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Wie weit kann ich gehen?

Wie weit kann ich gehen?

29.11.2017, 20:03 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Wie weit kann ich gehen?

Einige Tage waren vergangen nach Emmas Balkon Auftritt.
Die kleine graue Katze war wie immer.
Nichts an ihr erschien anders.
Und ich muss zugeben, daß ich die letzten Tage ohne die Verhandlungen meiner Katzen in deren menschliche Avatare, sehr genossen habe.
Ich brauchte sie wirklich um meinen Kopf frei zu kriegen.
Diese Angst, an dem Abend auf dem Balkon, saß mir immer noch in den Gliedern.
Und immer wieder tauchte die Frage in mir auf, - Was kommt jetzt?
Ob Rico auch gesehen würde?
Schon bei dem bloßen Gedanken daran, daß Rico plötzlich so selbstsicher auftrat wie Emma, krampfte sich mein Magen zusammen.
Allerdings war das wohl kaum zu befürchten.
Rico und selbstsicher, waren zwei nicht kompatible Begriffe.

Es ist ein herlicher Samstag Vormittag.
Ich halte meine zweite Tasse Kaffee in den Händen, stehe im Wohnzimmer am Fenster und schaue in die Gärten.
Ich habe WIRKLICH gut geschlafen, denke ich gerade und spüre wie die Energie sich im Raum verändert.
Dann legt sich zaghaft eine große Hand auf meine Schulter.
“ Hallo Rico“, begrüße ich das menschliche Avatar meines geliebten Katers.
Ich höre Emma, die junge Frau, kichern.“ Wieso erschrickst du nicht?“fragt sie, tritt ebenfalls hinter mich und umschlingt mich mit ihren grazilen Armen.
“Ich merke ja, daß ihr erscheint“ antworte ich.
“ Irgendwie verändert sich die Luft. Sie wird kurz ganz dick und man hat das Gefühl, Watte in den Ohren zu haben“, erkläre ich und da keiner der beiden antwortet, muss ich lächeln.
Ich stehe zwar mit dem Rücken zu ihnen, sehe aber ganz deutlich die fragenden Gesichter vor meinem inneren Auge.
Dann frage ich“ Bevor ihr euch verändert, spührt ihr das nicht?
Vielleicht ein Kribbeln oder ähnliches?“.
Ich drehe mich zu den beiden um.
Fast gleichzeitig schütteln sie ihre Köpfe und Rico macht mal wieder sein
Augen aufreiß Ding.
“ Also ich merke das nicht“, sagt er schüchtern, - und fügt hinzu“ Ich werde davon immer überrascht“.
Ich trete vorsichtig an den großen Jungen heran und hauche ihm einen Kuss auf die Wange.
“Ich weiß mein Lieber , daß du das ja gar nicht möchtest,“ sage ich leise zu ihm.
“ Ich habe dir ja versprochen was daran zu ändern. Und ich suche wirklich nach einer Lösung.“
Gerade will ich mich zu Emma umdrehen, da platzt es förmlich aus ihm heraus,“Emma will in den Garten gehen“.

Bumm, da war sie wieder.
Diese Angst.
Wie ein heftiger Schlag traf sie mich mitten in diese sanfte Stimmung hinein.
Ich lehnte mich an die Fensterbank.
In meinen Ohren rauschte es und von weit weg hörte ich Emma mit Rico schimpfen
“Das war jetzt echt gemein von dir. Ich erzähle dir nie wieder etwas“.
Die junge Frau, die so bezaubernd in menschlicher Gestalt aussah, daß ich oft vergaß, daß sie eigentlich meine kleine graue Katze war, trat auf mich zu und schlang erneut ihre Arme um mich.
Ihre wunderschönen grünen Augen leuchteten, als sie flüsterte“ Du brauchst keine Angst zu haben. Ich verspreche dir, daß ich gar nichts mache, ohne dich zu fragen.“
Sie legt den Kopf an meine Schulter.
“Und wenn du das dann nicht möchtest, fügt sie sanft hinzu,“ mache ich es auch nicht“.
Ob mir das ein Trost ist, weiß ich nicht.
Aber ich beruhige mich innerlich etwas.
Ich sehe, daß meine Tasse leer ist und gehe einfach in die Küche.

Sonst überlege ich es mir genau, ob ich den Raum verlasse.
Die menschlichen Avatare meiner beiden Samtpfoten, haben die Angewohnheit, oft einfach zu verschwinden, wenn ich aus dem Raum gehe.
Aber daran denke ich jetzt nicht.
Diese Sorge hat nun wirklich keinen Platz in meinem Angstgefühl.

Und eigentlich, überlege ich erschreckt, würde ich die beiden jetzt gerne bitten, sich in ihre Katzenform zu wandeln ,- aber das geht ja nicht.
Weder in die eine, noch in die andere Richtung.
Ich seufze.
Eine Bewegung hinter mir, lässt mich stutzen.
Ich drehe mich um und meine ganze Sorge scheint langsam zu schwinden.
Rico ist todesmutig aus dem Wohnzimmer hinter mir her gegangen, stellt sich vor mich und guckt mich mit seinen türkisfarbenen Augen an.
“Du suchst weiter nach einer Lösung,“ sagt er im Brustton der Überzeugung,-
“und ich passe auf, daß Emma nichts anstellt.“
Dann nimmt mich dieser Riese einfach lieb in den Arm.
Mir kommen die Tränen vor Rührung.
Er dreht sich um und geht in's Schlafzimmer. Dort legt er sich auf's Bett und schließt die Augen.
-Er hofft und wartet, daß er sich durch die Ruhe zurück verwandelt, überlege ich und gehe zu Emma in's Wohnzimmer.

“Hast du dir denn schon überlegt“,frage ich beim reinkommen in den behaglichen Raum, “ wie du die Wohnung verlassen willst?“Emma schaut mich fragend an und ich füge hinzu,“Über den Balkon zu springen junge Dame, ist definitiv keine Option. Und beim Thema Türen öffnen, sollten wir erstmal sehen, ob dir das möglich ist.“
Ich atme durch. Die Worte sind einfach, aber bestimmt, aus meinem Mund gekommen.
Emma guckt überrascht.
“Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht“,sagt sie dann.
Gleich darauf geht sie an mir vorbei in die Diele. Sie bleibt kurz stehen und winkt mir, ihr zu folgen.
“Bitte komm,“ ruft sie dann.
“ Du musst da unbedingt dabei sein“.
Ich stelle die, jetzt leere, Kaffeetasse auf den Wohnzimmer Tisch und gehe hinter ihr her.

Wir stehen beide an der Wohnungstür und Emma greift nach der Türklinke.
Meine Gedanken sind in derartiger Unordnung, daß ich im Moment aufhöre, sie kontrollieren zu wollen.
Ich funktioniere nur.
Wie bei einem Kind, nehme ich unterstützend Emmas schmale Hand und lege sie auf die Klinke.
Dann nicke ich ihr zu und sage:“Jetzt musst du sie runter drücken und gleichzeitig etwas ziehen“.
Ein leises Klack und die Tür war auf.Für einen kurzen Moment sah es so aus, als könnte die junge Frau mit dem Begriff- Ziehen- nichts anfangen. Doch das machte sie durch ihre Geschicklichkeit wieder wett.
Nun stand sie in der offenen Tür und überlegte wohl, was sie weiter tun könnte.
Und dann greift sie zaghaft nach meiner Hand.“ Du musst jetzt mitkommen,“ flüstert sie.Und noch leiser fügt sie hinzu:“Ich glaube, ich verstehe jetzt, was du mit dem Gefühl- Angst- meinst“.
Sie drückt meine Hand und macht einen Schritt vor die Türe, in's Treppenhaus.
Hier war sie als Katze schon und auch den Keller hat sie als Samtpfote schon erkundet.
Und doch drückt sich die junge Frau fest an die Wand und geht nur schrittchenweise vorwärts.
“Wo möchtest du denn hin?“ frage ich leise und Emma dreht mir ihr Gesicht zu. Ihre Augen strahlen als sie nur mit den Schultern zuckt.“ Ich weiß nicht,“ sagt sie und fragt dann“ Ob ich überall hin kann?“
“Das finden wir nur heraus, wenn wir es ausprobieren,“ antworte ich und drücke ihre Hand.
Emmas Blick Richtung Haustür lässt mich nichts gutes erahnen, doch bevor ich etwas sagen kann, legt sich die schmale Hand auch schon auf diese Klinke.
Die Haustür geht schwerer auf als meine Wohnungstür, doch auch hier schafft es Emma mit Geschick, sie zu öffnen.

Ich weiß nicht, was ich gerade denke, doch ich verspüre ein Gefühl der Panik, als Emma die Haustür weiter öffnet.
Intuitiv greife ich in meine Nicki Jacke, die ich in der Wohnung so gerne trage und in deren Tasche ich beim Rausgehen aus der Wohnung, die Schlüssel gesteckt habe.

Schon sehe ich uns beide in Gedanken die Straße entlanglaufen.
Hand in Hand, die Neugier der junge Frau befriedigen.
Sie würde wie ein kleines Kind alles sehen und erfahren wollen, was sich ihr bietet.
Ich ertappe mich bei den Gedanken, daß ich keine ruhige Minute mehr erlebe, wenn Emma erstmal alleine unterwegs sein wird.
,- Und ich werde ihr definitiv keinen eigenen Haustürschlüssel geben.

Das Lachen, welches in mir hochsteigen will, bleibt mir jedoch förmlich im Hals stecken.
Alles geht so rasend schnell, daß ich es nicht fassen, geschweige denn, mit Worten beschreiben kann.
Emma an meiner Hand, tritt aus der Haustür, auf den kleinen Absatz zum Bürgersteig und dann……….
Im gleichen Augenblick, in dem sie auf den Bürgersteig treten will, höre ich ihr Fauchen und Reflexartig greife ich nach ihr.
Mit einem Satz fasse ich sie am grauen Fell Kragen im Nacken, ziehe sie an mich und zurück in den Hausflur.
Die kleine graue Katze faucht in Angst und Panik, was mit ihr geschieht und schlägt mir das gesamte Arsenal ihrer Krallen in die Schulter, auf der ihre Rückverwandlung stattfand.
Ich schaffe es gerade in die Wohnung, bevor sich das Tier völlig panisch los macht und sofort hinter der Couch verschwindet.

Es ist viel Blut was aus den Kratzern auf Schulter und Arm kommt.
Doch ich bleibe seltsam ruhig.
Ich sehe den Kater unterm Bett hervor schauen, unter das er sich durch den Lärm erschreckt, geflüchtet hat.
Scheinbar hat das mit dem ruhig hinlegen, wieder mal bei ihm funktioniert und er konnte wieder zum Kater werden.

Ich gehe ins Bad, ziehe Nicki Jacke und Shirt aus und muss mich sehr zusammennehmen, als ich die immer noch blutenden Kratzer sehe.
Wie gut, daß ich immer etwas Blutstiller im Haus habe.
Nachdem ich mich verarztet habe, ziehe ich frische Sachen an, koche mir einen frischen Kaffee und setze mich mit der Tasse in der Hand, vor die Couch auf den Boden.
Rico kommt um die Ecke und legt sich zu mir.
Ich kraule ihn liebevoll.
Dann, als ich ganz ruhig bin, sage ich: “Ich weiß es jetzt.
Ich weiß woran es liegt, daß ihr euch verwandelt.“

21 Kommentare

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Das kann nur nachvollziehen, wer ein ganz besonderes Verhältnis zu einem Tier- gleich welcher Art hat. Und persönliche Unterscheidungen wie: "ich mag nur diese oder jene Tierart sind doch dabei völlig fehl am Platz". Lasst doch einfach Jeden nach seiner Fasson leben , diese Maßregelei und überflüssige Kommentation geht einem sowas auf den Sack.....
  • 07.12.2017, 14:06 Uhr
  • 0
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Eine interessante und gleichzeitig wunderschöne Geschichte. Danke!
  • 05.12.2017, 20:36 Uhr
  • 1
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Katzen verstehen uns besser als wir denken !!
  • 05.12.2017, 17:09 Uhr
  • 0
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Schöne Geschichte Kirstin, ich habe zwei Wohnungskatzen und zwei Freigänger.
Auch wenn ich auf dem Lande wohne, habe ich ständig Angst um meinen beiden.
Den Tierfreund ist nicht gleich Tierfreund und auch nicht hier wo ich wohne.
  • 05.12.2017, 13:33 Uhr
  • 1
Eine schöne Geschichte
  • 05.12.2017, 18:41 Uhr
  • 0
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Die Freiheit lockt, macht Angst und kann gefährlich werden. Zumindest in der Stadt. Bei mir auf dem Land ist alle entschleunigt und meine Katzen stolzieren gravitätisch aus der Terrassentür in ihr Revier.
  • 05.12.2017, 13:05 Uhr
  • 2
Und die Forschung hat festgestellt, das Katzen ein beschränktes Gebiet nutzen. Bei unseren beiden Drinnen-Draußenkatzen ist es eindeutig so. Sie sind sehr umsichtig trotz Staße, seit Jahren!
  • 05.12.2017, 18:42 Uhr
  • 0
Ist bei meinen Ragdolls auch so. Ihr Revier ist sehr klein, obwohl sie genug Gärten drumherum haben und Wald dazu, wo sie sich aufhalten könnten. Tun sie aber nicht. Sind immer in der Nähe und abrufbereit. Aber sie lieben es draußen unter den Büschen zu hocken und ihre Umwelt zu beobachten. Außerdem finde ich es gut, wenn sie ihr Pelzchen etwas lüften.
  • 05.12.2017, 18:55 Uhr
  • 0
......... und Unfälle kann es immer geben.
  • 05.12.2017, 18:59 Uhr
  • 0
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Bin und werde immer ein Hunde Freund sein ... Katzen leider Nicht
  • 05.12.2017, 12:03 Uhr
  • 0
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Naja wär sich mit der Katze unterhält als sei es ein Mensch,,, Der sollte mal den Arzt wechseln
  • 05.12.2017, 12:02 Uhr
  • 1

Dann waren auch Gebrüder Grimm und Anderson Arzt-Nötige?Arnold
  • 05.12.2017, 18:45 Uhr
  • 0
Andere reden mit sich selbst - beim Autofahren - oder beim Einkaufen "Autosuggestion" nennt man so was - oder "laut denken" - oder "Selbst-Motivation". Ist eigentlich nicht verkehrt - und hilft dabei, ungeordnete Gedanken zu reeflektieren - oder einfach abzuschalten Ob das nun ne Katze, ein Hund oder ein Meerschweinchen ist, ist dabei grad egal. Wobei - mit einem Hund wäre es Zeitverschwendung Der wedelt ja nur mit dem Schwanz - und schlabbert mit der Zunge - und wartet nur drauf, dass es raus geht - oder was zu fressen gibt. Und verstehen tut er eh nix - außer "Platz", "Sitz" und "Aus!" - oder "hierher!"
  • 05.12.2017, 18:49 Uhr
  • 0
Wie beim Menschen ist genau so die Intelligenz auch bei Tieren unterschiedlich verteilt
  • 05.12.2017, 18:57 Uhr
  • 2
scheinbar gefällt dir meine Aussage nicht,, aber mir sowas von egal
  • 05.12.2017, 19:00 Uhr
  • 0
  • 05.12.2017, 19:02 Uhr
  • 0
kannst ja mal deine Katze fragen ..
  • 05.12.2017, 19:03 Uhr
  • 0
Miauuuuuu
  • 05.12.2017, 19:05 Uhr
  • 0
  • 05.12.2017, 19:06 Uhr
  • 0
Der isses eigentlich egal, was man ihr erzählt - aber sie weiß die Zuwendung zu schätzen - und sie antwortet ja auch
  • 05.12.2017, 20:15 Uhr
  • 0
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Schöne Geschichte.... Jede Katze hat halt auch etwas menschliches an sich... Merke es jeden Tag mit meinen beiden
  • 05.12.2017, 10:31 Uhr
  • 2
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