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50 ways to leave your lover

50 ways to leave your lover

Quintessenz Manufaktur für Chroniken
22.04.2017, 18:15 Uhr

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50 ways to leave your lover

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50 ways to leave your lover

Die meisten kennen den Song von Paul Simon, doch wie ist es mit den selbst erlebten Geschichten? Ich freue mich auf Kommentare zum Thema "Mutterwitz, Schlagfertigkeit und ja, auch "Rache" muss man kalt genießen".

Leben, Kunst und Lebenskunst


Eine biografische Skizze die wahr sein könnte

Es war mir von vornherein klar, dass diese Bekanntschaft kein Bund für’s Leben werden würde, zu unterschiedlich waren wir. Was uns jedoch freundschaftlich verband war, dass wir es gern hatten, wenn andere sich wohlfühlen und eine gewisse Großzügigkeit, die sich nicht allein auf das Materielle bezieht. So gefielen mir seine Aufmerksamkeiten, auch wenn sie so überraschend ungeschickt waren, dass ich das eine oder andere Mal mir fest auf die Zunge beißen musste, um nicht laut loszulachen. Übrigens auch meine damalige WG-Mitbewohnerin und Freundin.
Er war ein patenter Mann, war Möbelschreiner und Dachdecker, hatte in beiden Berufen den Meisterbrief, war aber fest in die Form des alten Rollenbildes vom Mann, Herrscher und Ernährer gegossen. Das einzige was dies abmilderte, war – wie gesagt- seine Großzügigkeit und sein Langmut. Aber wo fanden unsere zwei so unterschiedlichen Welten eine Schnittmenge, dass wir uns kennenlernen konnten? Ich, alleinerziehend, in einer WG mit meiner ebenfalls alleinerziehenden Freundin und den Kindern lebend, immer irgendein Besucher, der in der Küche Kaffee trank, Leben, Kunst und Lebenskunst.

Wie lernte ich ihn kennen?

Eines Tage war eine mir unbekannte Männerstimme am Telefon, der Unbekannte bedankte sich für den netten Abend und fragte, warum ich so schnell gegangen sei. Natürlich war mir klar, dass hier eine Verwechslung vorliegen musste und antwortete, dass er sich verwählt haben müsse. Nein, nein, sie wohnten doch mal in der Sophienstraße? Ja, die wäre ich, worauf er schnell fortfuhr, dass es ihm gelungen sei, meine Telefonnummer herauszufinden.
Es stellte sich heraus, dass tatsächlich eine andere Frau meinen Namen benutzt hatte, es vielleicht auch eine Andere mit Namensgleichheit geben würde. Sehr unwahrscheinlich - ja, unmöglich. Nun bin ich nicht so leicht zu erschüttern, aber da wurde ich dann doch hellhörig. Die Andere könnte meinen ganzen schlechten Ruf ruinieren. Am Ende war diese Frau gar zurückhaltend, liebte handgeklöppelte Spitze, senkte scheu die Augen, statt Probleme direkt anzusprechen und kicherte verhalten, statt laut herauszuprusten.
Ich wollte mehr wissen. So lud ich ihn zu uns zu einem Kaffee ein, um mehr davon zu erfahren. Als er tatsächlich vor der Tür stand, sah ich einen Mann Mitte, naja wohl eher Ende 40. Er konnte er sich endlich davon überzeugen, dass ich die „Echte“ war.

Casting für was?

Er hat wohl beschlossen, dass ich auch "geeignet" sei, und so begann eine Zeit des Werbens und dies so tollpatschig, dass es für mich einen hohen Unterhaltungswert hatte. Um meinen „schlechten Ruf“ musste ich mir auch keine Sorgen mehr machen, denn gleich beim ersten Kaffeetrinken in der Stadt passierte etwas, was jeder meiner Freunde mit „typisch, das kann nur Dir passieren“ kommentierte.

In meiner Stadt hatte damals das erste ungewöhnliche Café eröffnet, welches sich schnell zu einem Magnet entwickelte. Es hatte damals durchsichtige Plexiglasböden, über mehrere Etagen und man ging automatisch äußerst vorsichtig. Damals eine wirkliche Sensation. Die Stühle waren eine Erfindung des Besitzers. Aus gestrahltem Aluminium in einer S-Form, auf der kein Besucher länger als 3 Minuten Halt fand, denn dann begann man langsam herunter zu rutschen. Das verkürzte die Besuchszeiten und der Besucherumsatz stieg stark.

Noch während wir auf den Kaffee warteten und versuchten uns an die Stühle zu klammern, kam eine Frau auf mich zu, die mich für ein Casting ansprach. Oi.. ein Casting, ich fühlte mich geschmeichelt. Für was denn? Mit einem kleinen, frechen Seitenblick auf meinen Begleiter und die anderen Gäste meinte sie betont unbefangen und eine Spur zu laut, nun, es sei für eine völlig neu entwickelte Damenbinde. Ich wäre vor Lachen wirklich fast vom Stuhl gerutscht, während sein Blick zunehmend irritiert zwischen mir und der Frau hin- und her wechselte.

Heute in der Rückschau weiß ich natürlich, dass er sich tapfer bemühte sich nichts anmerken zu lassen und sich sicher fragte, worauf er sich denn da einlassen wollte. Zumal ich ihm bestätigte, dass mir durchaus öfter solch seltsame Sachen passieren.

Missglückte Geschenke und Wechselbäder

Die nächsten Wochen müssen für ihn ein Wechselbad gewesen sein. So kam er an einem Nachmittag auf einen Kaffee vorbei, hängte im Flur seine Jacke an den Garderobenständer, ging einige wenige Schritte in meine Küche und meinte ein wenig gönnerhaft, er hätte mir was mitgebracht, ich solle mal in seiner Jackentasche nachschauen. Nun, ich bin Geschenken nie abgeneigt, kramte in der linken Innentasche und zog ein Röhrchen Kukident hervor und musste grinsen.

Ich lehnte mich damit an den Türrahmen, blicke fest erst auf das Röhrchen, welches ich lässig hin und herschwenkte, bevor ich mit unterdrücktem Lachen meinte: „Ach, das wäre doch nicht nötig gewesen“.

Er wurde blass, als er sah, was ich da im Jacket gefunden hatte. Tapfer räusperte er sich und sagte mit belegter Stimme: „Nein, in der anderen Tasche“. So steckte ich das Kukident ohne große Worte wieder dorthin, wo ich herausgezogen hatte, kramte in der anderen Tasche und fand eine kleine Papiertüte.

Damit lief ich zu ihm hin, öffnete es noch beim Laufen, schüttete mir den Inhalt in die Hand und erstarrte komplett. Auf meiner Handfläche lagen zwei abgrundtief hässliche Plastikohrringe mit sichtbarer Pressnaht und einer Permuttlackierung, die wir nur von Sammeltässchen der 50er Jahre kennen. Ich musste mich jetzt wirklich fragen, wie er mich sah. Das war totaler Trash, ein astrein vergiftetes Geschenk. Dazu dieses gönnerhafte Lächeln und ich merkte wie ich ein wenig wütend wurde.

Dann stellte er die Frage, die er besser nicht gestellt hätte: „Und? Wie gefällt es Dir?“. Noch heute bin ich über meine Beherrschtheit verwundert. Ich ließ das Geschenk lässig ins Tütchen zurückgleiten: „Reden wir nicht drüber, tun wir einfach so, als ob ich nichts gesehen hätte“.

Ich will es abkürzen. Er hat noch 2 Wochen weiter versucht zu um mich zu werben, aber irgendwann meldete er sich nicht mehr. Kein Anruf - einfach Sendepause und ich musste darüber lächeln. Ihm und mir war schon klar, dass wir nicht zusammen passen würden.

Als ich ihn wenig später in der Fußgängerzone traf, hatte er eine Frau im Arm und sein Erschrecken war ihm so deutlich am Gesicht abzulesen, dass ich fast ein wenig Mitleid hatte. Aber nur kurz, denn manchmal – ich erinnere hier kurz an meinen Ruf – bin ich eine kleine Hexe. Ja, ich verwickelte ihn in ein harmloses Gespräch und ja, er wurde sichtlich nervös. Ich plauderte über das Wetter, was ich heute vorhabe und so weiter und verabschiedete mich nach 5 Minuten.

Seine hochgezogenen Schultern entspannten sich, wir grüßten kurz und gingen weiter… tja, bis ich mich umdrehte und rief:“ Gerhard, wenn Du heute Abend kommst, vergiss nicht die Windeln mitzubringen.“

Das zementierte den Bruch, so hoffte ich. Am Abend erhielt ich von ihm einen Anruf, wo er erst polterte, dann wieder lachte, und mich als Hexe entlarvte, nur um mit dem für mich wirklich überraschendem Aufruf zu schließen, „Heirate mich!“. Ich habe dann dankend und jetzt auch wirklich feinfühlig abgelehnt. Gute Güte – was hätte ich mir bei einer Scheidung einfallen lassen müssen?
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Vielleicht kennen Sie vom Hörensagen auch solche Geschichten - dann lassen Sie die Leser schmunzeln und senden Sie uns Ihren Kommentar.

Weitere biografische Splitter finden Sie auf : www.blogq5.de unter Zeitreisen
Blog Q5 ist der Blog von Quintessenz Manufaktur für Chroniken

Kommentare

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