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Die Geschichte einer Veränderung und die Gedanken dazu

02.11.2017, 20:47 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Ich hatte heute mein Abschlussgespräch im Krankenhaus.

Zeit Resume`zu ziehen.

2 Magen Op´s
4 Vorbereitungs- Op´s zur Wiederherstellung
11 Wiederherstellungs- Op´s

Zwischen Anfang und Ende liegen 7 Jahre und 130kg Gewichtsverlust.

Sept 2009 Die erste Magen Op.
2012 die 1. Bauchdeckenstraffung. Zuvor beginnend knapp 3 Jahre Kampf mit der Krankenkasse dass sie die anderen Wiederherstellungs- Op´s übernehmen inklusive Fettabsaugen vom Lip Ödem. Die Genehmigung für alles kam dann 3 Tage vor dem Gerichtstermin des Sozialgerichtes. Komplette Übernahme für alles. Die dachten wohl, ich gebe auf..... Es ist nicht meine Art aufzugeben! Auch da nicht.
Im Juni 2014 ging es dann richtig los im 3 Monatstakt Im Oktober 2016 dann die letzte und größte von insgesamt 11 Wiederstellungs- Op´s.Und klein war keine von allen. Es war jedes mal eine Kombi Op, weil Fettabsaugen nebenbei immer ging. Und Fett absaugen allein reicht normal schon als Baustelle. Man kann es gar nicht richtig genießen und wertschätzen, wenn nebenbei Brust, Bauch, Oberarme oder Rücken gemacht wird....ironie off.

Insgesamt waren es 7 Jahre und 130kg weniger. Davon 17,5 kg Fettabgesaugt und Hautüberschuß wegoperiert. Es blieben 5,5 Meter Narben. Die an manchen Stellen eigentlich doppelt zählen, weil der Bauch insgesamt 3 x gemacht bzw 2 x nachkorrigiert wurde und die Oberschenkel und Oberarme 2 x gemacht wurden. Für mich war letzteres die Harte Art abzunehmen. Wobei das vorher war auch nicht ohne.....

Ein Marathon.

Brachte mich körperlich und Psychisch an meine Grenzen und ich war mehr als einmal zwischendrin drauf und dran alles hinzuschmeißen und aufzuhören. Ich hatte und habe ja schließlich noch eine andere Lebensaufgabe. Die Op´s liefen genau genommen „nebenbei“.
Aber ich hatte ein Ziel und das steuerte ich an. Unerbittlich, bis zum bitteren Ende.

Ich habe das größtenteils alleine gewuppt. Zum Schluss, ab ca der Hälfte blieb keiner mehr übrig. Nein, mich macht das nicht traurig. Es macht mich stolz, dass ich es trotzdem geschafft habe und hat mir die Augen geöffnet für so manchen meiner Zeitweisen Wegbegleiter, die irgendwann aus welchen Gründen auch immer weg waren. Oft ohne ein Wort. Aber das waren die, welche mich am meisten gestärkt haben. Bei manchen, weil sich Wege einfach manchmal trennen, weil jeder seine eigenen Baustellen hat und sich auf sich selbst konzentrieren muss. Wer weiß, vielleicht findet man irgendwann wieder zusammen. Allen anderen trauere ich nicht nach. Sie waren wichtig. Für vieles bin ich dankbar, wenn es auch im Nachhinein manchmal einen bitteren Beigeschmack hat. Ich habe gelernt daraus und das ist das, was wichtig ist.

Heute bin ich froh, dass es geschafft ist. Lehne weitere mögliche „Kleinigkeiten zu richten“ ab zu operieren. Es ging mir nie um Schönheit. Die ist eh nicht mehr herzustellen, wenn die Haut so belastet und überdehnt war. Wer was anderes hofft, ist einfach unrealistisch.
Es ging mir in der Hauptsache darum meinen Anblick halbwegs ertragen zu können und die Schmerztherapie für das Lipödem absetzen zu können. Die Aussicht auf die nächste Stufe mit Opiaten machte mir einfach nur Angst.
Das habe ich geschafft. Ich nehme keine Medikamente mehr, brauche zumindest momentan keine 3 Termine zur Lymphdrainage mehr, und sehe so aus, dass ich nicht mehr selbst vor mir wegrennen muss. Also braucht es auch keine weiteren Schnibbellleien mehr.

Ich habe fertig!!

Ob ich das heute noch einmal so machen würde? Ich denke schon. Allerdings mit dem Wissen von heute und dem erlebten....ich glaube ich würde es nicht noch einmal angehen.
Heute hätte ich die Kraft dazu nicht mehr und ich hoffe, dass nichts gleichwertiges noch einmal auf mich zukommt.

Und so auf dem ganzen Weg macht man sich so seine Gedanken über Gott und die Welt und die Menschen. Man beobachtet, man lebt ja nebenbei.

Es gibt so ein paar Sachen, die ich meinen Mitmenschen gerne ans Herz legen würde.

An die „Dicken“ Menschen appelliere ich

Lasst euch nicht verrückt machen!
Solang ihr euch wohlfühlt und beweglich und gesund seit. Bleibt wie ihr seit!
Mein Wohlfühlgewicht lag bei unglaublichen 125kg. Ich habe die 2. Op den Magenbypass nur machen lassen, weil es hieße, dass Wiederherstellungs- Op´s logischerweise nur einmal genehmigt werden und ja nicht sicher war, dass es bei dem Gewicht bleibt.
Ich habe mich überreden lassen und habe es sehr bereut. Ein Magenbypass hat für Menschen die Medikamente nehmen durchaus auch Nachteile und wenn man dann wie ich, nicht richtig aufgeklärt wurde, dann kann das durchaus sehr negative Auswirkungen haben.

Es muss jedem klar sein, der sich mit dem Gedanken beschäftigt sich eine Magen Op machen zu lassen, dass jede Klinik ein rein wirtschaftliches Interesse hat diese Op´s zu machen. Keine Klinik macht das, weil sie euch ein schöneres Leben bescheren wollen. Sie machen das um Geld zu verdienen. Und nein, da gibt es nichts zu beschönigen. Sie werden euch alle Atteste und Gutachten ausstellen die ihr braucht, sofern sie auch nur die geringste Aussicht sehen, dass die Op von der Krankenkasse genehmigt wird, oder noch besser, selbst bezahlt wird.. Aus genau diesem Grund. Natürlich gibt es kranke Dicke Menschen, die keine andere Wahl haben. Aber das ist ein anderes Gebiet und tatsächlich medizinisch notwendig. Aber das ist nicht die Mehrheit derer die operiert werden. Jeder Dicke der abnehmen will und denkt, dass die Magen Op´s ein bequemer Weg sind um dies zu tun, der irrt gewaltig und es ist mittlerweile oft genug nachgewiesen, dass der Weg der Op´s mindestens wenn nicht sogar mehr Disziplin erfordert und auch genau so lange dauert. Mein Weg bis zum Ende ging ganze 7 Jahre.
Es ist lediglich nur eine Umverteilung der Maßnahmen.

Sollten die Beweggründe eine sich einer Op zu unterziehen, die sein, dass man anerkannt werden will, mehr wertgeschätzt zu werden , vielleicht die Chancen auf mehr soziale Kontakte, einen Lebenspartner zu erhöhen. Lasst euch sagen, dass der Mensch bleibt. Die Hülle verändert sich aber ihr bleibt dennoch die Selben.
Die Menschen, die euch ablehnen, weil ihr dick seit, sind Oberflächlich. Denn die Hülle ist nicht das was zählt. Die Menschen die euch als „Dünne“ ansprechen, hätten die euch als Dicke angesprochen? Und wenn nein, wollt ihr solche Oberflächlichen Menschen um euch haben?

Ich nicht! Danke ich verzichte.

Ein „alter“ Bekannter sagte zu mir: Wenn ich gewusst hätte, dass du einmal so aussehen würdest, hätte ich dich wohl damals gewollt. Wir können ja mal was zusammen unternehmen“
Was ich geantwortet habe? Leck mich! DU hättest mich damals nicht verdient und heute erst Recht nicht!

Es ist erschreckend, wenn man Menschen kennenlernt, die meine Geschichte nicht kennen und wenn man dann so unverfänglich zufällig auf das Thema dicke Menschen kommt und deren Meinung und Einstellung erfährt. Momentan verzichte ich auf sämtliche weitere neue Menschen in meinem Umfeld. Diese Oberfläche Intoleranz die auf so vielen Gebieten des Miteinanders um sich greift ist mir ein Greuel. Dann bin ich lieber mit mir alleine Glücklich und zufrieden. Ich brauche niemand der mir meine wertvolle Zeit mit mir stiehlt und meine Energie raubt für seinen Egoismus.
Nein, für diese Menschen bin ich meinen Weg nicht gegangen. Ich bin ich für mich und nur für mich gegangen. Dass ich meine jetzige Lebensaufgabe, dick hätte nie meistern können, das wusste ich am Anfang noch nicht. Das ergab sich erst auf dem Weg.

Allen normalen Menschen möchte ich sagen, dass es zuweilen sehr hilfreich ist Toleranz nicht nur für sich zu fordern und für sein Leben, sondern sie auch anderen gegenüber zu Leben.
Wenn jemand mit dicken nicht kann oder will, dann ist das eine Sache. Eine andere ist es Menschen zu bewerten, beleidigen und abwerten.

Die wenigsten von euch kennen die Geschichte des Menschen, den sie Abwerten. Keiner ist grundlos dick oder noch mehr krankhaft dick.
Klar gibt’s viele, die dem Essen zu sehr frönen. Oft ist es in einem Bereich der zumindest kontrolliert werden sollte aus medizinischen Gründen. Aber es steht niemandem zu zu Urteilen.

Ich kenne alle Argumente von euch. Von „zu schwach“ bis nicht konsequent, von ekelhaft anzusehen bis eine Katastrophe für die Gesellschaft weil finanziell belastend durch hohe Gesundheitskosten. Letzteres Argument hinkt, denn da gäbe es noch viel mehr Dinge zum Vergleich, welche das System belasten und kommentarlos hingekommen bzw Gott sei denk mittlerweile akzeptiert, nicht mehr diskutiert werden.

Es ist an der Zeit, dass die Menschen achtsamer mit sich umgehen. Auch wenn es Utopie ist, Es macht Sinn und ist richtig im Kleinen damit zu beginnen.

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5 Kommentare

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Sehr bewegend

Die meisten Menschen sind leider viel zu oberflächlich und stecken Andere teilweise schon aufgrund des Äusseren in eine Schublade, machen sich gar nicht die Mühe, den Menschen näher kennenzulernen.

Ja, und wahre Freunder erkennt man, wenn man in Not ist und sie braucht. Da bleiben meist nicht mehr Viele übrig. Nicht immer schön und ab und an eine schmerzliche Erfahrung, aber auch lehrreich..

Dir wünsche ich alles Gute !
  • 04.11.2017, 09:51 Uhr
  • 0
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Andrea meine Hochachtung
LG Ela
  • 03.11.2017, 14:54 Uhr
  • 1
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Ein sehr ehrlicher und auch mahnender Beitrag
Danke für deine Offenheit 👍
  • 03.11.2017, 07:38 Uhr
  • 1
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Liebe Andrea,ich bewundere deinen Mut für diesen ehrlichen,aufrichtigen Beitrag.Was du durchgemacht hast alle Achtung.Hoffe für dich das sich deine ganzen Schmerzen gelohnt haben und du jetzt in Ruhe und Frieden leben kannst.In diesem Sinne alles Gute,Karin aus Thüringen!!
  • 02.11.2017, 21:50 Uhr
  • 1
Vielen dank liebe Karin
  • 02.11.2017, 21:58 Uhr
  • 1
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