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Ups!

Ups!

16.08.2017, 18:54 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Sonnenschirme, Wind, UPS und andere Widrigkeiten…

Wir wohnen in einer ziemlich windigen Gegend. Nein, kein sozialer Brennpunkt oder Ähnliches! Bei uns hinterm Deich weht einfach häufig mal ein kräftiger Wind. Kein Problem für Frau, Hund und mich, für einen Sonnenschirm schon eher.

Den ersten Sonnenschirm, den wir aus einer weniger „frischen“ Gegend mitgebracht hatten, durften wir schon bald verabschieden, aber das hat uns nicht weiter irritiert. Er war halt etwas schwächlich. Der zweite seiner Gattung, war dann folgerichtig größer und stabiler, sehr viel stabiler. So stabil, dass er bei kräftigem Wind auch schon mal die Bodenplatten der Terrasse, an denen ich seinen Fuß festgedübelt hatte, anheben konnte. Immerhin, er hat eine Menge ausgehalten. Leider hatte er eine Schwachstelle, die der Wind irgendwann gefunden hat. Das Kunststoffgelenk, an dem die große Ampel aufgehängt war, entschloss sich eines Tages, dem Drängen des Windes nachzugeben. Ende der Vorstellung!

Dies Kunststoffgelenk hatte sich ohnehin von Anfang an als feindlich gesinnt erwiesen. Wann immer wir den Sonnenschirm so ausgerichtet hatten, dass ausreichend Schatten auf die Garten- und Liegestühle fiel, gab es dem nächsten Windstoß durch freudiges Verwinden nach, um sich ein wenig zu drehen und uns den Schatten zu entziehen. Nun war es durch diese Verwinderei zerbrochen – das hatte es redlich verdient.

Der verständnisvolle Lieferant tauschte den Schirm alsbald gegen ein neues Exemplar aus und unseren Ruhestunden auf der sonnigen Terrasse stand nichts mehr im Weg.

Nichts mehr? Nun ja, das stimmt nicht ganz. Der festgedübelte Fuß begann alsbald wieder munter, die Steine anzuheben. Das konnte nicht so bleiben. Also musste Abhilfe her. Etwas Beton, längere Dübel und vier schwere Betonplatten, um den Fuß von oben zu beschweren, zeigten sich als geeignete Lösung.

Leider trat jetzt ein weiterer Schwachpunkt der Schirmkonstruktion in Erscheinung. Der Metallpfahl, an dem die Schirmampel aufgehängt wird, weitet sich am unteren Ende zu einer Platte aus, die mit vier Schrauben an dem Fuß befestigt wird. Diese Platte mochte nun die ganze Kraft des Windes nicht mehr aushalten. Sie begann sich zu verformen, so dass der Sonnenschirm immer mehr in eine seltsame Schräglage geriet.

Kein wirkliches Problem, denn die Schlosserei im Ort fertigte uns einen dicken Verstärkungsring aus kräftigem Stahl, der diesem Hang des Schirmes sich dem geraden, aufrechten Stand zu verweigern, ein Ende setzte. Unsere Probleme mit dem Sonnenschirm schienen nun endgültig beseitigt zu sein.

Schienen – dies Wort lässt Sie sicher schon ahnen, dass unsere Probleme nur scheinbar gelöst waren.

Irgendwann, recht bald, meldete sich das bereits erwähnte Kunststoffgelenk wieder zu Wort. Also eigentlich war es gar kein Wort, mit dem sich das Gelenk äußerte, es war mehr so eine Art Geräusch. Das klang ungefähr wie Kkkrrrrch…
Der freundliche Lieferant erklärte sich bereit, auch diesen Schirm umzutauschen und schickte uns zügig einen neuen, dritten Schirm. Unser Glück schien fast vollkommen, aber nun trat UPS in unser Leben. UPS, nicht zu verwechseln mit dem Ausruf „Ups!“ ist der bevorzugte Paketdienst unseres Lieferanten, unser Lieblingsdienstleister in diesem Bereich ist er sicher nicht.

Eine Zeit lang war es ganz schön schwierig, in den Besitz der für uns gedachten Pakete zu gelangen. Warum? Nun um das nachvollziehen zu können, muss man wissen, dass unser Haus so ca. 80 m von der Einfahrt entfernt, im Inneren des Grundstücks liegt. Den Garten hinter unserem Haus haben wir eingezäunt, um unserem Hund die Jagd auf Rehe, Hasen oder Nachbarskatzen zu erschweren, aber von vorn ist das Grundstück ungehindert zu betreten oder zu befahren. So dachten wir jedenfalls.

Der UPS Auslieferungsfahrer sah das ganz anders. Ihn störte der Aufkleber an unserem Briefkasten neben der Grundstückseinfahrt und hinderte ihn, unser Grundstück zu betreten. Dieser Aufkleber zeigte einfach nur das freundliche Gesicht unseres Hundes, aber das löste bei dem – ansonsten sehr netten und umgänglichen Fahrer – geradezu Panikanfälle aus.

Stellen Sie sich vor, sie sitzen bei Sonnenschein auf der Terrasse hinter ihrem Haus, aus dem Tablet ertönt leise Musik, sie dösen so vor sich hin und genießen die Schönheit der Gegend und des Lebens. Wenn dann ungefähr 100 Meter entfernt ein UPS Lieferwagen auf der Straße anhält und der Fahrer aus dem Fenster in Richtung Haus ruft: Hallo, ein Paket für Sie!“, liegt ihre Chance, diese leisen, ängstlichen Rufe zu hören, ungefähr bei Null. Deshalb bekommen sie ihr Paket dann eben nicht, sondern nur ein Kärtchen - vom Auslieferungsfahrer durch das geöffnete Seitenfenster seines Fahrzeugs hastig in den Briefkasten geschoben. Auf diesem Kärtchen steht, wo und wann Sie ihr Paket abholen können. Immerhin!

Nach mehreren solcher Zustellungsversuche (so nennt sich dies Verhalten auf den Benachrichtigungskärtchen), habe ich den Fahrer dann mal erwischt. Er war gerade ein Stückchen in unsere Einfahrt hineingefahren, um sein Fahrzeug zu wenden, als ich ihn entdeckte und hastig zu ihm hin lief.

„Wollen Sie unser Paket nicht vielleicht doch hier lassen?“ fragte ich ihn freundlich lächelnd.
„Ich habe gerufen, das tue ich immer!“ war seine trotzige Antwort.
„Und Sie glauben,“ fragte ich den Fahrer, ausgesucht freundlich säuselnd, „das kann man 100 Meter weiter, hinter dem Haus hören?“
Der kräftig gebaute, braungebrannte junge Mann sackte ein wenig zusammen und murmelte dann kleinlaut: „Ich kann doch nichts dafür, wenn Sie so einen Monsterhund haben.“
„Der ist noch ganz jung, verspielt und freundlich!“ entgegnete ich etwas säuerlich.
„Das sagen sie alle!“ protestierte mein tapferer Fahrer, „und dann, zack, ist die halbe Wade weg.“

Das brachte mich zum Lachen und schon halbwegs versöhnt mit diesem tapferen Recken, der seine Angst nun offen zugab, deutete ich auf die Durchgänge links und rechts neben dem Haus.
„Wie Sie sehen, ist doch alles eingezäunt, es besteht also gar keine Gefahr für Leib und Leben.“
Der Fahrer hob zweifelnd die Hand: „Weiß ich, wie hoch der springen kann? Auch wenn er noch jung ist, so ist er doch jetzt schon fast so groß wie ein Kalb.“

Nach diesem erheiternden Austausch bekam ich unser Paket und der jugendlich forsch fahrende Bote zog seines Weges. Danach übernahm übrigens ein anderer Fahrer diese Auslieferungstour. Der war weitaus cleverer! Er hinterlegte das Benachrichtigungskärtchen gleich beim Nachbarn, 50 Meter vor unserer Grundstückseinfahrt, so dass wir ihn nie zu Gesicht bekamen.
Aber das alles nur nebenbei! Den dritten Sonnenschirm lieferte ein gesetzterer, offenbar altgedienter, erfahrener UPS’ler, über den nichts Nachteiliges zu vermerken ist.

Das eigentliche Problem will ich, nach dieser langen Vorgeschichte, nun endlich auch noch erwähnen.

Der Lieferant unseres Sonnenschirmes wollte selbstverständlich den kaputten Schirm zurück, um den Schaden seinerseits beim Hersteller geltend zu machen. Beim ersten Umtausch war das kein Problem, da hatte ich die Verpackung des ersten Schirmes noch. Gleich nach dem Abbau hatte ich den Schirm und all seine Bestandteile wieder in der Verpackung verstaut und so konnte ich dem UPS Fahrer diesen – gleich bei der Lieferung des Ersatzschirmes – wieder mitgeben.

Diesmal hatte ich jedoch die Verpackung einige Monate nach der Lieferung entsorgt (wer hebt schon gern einen 2,40 langen Karton für immer und ewig in seinem Keller auf?).

Der clevere Lieferant hatte eine Lösung. Er schlug vor, dass ich den kaputten Schirm doch einfach in den Karton des neuen Schirmes packen solle und zum Behuf der Rücksendung hatte er gleich einen Rücksendeaufkleber per Mail geschickt. Das schien – auf den ersten Blick – der perfekte Weg, um diesen Umtausch abzuwickeln. Das Einzige, was nun noch zu tun blieb, war mit UPS eine Abholung zu vereinbaren.

Montagvormittag, gegen 10 Uhr, setzte ich mich also an meinen Computer, um online bei UPS die Abholung des Paketes zu beantragen. Zunächst einmal beantwortete ich die Frage, ob ich einen Versandaufkleber mein Eigen nenne, freudestrahlend mit einem Klick auf „Ja“.

Daraufhin öffnete sich ein Fenster (kann ein Fenster unsäglich sein?), in das ich die Kontrollnummern eintragen sollte. Ich begann mit der ersten, im Großdruck hervorstechenden Nummer. Daraufhin erschien die Meldung, ich solle diese Nummer korrigieren. Ich trug also die nächste, auf dem Etikett lesbare Nummer ein, was mir vom Programm damit quittiert wurde, dass sich ein weiteres Fensterchen mit einer Zeile für noch eine Nummer öffnete. Was auch immer ich versuchte, egal, welche Nummern ich in welcher Reihenfolge versuchte einzutragen, es blieb der Hinweis, ich solle die Kontrollnummern korrigieren. Entnervt klickte ich schließlich auf das Feld „Weiter“, woraufhin mir angekündigt wurde, das Paket würde am selbigen Montag um 8:00 Uhr abgeholt. Nach einem raschen Blick auf meine Uhr – sie zeigte mittlerweile 10:30 Uhr – verwarf ich dies Ansinnen, schloss die UPS Seite und öffnete sie dann noch einmal neu, um von vorn zu beginnen.

Der Kampf mit Fenstern, Kontrollnummern und Korrekturhinweisen zog sich erneut eine halbe Stunde lang hin, bis ich schließlich die Meldung erhielt, am Dienstag, dem folgenden Tag, ab 8:00 Uhr sei mit der Abholung zu rechnen.

Sie ahnen es schon, heute, am Mittwochnachmittag, steht der Schirm immer noch hier. Kein UPS Fahrer hat sich blicken lassen, kein verschämtes Kärtchen lag in unserem Briefkasten und die von UPS angekündigte SMS mit der genauen Abholzeit ist auch nicht eingetroffen.

Was blieb mir also anderes, als mein Glück telefonisch zu versuchen? Bei einem Gespräch von Mensch zu Mensch lassen sich Dinge ja mitunter viel leichter regeln, als in dem diffizilen Beziehungsgeflecht zwischen Mensch und Onlineformular.

Für meinen ersten Versuch hatte ich die, von UPS per SMS Kontakt am Vortag vorgeschlagene 0800..ter Telefonnummer auserkoren. Die ist immerhin kostenlos und war deshalb natürlich meine erste Wahl. Zu meiner Enttäuschung war jedoch eine Ansage zu hören, in der mir mitgeteilt wurde, dass diese Nummer für den technischen Support nicht mehr aktiv sei, was mich etwas erstaunte. Sie war mir doch am Tag zuvor von selbigen Unternehmen empfohlen worden.

Stattdessen sollte ich nun eine Nummer mit der Vorwahl 06966… anrufen. Schnell legte ich den Hörer beiseite, um einen Zettel und einen Stift hervorzukramen. Utensilien, die man im Zeitalter der elektronischen Kommunikation ja nicht mehr immer und sofort bei der Hand hat. Als ich den Hörer wieder aufhob, hörte ich gerade noch, wie eine andere, seltsam gepresst klingende Stimme sich auf Englisch verabschiedete. Beim zweiten Versuch konnte ich dann die Nummer notieren und rief gleich freudig erregt an.

Eine Computerstimme meldete sich und befahl mir, wenn ich Fragen zur Installation der UPS App habe, die „Eins“ zu drücken und bei Fragen zu UPS allgemein oder zu einer Abholung, etc. die „Zwei“. Ich drückte also die Zwei und wurde nun aufgefordert, mein Anliegen zu benennen. ‚Kluge Maschine‘ dachte ich so bei mir und sagte dann laut und deutlich „Abholung“!

Nach einer Pause empfahl mir die Computerstimme, in dieser Sache die kostenpflichtige Nummer 01806… anzurufen.

Meine Gedanken bekamen langsam eine rötliche Färbung. Glücklicherweise hatten Zettel und Stift ja bereitgelegen und die Nummer war nun für den nächsten Versuch vor meinen Augen. Nach dem Wählen erklärte mir eine andere Computer- oder Bandstimme zunächst, dass dieser gesamte Anruf, auch wenn es zwischendurch zu Wartezeiten käme, nur 20 Cent kosten würde. Ich stellte mich innerlich schon auf eine längere Wartezeit ein, hörte dann aber zum Abschluss der Ansage mit Beruhigung, dass die Wartezeit nicht länger als maximal 3 Minuten dauern könne.

Dann kam der Computer zur Sache: „Welches Anliegen haben Sie?“ fragte er und zählte danach die vorgegebenen Möglichkeiten auf. Das kannte ich nun schon sagte an der passenden Stelle laut und kräftig: „Abholauftrag!“.

Der Computer schwieg. Nach einer gefühlten Ewigkeit sagte die Computerstimme – ich könnte schwören, mit einem spöttischen Unterton – „Bitte geben Sie ihre Telefonnummer an und beginnen sie mit der kompletten Vorwahl.“ Da ich mich sehr selten selbst anrufe, konnte ich meine Festnetznummer nicht hersagen und mir entfuhr ein leises, unterdrücktes „Scheisse“.

„Ich konnte sie nicht verstehen, bitte wiederholen sie laut und deutlich ihre Telefonnummer und beginnen Sie mit der Vorwahl.“

Meine Gedanken verfärbten sich in Richtung dunkelrot und ich griff nach meinem Handy, um die gespeicherte Festnetznummer im Telefonbuch nachzuschauen.

Plötzlich begann der Rauchmelder in unserem Arbeitszimmer ohrenbetäubend zu schrillen. Das Telefon fiel mir aus der Hand, während ich erschrocken und entsetzt aufsprang und verzweifelte Blicke zur Wand warf, von wo kurz unter der Zimmerdecke der terroristische Angriff auf mein Gehör stattfand. Nachdem ich auf meinen Stuhl geklettert war, den Rauchmelder abgenommen und mit einer neuen Batterie versehen hatte, nahm ich den Telefonhörer wieder zur Hand.

Der Computer hatte zwischenzeitlich die Verbindung beendet. Computer sind eben auch nur begrenzt geduldig.

Wissen Sie was? Ich habe mich mittlerweile ein wenig beruhigt und bin jetzt bereit, einen prima Sonnenschirm, dunkelgrün, 3,80 Meter Durchmesser mit einem kleinen Defekt an der Ampelbefestigung zu verschenken. Sie brauchen ihn nur hier abzuholen.

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13 Kommentare

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Laaaach.....alles so ähnlich schon erlebt....hab mir dann ne Blutdrucksenkende Tablette eingeworfen..😥...ein erfrischender und lustiger Beitrag...dankeschön...hab jetzt 10 Min.ein Dauergrinsen im Gesicht😁😁😁
  • 16.08.2017, 21:07 Uhr
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  • 16.08.2017, 21:53 Uhr
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  • 16.08.2017, 20:14 Uhr
  • 1
  • 16.08.2017, 21:58 Uhr
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Wie wärs mit einer Markise?
Alternativ ein Sonnenhut und Sonnenbrille.
Oder sowas hier:
https://www.google.de/search?q=%C3%B...BgAaYurngCw
  • 16.08.2017, 19:48 Uhr
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  • 16.08.2017, 21:58 Uhr
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Nee geht nicht. Das passt nicht zum Reetdachhaus
  • 16.08.2017, 22:59 Uhr
  • 1
Dann stellt euch zwei Strandkörbe auf die Terrasse!
  • 16.08.2017, 23:07 Uhr
  • 1
Ja, das wäre optimal, aber die sind so teuer...
  • 17.08.2017, 07:04 Uhr
  • 1
  • 17.08.2017, 13:18 Uhr
  • 1
  • 17.08.2017, 14:36 Uhr
  • 0
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  • 16.08.2017, 19:40 Uhr
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  • 16.08.2017, 21:58 Uhr
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