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Der traurige Kater

Der traurige Kater

09.09.2017, 23:21 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Trauriger Kater

Ich stehe unter der Dusche.
Ein anstrengender Tag liegt hinter mir und das heiße Wasser zu spüren ist eine Wohltat.
Als ich das Wasser ab drehe, sehe ich durch das milchige Glas der Duschtüre, eine große Gestalt im Badezimmer.

“Rico, reichst du mir bitte mal das Handtuch?“ sage ich und schiebe die eine seite der Türen auf.
Ich kann kaum an mich halten, weil ich lachen muss.
Rico steht Riesenhaft im kleinen Bad und guckt mich geschockt an.
Ich bin kein bischen verlegen weil ich nackt bin.
Wie oft ich diesen Kater schon nackt gestreichelt habe, weiß ich nicht.
Und das, was da im Raum steht, ist ja schließlich nur sein menschliches Avatar.
Warum sollte ich mich also genieren?

Ich wickle mich in das große Handtuch und stehe vor der Dusche.
Nach einer Weile frage ich vorsichtig“, Sollen wir hier stehen bleiben, oder dürfte ich mich im Schlafzimmer anziehen?“
Rico reißt die Badtür auf und geht ins Schlafzimmer voraus.
Dort setzt er sich ans Bettende
“Ich habe diesmal gar nicht mit gekriegt, wie du erschienen bist,“ sage ich.
Jedoch spüre ich jetzt deutlich die veränderte Energie.
Rico sieht mich mit großen Augen an und wie so oft überlege ich, ob er mich wirklich versteht.
“Ich war einfach da,“ flüstert er.
“Ist das denn möglich , wenn ich das gar nicht will?“

Wie ein kleiner Junge sitzt er da.
Hält den Kopf gesenkt und macht einen sehr traurigen Eindruck.
Das war mir vorher gar nicht aufgefallen.
Vorsichtig nähere ich mich ihm und lege den Arm um seine breiten Schultern.
Er läst es zu ohne zu erschrecken.
Ich habe Schlafzeug an und mit den dicken Socken an den Füßen, könnte man denken es sei Herbst oder Winter, aber nicht Hochsommer.

“Du lieber“, sage ich tröstend.
Es trifft mich eigentlich schon, zu wissen, das er eigentlich nicht da sein will. Zumindest nicht als sein menschliches Avatar.
Emma hatte erwähnt, das er nicht in menschlicher Form sein mag, weil ihm das Denken zu anstrengend ist.
Und wie ich ihn so betrachte, könnte ich mir auch vorstellen, das es recht schwer ist, diesen großen Körper zu nutzen.
Anstatt ein, zwar großer, aber doch sehr geschmeidiger Kater zu sein.
Ich überlege, wie ich ihn trösten und ihm vielleicht sein erzwungenes Hier sein, verschönern kann.
Wie auf ein Stichwort kommt die Katze Emma um die Schlafzimmer Ecke.
Sie schaut zu uns hoch und streicht dann laut schnurrend um Ricos Beine.
Gedanken verloren bückt er sich und streichelt ihr liebevoll über Kopf und Rücken.
Die Katze springt auf seinen Schoß und legt sich hin.
Ich bin fasziniert,- und, klar auch gerührt.

“Ich muss dir noch sagen,“ beginne ich,“ das ich sehr stolz auf dich bin.“
Rico guckt fragend, krault dabei Emma den Kopf.
“In den letzten Wochen bekomme ich öfter mal Besuch und unser dreier Leben hier ist nicht mehr ganz so ruhig und abgeschieden, wie in deinen ersten Jahren bei mir“, fahre ich fort zu erzählen.
“ Beim letzten Besuch, bist du immer mal um die Wohnzimmerecke gucken gekommen und sogar an deine Futterstelle gegangen. Ohne Panik.“
Ich drehe den Kopf und hauche ihm sanft einen Kuss auf die Wange.
“Wenn Emma jetzt hier wäre“, sagt Rico. “In der anderen Form meine ich,“ fügt er hinzu.

Ich nicke.
Ja denke ich, dieses wundervolle Geschöpf weiß vielleicht wirklich mehr über diese Magie und deren Ergebnis.
“Leider scheint Emma heute kein Interesse daran zu haben sich zu wandeln,“ sage ich laut und streiche Rico sanft über den Rücken.

“Ich habe unter der Dusche nicht an dich gedacht“, gebe ich zu bedenken.
“Aber inzwischen glaube ich sowieso nicht mehr daran, das euer Erscheinen mit meinem Wunsch zusammen hängt.
Zumindest nicht ausschließlich“.
Eine Weile sitzen wir nur so da.
Rico mit Emma auf dem Schoß und ich daneben, Ratlos ob der Situation.
Dann habe ich eine Idee.
“Weißt du was?“ sage ich.
“Ich werde gleich morgen beginnen im Internet zu recherchieren.
Und ich werde so lange suchen, bis ich etwas über diese Magie oder ähnliches finde“.

Ich muss gähnen.
“Und jetzt werden wir uns einfach ins Bett legen, so wie wir sonst auch liegen und dann wird diese Magie schon weichen und du kannst wieder Kater sein“.
Auf den strahlenden Blick hin, den Rico mir schenkt, drücke ich ihn sanft und füge hinzu,“ Als du das erste mal in dieser Gestalt hier warst, hast du dich auch zurück verwandelt, als du entspannt im Bett lagst und ich noch mal raus musste.“

Wir legten uns hin, Rico in meinem Arm und ich mache das Licht aus.
Emma hatte sich auf ihren Schrankplatz zurück gezogen.
Ich lag noch lange wach und starrte in das Dämmerlicht des Zimmers.
Immer den Druck auf meinem Arm spürend.
Dann muss ich wohl doch eingeschlafen sein, denn plötzlich merkte ich, das der Druck sich verändert hatte und ich tastete rasch auf die andere Bett Hälfte.

Die Energie im Raum war normal, wenn man es so ausdrücken kann und ich machte das Licht an.
Rico hatte sich am Fußende zusammengerollt und als ich ihm über den Kopf strich und flüsterte,“Alles wird gut“, schnurrte er und drückte seinen Kopf gegen meine Hand.

1 Kommentar

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Ich überlege auch oft , was meine Katzen wohl zu mir sagen würden , wenn sie denn könnten ...
  • 12.09.2017, 21:57 Uhr
  • 1
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