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Oooh, du schöner Odenwald - Kapitel V

26.11.2017, 10:38 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Als ich einige Tage Zuhause war, und im Büro saß, ging mir der tote Nachbar wieder einmal durch den Kopf und das Telefonat, das ich mit meiner Freundin Anne hatte, die mich vor einiger Zeit aus Frankfurt angerufen hatte, um mir zu erzählen, dass sie unsere Nachbarin in Frankfurt gesehen hatte. Ich beschloss sie so bald wie möglich anzurufen und zu fragen, ob sie nicht eine Idee hatte, wie wir die Nachbarin ein bisschen beschatten könnten, um eventuell heraus zu finden, ob sie tatsächlich schon ein längeres Verhältnis mit einem Kollegen hat. Wer weiß, dachte ich noch, vielleicht ging beim Tod von Gerlindes Mann tatsächlich nicht alles mit rechten Dingen zu.

Nachdem ich meine langweilige Arbeit – das Überprüfen von eingegangenen Rechnung auf ihre Richtigkeit – erledigt hatte, griff ich zum Telefon und rief Anne in Frankfurt an. „Hallo Anne, ich bin’s. Wie geht es dir denn?“ – „Ach weißt du, schön, dass du anrufst. Im Moment geht es mir grad gar nicht so gut. Ich habe eine anstrengende Woche hinter mir. Viel Arbeit im Büro und dann ist meine Mutter auch noch die Treppe herunter gefallen und im Krankenhaus. Sie hat sich einen Arm gebrochen, aber das ist nicht das Schlimmste.
Sie hat sich auch noch am Kopf verletzt und ist leider seitdem noch verwirrt. Manchmal erkennt sie mich nicht einmal wenn ich sie besuchen komme.“ – „Oh, weija, das tut mir aber Leid. In welchem Krankenhaus liegt sie denn? Soll ich sie auch einmal besuchen?“ – „Du, ich glaube das hat im Augenblick noch überhaupt keinen Sinn.“ – „Anne, eigentlich wollte ich dich ja um Hilfe bitten, aber so...“ – „Wieso, was ist denn?“ – „Also ich habe dir doch erzählt, dass unser Nachbar gestorben ist.“ – „Ja klar, ich weiss. Ich habe seine Frau ja vor einiger Zeit in Frankfurt gesehen, zusammen mit einem anderen Mann.“ – „Genau, aus diesem Grund wollte ich dich fragen, ob du nicht eine Idee hast, wie wir eventuell zusammen Frau Öhmchen ein bisschen beschatten, na ja, ich meine halt ob wir sie ab und zu beobachten könnten.“ – „Mmmh, nun ja, wir müssen mal überlegen.“

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Nachdem ich mit Anne telefoniert hatte, versuchte ich meinen ehemaligen Schulfreund Bruno zu erreichen. Leider meldete sich nur der Anrufaufzeichner (Anrufbeantworter ist nach meiner Meinung falsch, denn der Apparat beantwortet keine Anrufe, man kann nur Nachrichten darauf sprechen). Ich sprach schnell: „Hallo, hier Annette. Bitte ruf‘ mich so bald wie möglich zurück. Meine Telefonnummer ist 5355“.
Dann ging ich noch etwas in den Garten, um mich des Unkrauts anzunehmen. Das hätte ich eigentlich fast täglich zu tun. Aber ohne mich. Der Garten muss schließlich nicht zur total Unkraut-freien-Zone werden. Was soll’s denn, viele der so genannten Unkräuter blühen doch auch sehr schön. Ein Gärtner sagte mir vor ein paar Tagen, dass es für ihn kein Unkraut gibt.

Nach einiger Zeit hörte ich das Telefon klingeln. Ich spurtete schnell hin, denn nach dem 4. Klingelton fängt auch bei uns der Anrufaufzeichner an zu arbeiten.
Es war Bruno: „Na, hallo meine Liebe. Was gibt’s denn so dringendes? Ich hab ja schon eine ganze Weile nichts mehr von dir gehört.“ „Du Bruno, ich will dir gerade mal etwas erzählen.“ In einigen Sätzen erzählte ich ihm die Geschichte von und mit unserem toten Nachbarn. „Was meinst du: bist du bereit zusammen mit mir und Anne zu versuchen etwas Licht in die Sache zu bringen?“ – „Ja, warum eigentlich nicht. Momentan habe ich auch etwas Zeit. Mein Arzt hat mich wegen einer Gastritis krankgeschrieben.

Was können wir tun?“

„Weißt du was, am Besten treffen wir uns übermorgen zusammen mit Anne in Frankfurt.“ – „Gut, ist in Ordnung.“

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Zwei Tage später fuhr ich mit der S-Bahn nach Frankfurt und stieg dort am Hauptbahnhof um in eine U-Bahn. Wir hatten uns in einem Café in der Nähe des Weißen Stein verabredet.
Anne und Bruno saßen schon da und unterhielten sich. „Da bist du ja endlich.“ – „Tut mir Leid, aber die U-Bahn ist mir gerade vor der Nase weg gefahren als ich am Bahnhof ankam.“ – „Macht ja nichts. Du, Annette, wie sollen wir das denn nun eigentlich machen? Wir können ja schließlich nicht Tag und Nacht deine Nachbarin beobachten.“ „Ich habe mir gedacht, wenn ich mich bei ihrer Firma ein bisschen auf die Lauer lege, wenn sie am späten Nachmittag Feierabend macht, vielleicht kann ich dann nach einigen Tagen ja schon heraus bekommen, ob sie sich eventuell mit einem Arbeitskollegen trifft.“ „Genau, das ich schon ganz gut. Und was sollen wir machen?“ „Na ja, wenn ich dann sehe, dass sie sich mit jemandem trifft, dann würde ich euch bitten, dass ihr den Beiden folgt. Wenn ich das dann auch noch mache, ist es vielleicht etwas zu auffällig, oder?“ „O.k., das können wir dann vielleicht übernehmen. Nur ich habe kein Handy“, meinte Bruno. „Kannst du dir denn nicht eines leihen?“ – „Mmh, mal sehen. Ich kann ja meinen Bruder fragen. Vielleicht gibt der mir seins.“ Wir überlegten noch einige Zeit her und hin und wägten ab. Dann fuhr ich noch zu meiner Mutti.

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Einige Tage später machte ich mich gegen 15:30 Uhr auf den Weg zur Firma, in der Gerlinde Öhmchen arbeitet. Ich hatte einen großen, dunklen Hut, mit breiter Krempe, und eine Sonnenbrille auf. Außerdem war ich noch mit der Tageszeitung bestückt, hinter der wollte ich mich dann zur Not verstecken.

Als Erstes musste ich mir überlegen vor welchem Tor ich warten wollte, denn die Firma hat leider drei Tore durch die man heraus und herein kommt. Ich entschied mich für das Mittlere. Ich hatte Glück, kurz vor 17:00 Uhr kam Gerlinde aus dem Tor, und außerdem noch einige andere Leute. Sie ging eilig über die Straße. Heute hatte sie lila Hosen und eine dazu passende hell-lila Jacke an. Nachdem sie die Straße überquert hatte, ging sie auf den großen firmeneigenen Parkplatz. Ich konnte sie kaum sehen zwischen den vielen Autos. Also musste ich die Augen doppelt aufhalten, zum Glück fuhr sie einen roten Wagen, ein kleines Modell. Nach kurzer Zeit konnte ich das kleine Auto aus der Ausfahrt heraus fahren sehen. Ich ließ ihr einen kleinen Vorsprung und drei Autos zwischen uns. Zu meiner Enttäuschung fuhr sie direkt nach Hause. Also fuhr auch ich erst einmal Heim und dachte darüber nach, was ich nun machen konnte. Schließlich konnte ich mich nicht im Auto den ganzen Abend und die Nacht vor ihrem Haus auf die Lauer legen. Aber etwas anderes fiel mir auch nicht ein.

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Warum mache ich das eigentlich alles? Warum fange ich an eine nette, ruhige und freundliche Nachbarin zu bespitzeln. Sie war für mich schon manches Mal eine angenehme Gesprächspartnerin gewesen, wenn wir uns in Eberstadt im Café trafen oder auch wenn wir – selten genug – zusammen weg gingen. Ich konnte mich eigentlich immer prima mit ihr über den alltäglichen Kleinkram unterhalten. Sie zeigte Verständnis, wenn ich beispielsweise beklagte, dass ich mich in Waldemars Firma einsam fühle, da ich keine Kollegen und Kolleginnen habe, außer natürlich meinen Mann, aber das ist halt etwas ganz anderes. Schließlich sind wir ja verheiratet! Und nun lasse ich mich dazu hinreißen, diese nette Nachbarin zu beobachten, nein richtiggehend zu bespitzeln. Das ist doch nicht o. k. Oder hatte Waldemar am Ende doch recht, wenn er meint: „Du bist in meiner Firma einfach nicht ausgelastet. Du langweilst dich zu sehr. Vielleicht solltest du dir noch einen vernünftigen zweiten Job suchen. Ich meine, eine Arbeit die dich ausfüllt und dir Spaß macht!“

Irgendwie war ich völlig hin- und hergerissen. Einerseits war ich wirklich neugierig. Ich wollte mir Gewissheit verschaffen, ob unser Nachbar tatsächlich eines unnatürlichen Todes gestorben war, und falls ja, wie es passiert war. Andererseits sagte ich mir, dass mich die Mutter des Nachbarn ganz schön gegen ihre Schwiegertochter aufgehetzt hatte. Denn nur so konnte ich mir im Augenblick erklären, dass ich bereit war alles auszuspionieren. Ich hatte doch tatsächlich schon wieder verdrängt, dass auch meine eigene Neugierde eine große Rolle dabei spielt.

Ich beschloss Gerlinde anzurufen und am Telefon heraus zu bekommen, ob sie heute Abend noch etwas vor hat. Ich griff zum Telefonhörer, in diesem Moment klingelte es an der Haustür. Ein kleines Mädchen aus der Nachbarschaft stand vor der Tür: „Hallo Annette, hast du bitte eine Tüte Bonbons für mich?“ – „Ja, natürlich jede Menge. Welche hättest du denn gerne?“ – „Ach, können wir nicht direkt ins Lager gehen. Da kann ich mich dann ein bisschen umgucken.“ Ich schnaufte im Stillen, oder war ich doch nicht ganz so still. Sie schaute mich fragend von der Seite an. Ich sagte jedoch nichts, sondern schnappte mir den Lagerschlüssel von seinem Platz am Brett und ging mit ihr die paar Schritte ins Lager. Sie schaute sich begeistert um und steuerte dann zielsicher auf das lange Regal mit den verschiedensten HariboArtikeln zu. Ich dachte: ‚Zum Glück gibt es ja immer noch genug Kinder – eigentlich nicht nur Kinder -, die auf Süßes ‚stehen‘.‘
„Also meine Liebe, was hättest du denn jetzt gerne.“ – „Eigentlich hätte ich gerne eine Tüte gemischt mit Teufeln, Schnuller, Kirchen und ein paar Fröschen, ach und von den bunten Rennwagen könntest du mir auch noch geben. Außerdem hätte ich gern auch noch ein paar Lakritzstangen. Geht das?“ – „Nein, das geht nicht. Das weißt du aber doch schon lange. Ich kann leider wegen dir nicht aus jeder der großen Dosen ungefähr zehn Stück heraus nehmen. Es tut mir wirklich Leid. Aber du weißt doch, dass wir eine Großhandlung haben. Wir verkaufen nur ganze Dosen.“ Sie seufzte laut und schaute mich ganz traurig an, also holte ich meine Privatdose, die noch halb mit Fröschen gefüllt war und hielt sie ihr hin: „Hier bitte, nimm dir ein Paar heraus. Möchtest du denn nun noch eine Tüte Bonbons mitnehmen?“ – „Ja, gerne. Ich glaub, ich nehme jetzt noch eine Tüte von den Salbei-Bonbons.“ Also das Kind hatte wirklich einen sonderbaren Geschmack.

Als ich wieder herein kam, kam auch Waldemar gerade in den Hof gefahren. Sollte ich nun wirklich noch bei Gerlinde Öhmchen anrufen?
„Na, Annette, was hast du denn heute so alles gemacht? Warst du denn auch auf der Bank?“ – Oh Schreck lass nach, das hatte ich ja ganz vergessen. So ein M... „Äh, nein, dazu bin ich leider nicht gekommen, aber das kann ich auch noch Morgen erledigen.“ – „Ja, in Ordnung. Nun erzähl‘ schon, was hast du denn heute gemacht?“
Leider konnte ich ihm nicht von meinem großen Arbeitseinsatz für seine Firma berichten. Im Grunde genommen hatte ich dafür nicht viel mehr getan, als das eine Tütchen Bonbons zu verkaufen. Aber ich konnte ihm schließlich auch nicht sagen, dass ich dabei war unsere Nachbarin Gerlinde zu bespitzeln. Denn dafür würde er ganz bestimmt kein Verständnis haben. Da war ich mir ziemlich sicher. Leider fiel mir so schnell auch nichts ein, was ich ihm hätte erzählen können. Ich stand also nur stumm in der Küche herum und überlegte fieberhaft, was ich denn erzählen könnte. Wie des Öfteren ging es mir auch heute wieder einmal so, je mehr ich überlegte umso weniger fiel mir ein. Es kam mir vor wie eine Blockade – gähnende Leere in meinem Hirn. Was sollte ich Waldemar bloß sagen. Ich hörte schon wieder seinen Vorwurf: ‚Was musst du auch immer so neugierig sein und dich in die Angelegenheiten von anderen Leuten herein hängen?‘. Also blieb ich erst einmal stumm und schaute ihn an. Da von mir keine Antwort auf seine Frage kam, fing zum Glück erst einmal er an zu erzählen. Und er hatte – wie schon zu Beginn des Buches erwähnt – oft sehr viel zu erzählen, bei irgendeinem seiner Kunden passierte meistens etwas.

„Du stell dir vor, was mir meine Kundin Frau Friedenstör heute erzählt hat...“ – Irgendwie konnte ich mich nicht darauf konzentrieren. Ich überlegte immer noch, ob ich nun Gerlinde anrufen sollte oder nicht. Wenn ich mich intensiv mit etwas beschäftigte konnte ich mich leider nicht noch auf etwas anderes konzentrieren. Also in diesem Moment auch nicht auf Waldemars Erzählen. Zum Glück merkte er es nicht, dachte ich. Bis er plötzlich sagte: „Was ist eigentlich los mit dir? Du hörst mir doch überhaupt nicht zu. Du hast so einen ‚innerlichen Blick‘. Ich seh’s dir direkt an. Nur was du denkst, das sehe ich leider nicht.“ – „Nichts ist los. Ich denke halt nach. Was hat dir nun eigentlich deine Kundin erzählt?“ –
„Du ich glaube, das interessiert dich gar nicht wirklich. Ich gehe jetzt raus ins Lager und fülle meinen Laster wieder mit Ware nach. Also tschüss.“

Nun konnte ich mir also wieder in Ruhe überlegen, ob ich nun noch bei Gerlinde anrufen sollte oder nicht. Aber eigentlich hatte ich gar keine Lust dazu. Ich könnte doch auch einmal kurz über die Straße gehen und ganz schnell versuchen einen Blick durch die Fenster in ihre Wohnung zu werfen. Gesagt, getan! Es war schon dunkel und das um diese Zeit, gerade erst kurz nach 19:00 Uhr. Ich zog eine Jacke über, denn ziemlich kalt war es auch.

--

Der Einblick in Gerlindes Wohnung brachte mir leider nichts, denn ich konnte nichts sehen, da sie sämtliche Jalousien herunter gelassen hatte. Nur bei zwei Fenstern war zu erkennen, dass dahinter Licht brannte, da es am Rande der Fensterrahmen hell hindurch leuchtete. Etwas missmutig trollte ich mich und ging wieder in unser Haus und unsere Wohnung.

--

Gerlindes Schwiegermutter Amalie traf sich mit ihrem Schulfreund: „Du ich glaube, wir sind einfach zu weit gegangen. Wir können Gerlinde doch nicht aus meinem Haus heraus ekeln. Ich fühle mich damit einfach nicht wohl in meiner Haut.“ – „Warum denn nicht? Du musst einfach mal ein bisschen mehr an dich und deine Zukunft denken. Stell dir doch einmal vor, wie gut es uns gehen kann, wenn wir beide zusammen im Haus leben. Ich unten und du in deiner Wohnung im ersten Stock. Wir können uns immer treffen, wenn wir Lust dazu haben. Wenn wir es nicht wollen, dann kann jeder in seiner Wohnung bleiben. Wir hätten auch noch genug Geld, um uns eventuell Unterstützung von Außen zu holen. Falls wir einmal Pflege oder Hilfe im Haushalt brauchen, dann können wir das auch noch bezahlen, denn die Nebenkosten für das Haus können wir uns doch teilen. Auf deine Schwiegertochter kannst du dich doch eh nicht verlassen, falls du einmal Hilfe brauchst. Da bist du mit mir viel besser dran!“

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Heute, so beschloss ich, werde ich mich wieder einmal mehr mit dem „Fall“ beschäftigen. Das Wetter ist schlecht und ich konnte nichts im Garten machen, außerdem ging mir ständig im Kopf herum, ob nun der Nachbar eines natürlichen Todes gestorben war oder nicht. Ich rief meinen alten Schulfreund in Frankfurt an: „Du Bruno, wie geht’s dir denn?“ – „Ach, es geht so“, kam es recht lahm zurück. „Du hast doch nicht etwa Langeweile. Dann könntest du mir helfen. Ich hab‘ dir doch von dem plötzlichen Tod unseres Nachbarn erzählt. Seine Mutter ist der Meinung, dass er von seiner Frau ermordet wurde. Da muss ich doch was machen. Das kann ich doch nicht einfach so auf sich beruhen lassen.“ – „Ja, das hast du doch schon alles gesagt. Aber was willst du denn nun machen?“ – „Das eben möchte ich mit dir besprechen. Willst du nicht mal zu mir nach Darmstadt kommen. Dann können wir alles in Ruhe überlegen und planen.“ – „Na gut, ich habe ja Zeit, dann setze ich mich halt in die S-Bahn und komme. Ich schätze, dass ich ungefähr in zwei Stunden bei dir sein kann.“ – „Prima, das passt sehr gut. Also mach’s gut, bis dann.“ Ich legte den Hörer auf und beschloss bis dahin noch Rechnungen im Büro von Waldemar zu sichten und - wenn nötig - zu überweisen und abzulegen. Außerdem musste ich dringend noch ein bisschen die Wohnung aufräumen.

Die zwei Stunden vergingen sehr schnell, als es an der Tür läutete, dachte ich, dass erst eine Stunde um wäre. Bruno stand davor und meinte: „Na heute hat die Verbindung zwischen Frankfurt und Darmstadt ja wirklich gut geklappt.“ – „Ja, schön, dass du schon da bist. Komm herein, deine Jacke kannst du hier an den Haken hängen. Lass uns in die Küche gehen, ich hab einen Kaffee gekocht. Du trinkst doch noch Kaffee?“ – „Eigentlich wäre mir ein Tee lieber. Hast du Pfefferminztee?“ – „Du hast Glück, den hab ich zufällig da, manchmal trinke ich den auch ganz gerne.“ Bruno ließ sich behäbig auf einem Stuhl nieder und meinte: „Mir geht’s zurzeit nicht so besonders. Meine Arbeit hab ich aufgegeben, ich konnte es einfach nicht mehr aushalten den ganzen Tag im Büro und vor dem blöden PC zu hocken. Mir hat am Abend der Rücken fürchterlich wehgetan und außerdem hab ich starke Probleme mit den Augen bekommen. Weißt du die Arbeit hat mich einfach krank gemacht. Aber ganz ohne Arbeit geht es mir auch nicht gut.“ –

– „Du dann hast du jetzt doch Zeit. Lass uns einmal überlegen, wie wir es am geschicktesten anstellen könnten meine Nachbarin zu beschatten. Willst du nicht für ein paar Tage in die kleine Dachwohnung ganz oben bei uns ziehen, dann bist du hier vor Ort und könntest alles besser beobachten.“ – „Also, das hättest du wirklich früher sagen können, dann hätte ich ein paar Sachen zum Anziehen mitgebracht.“ – „Ja, du hast ja Recht. Dann fahr ich dich später einfach noch einmal schnell mit dem Auto nach Frankfurt, damit du dir Einiges einpacken kannst. O.k.?“ – „Gut, und wie hast du dir das nun vorgestellt? Soll ich jetzt Tag und Nacht auf der Lauer liegen? Wir müssen doch erst einmal eine Strategie aushecken.“ Bruno sah mich mit seinen blauen Augen fragend an. Eigentlich sah er ja recht gut aus, wenn man einmal davon absieht, dass er bestimmt 10 kg Übergewicht hat. Er ist ungefähr 1,90 m groß und hat mittelblondes Haar – so ein bisschen verwaschen, man sieht dort auch nicht so ohne weiteres ein graues Haar -, und er hat ganz freundliche Grübchen beim Lächeln. Leider sah man derzeit nichts davon, da er nicht lächelte. ‚Es geht ihm scheinbar tatsächlich nicht so gut‘, ging es mir durch den Kopf. ‚Ob das tatsächlich nur mit seiner beruflichen Situation zusammen hängt, oder ob er sich vielleicht auch einsam fühlt? Wer weiß, vermutlich ist er auch einsam, denn – soweit ich zumindest weiss – hat er keine Partnerin. Er spricht darüber auch nicht so gerne. Und ich möchte ihn, ehrlich gesagt, auch nicht fragen. Es kommt mir so neugierig vor. Dabei bin ich doch sonst sehr neugierig.‘ „Du Bruno, ich hab mir gedacht, dass wir uns abwechselnd auf die Lauer legen und Gerlinde beobachten. Kennst du sie eigentlich?“ – „Also, ich hab sie einmal auf einem Fest bei euch kennen gelernt. Das ist allerdings schon ein paar Jahre her.“ – „Gut, wir machen das so: ich rufe am Besten mal bei ihr an und frage, ob sie zu einer Tasse Kaffee herüber kommen will. Dann siehst du sie und kannst sie auch etwas näher kennen lernen.“ Ich ging in den Flur und nahm den Telefonhörer in die Hand und gab ihre Telefonnummer ein. Nach dem 4. Läuten nahm sie ab. „Öhmchen, hallo.“ – „Hallo, grüß dich Gerlinde. Hier ist Annette. Du ich hab gerade einen Kaffee gemacht. Möchtest du vielleicht herüber kommen und eine Tasse mittrinken?“ – „Ja gerne. Aber länger wie eine halbe Stunde habe ich keine Zeit. Ich bin nachher noch in der Stadt verabredet.“ – „Ist gut, bis gleich. Tschüss.“ „Sie kommt gleich herüber“, meinte ich zu Bruno gewandt, „dann musst du sie dir genau anschauen, damit du sie dann auch beschatten kannst und immer wieder erkennst.“ – „Ja, was denkst du denn eigentlich“, brummte er etwas unwirsch. Ich war plötzlich ganz aufgeregt und meinte, ihm noch zig Instruktionen geben zu müssen. Doch ich bremste mich noch selbst in letzter Minute und hielt erst einmal den Mund, um ihn nicht gleich zu verärgern. Wir warteten also erst einmal auf Gerlinde, die ja nun jede Minute kommen musste.
Einige Minuten später klingelte es auch tatsächlich an der Tür. Ich ging hin, um aufzumachen und draußen stand Gerlinde in einem schicken Kleid in kräftigem Blau. „Komm doch bitte herein. Ich habe gerade noch Besuch bekommen, von einem alten Schulfreund aus Frankfurt. Es ist Bruno. Bruno, das ist meine Nachbarin Gerlinde Öhmchen (als wenn er es nicht schon längst gewusst hätte).“ Ich machte die Beiden miteinander bekannt.

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10 Kommentare

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Conny Ganz großes Kino
  • 27.11.2017, 06:25 Uhr
  • 0
  • 27.11.2017, 06:30 Uhr
  • 1
  • 27.11.2017, 06:31 Uhr
  • 0
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kerstin , dachte sofort das gleiche , na , Conny, morje, gehts weiter ---Nachtschicht
  • 26.11.2017, 20:52 Uhr
  • 2
Guts Nächtle
  • 26.11.2017, 21:31 Uhr
  • 1
Ihr Weibsen spekuliert schon wieder! Bitte keine Beeinflussung der Autorin
  • 27.11.2017, 06:27 Uhr
  • 1
na, nix weiter ???
  • 27.11.2017, 19:08 Uhr
  • 0
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oh oh ...ich vermute was...gerlinde und bruno?
danke liebe conny. gibt es morgen teil VI ?
  • 26.11.2017, 19:56 Uhr
  • 3
Vielleicht guts Nächtle
  • 26.11.2017, 21:30 Uhr
  • 1
  • 27.11.2017, 06:26 Uhr
  • 0
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