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Entwicklungshilfe per Rad: „Buffalo“

Entwicklungshilfe per Rad: „Buffalo“

23.10.2017, 13:15 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Ein Fahrrad für 134 Euro, ohne Licht, ohne Schaltung und ohne Vorderbremse – wer kauft denn sowas?
Im Prinzip niemand. Dennoch rollen schon hunderttausende dieser Fahrräder überwiegend über Afrikas Sandpisten. Sechs Werke gibt es mittlerweile dort, in denen die Fahrräder montiert und von dort vertrieben werden – zu besonderen Bedingungen allerdings und aus mehreren Gründen, die für uns eher ungewohnt sein mögen: Dieses Fahrrad sollte wirtschaftliche Säule werden, die Infrastruktur stärken, Fluchtursachen bekämpfen, Bildungschancen erhöhen und den Kampf gegen HIV/Aids verstärken.
Wer dieses Fahrrad haben möchte, muss es nicht bezahlen, jedoch vertraglich eine Verpflichtung über zwei Jahre eingehen.
Die Fahrräder sind sämtlich spendenfinanziert und speziell für ihre Aufgabe konstruiert.
Der Amerikaner F.K. Day schuf mit 24.000 (gespendeten) Fahrrädern Anfang 2005 in Sri Lanka eine Möglichkeit, nach der Tsunami-Katastrophe die dortige Infrastruktur wieder auf die Beine zu bringen. Allerdings war diese Aktion als „Nothilfe“ ausgelegt und musste nur für eine Übergangszeit wirken. Dennoch waren die Erfahrungen daraus erstaunlich und man entschloss sich, diese Aktion dauerhaft auf zunächst Afrika zu übertragen.
F.K. Day verfügte als Mitinhaber des Fahrradkomponenten-Herstellers SRAM über ausreichend Erfahrung. Mit seiner Idee gründete er die World Bicycle Relief (WBR) und konstruierte aus den Sri-Lanka-Erfahrungen heraus ein Fahrrad, das den Anforderungen Afrikas entspricht: Ein verstärkter Rahmen mit einem Gepäckträger für Lasten bis 100 Kilogramm lässt den Transport größerer Lasten oder gar Passagiere zu, pannensichere Reifen helfen auf rustikalen Wegen, Rahmen, Gabel und Speichen sind aus Stahl und einfache, robuste und damit wartungsarme Teile werden verbaut. „Singlespeed“ erklärt aufwertend den Verzicht auf eine Gangschaltung.
Unvorstellbar für unsere Verhältnisse ist es, welche Bedeutung dieses Fahrrad hat. Dieses Fahrrad trägt nicht nur Lasten, sondern auch Schüler in die Schule, Frauen auf den Markt, Arbeiter in die Fabrik, verbessert die medizinische Versorgung und es mindert Fluchtursachen einfach aus dem Umstand heraus, dass es die großen Entfernungen zu minimieren hilft.
Gut 400.000 Fahrräder wurden bisher ausgeliefert. Über 100.000 Schüler konnten mit diesem Fahrrad mobilisiert werden. Die Teilnahme am Unterricht erhöhte sich dadurch um gut 30 Prozent, die schulischen Leistungen stiegen um 60 Prozent.
Bauern oder Unternehmer können mit dem Rad fünfmal mehr Waren in erheblich kürzerer Zeit als zu Fuß transportieren. Milchauern beispielsweise konnten ihre Lieferungen um 25 Prozent steigern. Zudem bringt die Montage der Fahrräder zusätzliche Beschäftigung in die Region – nicht zuletzt dadurch, dass Fahrradmechaniker ausgebildet werden. Bis heute sind es schon über 1200, die Wartung und Reparatur vor Ort sicherstellen. Benötigt werden lediglich übliche Ersatzteile, die mit Standardwerkzeugen montiert werden können. Dazu wurde ein Handbuch entwickelt, das auf Diagrammen und Zeichnungen basiert, damit Mechaniker unabhängig von Sprache und Herkunft ihre Ausbildung absolvieren können.
Auf diese Weise ist das Buffallo-Fahrrad einer der sinnvollsten und effektivsten privaten Entwicklungshilfe-Initiativen.

18 Kommentare

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  • 26.10.2017, 13:21 Uhr
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Super, diese Idee bringt vielen etwas und nicht nur einer kleinen Gruppe!
  • 26.10.2017, 11:56 Uhr
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danke für die Recherche hierfür, Robert. Und die gute "Schreibe".
  • 25.10.2017, 13:09 Uhr
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tolle Sache.
  • 25.10.2017, 13:04 Uhr
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  • 26.10.2017, 11:54 Uhr
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Eine mehr als tolle Idee wie Hilfe zur Selbshilfe funktionieren kann. Einfach und doch sehr effektiv.
  • 25.10.2017, 11:18 Uhr
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  • 26.10.2017, 11:54 Uhr
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Hilfe vor Ort, ist das Einzige was dauerhaft Sinn macht.
Tolle Idee ... danke für die Info, Robert
  • 25.10.2017, 10:32 Uhr
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  • 26.10.2017, 11:54 Uhr
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Wie so oft im Leben, eine Idee die aus der Not geboren wurde fasst Fuss!
Ein gute Lektüre als Start in den Tag
  • 25.10.2017, 10:16 Uhr
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Ein guter Bericht
Und vor allem ist das Ding umweltfreundlich und gesund.
  • 25.10.2017, 06:52 Uhr
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  • 26.10.2017, 11:55 Uhr
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Ich habe vorhin meine schwarze Kursantin danach befragt.
Sie kennt das Buffalo.
Sie meinte, man könne damit aber nur bergabfahren.
  • 26.10.2017, 14:55 Uhr
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  • 26.10.2017, 15:39 Uhr
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das nenne ich mal eine gescheite Entwicklungshilfe!
  • 23.10.2017, 13:20 Uhr
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  • 26.10.2017, 11:55 Uhr
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