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Über den Nutzen von Zweitprofilen

Über den Nutzen von Zweitprofilen

11.10.2017, 16:37 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Den größten Nutzen, den man aus einem Zweitprofil zu ziehen in der Lage ist, erkenne ich in der Möglichkeit, mit sich selbst einen deftigen Streit auszutragen, eine Art 'Ego-Duell'. Da man ja in beiden Profilen zuhause ist, kann man ganz sicher sein, dass man als Sieger aus dem Zweikampf hervorgeht. Der Gefahr, am Ende auch als Loser aus dem Ring zu gehen, kann man mit Leichtigkeit dadurch aus dem Wege gehen, dass man das Verliererprofil einfach löscht – man ist ja schließlich dazu berechtigt – oder es durch mehrfaches und nachdrückliches Melden vom Team löschen lässt.

Das geschilderte Szenario hat noch weitere Vorteile. Ich will versuchen, davon ein paar markante aufzuzeigen:

Liegt man mit dem 'eigenen' Zweitprofil im Clinch, weiß man jedenfalls – anders als sonst üblich - genau, mit wem man es zu tun hat. Man kennt die Schwachstellen des 'Gegners', weiß also, wo man ihn am härtesten und am wirksamsten treffen kann. Und weil man ihn genau kennt, nützt ihm auch keine Finte und kein Ausweichen, weiß man doch im voraus schon immer, wie er sich herausreden, wie er reagieren wird. Und mit großer Leichtigkeit kann man jeden Überraschungscoup des Gegners parieren, Selbst wenn er einmal versuchen sollte, mit einem Schlag 'unter die Gürtellinie' den Kampf zu seinen Gunsten zu beenden, kann ihm das nicht gelingen, Schließlich kennt man 'seinen Pappenheimer' mit all seinen Tricks und Verstellungskünsten. Selbst Lügen werden ihm nichts nützen. Als Profilinhaber erkennt man die sofort, hat man sie doch selbst erfunden.

Das Duell mit sich selbst kann man beliebig in die Länge ziehen oder aber schnell mit einem Ko-schlag beenden, ganz wie es einem gefällt. Man kann sich richtig austoben, ohne Rücksicht auf den Gegner. Sollte es dazu kommen, dass Blut fließt, ist man vor eventuellen Mitleidsgefühlen gefeit, denn schließlich hat man sich ja die Wunden selbst beigebracht. Vorhaltungen von dritter Seite, man habe es in dem Kampf an Fairness fehlen lassen, kann man leicht entkräften, indem man darauf verweist, dass man ja niemandem außer sich selbst Schaden zugefügt habe.

Bekommt man unerwartete Unterstützung von Dritten, kann man sich in jedem Falle darüber freuen. Es tut schließlich immer gut, wenigstens einen Teil des Publikums auf seiner Seite zu haben. Dann weiß man, dass man nicht isoliert ist. Der Applaus von vielen Unterstützern gibt einem das Gefühl, auf der 'richtigen' Seite zu stehen.

Verliert man irgendwann die Lust auf Streit mit sich selbst, gibt es eine einfache Lösung: man 'dreieckt' sich selbst, um sich wieder loszuwerden. Schon hat man seine Ruhe.

Auch wenn man einmal unerwarteterweise in der Debatte unterliegen sollte, bleibt man dennoch Sieger. Man schlüpft kurzerhand in das gegnerische Profil und sonnt sich in dem Bewusstsein, die größere Anzahl von Lws für sich zu gewinnen.

Da man an den entscheidenden Schalthebeln sitzt, kann man die Debatte beliebig manipulieren: man kann sie vorübergehend aufheizen, damit sie auch hinreichende Aufmerksamkeit bekommt, man kann sie in gewünschte Richtungen lenken oder – bei Gefahr der Überhitzung – abkühlen.
Man kann jede beliebige politische Meinung äußern ohne Gefahr zu laufen, dafür zur Rede gestellt zu werden, da man ja immer sagen kann: Ich war's nicht !

Noch einen letzten Vorzug der Methode möchte ich nicht außer Acht lassen: Sie ist ein bewährtes Mittel, die jeweiligen Standpunkte der Mitdiskutanten – sowohl der Unterstützer wie auch der Kontrahenten – sichtbar werden zu lassen. Man erkennt sich also nicht nur selbst besser, sondern auch seine Umgebung. Und häufig genug wird man staunen, was dabei zutage tritt.

Das hier vorgestellte Modell kann man in seinen Auswirkungen auf den Anwender mit den allseits beliebten 'Ego-Shootern' vergleichen, weil es einem das Gefühl gibt, jeder Situation gewachsen zu sein. Da es das Selbstbewusstsein ungemein stärkt, kann man es durchaus als Therapie gegen drohenden Minderwertigkeitskomplex empfehlen.

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36 Kommentare

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Das ist dann das andere Problem. Nikolaus mag keine unartigen Leute - und da es so viele nicht geben kann, ist er der Meinung, alle, die sich nicht so benehmen oder äußern wie er es für richtig hält, sind gar nicht existent - Fakes nennt man das heute - und nur eine Person - multipel also. Damit er sich mit sowas nicht belasten muss, hat er blockiert, was mich darauf bringt, dass auch ich seiner Meinung nach eine von vielen - oder viele von einer sein muss - seiner Meinung nach.
Nach dem bekannten Motto: Resistance is futile - you will be assimilated.
  • 13.10.2017, 21:53 Uhr
  • 0
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Alle Fakes (die bekannte Hühnerschar)
tritt bei diesem Beitrag schon wieder geschlossen auf den Plan.
Kann man sich besser outen?
  • 13.10.2017, 20:53 Uhr
  • 1
Im Gegensatz zu Dir erkenne ich hier Kommentare von Usern aus allen erdenklichen politiscien Meinungsrichtungen. Und genau so war auch mein ironisierender Beitrag gemeint: es sollten sich die angesprochen fühlen, die Zweit- oder gar Mehrfachprofile nutzen, unabhängig davon, welcher 'Gruppe' sie sich zugehörig fühlen.
Es sieht so aus, als ob Du, Nikolaus, der einzige (bisher) bist, der nicht begriffen hat (oder nicht begreifen will), worum es mir ging. Woran mag das liegen? Vielleicht etwa daran, dass ich einen etwas empfindlichen Nerv getroffen habe?
'Geoutet' hast Du Dich dann allerdings selbst.
  • 13.10.2017, 21:29 Uhr
  • 0
Nein, meinen Nerv kann man nicht so schnell treffen,
da zu habe ich viel zuviel erlebt.
Ich bin zwar nocht nicht lange hier, im Gegensatz zu Dir, aber ich beobachte alles ganz genau. Wie sagt man so schön, langsam kenne ich meine Schweine am Gang.
Auch erkenne ich auf Wize.Life ganz bestimmte Strömungen, die nicht nur mir miss fallen, mit Demokratie hat vieles hier wenig zu tuen. Wenn ich so in die sozialen Medien schaue, ist es mit der Toleranz und Meinungsfreiheit hier nicht weit her. Es sei denn man trägt einen roten Schlips oder ist in der linken Ecke vertreten. Liberal ist hier ein Fremdwort.
  • 13.10.2017, 22:23 Uhr
  • 1
Demokratie lebt - per definitionem - von der Vielfalt, von der Buntheit, der Heterogenität, der Inhomogenität der Menschen und ihrer Meinungen und Standtpunkte. Die Demokratie ist ein Produkt der Aufklärung, die den Menschen befreit hat von der Idee, ein funktionierendes und daher manipulierbares Glied einer amorphen Masse zu sein, aus welchem sich die Herrschenden beliebig bedienen konnten, um ihre eigene Machtposition zu erhalten oder zu versstärken. Das war die Geburt des Individuums.
Versuche dieses Entwicklung zum eigenständig denkenden und agierenden ICH zu stoppen oder gar wieder umzudrehen, hat es immer wieder gegeben und gibt es noch. Toleranz und Meinungsfreiheit sind nur möglich, wenn wir einander als Individuen anerkennen, respektieren, und uns nicht vereinnahmen lassen von Ideologien, deren einziger Zweck es ist, uns unserer mühsam errungenen Freiheiten zu berauben. In unserer Welt ist Platz für Milliarden von Individuen, von denen keines irgendeinem anderen gleicht, und die aber dennoch eine große Familie bilden, deren Mitglieder gleiche Chancen und Rechte haben sollten.
Die Zeiten des Tribalismus, in welchen es für das Überleben des Einzelnen wichtig war, einer Sippe, einem Stamm, einem Volk, einer Sprach- und Kulturgemeinschaft oder einer noch größeren, durch lange Tradition einheitlich geprägten Gruppe anzugehören, sind vorbei. Ein Mensch kann im Laufe seines Lebens mit einer ganzen Reihe verschiedener Kulturen, Lebensweisen und Gewohnheiten Bekanntschaft machen. Die Welt ist einfach so klein geworden, dass sich niemand mehr dem Einfluss des 'Fremden' entziehen kann.
Nein, 'liberal' ist bei uns (noch) kein Fremdwort. Es könnte aber eines werden, wenn wir denen nachlaufen, die lauthals verkünden, sich das 'zurückholen' zu wollen, was sie in Wahrheit nie besaßen: IHR Volk, IHR Land.
Dieser Anspruch weckt in der Tat Erinnerungen an den Slogan: 'Ein Volk - ein Reich - Ein Führer'.
Das Ideal der EINHEIT muss von dem der VIELHEIT abgelöst werden.
  • 14.10.2017, 00:34 Uhr
  • 0
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Nach diesem Beitrag überlege ich doch jetzt wirklich ernsthaft, ob ich nicht doch so 2 oder 3 Profile mehr haben sollte....ich streite doch so gerne
  • 12.10.2017, 00:35 Uhr
  • 2
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  • 11.10.2017, 23:11 Uhr
  • 0
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Janusähnlicher Wesen - genau!
Es gibt einen sehr intellektuellen Grund, ein Wortgefecht mit sich selbst auszuüben - zur Freude anderer. Nämlich dann, wenn man selbst wortstark ist und die eigenen Argumente am liebsten mit den eigenen Argumenten widerlegt, die dann wieder mit den eigenen Argumenten ad absurdum geführt werden. Das ist ein Genuss, irritiert extrem und braucht sehr viel Konzentration und sprachliche Fähigkeiten.
Man tut zudem gut daran, orthografische Fehler zu vermeiden - oder auch einen grammatikalischen Fauxpas zu umgehen - sonst wird man von Leuten wie dir, Friedhelm, doch erwischt.
Dann - aber auch nur dann - macht es Freude, mehrfach aufzutreten.
Allerdings muss die Bühne einem gewissen Anspruch genügen und das Publikum in der Lage sein, den sprachlichen Genuss auch aufzunehmen.
  • 11.10.2017, 22:44 Uhr
  • 1
Fernando Pessoa hätte dir sicher zugestimmt. Er hat unter verschiedenen Namen mit sich selbst diskutiert. :
Alberto Caeiro, Ricardo Reis, Álvaro de Campos, Bernardo Soares, Charles James, Alexander Search
  • 11.10.2017, 23:08 Uhr
  • 1
Siehste - sicher in guter Gesellschaft, so mit sich selbst.
  • 12.10.2017, 11:00 Uhr
  • 0
Hört sich trotzdem ein wenig nach schizoider Persönlichkeit an
  • 12.10.2017, 14:51 Uhr
  • 1
Ja - jeder Schauspieler ist so gesehen schizo.
  • 12.10.2017, 15:58 Uhr
  • 1
Das glaube ich nicht, ein Schauspieler schlüpft ja nur in eine Rolle, weiß aber, dass er nicht diese Person ist.
  • 12.10.2017, 16:29 Uhr
  • 1
Huh! Ich kann dir garantieren, als ich das mal spielte, wusste ich genau, wer ich bin und wer nicht, wen ich nur spiele.
  • 12.10.2017, 16:52 Uhr
  • 0
Mal abgesehen davon und im Ernst: gute Schauspieler identifizieren sich durchaus mit ihren Rollen so, dass sie auch mal die Persönlichkeit annehmen - zumindest solange sie spielen. Ist das so viel anders?
  • 12.10.2017, 16:53 Uhr
  • 1
Oh ja, ich denke schon. Ein 'König Lear' weiß zu jedem Zeitpunkt, dass er nicht Lear ist. Gespaltene Persönlichkeiten wissen das nicht.
  • 12.10.2017, 18:01 Uhr
  • 0
Assya - du bist keine Romanschrifstellerin, oder?
Wenn zwei Leute sich unterhalten, bei denen der/die eine alles wörtlich und akkurat genau nimmt und der andere mit Worten Fußball spielt und Bilder malt, dann kann es problematisch mit dem gegenseitigen Verständnis werden.
Da prallen zwei Welten aufeinander. In meinem Kopf kollidieren Bilder. Das tut den Bildern nicht gut - und dem Kopf auch nicht.
  • 12.10.2017, 18:36 Uhr
  • 1
Das kann schon sein, aber das ist doch nicht schlimm, oder?
  • 12.10.2017, 18:42 Uhr
  • 0
Nee, absolut nicht - ich finde es lustig.
  • 12.10.2017, 18:44 Uhr
  • 1
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Klasse, deine Analyse Friedhelm. Ich habe mich köstlich amüsiert!
  • 11.10.2017, 22:44 Uhr
  • 0
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Mich interessiert eigentlich einfach mal aus Neugier wie man sowas überhaupt hinkriegt, ich meine das Anlegen eines solchen Zweitprofils. Ich bin sowas anzulegen zu blöd, allerdings mit mir streiten und in verschiedene Rollen schlüpfen, das müsste ich schaffen.
  • 11.10.2017, 22:42 Uhr
  • 1
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Richtig Friedhelm, die Dualität ist nicht nur als Täuschung anderer gedacht, sondern auch dem Bedürfnis als janusähnliches Wesen sich seine eigene Vielseitigkeit zu beweisen. Für ein solches Verhalten ist ein Forum wie wize.life, der ideale Ort, um sich auszutoben, es sei denn, die Diktion ist verräterisch.
Dir Friedhelm traue ich sogar zu, die Person an der Rechtschreibung zu erkennen und zu entlarven
  • 11.10.2017, 22:34 Uhr
  • 6
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Sehr interessant ausgeschmückt und nichts mehr hinzuzufügen.
Hoffentlich "verheddert " man sich nicht!
  • 11.10.2017, 20:05 Uhr
  • 1
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Ich bin, so denkt der Mehrprofilenutzer, paranoid!
Aber bin ich auch paranoid genug?

So weit ist das ja ganz übersichtlich.
Aber was ist, wenn der Überblick verloren geht, das Profil mit dem Dolch im Gewande .... um dann festzustellen, man hat sich in den eigenen Ar... gestochen?
  • 11.10.2017, 17:49 Uhr
  • 1
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