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Oooh, du schöner Odenwald - Kapitel VI

27.11.2017, 07:10 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Wir setzten uns an den Küchentisch, Gerlinde auf die Eckbank und Bruno auf einen Stuhl. Ich holte den Kaffee, Milch und Zucker für Gerlinde und mich, für Bruno holte ich den Pfefferminztee. „Sag mal, hast du denn nicht noch ein paar Plätzchen für uns?“ meinte Bruno. „Klar, ich geh nur schnell ins Lager, dort sind doch genug Plätzchen. Habt ihr einen besonderen Wunsch.“ – „Nein, mir ist es egal. Hauptsache süß.“ – Gerlinde äußerte auch keinen besonderen Wunsch. Ich ging ins Lager und nahm eine Packung guter Bahlsen Plätzchen aus dem Regal, die ich in der Küche auf einen schönen bunten Teller legte. „Hier, bitte bedient euch.“ Gerlinde und Bruno unterhielten sich in der Zwischenzeit angeregt über einen neuen Kinofilm, den sie wohl beide schon gesehen hatten. Oder planten sie etwa zusammen in den Film zu gehen? Ich hörte zumindest wie Bruno sagte: „Ja der ist sehr schön, den könnten wir uns ansehen.“ Ich war nun doch etwas erstaunt, denn das hatte ich nicht erwartet, schließlich hatten sich die Beiden doch gerade erst kennen gelernt. „Gerlinde, was machst du denn jetzt? Hast du dir eigentlich schon überlegt, ob du mit deiner Schwiegermutter in dem Haus wohnen bleibst? Oder willst du es jetzt verkaufen und was macht dann deine Schwiegermutter?“ „Also, ich bin immer noch dabei zu versuchen das Haus zu verkaufen. Allerdings ist es nicht so einfach, denn meine Schwiegermutter würde sicherlich darin wohnen bleiben. Wir sprechen halt nur noch das Nötigste. Sie ist der Meinung, ich müsste mir ihr zusammen in dem Haus bleiben. Aber ich möchte lieber eine Wohnung, die näher zur Innenstadt hin ist. Außerdem bin ich keine große Gartenfreundin, ich sitze ganz gerne einmal im Garten, aber mir macht die Gartenarbeit keinen Spaß. Eine Etagenwohnung ist mir einfach lieber... Vielen Dank für den Kaffee, Annette. Jetzt muss ich wieder gehen, denn – wie schon gesagt – ich habe noch einen Termin in der Stadt. Macht’s gut. Bis bald!“ – Bildete ich es mir ein oder sagte sie dies mehr zu Bruno gewandt. Nun ja.

Als sie draußen war, sagte ich zu Bruno: „Du musst ihr hinterher und sie unauffällig verfolgen.“ – „Spinnst du, ich kann ihr doch jetzt nicht direkt folgen. Das würde ihr doch auffallen. Du musst dich damit abfinden, dass sie diesen Termin wahrnimmt und wir nicht erfahren, mit wem sie ihn hatte und um was es ging. Ich werde mich ab morgen auf die Lauer legen und sie beobachten. O.k.?“ – „Ja, du hast ja Recht. Dann mach es halt so“, gestand ich ihm zähneknirschend zu. „Und außerdem“, meinte er, „habe ich überhaupt kein Auto hier in Darmstadt. Hast du schon vergessen, dass ich mit der S-Bahn gekommen bin?“

Das hatte ich tatsächlich vergessen. So bin ich leider manchmal, wenn ich etwas unbedingt will, dann muss dies sofort sein und nicht erst später nach einer genauen Planung. „Du hast ja Recht, Bruno. Das habe ich ganz vergessen! Du kannst dann ab Morgen mein kleines Auto haben. Am Besten fahren wir jetzt erst einmal nach Frankfurt und holen dir einige Sachen, die du brauchst, wenn du ein paar Tage bei uns bleibst.“

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Am kommenden Tag, der Himmel war schon wieder einmal wolkenverhangen - aber diesmal waren es dicke Wattebausch-Wolken, die über Weiß bis hin zu weißlich-grau waren, es war aber auch immer wieder ein Stückchen blauer Himmel zu sehen -, meinte Bruno am Nachmittag, mit einem Blick auf seine Uhr: „Ich werde jetzt am Besten zum Tor der Firma Mekkes fahren. Hoffentlich ist sie noch nicht gegangen!“ – „Ja mach das! Und beeil dich ein bisschen. Viel Glück.“ Bruno stellte sich mit dem Auto etwas abseits des Tores hin und hatte Glück, denn schon nach etwa 10 Minuten kam Gerlinde und ging zielstrebig – ohne viel nach rechts und links zu sehen – auf den Firmenparkplatz und stieg in ihr Auto. Das rote Auto war gut zu sehen und Bruno hatte keine Schwierigkeiten sich dran zu hängen, jedoch ließ er noch zwei andere Autos vor fahren, da er Angst hatte, dass Gerlinde etwas merken könnte. Sie fuhr Richtung Darmstadt Innenstadt, dann allerdings nicht geradeaus weiter, sondern rechts ab Richtung Autobahn. An der Autobahn-Auffahrt angekommen nahm sie die A5 Richtung Heidelberg und Basel. Hier gab sie dann Gas und Bruno hatte fast Mühe ihr zu folgen. Er versuchte, nicht mehr als 200 Meter Abstand zwischen ihren beiden Autos zu haben, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. An der Bensheimer-Ausfahrt merkte er gerade noch rechtzeitig, dass sie die Autobahn wieder verließ. Bruno fuhr ihr hinterher und achtete jetzt auch nicht mehr so genau auf einen möglichst großen Abstand. Er dachte: ‚Zum Glück ist es noch hell, sonst würde ich überhaupt nicht mitbekommen wohin sie jetzt fährt. Hoffentlich nicht weiter in den Odenwald in eines von den kleinen Orten. Was mache ich dann bloß? Wo lasse ich dann das Auto? Und habe ich überhaupt eine Möglichkeit mich so zu tarnen, dass sie mich nicht sieht. Eigentlich ist das Ganze ja auch ein ausgemachter Blödsinn.‘ Die beiden Autos fuhren in einem Abstand von etwa 10 bis 15 Meter durch Bensheim und Richtung Odenwald, doch kurz hinter Bensheim bog der kleine rote Flitzer von Gerlinde nach links ab, in eine kleine Straße, die in die Weinberge und zum Kirchberg-Häuschen führt. Hier ließ sich Bruno dann wieder etwas Zeit und fuhr langsamer, denn er wollte nicht gleich von ihr durch den Rückspiegel gesehen werden. Als er sah, dass es zu Fuß nicht mehr weit zum Kirchberg Häuschen war, parkte er das Auto am Rande eines Weinbergs und hoffte, dass in den nächsten ein bis zwei Stunden nicht gerade der Weinbauer kommen würde. Er ging das letzte Stück langsam weiter und überlegte sich wo er am Besten ein unauffälliges Versteck finden könnte. Leider fiel ihm nichts ein. Als er jedoch direkt beim Kirchberg-Häuschen stand und vorsichtig um die Ecke lugte, sah er, dass sehr viele Tische und noch mehr Stühle und Bänke besetzt waren, so dass er sich bequem an einen langen Tisch setzen konnte und von den hier schon sitzenden Leuten gut gedeckt war. Als die Bedienung kam bestellte er sich erst einmal einen großen gespritzten Apfelsaft und ließ sich aber noch die Karte bringen. Hier standen ganz leckere Gerichte drin: z. B. Winzerkäse oder auch Handkäse mit und ohne Musik (zur Erklärung: Handkäse ist ein eher fester mittelgroßer Käse, der deftig riecht und schmeckt. Für mich ist er erst dann gut, wenn er Außen und Innen gleich geschmeidig ist, also nicht zu hart aber auch nicht zu weich. Mit Musik heißt: er liegt in einer Soße aus Essig und Öl mit Ziebeln und Kümmel.). Außerdem standen auf der Karte noch diverse Wurstplatten bzw. –brote. Bruno bestellte sich eine Platte mit verschiedenen Wurstsorten, die er auch recht schnell bekam und mit großem Appetit aß. Zwischendurch schaute er immer wieder mehr oder minder unauffällig in Gerlindes Richtung. Sie saßen nun schon eine ganze Weile, als sich ein etwas dickerer dunkelhaariger Mann auf Gerlinde zu bewegte und sich kurz über sie beugte und zur Begrüßung küsste. Er setzte sich ihr gegenüber an den Tisch. Leider konnte Bruno nicht hören was sie sprachen, dazu saßen sie zu weit entfernt. Nach ungefähr weiteren 15 Minuten sah er, wie der Mann sich mit einem wütenden Gesicht vom Tisch erhob und dies so schnell und heftig, dass der Tisch sogar etwas schwankte und ein Glas umfiel. Während Gerlinde damit beschäftigt war die Getränkelache wegzuwischen, entfernte er sich eilig.

Bruno überlegte kurz und winkte dann der Kellnerin um zu bezahlen. Danach stand er auf und schlenderte um das Haus herum und tauchte von der anderen Seite wieder auf, um mit einem Lächeln auf Gerlinde zuzugehen. „Na das ist aber eine schöne Überraschung, dass ich Sie hier treffe!“ – „Oh ja, das finde ich auch“, meinte Gerlinde. „Wollen Sie sich nicht ein bisschen setzen?“ – „Wenn ich Sie nicht störe, gerne. Ich dachte gerade, vielleicht sind Sie ja mit jemandem verabredet.“ Sie antwortete: „Das war ich eigentlich auch. Aber dieser Jemand ist bereits wieder gegangen. Er hat gesagt, dass er keine Zeit hat und noch arbeiten muss. Außer dem, wenn Sie sich schon die Mühe machen und mich von Darmstadt aus bis hier her zu verfolgen, dann können wir uns jetzt gerne auch noch etwas unterhalten“, meinte Gerlinde und ein schelmisches Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Es ließ sie auch nicht mehr ganz so angestrengt aussehen wie in den letzten Minuten. Bruno tat sehr erstaunt: „Wie bitte, das haben Sie wirklich bemerkt? Das kann doch eigentlich nicht sein, ich habe doch extra viel Abstand gehalten.“ – „Mir ist es eigentlich schon recht früh aufgefallen, als wir von der Autobahnausfahrt Richtung Bensheim gefahren sind. Denn ich kenne schließlich das Auto meiner Nachbarin.“ – „Das hätte ich mir eigentlich denken können, doch leider haben wir beide – also ich meine Annette und ich – wir haben nicht daran gedacht.“ „Warum wollen Sie mich eigentlich beobachten? Ich verstehe das nicht so ganz. Wieso finden Sie das so interessant?“, fragte Gerlinde. „Wissen Sie was, diese Idee ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Fragen Sie doch einfach mal Annette, sie hatte diese Idee und sollte Ihnen auch dann die Frage beantworten. Meinen Sie nicht auch?“ – „Tja, einerseits haben Sie damit Recht. Doch andererseits sitzen Sie ja nun mir gegenüber und nicht Annette. Ist doch wohl klar, dass ich Ihnen dann diese Frage stelle, oder?“ Bruno meinte: „Also Gerlinde, ich habe im Moment ganz und gar keine Lust mich mit Ihnen über diese Frage zu unterhalten. Schauen Sie doch mal wie schön der Blick von hier oben ist. Bei diesem schönen und klaren Wetter können wir über die Weinberge sehen bis hinüber zur rheinischen Ebene und hinunter nach Heidelberg oder ist das nicht eher Mannheim, mit den vielen Schornsteinen. Das ist doch wohl eher Mannheim“, beantwortete er sich die Frage selbst. „Also gut, ich gebe mich erst einmal geschlagen. Sie wollen halt nicht darüber reden. Ich kann es ja schon ein bisschen verstehen. Ich komme gerne hier her. Auch wegen diesem schönen Ausblick. Es ist nicht so weit von Darmstadt entfernt. Leider ist es an solchen Tagen wie heute, wenn das Wetter sehr schön ist und man Draußen sitzen kann, oft sehr voll, so dass ich Glück hatte, dass ich noch einen Platz bekommen habe.“

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Ich war Zuhause schon ganz unruhig und wartete auf Bruno, denn ich wollte doch zu gerne wissen was er bei seiner Beschattung von Gerlinde Öhmchen herausgefunden hatte. Ob er wirklich etwas heraus finden würde?
An diesem Abend konnte ich ihn leider nicht mehr fragen, denn als ich gegen 23:00 Uhr müde ins Bett ging war er leider noch nicht zurück. Ich lag da und grübelte, warum er noch nicht wieder zurück sei und schlief darüber ein. Es könnte ja mehrere Gründe geben... so oder ähnlich war wohl mein letzter Gedanke.

Als Bruno am nächsten Vormittag – mit ziemlicher Verspätung, wie ich fand – zum Frühstück herunter kam, ich konnte es mir gerade so verkneifen nach oben zu gehen und zu sehen warum er nicht endlich nach unten kommt, fragte ich ganz aufgebracht: „Was war denn nun gestern Abend, warum bist du erst so spät zurück gekommen? Ich habe ja schon geschlafen und dich nicht mehr gehört!“ – „Also jetzt mal ganz langsam, ich bin gegen 12:00 Uhr zurück gekommen und war so leise wie möglich, denn ich habe gesehen, dass bei euch kein Licht mehr brennt und ich wollte schließlich niemand stören beziehungsweise wecken. Nachdem ich Gerlinde von ihrer Firma aus in Richtung Bergstraße gefolgt bin, ist sie in Bensheim von der Autobahn abgefahren und in die Weinberge gefahren. Du kennst doch das Haus, was oberhalb der Weinberge über Bensheim thront und von dem man eine schöne Aussicht über die Bergstraße bis zur rheinischen Ebene und so hat...“ – Natürlich kannte ich dieses Häuschen, aber ich wusste nicht so recht, warum er mir dies so ausführlich beschrieb. Nun ja, er würde sicherlich noch dazu kommen, mir dies genauer zu beschreiben, aber hoffentlich kam er bald auf den Punkt. Ich war ja schon ziemlich gespannt, wann dies denn endlich so weit sein würde. Ich merkte, wie ich innerlich immer ungeduldiger wurde und hätte gerne dazwischen gefragt, was denn nun passiert sei und ob er nun endlich auf den Punkt kommen könnte, aber scheinbar wollte er mir alles möglichst ausführlich beschreiben, also musste ich versuchen weiterhin noch etwas Geduld zu haben, auch wenn es mir schwer fiel.
Bruno fuhr weiter in seiner umständlichen Beschreibung, was er denn nun noch gemacht habe, um Gerlinde zu beschatten. Er erzählte mir, dass er Gerlinde und einen Mann beobachtet habe, der sich zu ihr an den Tisch gesetzt hatte und nach einiger Zeit und einer wohl etwas heftigeren Diskussion wieder gegangen sei. Da Gerlinde dann auch nach einiger Zeit aufgebrochen sei, habe er versucht sie wieder weiter zu verfolgen, doch leider sei ihm dies misslungen, da es schon sehr dunkel war und er ihr Auto in der Dunkelheit aus den Augen verloren habe.

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Als ich später in unserem kleinen Büro saß, dachte ich darüber nach, warum es Bruno nicht gelungen war Gerlinde weiter zu verfolgen. Wieso hatte er sie nur aus den Augen verloren, er hätte doch wirklich besser aufpassen können!
So etwas blödes! – Ich machte meine Arbeit und dachte dazwischen allerdings ständig an Gerlinde und überlegte mir, wie ich herausfinden könnte, was es denn nun wirklich mit dem Tod ihres Mannes auf sich hat. Doch leider konnte ich es mir nach wie vor nicht erklären. Also musste Bruno weiterhin versuchen sie zu beschatten, auch wenn er sich so dämlich angestellt hatte. Nun ja, beim nächsten Mal konnte es schließlich auch besser klappen. Wir würden es schon noch heraus bekommen. Am Nachmittag sagte ich zu Bruno: „Du es wird Zeit, du musst dich auf den Weg machen und gucken, dass du Gerlinde heute Abend wieder beschattest. Sie macht sicherlich bald Feierabend.“ – „Na gut, wenn du meinst. Dann fahr ich jetzt halt mal wieder los. Aber du brauchst nicht auf mich zu warten, wer weiß wie spät es wird.“ meinte Bruno und dachte, ‚warum habe ich eigentlich das Gefühl als würde ich mich vor meiner Mutter rechtfertigen. Eigentlich will ich Gerlinde doch gar nicht beschatten. Aber am Besten fahre ich erst einmal los und dann wird mir schon noch etwas einfallen, was ich machen kann.‘

Als mein Mann an diesem Abend nach Hause kam, war er ziemlich geschafft vom vielen Fahren mit seinem großen Lieferwagen und vom Zuhören der Geschichten seiner Kundschaft, doch jetzt musste er sich auch noch anhören was ich ihm alles zu berichten hatte.

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Bruno fuhr in dieser Zeit etwas ziellos durch Darmstadt, für ihn stand fest, dass er Gerlinde heute nicht beschatten würde. Er überlegte, was er machen könnte. Hatte er sich nun schon in sie verliebt? Das konnte es ja wohl nicht sein, nach so kurzer Zeit, schließlich hatte er sie gerade erst zwei Mal gesehen...
Er fuhr zur Firma in der Gerlinde arbeitete und parkte in der Nähe des großen Firmenparkplatzes. Er wartete dort etwa eine Stunde, doch von Gerlinde war nichts zu sehen. Nachdem er der Meinung war, dass sie nun Feierabend haben musste, beschloss er wieder zu uns zurückzufahren. Vermutlich hatte er sie übersehen und nun hatte er keine Lust mehr noch länger zu warten. Es war natürlich auch möglich, dass sie heute etwas länger arbeite musste, doch woher sollte er das wissen.

Als Bruno nach ungefähr eineinhalb Stunden wieder bei uns ankam war ich sehr erstaunt. Mit einem „ich hab sie heute nicht gesehen. Vielleicht muss sie Überstunden machen oder aber sie ist bereits Zuhause“, wollte er nach oben in sein Zimmer verschwinden. „Bleib doch noch ein bisschen bei uns sitzen. Hast du vielleicht Lust auf einen Handkäs?“ meinte Waldemar. Heute Abend gab es bei uns Handkäse mit Musik, ich hatte ihn vor drei Tagen eingelegt, denn ganz frisch schmeckt der Handkäse nicht. Das alte hessische Rezept lautet folgendermaßen: Man nehme einige Stücke Käse und lege diese in eine Laake aus Essig und Öl – 2 zu 1 – sowie klein geschnittenen Zwiebeln und etwas Pfeffer und Salz, nach Geschmack kommt dann auch noch Kümmel dazu, denn dann kann man das Ganze besser verdauen. Der Handkäse muss dann mindestens 2 Tage in dieser Laake liegen, damit er gut durchziehen kann. Wir aßen dies sehr gerne, doch nicht jeder mag es, denn der Käse hat einen eigenwilligen und kräftigen Geschmack. Dazu tranken wir dann noch Äppelwoi, das hessische Nationalgetränk, auch das ist nicht jedermanns Sache. Bruno nahm die Einladung gerne an und setzte sich zu uns in die Küche. Er war froh, dass mein Mann bereits da war, denn dann konnte er hoffen, dass ich nicht wieder von der leidigen Geschichte mit der Beschattung unserer Nachbarin anfing. Wir unterhielten uns noch ein Weilchen über dies und das und Waldemar erzählte ein bisschen über seine Kunden, dann verabschiedete Bruno sich und ging nach oben.

Ich sagte ebenfalls ‚Gute Nacht’ zu Waldemar und beschloss mit einem Buch ins Bett zu gehen. Leider konnte ich mich nicht so ganz auf meine Lektüre konzentrieren, denn ich musste immer wieder an Gerlinde denken und hoffte, dass Bruno in den nächsten Tagen etwas heraus fand, was wir eventuell der Polizei melden konnten. Ewig konnte er schließlich auch nicht bei uns bleiben. Auch wenn er derzeit in Frankfurt scheinbar nichts zu tun hatte.

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Bruno machte sich am nächsten Nachmittag wieder mit meinem Auto auf den Weg um Gerlinde zu beschatten. Dieses Mal hatte er mehr Glück, er wartete gerade fünf Minuten, dann kam sie schon aus dem Werkstor heraus und ging über den Parkplatz zu ihrem Auto. Er merkte recht schnell, dass sie dieses Mal den Weg zu ihrem Haus nahm und folgte ihr, da sie beide auf der Straße parkten, winkte er ihr, nachdem er das Auto abgestellt hatte, zu und sie winkte zurück. Also ging er die wenigen Schritte über die Straße zu ihr hin. Er war ganz begeistert von ihrem Aussehen. „Hallo, wie geht’s Ihnen denn? Freut mich Sie zu sehen“, meinte er. „Ganz meinerseits! Mir geht’s gut. Zum Glück konnte ich heute wieder normal Feierabend machen. Gestern Abend bin ich erst gegen 19:00 Uhr aus der Firma gekommen, das war schrecklich. Ich kann mich so spät leider überhaupt nicht mehr konzentrieren. Ich habe dann das Gefühl, das mein Hirn nicht mehr so richtig arbeitet sondern nur noch Schrott produziert. Aber ich finde es auch nicht verwunderlich, denn ich bin meist schon am Morgen um etwa 7:15 Uhr an meinem Arbeitsplatz. Wenn ich ehrlich bin arbeite ich auch am effektivsten in den Morgenstunden so bis etwa 11:30 Uhr. Ich versuche alle stupiden und einfachen Arbeiten auf den Nachmittag zu schieben, denn dann bin ich leider nicht mehr so sehr konzentriert.“ – Bruno meinte: „Mir geht es oft ganz ähnlich. Doch leider habe ich diese Möglichkeit nicht, denn ich arbeite für eine EDV-Firma und schreibe Programme für unsere Computer. Dort erwartet man von morgens bis abends den ganzen Einsatz der Mitarbeiter, nach dem Motto: ‚Ihr werdet so gut bezahlt, dann spurt auch gefälligst!‘. Zurzeit bin ich leider Krank geschrieben, ich glaube, dass meine Magenverstimmung bestimmt auch mit meinem hektischen Arbeitsplatz zusammen hängt. Mein Arzt sieht dies zumindest auch so. Ich hab manchmal überhaupt keine Lust mehr auf diese Art von Arbeit, bei der man ständig unter Termindruck steht.“ Gerlinde meinte: „Das glaube ich Ihnen. Der ständige Termindruck ist wirklich ganz fürchterlich. Wollen wir nicht noch ein Stück spazieren gehen? Das Wetter ist doch so schön und Zeit habe ich auch.“ – „Ja gerne, das können wir machen." Gerlinde ging noch schnell ins Haus, um ihre Sachen reinzubringen und sich ein paar bequeme Schuhe anzuziehen und dann gingen die beiden in Richtung Felder davon.

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9 Kommentare

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und dann noch der Handkäs
  • 27.11.2017, 19:25 Uhr
  • 0
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Conny, du machst es ganz schön spannend
  • 27.11.2017, 11:18 Uhr
  • 1
  • 27.11.2017, 19:26 Uhr
  • 0
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Es bleibt spannend Conny. Sehr gut
  • 27.11.2017, 07:28 Uhr
  • 1
Spannend bis zum dicken Ende....
  • 27.11.2017, 07:30 Uhr
  • 2
  • 27.11.2017, 07:30 Uhr
  • 1
ohje...dickes ende?
klasse conny.
  • 27.11.2017, 19:21 Uhr
  • 0
Ich verrate nichts....
  • 27.11.2017, 19:25 Uhr
  • 1
...
  • 27.11.2017, 19:26 Uhr
  • 0
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