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Lebensläufe - Schicksale

18.03.2018, 16:44 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Es war ein paar Jahre nach Kriegsende. Die Mädchen waren im Krieg geboren und nun mußten sie eingeschult werden. Erika, Helli und Brigitte. Sie kannten sich vorher nicht.
Aber nun begann die Schulzeit und es ging ihnen die ganzen Schuljahre hindurch mal gut, mal nicht so gut.
Erika, sie war das jüngste Kind von 8 Geschwistern. Ein Nachzügler. Die Mutter war mit ihnen aus dem Egerland vertrieben worden und kam nun ohne Hoffnung in dieser Stadt an. Der Vater war vermißt. Sie war ausgezehrt und nicht mehr so gesund. Aber man hat sich eingerichtet und es ging irgendwie. Die älteren Kinder fingen an, sich Lehrstellen zu suchen und konnten mit dem mageren Lehrlingsgehalt schon ein bisschen helfen, die Familie zu unterstützen.
Erika durchlief die Schule und machte ihren Abschluß. Sie war 15. Da starb die Mutter. Ja, was soll nun aus ihr werden? Die Geschwister saßen zusammen und haben beschlossen, wer soll sie nehmen? Keiner! Alle wollten in ihrem aufgebauten neuen Leben nicht durch eine kleine Schwester gestört werden. Also beschloß man, Erika geht in die Schweiz, dort werden Haushaltshilfen gesucht. Sie ging also.
Es hat niemanden interessiert, wie es der Kleinen dort ergangen ist.
Heute, nach all den Jahren muß sie viel daran denken. Wie hat man sie dort ausgenutzt und sie viel arbeiten lassen. Sie war auf sich allein gestellt. ........
Dann hatte sie einmal Glück, sie lernte ihren Mann kennen, hat geheiratet und Kinder bekommen und lebt noch heute mit ihrem Mann, den erwachsenen Kindern und Enkelkindern zufrieden in der gleichen Stadt.

Helli war 6 als ihr Vater aus der Gefangenschaft heimkam. Es war für sie nicht einfach, jetzt auf einmal einen Vater zu haben. Vorher gab es nur Opa und Oma und die Mutter. Und dann dieser Fremde. Aber man gewöhnte sich. Dann ist irgendetwas passiert und in der Ehe der Eltern gab es nur noch Krach. Man ließ sich scheiden und Helli blieb bei der Mutter. Diese war sehr kapriziös und fühlte sich nach ihrer Scheidung durch das Kind in ihrer Freiheit beschnitten. Zudem starb die Großmutter, zu der sich Helli immer flüchten konnte.
So hat auch sie die Schule beendet und danach eine weiterführende Schule besucht und einen guten Beruf erlernt. Die Mutter wollte ein neues Leben anfangen und da war die Tochter einfach im Weg. Ihr wurde nahegelegt, nach Süddeutschland zu gehen und dort ihr Glück zu versuchen. Das hat sie getan, mit 18 und einem Koffer ist sie in eine Stadt im Süden gefahren. Hat dort ein möbeliertes Zimmer genommen und sich Arbeit gesucht. Mit der Mutter hatte sie nur brieflich Kontakt. Sie hat einen Mann gefunden und geheiratet. Mit Fleiß und Weiterbildung hat sie es auch zu etwas gebracht und ist mit ihrem Leben ganz zufrieden. Ihrer Mutter geht es altersmäßig nicht mehr so gut und sie überschüttet die Tochter mit Vorwürfen, dass sie sich nicht um sie kümmert und sie nicht besucht und für sie da ist.
Brigitte kam von Haus aus aus einer betuchten Familie. Der Vater war Direktor eines größeren Unternehmens. Schon in den ersten Schuljahren - kurz nach dem Krieg - wurde sie mit Vaters Auto zur Schule gebracht. Sie selber blieb aber auf dem Teppich und war eine beliebte Mitschülerin.
Nach der Schulzeit durfte sie studieren und nahm einen künstlerischen Beruf an. Sie lernte einen jungen Amerikaner kennen und wollte ihm in sein Heimatland folgen. Die Eltern waren entsetzt. Der Vater bot ihr ein Haus, ein Auto, Anteile an seiner Firma, wenn sie nur bliebe. Aber sie hat sich entschieden und folgte dem Mann, den sie auch heiratete und mit ihm Kinder hatte.
So gut lief diese Ehe leider nicht. Nach der Scheidung lernte sie einen Mann aus einer karibischen Insel kennen und es wurde die große Liebe. Sie haben geheiratet und sie hat sich eine vielbesuchte Galerie aufgebaut. Sie leben nun seit vielen vielen Jahren glücklich zusammen.
Ich schreibe das, weil diese drei Mädchen, die inzwischen alte Frauen sind, sich im nächsten Jahr treffen werden. Die Flugkarten / Fahrkarten sind schon geordert. Ich wünsche den Dreien ein glückliches Zusammentreffen und viel Muße für ihre Erinnerungen.

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4 Kommentare

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  • 20.03.2018, 16:37 Uhr
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Liebe Margret, du schreibst: es ging ihnen gut und mal nicht so gut. So ist das Leben, wer hat gesagt, dass es einfach ist. Sie haben sich durchgekämpft, weil sie es schon früh lernen mussten. Wenn sie sich nun treffen gibt es bestimmt viel zu erzählen.
  • 19.03.2018, 09:36 Uhr
Richtig, Marga, das Treffen ist inzwischen gewesen. Nach über 60 Jahren. Da gab es wirklich viel zu erzählen. Das "es ging ihnen gut und mal nicht so gut" habe ich vereinfacht geschrieben, weil ich nicht in die Einzelheiten aus Rücksicht auf die Damen eingehen wollte. Richtig ist, es ging allen dreien im Leben oft ausgesprochen schlecht.
Nun war es eine große Freude, sich nach 6 Jahrzehnten wieder zu sehen. Danke für Dein Interessse.
  • 19.03.2018, 13:33 Uhr
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Schöner Rückblick Margret
  • 19.03.2018, 05:22 Uhr
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