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Oooh, du schöner Odenwald

23.11.2017, 06:24 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Kapitel I

An einem schönen Frühlingsnachmittag saß ich in meinem bequemen Holzwippliegestuhl in unserem Vorgarten und schaute in die Luft. ‚Wie wunderbar, es wird wieder Frühling, die ersten grünen Blattspitzen schauen schon aus den Ästen der Bäume, und die Luft riecht frisch und manchmal kann ich auch einen Hauch Blütenduft riechen!‘ Nach jedem Winter, der mir manchmal unendlich lange erscheint, freue ich mich über den nahenden Frühling, denn der vermittelt mir ein Gefühl von ... es geht weiter und aufwärts. Der manchmal doch sehr triste und kalte Winter ist nun endlich vorbei.
Ich schaute auf meine Uhr und überlegte, dass mein Mann Waldemar nun auch bald kommen müsse. Mein Mann hat eine Großhandlung für Süßwaren und Spirituosen. Da er seine Kunden täglich besucht (natürlich nicht jeden Tag die selben) – er fährt mit seinem großen Mercedesbus jeden Tag los – hat er auch oft viel von und über sie zu erzählen. Ich denke, seine Kunden unterhalten sich manchmal auch ganz gern mit ihm über ihre kleinen und größeren Probleme, denn er ist offen und hört meist auch interessiert zu – es sei denn, er hat Hunger oder Kopfschmerzen (was leider auch öfter einmal vorkommt, meistens wegen des unbeständigen Wetters bei uns im Rhein-Main-Gebiet).

Als er an diesem Spätnachmittag nach Hause kam erzählte er mir: „Meine Kundin Frau Blumenkohl hat gerade gesagt, dass der Mann von Frau Öhmchen gestorben ist.“ - Dazu muss ich kurz erklären, dass Frau Öhmchen etwa Mitte Dreißig ist und ihr Mann ungefähr 20 Jahre älter; jetzt muss ich wohl sagen: war. Er war – so weit ich ihn kennen gelernt habe – ein ganz netter und lustiger Mensch, machte für meinen Geschmack allerdings ein bisschen sehr auf jugendlich, er hatte sich eine Haarsträhne länger wachsen lassen, die hing ihm dann etwas dünn und kringelig auf seine schmalen Schultern. Vermutlich wollte er damit seiner so viel jüngeren Frau gefallen und imponieren. Nun ja, ich weiß auch nicht so genau was in den Männern so vor sich geht. Kann ja auch sein, dass er damit überhaupt hoffte bei der Frauenwelt aufzufallen. – Mein Mann Waldemar meint in solchen Fällen manchmal: „Von wegen die Männer. Das gibt’s doch gar nicht, schau mich an, ich bin nicht alle Männer. Bin ich nicht ein gelungenes Exemplar!“ –
Also Herr Öhmchen, sein Vorname war Karl, war nicht sehr groß, knapp 1,70 m und schlank. Seine Frau Gerlinde ist schlank, um nicht zu sagen schmal, was aber nicht bedeutet, dass ihr die entsprechenden weiblichen Rundungen fehlen. Sie ist ebenfalls nicht sehr groß, vermutlich so etwa 1,60 m. Und jetzt ist sie auch noch Witwe. Erwähnen sollte ich auch noch, dass sie eine leichte Gehbehinderung hat, die allerdings kaum auffällt. Nur manchmal, wahrscheinlich wenn sie an diesem Tag schon viel gelaufen ist, dann hinkt sie etwas. An anderen Tagen fällt es überhaupt nicht auf.
Ich kannte das Ehepaar Öhmchen ein bisschen besser als andere Kunden bzw. Kunden von Waldemars Kunden, da sie in unserer unmittelbaren Nachbarschaft wohnen und ich Frau Öhmchen manchmal beim Einkaufen traf. Wenn wir dann beide noch etwas Zeit hatten, dann gingen wir in unserem kleinen und neuen Café einen Cappuccino trinken und unterhielten uns. Sie erzählte mir dann auch von ihrer Schwiegermutter, die mit ihnen im gleichen Haus lebt.

Die Schwiegermutter ist 76 und fährt gerne, aber nach Gerlindes Meinung unsicher, Motorrad. Sie, die Schwiegermutter, meint, dass sie dies an ihre Jugendzeit erinnert und es einfach herrlich ist, wenn einem der Wind um die Nase fegt. Sie mag es durch den Odenwald zu brausen, zum Beispiel Richtung Michelstadt durch das schöne Kainsbacher Tal. Hier stehen die Kühe noch auf der Weide und auch die Pferde kommen im Frühjahr raus. Sie findet es - genau wie ich – schön, wenn das erste frische Grün zu sehen ist. Bei solchen Gelegenheiten denke ich dann manchmal: noch ist nicht alles zu spät, alles wächst und blüht wieder. Das hat etwas beruhigendes für mich.
Also, wie schon gesagt, die Schwiegermutter fährt gern Motorrad und manchmal trifft sie sich in der Odenwälder Brauerei mit ihrem alten Schulfreund, der kommt dann mit seinem etwas betagten, aber noch gut erhaltenen Golf. Er kann es einfach nicht verstehen, dass seine alte Freundin Motorrad fährt! Nachdem sie etwas Gutes gegessen haben, gehen sie zusammen im Wald spazieren. Im August gehen sie dann auch manchmal „in die Heidelbeeren“. Ich habe das auch einmal mit Waldemar machen wollen, nachdem er mir erzählt hatte, dass er in der Nähe der Brauerei einen schönen Platz im Wald kennt wo man Heidelbeeren in rauen Mengen findet. Ich glaube allerdings, dass diesen Platz im Umkreis von 30 km fast jeder kennt.
Bei einem dieser gemeinsamen Spaziergänge fragte Hugo Hoffmansthal Frau Öhmchen senior: „Sag‘ mal Brunhilde, warum ziehen wir Beiden eigentlich nicht zusammen? Du bist nun schon seit langem Witwe und ich bin auch wieder allein...“ – „Weißt du Hugo, ich weiß nicht ob das eine so gute Idee ist. Wir sind es doch auch beide gewöhnt allein zu leben. Ich glaube fast, es würde mich stören, wenn ich morgens nicht in Ruhe meine Zeitung lesen könnte. Oder wenn ich deine schmutzigen Socken sortieren und waschen soll, ganz zu Schweigen davon, dass ich überhaupt keine Lust hätte sie zu stopfen.“ – „Aber das brauchst du doch auch alles nicht. Ich kann meine Socken sehr gut allein waschen. Und wer stopft heute schon noch Socken!“ meinte er etwas verschnupft. „Ich dachte ja nur, dass es schön ist, nicht so oft allein zu sein. Aber du hast ja deine Kinder im Haus wohnen, da ist das ja sowieso was anderes." „Nun ja, so oft sehe ich die nicht. Und wieso Kinder? Ich hab doch nur einen Sohn. Meine Schwiegertochter ist doch nicht mein Kind. So kühl wie die manchmal zu mir ist. Eine richtige Tochter wäre da sicherlich ganz anders, bestimmt viel liebevoller und fürsorglicher.“ – „Bist du dir da so sicher? Bei der Mutter kann ich mir das nicht so recht vorstellen.“ – „Sei vorsichtig, was du sagst! Du bist jetzt beleidigt und verletzt, weil ich nicht sofort freudig auf deinen Vorschlag eingegangen bin. Aber so etwas muss man sich doch in aller Ruhe überlegen. So schlecht ist die Idee ja gar nicht. Aber jetzt muss sich das bei mir erst einmal setzen! – Schau doch nur wie schön das dort vorne aussieht. Da scheint die Sonne durch die Bäume und Tausende kleiner Lichter sprühen über die Wiese. Komm lass uns hier ein bisschen rasten. Wie schön, dass du deine Decke mitgenommen hast. Das Gras ist ganz wunderbar weich und dicht, da können wir uns doch bequem ein Weilchen hinlegen.“

--

Heute Abend wollte ich für Waldemar und mich einen schönen und gemütlichen Abend machen. Hoffentlich war ihm auch so danach wie mir. Für mich heißt dies, ich koche etwas Gutes und besorge ein oder zwei Flaschen Wein, decke den Tisch und mache ein bisschen freundliche Konservenmusik. Als Erstes ging ich den Vorratsschrank in der Küche durch: es waren genug Nudeln da. Ich wollte nämlich Nudeln – am Besten wohl Spagetti (meine Lieblingsnudeln) – kochen. Im Keller fand ich auch noch eine Flasche badischen Rotwein, ich trinke momentan am liebsten deutschen Wein, nun ja dies kann sich auch wieder einmal ändern. Nun überlegte ich, was ich für eine Soße machen könnte. Außerdem beschloss ich, auch noch einen Salat zu besorgen, denn leider waren die gepflanzten Salatchen im Garten noch sehr klein.
Ich ging in Gedanken mein Lieblings-Kochbuch durch und da fiel mir auch schon ein Soßenrezept für die Nudeln ein, dafür brauchte ich eine Hand voll Pinienkerne, Olivenöl, ein oder zwei Knobizehen, Basilikum, Pekorino (Parmesan-Käse schmeckt mir nicht, der wird aber leider fast in jedem Rezept angegeben - egal) gerieben, Tomaten und z. B. Schollenfilet. Aus den Pinienkernen, dem Olivenöl, dem Koblauch und den Basilikumblättern machte ich die Soße, indem ich alles pürierte. Zum Schluss gab ich noch den Pekorino und etwas Pfeffer und Salz dazu. Ich beschloss nun keine frischen Tomaten zu nehmen (ehrlich gesagt, ich habe keine Lust Tomaten zu überbrühen und dann zu schälen), sondern eine Dose Tomaten aufzumachen. Gut so weit mit den Vorbereitungen. Nun schwang ich mich auf mein Rad, es war schon nach 16:00 Uhr, sicher würde Waldemar in etwa einer Stunde von seiner Tour nach Hause kommen. Bei unserem kleinen, aber gut sortierten, Fischhändler erstand ich ein größeres Schollenfilet. Dann besorgte ich noch einen Kopfsalat und strampelte wieder nach Hause. Jetzt konnte ich ja schon damit beginnen den Tisch zu decken. Als Erstes suchte ich einen Kerzenständer aus, es sollte eine etwas höhere schlanke Ausgabe sein. Ich nahm den Schmalen aus Glas, hierfür hatte ich auch noch eine gelbe Kerze. Dann kamen die Stoffplatzdeckchen (mit großen, total echt aussehenden Erdbeeren bedruckt) auf den Tisch. Ein oder zwei CD’s mit schöner ruhiger Musik legte ich ebenfalls bereit. So und nun noch die Teller, das Besteck und zwei Gläser.
Ich begann den Kopfsalat zu putzen und zu waschen und machte hierfür eine Soße aus Weinessig, Olivenöl, Zwiebelstückchen und Petersilie und schmeckte das Ganze mit Pfeffer und Salz ab. Warum gab es eigentlich heute in den meisten Lokalen nur noch Salatsoßen, die man fertig aus der Flasche über den Salat kippt? Zum Glück nicht so bei unserem kleinen Italiener, bei dem wir ab und zu Essen gehen. Nun war es schon fast 18:00 Uhr und Waldemar war immer noch nicht da. Wo blieb er denn nur? Ich hatte nun wirklich schon Hunger. Etwa eine viertel Stunde später hörte ich seinen Wagen in den Hof fahren. Na endlich! Ich ging nach Draußen um ihn zu begrüßen. „Stell dir vor, was mir heute passiert ist“ sagte Waldemar. „Ich hab keine Ahnung, was war denn?“ fragte ich ihn. „Also auf der Straße nach Lampertheim ist mir doch mein Auto kaputt gegangen. Es fing fürchterlich an zu qualmen und ich konnte nicht mehr schneller als 60 km fahren. Zum Glück ist meine Werkstatt nicht so weit entfernt gewesen, noch ungefähr 10 km. Ich bin also ganz langsam dort hin gefahren und hab mir immer wieder gedacht: Hoffentlich schafft es die alte Karre noch. Als ich dann endlich in der Werkstatt ankam, haben sie dort gleich danach geguckt. Was ein Glück. Sie meinen der Turbo wäre im Eimer. Der Mechaniker konnte es mir erst einmal notdürftig reparieren. Aber ich muss das Auto unbedingt morgen wieder hinbringen. Da musst du dann leider wieder einmal mitfahren, damit ich dann nach Hause komme.“ – „Ja klar, das kann ich ja machen. Jetzt komm doch erst mal rein. Ich habe uns etwas zu Essen gemacht.“ – „Das ist lieb von dir, aber ich muss erst noch schnell ins Büro etwas nachsehen. Außerdem hab ich überhaupt keinen Hunger. Was gibt’s denn?“ – „Ich möchte Spaghetti mit Pest und Schollenfilet machen, dazu gibt es noch einen grünen Salat.“ – „Das hört sich aber gut an. Da bekomme ich sicher bald Hunger“ meinte er grinsend. ‚Männer‘, dachte ich für mich. Ich ging in die Küche und bereitete weiter das Essen vor. Hoffentlich kam er bald herein, denn ich hatte nun schon großen Appetit.

Copyright: cvf

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22 Kommentare

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Conny Salatsoße machen wir wie zu Hause , nix Päckelchen ,
  • 28.11.2017, 15:34 Uhr
  • 1
  • 28.11.2017, 17:22 Uhr
  • 0
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jetzt bin ich aber neugierig, ob die zusammenziehen
  • 27.11.2017, 14:57 Uhr
  • 1
schönen Abend Roswitha
  • 27.11.2017, 19:14 Uhr
  • 0
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... und ziehen sie zusammen?
  • 24.11.2017, 09:29 Uhr
  • 0
Bitte weiterlesen, direkt unter dir steht der Link
  • 24.11.2017, 11:41 Uhr
  • 1
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sehr ausführlich beschrieben und bin auf die Fortsetzung gespannt
  • 23.11.2017, 21:55 Uhr
  • 0
die lese ich morgen
  • 23.11.2017, 22:02 Uhr
  • 0
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Conny das ist Stoff fuers Volkstheater,Informationen ueber Informationen.Langweilig wirds dir sicher nicht.Toll
  • 23.11.2017, 20:14 Uhr
  • 0
Danke Barbara
  • 23.11.2017, 20:54 Uhr
  • 0
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Klasse Conny gefällt mir was du geschrieben hast. Freu mich auf die Fortsetzung
  • 23.11.2017, 07:23 Uhr
  • 2
Danke Karin, schönen Tag in Speyer
  • 23.11.2017, 07:53 Uhr
  • 2
ich warte auch auf die fortsetzung ,kompliment
  • 23.11.2017, 08:01 Uhr
  • 3
Danke Conny ...
  • 23.11.2017, 08:59 Uhr
  • 0
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Schön geschrieben Conny. Eine alltägliche Situation, aber wenn Du sie erzählst wird sie was besonderes. Mach weiter so Conny
  • 23.11.2017, 06:36 Uhr
  • 1
Vielen Dank Helge
  • 23.11.2017, 06:38 Uhr
  • 0
Gerne Conny. Deine Geschichte hat mir viel Freude gemacht
  • 23.11.2017, 06:43 Uhr
  • 1
... wenn du magst, kannst du sie in den nächsten Tagen weiterlesen.
  • 23.11.2017, 06:53 Uhr
  • 2
Ja, gerne
  • 23.11.2017, 08:40 Uhr
  • 1
das machen wir bestimmt !
  • 28.11.2017, 15:35 Uhr
  • 1
  • 28.11.2017, 17:23 Uhr
  • 0
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