer Sprache. Er zeichnete mit der geweihten
Asche von Palmzweigen des Vorjahres ein Kreuz auf die Stirn, stellte Gerard Zacher fest.
Heutzutage besuchen viele Gläubige die Aschermittwoch-Abendgottesdienste und
lassen sich als äußeres Zeichen der Bußgesinnung zu Beginn der 40-tägigen Fastenzeit
Asche auflegen. Und der Pfarrer rief von der Kanzel zur inneren Besinnung, Reue, Vorsatz und Buße
auf – und das mit kräftiger Stimme. Die Lallinger nahmen die Worte sehr ernst und be-
herzigten sie auch meist. Der früher sehr karge Lebensstil war mit dem heutigen – wo
es zu jederzeit fast alles gibt – ohnehin nicht vergleichbar. Trotzdem schränkte man sich
weiter ein. Ein katholischer Christ ist ja verpflichtet, an Sonn- und Feiertagen die heilige
Messe zu besuchen und wenigstens einmal jährlich und zwar in der österlichen Zeit, die
Kommunion zu empfangen, wobei freilich eine Beichte mit inniger Reue und Vorsätzen
voraus ging. Und diese österliche Zeit begann am Aschermittwoch. Im Lallinger Winkel
waren eigene Beichttage für die verschiedenen Stände angesetzt, schön getrennt nach
Kindern, Jugendlichen, Männern und Frauen. Und dabei gab
es Beichtzettel, die mit einem Abriss versehen waren, den der Pfarrer bei Besuch der
Familien einsammelte und so kontrollieren konnte, ob auch jeder seiner Beichtpflicht
nachgekommen ist.
Nach der „befreienden Beichte“ durfte eine Stärkung insbesondere beim Lallinger
Zacher-Bäcker nicht fehlen. Es gab sogenannte „Paugn“, das waren aus Eierweckerl-
teig gebackene runde Ringerl, die an einer Schnur zusammen gebunden wurden.
Glaube, Hoffnung und Liebe waren im Gewissenspiegel vorgegeben. Und nach so
einer Beichte verspürte man schon eine gewisse Erleichterung, den „Abfall“ der
Sünden, wobei die Sündenstrafen freilich nicht weggefallen waren. Die guten
Vorsätze wollten man jedenfalls in der Fastenzeit bis Ostern zumindest einhalten.
Das war freilich beim Fastenbier in den Wirtschaften insbesondere für Männer nicht
immer einfach. Manchmal lud der Niederalteicher Kloster-Braumeister Bruder Wunibald
dann auch noch zu einem kostenlosen Fastenbier ein.
In vielen Häusern wurde während der Fastenzeit täglich der Kreuzweg gebetet,
mindestens wöchentlich einmal. Wenn es eine kleine Kapelle gab, wurde er dorthin
verlegt und gefleht: „Heiliger Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott,
erbarme dich unser…….“ An jedem Sonntag in der Fastenzeit fand zudem an jedem
Sonntagnachmittag in der Pfarrkirche „St.Stehanus“ ein Kreuzweg statt, wobei der
Pfarrer mit einem von den Ministranten getragenen Betstuhl von der ersten Station
bis zur 14. Station durch die ganze Kirche zog. Und alles sangen: „O Haupt voll Blut
und Wunden…“ .Dies waren freilich unvergessliche Einstimmungstage auf Ostern.
Kneippvorsitzender Gerard Zacher erhielt für seine Ausführungen reichen
Beifall. gz

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