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Was von uns bleibt: Menschen, die Spuren hinterlassen

Was von uns bleibt: Menschen, die Spuren hinterlassen

News Team
01.11.2017, 14:21 Uhr
Beitrag von News Team

Jede Generation hinterlässt ihre Spuren. Mitten in der dahineilenden Zeit schaffen Frauen und Männer Beständiges. Unvergessliches. Die Lebensgeschichten dieser Menschen haben uns beeindruckt.


Engagierter Seelsorger: Franz Meurer, ein „Priester der Herzen“

Der katholische Priester Franz Meurer ist ein echtes Kölsches Original und eine lokale Berühmtheit. Geboren und aufgewachsen 1951 in Köln, entscheidet sich „der Kölsche Franziskus“ schon früh für das Priesteramt und engagiert sich seit den 1980er Jahren unermüdlich für sozialschwache Menschen und Familien in Not. In den Brennpunktvierteln Vingst und Höhenberg initiiert er unter anderem Ferienfreizeiten für Kinder und den Betrieb einer Gemeindewerkstatt. Auch eine Kleiderkammer und eine Essensaufgabe entstanden durch seine Initiative, sowie Weiterbildungsmöglichkeiten für Arbeitslose.

Dabei beschränkt Pfarrer Meurer sich keineswegs nur auf die katholische Gemeinde: Er ist ein lauter Verfechter der Ökumene („Ökumene ist doppelt so gut und halb so teuer“) und Toleranz: Der „Don Camilo aus Vingst“ macht mit interreligiösem Dialog, Verteilung von Kondomen, Jugendarbeit und einem klaren Bekenntnis zur Aufnahme von Flüchtlingen keine Kompromisse. Die Würde des Erzbischofs von Köln schlug er dagegen aus: Er widmet sich lieber weiter seinen Aufgaben in der Gemeinde. Mit seinem vielfältigen Engagement beeindruckt und inspiriert dieser außergewöhnliche Mensch und zeigt und füllt das Wort Barmherzigkeit mit Leben.

Der Krankheit die Stirn bieten: Norma Bauerschmidts größte Reise

Eigentlich hätte sich Norma Bauerschmidt in Ruhe zurücklehnen können: Mit ihren stolzen 90 Jahren erwartete die Dame aus Alton (Illinois, USA) ein beschaulicher Lebensabend mit schönen Stunden auf der Terrasse. Doch zwei Schicksalsschläge sollten ihr Leben noch einmal auf den Kopf stellen: Nur zwei Tage nachdem ihr Mann Leo den Kampf gegen den Krebs nach 67 Jahren glücklicher Ehe verloren hatte, bekam Norma selbst die niederschmetternde Diagnose: Gebärmutterhalskrebs im Endstadium. Sie hatte zusehen müssen, wie ihr geliebter Mann trotz aufwändigster Behandlung gestorben war. Deshalb kam für sie eine lebensverlängernde Behandlung nicht in Frage: „Ich bin 90 Jahre alt, ich gehe auf Reisen!“

Gemeinsam mit ihrem Sohn und seiner Lebenspartnerin erfüllte sich Norma einen großen Traum: Auf einem Trip quer durch 32 Bundesstaaten der USA, mit Stopps an 57 verschiedenen Orten fand sie ihre Lebensfreude wieder. Aus der vorher schüchternen, verschlossenen Rentnerin wurde eine echte Abenteurerin. Über eine halbe Millionen Menschen verfolgten ihre Reise auf Facebook. Nach über einem Jahr unterwegs schlief Norma im Kreis ihre Liebsten auf der schönen Pazifikinsel San Juan für immer ein. Normas Geschichte ist ein inspirierendes Beispiel dafür, dass es nie zu spät ist seine Träume zu leben. Es lohnt sich, bis zum Schluss über sich hinauszuwachsen. Denn: Das Leben ist in jedem Alter schön!

Wind of Change: Wie Klaus Meine mit den „Scorpions“ Geschichte schrieb

Heaven is not too far away. Closer to it every day..#klausmeine

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„Take me to the magic of the moment on a glory night where the children of tomorrow dream away in the wind of change.“ So klingt die deutsche Einheit. Und auch international ist „Wind of Change“ von den Scorpions bis heute ein Hit, der sich unauslöschlich ins Gedächtnis gebrannt hat. Denn mit „Wind of Change“ hat Scorpions Sänger Klaus Meine Geschichte geschrieben. Im Sog der Veränderung durch Glasnost und Perestroika erkannte er, dass die Menschen eine Hymne für das neue Freiheitsgefühl brauchen.

Kein Song hat die epochale Aufbruchsstimmung der Zeit so kraftvoll zusammengefasst wie der Scorpions-Hit. Schon 1991 war das Lied die erfolgreichste Single der Welt und ist bis heute die erfolgreichste deutsche Single aller Zeiten.
Klaus Meine lebt ungeachtet seiner Rockstar-Karriere seit 1982 mit Ehefrau Gaby (verheiratet seit 1977!) in Bissendorf in der Nähe von Hannover. Dort ist der gelernte Dekorateur Jahrgang 1948 offensichtlich auch ganz zufrieden: „Hannover ist einfach eine coole Stadt!“ – eine erstaunlich bodenständige Aussage für einen Weltstar, der Spuren im nationalen Gedächtnis hinterließ.

Laufbahn statt Sofa: Ausnahmeleichtathlet Guido Müller

Wenn Guido Müller, Jahrgang 1938, zum Sport geht, dann ist damit kein gemütliches Walken gemeint. „Man braucht Hobbys und Ziele“, sagt Müller und denkt nicht daran aufzuhören. Mit dem Sport begonnen hat er bereits als 11-Jähriger. Damals war 400 Meter Hürdenlauf seine Spezialität. Doch als es für die Olympischen Spiele 1964 nicht ganz gereicht hat, gab Müller den Sport auf. 18 Jahre später wollte er es dann nochmal wissen. Aus dem Hobbysport beim TSV Vaterstetten erwuchs doch noch die ganz große Profikarriere: Allein in der Seniorenleichtathletik holte Müller 135 Meistertitel, stellte 17 Weltrekorde auf, die mitunter seit 30 Jahren halten.

Noch heute räumt er bei Weltmeisterschaften eine Goldmedaille nach der anderen ab. Wie er das macht? Der „schlohweiße Usain Bolt“ gibt sich bescheiden und macht schlicht „eine gute Veranlagung“ und regelmäßiges Training verantwortlich. Der Sportler aus Vaterstetten ist bis heute ein aktiver Profileichtathlet und der schnellste Rentner der Welt. Sein Appell: „Es lohnt sich auch im Alter noch mit Sport anzufangen“. Also runter vom Sofa und Schuhe an! Guido Müller rennt mit gutem Beispiel voran.

Gute Fee am Wochenbett: Hebamme und Ärztin Gertrud Ayerle

Wenn wir an beeindruckende Persönlichkeiten und Lebenswerke denken, dann sollten wir eine ganz besondere Arbeit ins Auge fassen: Die Arbeit von Hebammen ist unschätzbar wertvoll und doch gibt es aufgrund von extrem hohen Versicherungskosten und magerer Bezahlung immer weniger von ihnen. Dr. Gertrud Ayerle vereint sowohl jahrelange Erfahrungen in der praktischen Arbeit als Hebamme, als auch wissenschaftliche Kompetenz als forschende Ärztin im Bereich der Geburtshilfe.

Das besondere an Gertrud Ayerle: Schon früh war ihr Traumberuf „Hebamme in Afrika“, was sie zwischen 1986 und 1990 in Kenias Hauptstadt Nairobi in die Tat umsetzte. Unter den widrigsten Arbeitsbedingungen in den Slums der afrikanischen Großstadt fand sie ihre zweite Leidenschaft: Wissen weitergeben und damit nachhaltig das Leben der Menschen verbessern. Sie ging zum Studium in die USA und lehrte danach Hebammenkunde in Koblenz. Seit der Promotion 2009 forscht sie nun unter anderem an der „Hebammenbegleitung bei der aufrechten Geburt“. Das besondere an der Arbeit von Ayerle: Sie setzt sich aktiv für die Besserstellung des Hebammenberufs und die Entstehung eines eigenständigen Studienganges ein. Angesichts der Schwierigkeiten werdender Mütter eine Hebamme zu bekommen finden wir: Ein großartiges Ziel und tolles Engagement für einen wichtigen Beruf!

Mit Leidenschaft für die Forschung: Onkologe und Kinderarzt Dr. Dietrich Niethammer

Prof. em. Dietrich Niethammer, 1939 in Leipzig geboren, ist mit Sicherheit ein Ausnahmemediziner. Im Laufe seiner Karriere hat er nicht nur zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten für Krebs und Bluterkrankungen wie der seltenen aplastischen Anämie entwickelt, sondern auch die Kinderonkologie in der Universitätsklinik Ulm mit aufgebaut. Und Niethammer ist mehr als Arzt und Forscher. Er ist mitfühlender Mensch geblieben und engagiert sich dort, wo sich die größten Dramen für Familien abspielen, wo unfassbar viel Leid und Emotion zu verarbeiten sind: in der Sterbebegleitung für Kinder.

Dietrich Niethammer setzt sich für mehr Pflegepersonal ein und arbeitet im Ethikrat an schwierigen Fragen zur Sterbebegleitung. Auch wenn Eltern ihren Kindern die schlimme Nachricht oft ersparen wollen, wirbt er für einen offenen Umgang mit der Krankheit den Kindern gegenüber. Angehenden Ärzten und auch Eltern rät er: „Immer ehrlich sein. Keine Ausreden vorbringen.“ Kinder wüssten oft schon selbst, was passieren wird. Für seine Arbeit ist er bereits mit zahlreichen Ärztepreisen ausgezeichnet worden.

Deutschland erstes Topmodel: Vera Gräfin von Lehndorff war „Veruschka“

Es war einmal ein kleines Mädchen, das alle anderen überragte und vom schüchternen Kind zu Deutschlands erstem Topmodel wurde: 1939 in Königsberg (heute Kaliningrad, Russland) geboren, war seine Kindheit von den Kriegs- und Nachkriegswirren überschattet. Der Vater Heinrich von Lehndorff leistete den Nazis Widerstand und wurde deswegen hingerichtet.

Nach dem Krieg erzog die Mutter Gottliebe das Mädchen und ihre drei Schwestern alleine und wuchs in verschiedensten Flüchtlingslagern auf. Doch als junge Frau wurde die 1,90 Meter große Schönheit in Italien, wo sie als Malerin lebte, von Model-Agenten entdeckt – und aus Vera wurde „Veruschka“.

Neben der Tätigkeit als international erfolgreiches Supermodel spielte sie in einigen Filmen mit (u.a. Blow Up, 1966), Ihr Gesicht prägte die 60er Jahre. Mit dem Modeln machte sie schon 1972 auf dem Höhepunkt ihrer Karriere Schluss. Aus „Veruschka“, dem bestbezahlten Model der Welt, wurde wieder Vera Lehndorff. Von da an blieb sie als Malerin aktiv, experimentierte mit Körperkunst und Bildhauerei. Die außergewöhnliche Familiengeschichte und Traumen der Kindheit verarbeitet sie bis heute – und zeigt, dass wir über die Vergangenheit nicht schweigen dürfen. Ihr Schicksal steht für ungezählte Nachkriegsschicksale – sie hat ihr Leben in ein Kunstwerk verwandelt und bleibt als Ikone im Gedächtnis. Heute lebt sie in Berlin.

wize.life sammelte hier Lebensgeschichten von Menschen, die euch beeindruckt haben. Es geht um bekannte, aber auch um stille Helden, die Außergewöhnliches leisten, ohne sich dauernd damit zu Markte zu tragen.

Diese Würdigung besonderer Leben veröffentlicht wize.life in Kooperation mit Vamos. Der Marken- und Bequemschuhspezialist ist überzeugt, dass jede Generation eigene Spuren hinterlässt.


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