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Stille und Dunkelheit

Stille und Dunkelheit

14.09.2017, 19:51 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Wie oft, wenn wir den Trubel über haben, wünschen wir uns Stille, Ruhe, Frieden.


Wie oft leiden wir an den nervensägenden Alltagsgeräuschen, am Flackern der Leuchtreklamen, an den Bildern hektisch geschnittener Filme, an all der Geschwindigkeit, die uns als das Leben suggeriert wird.
Dann suchen wir Stille, in Wald und Flur, gehen oder sitzen und lauschen dem Rauschen des Windes, dem Zwitschern der Vögel, diesem eigenartigen Geräusch das der Wind in einem Laubbaum macht.
Und es wird uns friedlich ums Herz.
Wenn uns all das Geglitzer, Geflirre und Geplinker auf die Nerven geht, dann suchen wir die Dunkelheit. Erfreuen uns am leisen Glanz der Sterne, am Spiegeln des Mondes im Wasser, und genießen die Dunkelheit.

Dies alles kann bestimmt jeder nachspüren. Uns alle hat dies schon einmal berührt.

Viele Jahre habe ich im Integrationsfachdienst gearbeitet, Menschen betreut, die auf Grund einer Schwerbehinderung, Schwierigkeiten hatten, ihren Arbeitsplatz zu behalten.
Zuständig war ich auch für eine große Firma die in der Hauptsache Salzbergwerke betreibt.
Oft, eine Zeit lang fast wöchentlich, war ich unter Tage, in der betriebsamen Welt der Bergleute, und habe eine Menge über die Arbeit dort gelernt.
Natürlich musste ich, bevor ich unter Tage durfte, erst mal die ganzen Sicherheitseinweisungen absolvieren.
Umgang mit Grubenlampen, co2-Retter, Sicherheitsvorschriften. Ich fand es spannend und habe gerne gelernt.

Irgendwann wollte meine Familie einmal wissen, was ich denn dort so mache.
Nun gibt es in Merkers ein Bergbaumuseum von K&S und man kann dort einfahren auf 900 m Täufe.
Dahin habe ich Mutter, Frau und Sohn mitgenommen.
Der Förderkorb bewegte sich mit sehr gemütlichen 9 m/s und nicht wie üblich mit 16.
Unten angekommen traf ich einen Mitarbeiter, den ich bereits aus dem aktiven Bergbau kannte.
Die ganze Gruppe wurde mit einem Auto durch das unterirdische Wegesystem karriolt, an den Besichtigungsstellen ordentlich belehrt und betextet und nach 5 Stationen ging es weiter zu einem Kiosk 1116 m unter Tage, Pause.
Ich habe um einen co2-retter gebeten und eine Grubenlampe, und habe mich ein wenig alleine auf den Weg gemacht.
Schon nach 500 Metern war ich so alleine, alleine, wie ich noch nie alleine war.
Grubenlampe aus!
Das war Dunkelheit! Samtschwarz, undurchdringlich, nicht gelockert durch Sternenlicht oder das sanfte Glühen einer fernen Stadt. Eine Schwärze die nicht sichtbar war, weil es nichts gab, was zum Vergleich hergehalten hätte. Eine Dunkelheit die zum Stehenbleiben verurteilte, weil die Stollenwände nicht einmal zu ahnen waren. Eine Dunkelheit, die mich sicher geängstigt hätte, hätte es nicht den Schalter der Grubenlampe gegeben.
Und eine Stille. Kein Wind der einen Hauch erzeugt, kein Vogel der krächzte oder sang, kein fernes Rauschen von Verkehr, einfach nur Stille,. Eine Stille die langsam ersetzt wurde durch das Rauschen des Blutes in den Ohren und das dumpfe Pochen des Herzens, sonst NICHTS.
Eine Stille, die mich ganz auf mich zurückwarf.

Als ich zurückkam, wurde ich von einem grimmig schauenden Kumpel empfangen, der grummelnd Grubenlampe und co2-Retter zurücknahm und mich fragte was ich den gar solange getrieben hätte.
Die Zeit ist mir abhanden gekommen, habe ich ihm geantwortet, und er hat es wohl verstanden.

Doch, meine Familie war auch begeistert, von großen Maschinen, von wirkenden Kräften und besonders vom eigenen Mut sich so tief in den Berg getraut zu haben.

Aber ich.
Wenn ich könnte, eine Wohnung wollte ich da unten, mit all meinen Büchern, mit meiner Musik und meinen Träumen von Frieden und Stille.

06.11.2013
LKM

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23 Kommentare

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Stille kann wohltuend sein, genieße ich gerne, da ich einen "lärmenden" Arbeitsplatz habe. Aber wirklich ganz still ist es ja, denn dann hört man die ganz leisen und fernen Töne und Geräusche.
Absolute Stille kann auch wohl tuen, aber auch ängstigen

Dunkelheit kann umarmend und tröstlich sein, aber auch ängstigen
absolute Dunkelheit ist eher etwas Fremdes, da es das in der Natur sozusagen nicht gibt.

Ich denke, das absolute Dunkelheit, gepaart mit absoluter Stille mich eher ängstigen würde
  • 18.09.2017, 20:42 Uhr
  • 0
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Stille finde ich wunderbar. Ich bin oft genervt von den vielen Geräuschen um mich herum. Wenn es sich um Blätterrascheln, Vogelgezwitscher oder Wasserrauschen handelt, diese Geräusche stören mich absolut nicht, denn sie sind etwas natürliches.
Absolute Dunkelheit kann ich nicht ertragen...
Diese Geschichte ist für mich interessant, denn so tief war ich noch nie in der Erde.
  • 17.09.2017, 15:14 Uhr
  • 0
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Sehr schön geschrieben Leonhard! Aber auch Stille kann man nicht immer ertragen. Man ist an seine Alltagsgeräusche sehr gewöhnt. War dieses Jahr im Schwarzwald in einem kleinen Kaff in Urlaub. Wenn man da aufmerksam gehört hat, hat man nichts gehört. Höchstens Vogelgezwitscher. das war nach einer gewissen Zeit der Freude irgendwie beängstigend. Hier haben wir alles! Fluglärm, Straßenlärm, Kindergeschrei. "Lärm" ohne Ende. Und ich habe festgestellt - ich liebe ihn!
  • 16.09.2017, 10:01 Uhr
  • 0
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Wenn mich Dunkelheit umgibt - denke ich immer an Menschen,
welche nie das Licht/Sonne erblicken können.Stille kann ich auch
anders finden.
  • 15.09.2017, 14:58 Uhr
  • 0
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dunkelheit und stille kann auch bedrohlich sein ,kommt immer drauf an wo man sich befindet
  • 15.09.2017, 10:08 Uhr
  • 0
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Deine Geschichte hat mich beeindruckt,
also gehört zur Stille auch Dunkelheit -
so ein Erlebnis steht mir noch bevor
  • 15.09.2017, 09:47 Uhr
  • 0
Naja, sowohl Geräusch wie Licht sind ja Sinnesreize. Wenn beide wegfallen, dann ist das schon beeindruckend. Und das, was wir für Dunkelheit halten ist ja oft keine. Da ist immer noch ein Schimmer von Sternen oder Mond oder sowas. Aber GARNICHTS das hat was.
Dazu kommt noch, dass da unten übers ganze Jahr angenehme 23° C herrschen und die Luft herrlich trocken ist.
  • 15.09.2017, 09:52 Uhr
  • 0
stimmt Leonhard, so eine Erfahrung
muss unglaublich ergreifend sein.
Und für Rheumatiker usw. sind solche Orte
die reinste Medizin
  • 15.09.2017, 10:38 Uhr
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Hallo..gut beschrieben...der salzige Geschmack auf der Zunge fehlt noch..😀Ich war auch einige Zeit da unten alls noch gefördert wurde..Beruflich..
Sind denn die Stollen jetzt alle offen..zu meiner Zeit waren einge zu gemauert...Richtung ...West..😉
  • 17.09.2017, 14:52 Uhr
  • 0
Du kannst von Merkers bis Hattorf durchfahren! Zugemauert oder mit Planen abgehängt ist nur noch für die Wetterführung.
  • 17.09.2017, 15:08 Uhr
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Und wird dort noch abgebaut..?
  • 17.09.2017, 19:08 Uhr
  • 0
In Merkers nicht mehr, in Hattorf schon. Herfa ist Untertagedeponie.
  • 17.09.2017, 19:15 Uhr
  • 0
Ja Merkers war für mich auch ein Erlebnis...wir sind mit 14m/s da runtet und in der Mitte gab es immer ein Ruckeln..der Schacht hatte sich verzogen..Ja der Retter war schon wichtig..wir hatten Akkulampen..
Die letzten Züge von Merkers...mit allen drum und drann..haben wir per Film festgehalten..bestimmt was man heute sehen kann..?
  • 17.09.2017, 19:41 Uhr
  • 0
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Absolute Stille muss faszinierend sein....
Da ich Platzangst habe wäre es mit mir nicht still gewesen
  • 15.09.2017, 08:05 Uhr
  • 0
Na hömma! Mit mir an deiner Seite, das hättest du locker geschafft. Der Vorteil von weiblicher Klaustrophobie ist, gegen die Neugierde hat sie noch immer verloren!
  • 16.09.2017, 22:05 Uhr
  • 0
Bei mir nicht
Aber mit Dir würde ich es wohl schaffen
Nur die Stille hätte sich dann erledigt
  • 17.09.2017, 06:29 Uhr
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Das scheint wirklich die absolute Stille zu sein, die ich wahrscheinlich noch nie empfunden habe...keine Ablenkung der Sinne...einfach Nichts..
Da kommt man an sein Innerstes...
  • 15.09.2017, 07:38 Uhr
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Richtig, ohne Licht sieht die Hand vor den Augen nicht.
War auch bis 1990, 17 Jahre im Kalibergwerk beschäftigt. Zuletzt sogar 6 Jahre als Leiharbeiter, prima danke 2010.
MfG
  • 14.09.2017, 23:16 Uhr
  • 1
Vor dem Gezähe ist es dunkel!
  • 15.09.2017, 07:21 Uhr
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Ohne Licht sogar dahinter!
Der Berggeist sieht aber trotzdem alles!
MfG
  • 15.09.2017, 19:56 Uhr
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  • 15.09.2017, 20:16 Uhr
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Auch ich war schon in Schaubergwerken und Höhlen ---- aber dort wohnen - und manchmal sogar ohne Licht - in völliger Dunkelheit? Nein danke! Wovon ich träume: eine ganz klare, trockene Nacht und totaler Stromausfall - und ein gutes Fernglas! Und den ungestörten Anblick von mindestens 3000 Sternen!
  • 14.09.2017, 20:56 Uhr
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