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Rico

Rico

13.05.2017, 22:56 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Rico
Ich stehe im Bad vor dem vergrößerungs Spiegel und schminke meine Augen ab.
Im Schlafzimmer läuft das Radio, damit ich die Abendnachrichten aus dem Kreis hören kann.
Auf einmal ist der Ton weg und wärend ich noch über den eventuellen sende Ausfall nachdenke, sehe ich aus den Augenwinkeln eine Bewegung in der Badezimmer Tür.
Zwar bin ich ohne Brille nicht völlig blind, aber ich kann nichts klar erkennen.
Allerdings ist das da in der Tür auch ohne Brille gut zu sehen.
Einen Moment stutze ich, konzentriere mich auf die Situation und spüre wieder mal, wie die Energie im Raum sich verändert hat.
Ich greife nach meiner Brille, setze sie auf,drehe den Kopf zur Badtür und sage“Hallo“.


Ein junger Mann, von kräftiger Statur steht im Türrahmen und sieht mich fast ängstlich an.
Er sieht aus, als würde er gerne Kakao trinken und Berliner Ballen in sich reinstopfen.
Ich muss lächeln bei dem Gedanken, aber schon im ersten Augenblick des Sehens, spüre ich die tiefe Liebe zu dem jungen Mann.
Sein kurzes braunes Haar und die fast türkis farbenen Augen lassen nur einen Schluss zu.
“Hallo Rico“, sage ich freundlich. “Schön dich zu sehen. Darf ich dich in den Arm nehmen“?
Er reißt erschrocken die Augen auf und schüttelt dann heftig den Kopf.
“Vielleicht später“, antwortet er leise und dabei klingt seine Stimme fast wie ein Schnurren.
“Was macht dein Bauch?“frage ich, in Erinnerung, dass er am Morgen sein halbes Futter wieder ausgebrochen hat und um ihm die Angst vor der Situation zu nehmen.
Rico sieht an sich herunter.
Ich überlege, ob er versteht wovon ich rede.
“Bauch?“ Er schaut fragend.
Dann hellt sich seine Miene auf.“Ich glaube, dem geht es gut“ sagt er.


Meine Mundwinkel zucken.
Ich muss mich wirklich zusammen reißen um nicht laut los zu lachen.
So ist Er, mein Rico Bär.
Wie sehr ich diesen großen ängstlichen Kater liebe.
Und so, wie dieser große junge Mann im Türrahmen des Badezimmers, könnte ich mir ein menschliches Avatar meines Katers, auch vorstellen.
Immer ängstlich, schreckhaft und auf dem Sprung.


Ich bin fertig mit Abschminken,- traue mich aber nicht, mich vom Spiegel weg zu bewegen, oder gar Richtung Tür zu gehen.
“Was machen wir jetzt, wir 2“, frage ich und Rico zuckt die Schultern.
“Emma hat erzählt, ihr hättet euch unterhalten“,antwortet er.
Einen kurzen Moment huscht ein Lächeln über sein hübsches Gesicht.
“Ihr hattet sogar Spaß und habt gelacht“.


Ich erinnere mich zu gerne an Emmas Besuch als junge Frau an meinem Bett. Es war wundervoll, sie als Mensch bei mir zu sehen. Auch wenn ich immer noch nicht weiß, wie diese Traum Treffen funktionieren.
Emma sagte, sie hätten mit Magie zu tun und seien sehr selten.


In diesem Moment erschrecke ich.
Vielleicht verschwindet Rico, wenn ich zu sehr über Emma nachdenke.
Sofort verdränge ich jeden Gedanken daran.
Rico sieht mich an und nimmt dann seinen ganzen Mut zusammen. Er streckt einen seiner langen Arme aus und greift nach meiner Hand.
Fast scheint es, als habe er meine Angst,Er könnte sich auflösen, gespürt.
“Ich weiß auch nicht, wie das geht, das ich jetzt hier bin“, sagt er. Und gleich fährt er fort,“Aber vielleicht gehen wir in's Schlafzimmer, wo du mit Emma gesessen hast“?
Er hält mich wie ein kleiner Junge an der Hand und ich bin wirklich tief gerührt. Dann gehen wir hintereinander aus dem engen Badezimmer.
Es sind nur wenige Meter, vielleicht 4 oder 5, aber ich halte den Atem an, aus Angst, Rico könnte plötzlich weg sein.
Erleichtert setze ich mich auf's Bett.
Rico ist auch erleichtert, dass merke ich ihm an.
Eine Zeit lang sitzen wir schweigend da, meine Hand in seiner.
Er scheint angestrengt zu überlegen, was und ob er reden soll.
Dann hellt sich plötzlich seine Miene auf.“Wenn du im Bad bist“, meint er,“bist du doch wach, -also kann es kein Traum sein, so wie Emma meint“.
Seine Worte sind eher laute Gedanken, als eine Feststellung. Aber ich verstehe worauf er hinaus will.
“Ich weiß nicht, ob ich nicht gerade vor mich hin träume“, sage ich.“Aber daich mir nach Emmas Besuch sehr gewünscht habe, dass du auch mal erscheinst, ist es in jedem Fall eine Wunschtraum Erfüllung“.
Ich lächle ihn an und bin dann ganz mutig.
Ich löse sanft meine Hand aus seiner und mit einer vorsichtigen Bewegung ziehe ich diesen sanften Riesen in meine Arme.


Nur nicht weinen,denke ich. Nur nicht vor Rührung weinen.


Er liegt in meinem Arm so, wie er es sonst gerne Nachts tut. Als menschliches Avatar ist er natürlich viel schwerer, doch ich spüre sein Gewicht kaum.
Wir reden leise über dies und das .
Es sind einfache Dinge, die seine Energie nicht stressen.
Dabei streichle ich ihm über den Kopf und er fühlt sich sicher und wohl.
Irgendwann muss ich aber dann mal auf die Toilette und so leid es mir tut, kann ich auf sein“Bitte geh nicht“, keine Rücksicht nehmen.
Für mich ist mein Blasendrang ein sicheres Zeichen dafür, das ich nicht träume.
Mit dem Versprechen mich zu beeilen, löse ich mich von ihm, stehe auf und gehe rasch ins Bad.
Im hinausgehen registriere ich Emma auf ihrem Schrankplatz. Sie äugt zu mir herunter, aber nichts lässt erkennen, ob sie versteht, was hier passiert .


Und schon sitze ich auf dem WC.
Ich rede Richtung Schlafzimmer, das ich schon fast wieder da bin.


Es können höchstens 3 Minuten vergangen sein, als ich, immer noch redend,wieder ins Schlafzimmer komme.
Rico sieht mich mit seinen wundervollen Augen an..
Und sein gestreiftes Fell zeichnet sich deutlich von der hellen Bettdecke ab.
Seufzend nehme ich mir vor, auf jeden Fall heraus zu finden, wie diese Traum Treffen funktionieren.

8 Kommentare

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Schön, daß die Geschichte weitergeht
  • 12.09.2017, 21:43 Uhr
  • 0
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hast du noch mehr katzen?un solche tollen geschichten dazu
  • 21.06.2017, 17:40 Uhr
  • 1
Hallo und Dankeschön für das Kompliment. Nein, ich habe nur Emma und Rico. Aber demnächst werde ich eine weitere Geschichte reinstellen. Liebe grüße aus Lüdenscheid
  • 21.06.2017, 20:17 Uhr
  • 0
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Ich bin ja eher eine "Hundefrau" - aber meine Kusine hat auch zwei solche "Herren" bei sich wohnen, einen Jungen: Mongele und einen alten: Paulchen. Und sie hat da ein Schild hängen: "Nur Hunde haben Besitzer, Katzen haben Personal."
  • 15.05.2017, 00:03 Uhr
  • 1
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Auch eine tolle Geschichte !
  • 14.05.2017, 12:46 Uhr
  • 0
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Eine wunderschöne Geschichte
  • 13.05.2017, 23:07 Uhr
  • 0
Dankeschön
  • 13.05.2017, 23:29 Uhr
  • 1
gern gesehen
  • 13.05.2017, 23:29 Uhr
  • 0
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