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Oooh, du schöner Odenwald - Kapitel Vii

28.11.2017, 18:22 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Bruno hatte sich in Gerlinde verliebt, so viel war ihm klar. Denn wenn er sie sah bekam er fast jedes Mal so ein leichtes Kribbeln und wurde ganz nervös. Er machte sich schon Gedanken darüber, ob sie etwas bemerkt hatte. Er wusste einfach nicht wie er sich verhalten sollte. Sollte er einfach versuchen mit ihr darüber zu sprechen und ihr erzählen, warum er eigentlich immer wieder in ihrer Nähe auftauchte. Oder war es besser zu ignorieren was mit ihm los war, wobei er sich ziemlich sicher war, dass er dies auf Dauer auch nicht konnte. Wenn er erst wieder in Frankfurt war, dann dauerte es sicherlich nur ein paar Tage und er hatte sie vergessen. Oder auch nicht! Er war sich da im Moment nicht so sicher. Aber wobei konnte er sich schon sicher sein. Schließlich beobachtete er eine mutmaßliche Mörderin, so vermutete zumindest Annette. Aber er war sich ziemlich sicher, dass Annette sich irrte. Sein Gefühl hatte ihn noch selten getrogen und er hatte gegenüber Gerlinde ein sehr gutes Gefühl, sie war sicherlich keine Mörderin. Das sagte ihm sein gesunder Menschenverstand und er war ein guter Menschenkenner.
Er beschloss mit Annette zu reden und ihr zu sagen, dass er ab sofort Gerlinde nicht mehr beschatten würde.

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Am kommenden Morgen stand er ziemlich zeitig auf, so um 6:30 Uhr, zog sich eine Jogginghose und Turnschuhe an und lief ungefähr eine halbe Stunde über die Felder.

Nachdem er geduscht hatte, setzte er sich zu Annette in die Küche und frühstückte mit ihr. „Du Annette, ich muss unbedingt mit dir reden. Ich glaube nicht, dass Gerlinde ihren Mann umgebracht hat. Ich habe mich nun schon recht viel mit ihr unterhalten und sie macht auf mich nicht den Eindruck einer Möderin.“ – „So und wie erkennt man deiner Meinung nach eine Mörderin?“ – „Das weiß ich auch nicht so ganz genau, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich bei Gerlinde keine Mörderin vor mir habe. Das sagt mir einfach mein Gefühl!“ – „Aha, und sagt dir dein Gefühl auch, dass du in sie verliebt bist? Komm leugne jetzt nicht. Ich glaube mein Gefühl trügt mich hier nicht, gell.“ – „O.k., o.k. du hast wohl recht. So langsam glaube ich es selbst auch, ich hab mich wohl in Gerlinde verliebt. Ich weiß auch nicht warum. Sie ist mir einfach sehr sympathisch, sie ist so natürlich und freundlich. Wir können uns sehr gut unterhalten und haben auch schon gemeinsame Interessen festgestellt. Ich fühle mich halt sehr wohl in ihrer Gesellschaft. Kannst du das verstehen?“
Das konnte ich. Er war nun schon bestimmt über ein Jahr ohne feste Partnerin. Ich glaube, dass Bruno darunter litt. Denn es war sicherlich nicht einfach, wenn man niemanden hatte mit dem man reden konnte, der da war, wenn man nach Hause kam. Für mich wäre dies schrecklich.

Bruno meinte: „Ich werde jetzt erst einmal zurück nach Hause fahren. Denn ich muss mich irgendwie sammeln. Ich weiß ja nicht einmal ganz sicher, dass ich wirklich in Gerlinde verliebt bin. Vielleicht kann ich es heraus finden, wenn ich ein paar Tage in aller Ruhe darüber nachdenke.“ – „Du brauchst nicht mit der S-Bahn zu fahren, ich bringe dich zurück nach Frankfurt.“ – „Nein, das ist nicht nötig. Ich kann ganz gut mit der Bahn fahren.“ – „Jetzt lass mich doch auch mal etwas für dich tun. Schließlich bist du ja hierher gekommen, weil ich dich darum gebeten hatte. Ich hab das doch alles angerührt. Ich verstehe schon, dass du Gerlinde nicht mehr beschatten willst. Aber ich bin mir immer noch nicht sicher, ob sie nicht
doch ihren Mann umgebracht hat. Nun ja, vielleicht finde ich es eines Tages noch heraus. Wir werden ja sehen.“

Bruno ging nach oben und packte seine Sachen. Ich zog mich an und wir fuhren über die Autobahn nach Frankfurt. Am Nachmittag konnte ich es nicht lassen. Ich fuhr zu Gerlindes Firma und postierte mich in der Nähe des Parkplatzes. Ich hatte Glück, denn nach etwa 20 Minuten kam Gerlinde – zusammen mit einem Kollegen – aus dem Werkstor und ging zu ihrem Auto. Ihr Kollege stieg ebenfalls mit ein. Was sollte ich nun machen, ihnen weiter mit dem Auto folgen? Ja, dies war bestimmt die beste Lösung. Sie fuhren Richtung Bergstraße, aber schon in Jugenheim verließen sie die Autobahn wieder und fuhren Richtung Odenwald. In einem kleinen Ort bogen sie von der Landstraße ab und fuhren in eine Seitenstraße, die zu einem Gasthof führte. Hier stiegen sie aus dem Auto aus.

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Bruno machte sich die folgenden Tage viele Gedanken über seine Gefühle, er konnte sich jedoch einfach nicht richtig darüber klar werden, ob er nun tatsächlich in Gerlinde verliebt war oder nicht. Er hatte einige Jahre in einer festen Beziehung gelebt, so jung war er mit seinen 45 Jahren nun auch nicht mehr, und wenn er sich noch einmal auf eine neue Beziehung einlassen würde, dann musste schon ziemlich viel Übereinstimmung zwischen ihm und der neuen Partnerin herrschen. Nach so wenigen Tagen des Kennenlernens konnte man natürlich noch nicht sicher sagen „dies ist die Richtige“, das war ihm natürlich auch klar. Außerdem, woher nahm er die Sicherheit, dass sie ihn ebenfalls als Partner sah. Schließlich war ihr Mann noch nicht allzu lange unter der Erde. Er ging zum Telefon, um mich anzurufen: „Hallo Annette, also ich finde einfach keine Ruhe“, fiel er gleich ‚mit der Tür ins Haus‘, „ich denke fast ununterbrochen über Gerlinde nach. Was meinst du eigentlich, könntest du sie dir als Partnerin für mich vorstellen?“ – Ich dachte kurz nach, „warum eigentlich nicht. Sie ist eine attraktive Frau.“ – „So etwas ist nicht besonders wichtig für mich!“ – „Nein, natürlich ist das nicht sehr wichtig, aber es spielt doch eine gewisse Rolle, oder etwa nicht?“ – „Wenn, dann nur eine sehr untergeordnete Rolle. Gut aussehende Frauen gibt es viele, aber wichtiger ist mir doch, ob sie meine Wellenlänge hat, also ich meine, ob wir uns unterhalten können, sie sich für mich interessiert und Humor hat. Verstehst du?“ – „Klar verstehe ich das, das sind ja auch ganz wichtige Kriterien. Und hast du jetzt das Gefühl, dass sie deine Wellenlänge hat?“ – „Ja, eigentlich schon. Ich weiß halt nur nicht, wie ich mich nun weiter verhalten soll.“ – „Dann komm doch in den nächsten Tagen noch einmal zu uns nach Darmstadt. Du kannst dich dann mit ihr treffen und unterhalten. Nur so kannst du herausfinden, ob ihr zusammen passt und vor allem, ob sie das auch so empfindet. Das wäre eigentlich die einzige Lösung. Nur wenn ihr euch wieder trefft, kannst du herausfinden, was sie denkt!“ – „Ja, klar, findest du also auch, dass ich es so machen sollte. Ich bin so schrecklich aufgeregt, fast wie ein Schulbub. Ich glaube mich hat’s ganz schön erwischt.“ – Ich verkniff mir ein Grinsen, meinen alten Freund hatte es wohl wirklich ‚erwischt‘, er war frisch verliebt. Eigentlich sehr schön für ihn, wenn da nicht der Beigeschmack des Todes wäre. Hatte Gerlinde nun ihren Mann umgebracht, oder nicht. Würde ich das jemals herausfinden. Ich war mir da nicht mehr so sicher. Ich wollte nur nicht, dass Bruno sich in eine Mörderin verliebte oder gar schon verliebt hatte. Dazu war er wirklich zu schade. Wer weiß, was sie mit ihm später einmal anstellen würde. Ich hätte so gern Klarheit über den Todesfall gehabt, wußte aber einfach nicht wie ich es anstellen sollte. Ich hatte keinerlei Beweise, eigentlich nur die Aussage ihrer Schwiegermutter, die stark um ihren Sohn trauerte, was nun wirklich nicht verwunderlich war. Schließlich musste sie nun mit ihrer Schwiegertochter allein in ihrem Haus leben. Vermutlich hatte sie sich ihren Lebensabend auch anders vorgestellt, denn dies muss ein schrecklicher Schock für sie gewesen sein, dass ihr Sohn vor ihr gestorben ist.

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Brunhilde Öhmchen traf sich wieder einmal mit Hugo – ihrem alten Freund – im Café Hofmann. „Was wollen wir denn nun machen? Meine Schwiegertochter hat mir angeboten, mir ihren Teil des Hauses zu verkaufen. Möchtest du denn nun die eine Etage kaufen und wir wohnen dann zusammen in meinem Haus? Was hältst du von der Idee, Hugo?“ Hugo dachte einen Augenblick darüber nach: „Eigentlich ist die Idee gar nicht so dumm. Wir hatten zwar überlegt, dass wir uns in ein Seniorenstift einkaufen. Doch wenn ich es mir so recht überlege ist mir dort doch zu viel geballtes altes Fleisch vertreten. Ich glaube, da fühlen wir Beiden uns dann nur noch älter als wir eh schon sind. Wenn wir uns hier dein Haus teilen, dann sind die Kosten für keinen zu hoch. Dann können wir uns sicherlich auch noch eine Putzhilfe leisten. Und bei Bedarf kann uns sicherlich auch noch der ambulante Pflegedienst helfen. Wenn wir es wirklich mal nicht mehr allein packen, dann können wir immer noch in ein Altenpflegeheim gehen, finde ich.“ – „Schön, dass du das so siehst. Mir geht es nämlich ebenso. Ich möchte auch viel lieber hier in meinem Haus wohnen bleiben, bis ich nicht mehr allein klarkomme. Hoffentlich ist der Zeitpunkt noch möglichst weit weg, oder besser noch, hoffentlich bleibt mir ein Umzug in ein Pflegeheim erspart. Du kennst doch meine Devise: Möglichst gesund und schnell sterben! Falls du möchtest, kannst du gern noch einmal mit zu mir kommen, dann mache ich dir nämlich deine geliebten Kartoffelpuffer mit Apfelbrei.“ – „Na, das brauchst du mir nicht zwei Mal sagen. Da komme ich liebend gerne mit!“

Gesagt, getan. Die Beiden machten sich also auf den Weg zu Brunhilde und gingen dort gleich gemeinsam in ihre Küche, um Kartoffeln zu schälen. Brunhilde sah es nicht ein, dass sie dies allein machen sollte. Schließlich machte sie das Essen für sie Beide. Nachdem die Kartoffeln geschält waren, holte sie den Aufsatz für die Küchenmaschine heraus und nahm ein möglichst kleines Raspelteil mit dem sie dann die Kartoffeln klein raspelte und eine Zwiebel wurde auch noch durchgejagt. Dann kam ein rohes Ei und wenig Salz unter die Masse. Sie nahm eine Pfanne aus dem Schrank, gab einen kräftigen Schuss Erdnussöl (Erdnussöl lässt sich am Besten erhitzen ohne stark anzubrennen) hinein und stellte die Pfanne auf den Herd. Als das Öl zu sieden anfing gab sie mit einem Schöpflöffel von den geraspelten Kartoffeln einen dicken Klecks in die Pfanne, den sie nach ungefähr 2 Minuten dann mit dem Wender wendete. Nach und nach backte sie sechs Kartoffelpfannkuchen, die sie sich mit Hugo schmecken ließ. „Mmh, ich könnte jeden Tag Kartoffelpfannkuchen essen“, meinten Beide, fasst wie aus einem Mund.

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Gerlinde machte einen Termin beim Notar, um dann an einem regnerischen Freitag Nachmittag mit ihrer Schwiegermutter dort hinzugehen und den Vertrag für den Verkauf ihres Hausanteils klarzumachen. Gerlinde war sehr froh darüber, dass ihre Schwiegermutter zugestimmt hatte, ihren Anteil zu kaufen, um ihn dann an ihren alten Schulfreund weiterzuverkaufen. Damit wurden nun mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen, sie Gerlinde konnte sich nun endlich eine Wohnung in der Darmstädter Innenstadt kaufen und ihre Schwiegermutter konnte sich das Haus mit ihrem Freund teilen.

Gerlinde hatte auch schon einige Wohnungen angeschaut, von denen ihr drei ganz gut gefallen hatten. Sie überlegte sich nun, welche von diesen Wohnungen sie sich kaufen sollte. ‚Ach, wenn doch nur Karl noch leben würde, dann hätten wir uns zusammen überlegt, welche Wohnung wir uns kaufen. So muss ich das nun alles ganz allein entscheiden!'‘ dachte sie für einen kurzen Moment. Ja, nun war sie allein. Sicher, da war der nette Kollege aus ihrer Abteilung, der sich wohl schon seit längerem für sie interessierte. Seit Karl gestorben war, hatte sich sein Interesse noch etwas verstärkt. Er hatte sie gerade wieder für kommenden Samstag Abend eingeladen, sie wollten zusammen nach Frankfurt fahren. Dort kannte er ein tolles Lokal in dem Salsa getanzt wurde, hier wollte er mit ihr hin gehen.

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So fuhr Gerlinde also am Samstag Abend mit ihrem Kollegen Heinz nach Frankfurt. Schon auf der Fahrt dort hin bereute sie es, dass sie nicht gesagt hatte sie wolle mit ihrem Auto fahren. Heinz fuhr fürchterlich Auto, er überholte permanent und fuhr praktisch auf der 4. Spur „Bleifuß“, sie saß neben ihm und fühlte sich schrecklich unwohl. Ziemlich angespannt kam sie in Frankfurt an. Heinz schien nichts davon zu bemerken. Er machte auch keinen nervösen Eindruck, vermutlich fuhr er immer so Auto. Er suchte einen Parkplatz und ging dann schnell um sein Auto herum, um ihr die Tür zu öffnen, ganz „Gentleman-like“. Dies gefiel ihr zwar sehr gut, doch sie dachte: ‚Das ist schließlich nebensächlich. Mit seinem Fahrstil werde ich mich aber sicher nicht anfreunden können.‘

Sie verbrachten einen schönen Abend mit Salsa-Tanzen. Es machte Gerlinde sehr viel Spaß, denn sie tanzte für ihr Leben gern, und Heinz tanzte sehr gut. Sie waren ein schönes Paar, das sich beim Tanzen gut ergänzte. Als sie dann gegen 2 Uhr am Morgen nach Darmstadt zurück fuhren, wollte Heinz noch gerne bei Gerlinde einen Kaffee trinken, doch als er sie danach fragte, lehnte sie es etwas brüsk ab, mit der Begründung, dass sie sehr müde sei, was allerdings nicht stimmte. Doch das musste sie ihm schließlich nicht auf die Nase binden. Heinz war sichtlich enttäuscht. Gerlinde schloss die Haustüre auf und wunderte sich, dass bei ihrer Schwiegermutter noch Licht brannte. Sie klopfte kurz an und ging dann in die Wohnung ihrer Schwiegermutter hinein, die saß in ihrem alten Ohrensessel und sah recht bleich aus. „Was ist denn mit dir? Geht’s dir nicht gut?“ – „Nein, mir geht’s heute Abend überhaupt nicht gut. Ich weiß aber auch nicht, was mit mir los ist. Mir wird dauernd so schwindelig. Ich überlege schon, ob ich einen Arzt rufen soll. Doch bis jetzt konnte ich mich noch nicht dazu aufraffen.“ – „Dann mach ich das jetzt für dich. Du bist doch einverstanden.“ – „Tja, wenn du meinst. Aber Gerlinde, ich wollte dir noch etwas sagen. Eigentlich tut es mir leid, dass wir uns so wenig verstehen. Im Grunde bist du ja nun meine einzige Familienangehörige. Seit mein Sohn Karl tot ist, habe ich praktisch niemanden mehr, abgesehen von meinem Cousin und meiner Cousine, aber die wohnen so weit weg, du weißt ja selbst wie selten wir uns sehen. Ich möchte mich auch bei dir entschuldigen, dass ich dich verdächtigt habe Karl umgebracht zu haben. Ich weiß auch nicht, was da in mich gefahren ist. Das ist doch totaler Blödsinn. Warum solltest du ihn umgebracht haben.“ – „Ach weißt du Brunhilde, gar so abwegig ist das schließlich nicht. Du hast sicherlich oft mitbekommen, wenn Karl und ich uns gestritten haben. Oft waren es nur Nichtigkeiten, manchmal habe ich ihn fast gehasst, weil ich ihn so engstirnig und verbohrt fand. Aber er konnte halt auch nicht aus seiner Haut. Vielleicht waren die 20 Jahre Altersunterschied doch zu groß. Auf Dauer ergeben sich schon ganz schöne Differenzen, wenn man altersmäßig so weit auseinander liegt. Aber soll ich dir mal was sagen, er fehlt mir schon sehr. Ich konnte immer alles mit ihm besprechen, auch wenn wir uns manchmal ganz arg gestritten haben. Ich wusste dennoch, er ist ein aufmerksamer Zuhörer, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält. Heute habe ich niemanden mehr, den ich um seine Meinung fragen kann. Das ist ganz schön schwer für mich.“ Gerlinde ging auf ihre Schwiegermutter zu und streichelte sie kurz über den Arm. Zu mehr Gefühlsbekundung war sie im Moment noch nicht fähig. Und vermutlich hätte sich ihre Schwiegermutter auch sehr gewundert, wenn sie sie in den Arm genommen hätte.
Dann drehte sie sich um und ging ans Telefon, um den Arzt anzurufen. Der kam auch schon nach etwa 10 Minuten und untersuchte Brunhilde und hörte sie ab. „Ich kann nichts feststellen, aber es ist sicher besser, wenn sie am Montag noch einmal zu Ihrem Hausarzt gehen. Vermutlich macht der dann auch noch ein EKG. Sie hatten bestimmt einen kleinen Kreislaufzusammenbruch, das kann ich aber mit meinen Mitteln so nicht genau feststellen. Deshalb rate ich Ihnen sich ruhig zu verhalten und sich nächste Woche nochmals durchchecken zu lassen. Ich wünsche Ihnen Beiden noch eine angenehme Nachtruhe.“ Damit verabschiedete er sich und ging aus dem Haus.

Gerlinde fragte: „Soll ich heute Nacht bei dir unten schlafen?“ .- „Aber nein, du bist ja nun im Haus. Da bin ich eigentlich schon beruhigt. Geh ruhig nach oben in dein Bett.“ – „Also gut, dann gute Nacht!“ Damit ging Gerlinde dann nach oben in ihre Wohnung. Sie hatte mit ihrer Schwiegermutter vereinbart, dass sie sobald sie eine passende Wohnung gefunden hatte, ausziehen würde. Jetzt dachte sie über die letzten Worte von ihr nach. Vielleicht hatte es ihre Schwiegermutter ja gar nicht mehr so eilig, dass sie auszog. Nun ja, sie würde sich in jedem Fall eine eigene Wohnung suchen und hier ausziehen, es erinnerte sie auch viel zu viel an ihre Ehe in diesem Haus. So konnte sie dies alles niemals vergessen und ein anderes Leben beginnen. Vielleicht lernte sie auch eines Tages wieder einen netten Mann kennen und verliebte sich noch einmal. Im Moment konnte sie sich das zwar nicht so recht vorstellen, aber es war schließlich noch nicht aller Tage Abend... Eins war jedoch sicher, mit ihrem Arbeitskollegen Heinz würde sie keine intensivere Beziehung eingehen. Dazu war er ihr viel zu impulsiv und unbeständig. Sie wußte aus sicherer Quelle, dass Heinz schon einige Beziehungen in der Firma geknüpft hatte, sprich schon mit einigen Kolleginnen liiert gewesen war. Dies machte dann recht schnell die Runde durch die Kollegenschaft, sie wollte sich keinesfalls in die Riege seiner Expartnerinnen einreihen. Denn sie wußte ziemlich genau, wie gern man tratschte und über diese Beziehungen herzog. Vor allem, wenn diese dann beendet waren. Dann wurde noch viel lieber darüber geredet. Und was sie dabei am meisten störte, war, dass Heinz es immer wieder verstand sich bei seinen Kollegen und Kolleginnen als denjenigen darzustellen, der zu bedauern war, weil die Weiber ihn hintergangen hatten oder ähnliches. Sie interessierte sich in aller Regel nicht sonderlich dafür, was darüber geredet wurde, aber sie war sich sicher, dass sie, falls diese Beziehung dann doch einmal zu Ende ging, als diejenige da stand, über die sich dann alle den Mund zerrissen bzw. die ‚Schuld‘ am Ende der Beziehung hatte.

Am Sonntagvormittag ging sie gegen 11:00 Uhr zu ihrer Schwiegermutter hinunter, um zu gucken wie es ihr ging. Sie war schon auf und saß an ihrem Küchentisch und trank gerade eine Tasse Kaffee. „Hallo Gerlinde, komm doch näher. Möchtest du auch einen Kaffee?“ – „Gerne, geht es dir heute wieder besser?“ – „Ja, ich fühle mich heute früh schon wieder ganz wohl. Und schwindlig ist es mir auch nicht mehr.“ Gerlinde setzte sich zu Brunhilde an den Tisch und sie tranken Beide in aller Ruhe ihren Kaffee. „Du Gerlinde, was ich dir noch sagen wollte. Du brauchst dich nicht zu beeilen, mit deiner Wohnungssuche. Von mir aus kannst du auch gern noch ein Weilchen hier wohnen bleiben. Hugo muss ja auch nicht gleich aus seiner jetzigen Wohnung ausziehen. Also ist auch keine Eile nötig.“ – „Das freut mich zu hören. Ich habe mir schon ein paar Wohnungen angesehen. Eigentlich muss ich mich jetzt nur noch entscheiden welche ich nehmen will. Aber ehrlich gesagt, fällt mir das gar nicht so leicht. Wenn man die Auswahl hat, ist die Entscheidung oft noch schwerer, als wenn sich die Frage der Wahl erst gar nicht stellt. Aber ich denke, dass ich in den nächsten beiden Wochen eine Entscheidung treffen werde. Und wenn dann die Wohnung frei ist bzw. nicht allzu viele Reparaturen anfallen, dann kann ich sicher schon in zwei Monaten hier ausziehen.“ – „So schnell schon,“ meinte Brunhilde ganz erstaunt. „Ja, ich denke schon.“

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4 Kommentare

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nee, zu spannend um einfach auf zu hören , wo ist der andere Teil???? Conny , weiter so !!!
  • 28.11.2017, 19:15 Uhr
  • 0
Kommt vermutlich Morsche
  • 28.11.2017, 21:12 Uhr
  • 1
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Super Conny. Du baust vielleicht einen Spannungsbogen auf! Kompliment Freue mich auf die Fortsetzung
  • 28.11.2017, 18:38 Uhr
  • 2
Vielen Dank Helge
  • 28.11.2017, 18:40 Uhr
  • 1
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