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Verliebte Blicke

Verliebte Blicke

20.01.2018, 22:22 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Verliebte Blicke
Luca mein Physiotherapeut ist wie immer, pünktlich mit seiner Mobilen Liege zur Stelle.
Ich habe die Behandlung herbei gesehnt, da Nacken und Rücken total verspannt sind.
Er kennt sich aus, geht durch ins Wohnzimmer und baut alles auf.
Als ich ihm folgen will, sehe ich durch den Spalt der angelehnten Schlafzimmertür, wie Emma vom Schrank herunter springt.
Und dann verändert sich für einen kurzen Moment die Energie.
Ich atme tief durch, versuche der Situation, die jetzt unweigerlich auf mich zukommt, ruhig entgegen zu treten.
Emma zieht die Schlafzimmertür auf und drückt sich in meine Arme.
“Ich wollte mal sehen, was der nette Junge heute so mit dir anstellt,“ sagt sie leise.
Sie macht sich gleich wieder von mir los und geht ins Wohnzimmer.
Mit den Worten“Hallo ich bin die Nichte“, begrüßt sie den jungen Mann.
Luca, der gerade das Laken fest macht, guckt hoch und strahlt die junge Frau an.
“ Hallo, ich bin Luca“ sagt er dann und,- oh wie niedlich, bekommt rote Wangen beim Anblick von Emma.
Wieder mal muß ich feststellen, wie bezaubernd sie aussieht, als menschliches Avatar meiner kleinen grauen Katze.
Vom Aussehen her, könnten beide jungen Leute im gleichen Alter sein.
Mir schwant nichts gutes.
Der arme Junge,denke ich und sage dann:“ Es stört dich doch nicht Luca, wenn meine Nichte dabei ist?“
Dabei vermeide ich es, den Namen “Emma“ zu nennen.
Luca kennt die Katze ja und ich wollte diversen Fragen jetzt noch keinen Raum bieten.
Mein Rücken möchte endlich entspannen.
Ich lege mich bäuchlings auf die Liege.
Emma stellt sich mit dem Rücken zur Fensterbank und sieht Luca zu, wie er mit geschickten Händen und festem Griff, meinen Nacken und Rücken bearbeitet.
Als er plötzlich feststellt,“ Ach jetzt habe ich meine Kaffeetasse in der Küche gelassen“.
“Ich hole dir die Tasse“ sagt Emma.
Und kurz darauf kommt sie aus der Küche wieder und hält in beiden Händen die Kaffeetasse.
Vorsichtig reicht sie sie Luca, der einen Schluck trinkt und die Tasse dann auf den Tisch hinter sich stellt.
Die junge Frau geht wieder an ihren Fensterplatz und obwohl ich mit dem Gesicht nach unten liege, ahne ich, dass Emma den jungen Mann unverwandt anguckt.
Typisch Katze eben.
Luca hat wirklich goldene Hände und er lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen.
Als wir fertig sind, er alles zusammengepackt und sich gründlich die Hände gewaschen hat, hole ich ihm noch einen frischen Kaffee und wir setzen uns noch eine Weile auf die Couch.
Emma setzt sich im Schneidersitz zwischen uns und schaut Luca interessiert zu, wie er seine Tasse zum Mund führt.
Rico steht kurz im Türrahmen, natürlich in Kater Form, um zu sehen, ob hier nicht bald wieder Platz ist, dass er in Ruhe an sein Futter gehen kann.
Als Emma den Kater sieht, steht sie auf und streichelt ihn.
“Vor dir scheint er gar nicht schreckhaft zu sein“, sagt Luca, der ja weiß, was für ein Angstkater der Rico ist.
“Nein,“ lächelt Emma.“Von mir lässt er sich fast immer streicheln“.
Emma setzt sich wieder zu uns und Rico folgt ihr vorsichtig ins Wohnzimmer.
Er setzt sich an die Salzkristall Lampe, die groß genug ist, ihm ein Versteck zu bieten, aber er auch den gewünschten Blick auf das Geschehen hat.
“Hat es dir gut getan am Rücken?“ fragt mich Emma plötzlich. “Es sah so aus, als ob es dir nicht weh tut“.
Ich nicke und lächle. Dann antworte ich:“ Ja, der Luca macht das total gut und anschließend geht es mir immer viel besser.“
Hoffentlich will sie nicht auch von ihm massiert werden, überlege ich und als hätte der junge Mann ähnlich gedacht sagt er,“ Wenn du magst, kann ich dich ja das nächste mal auch behandeln.“
Aber ehe Emma darauf was antworten kann, sage ich schnell:“ Sie ist nicht so häufig hier“.
Dabei habe ich sie ja selbst noch nie ohne ihren Seidenoverall gesehen, denke ich. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie wunderschön ihr Körper sein muss, aber das stellt sich Luca wahrscheinlich auch vor, denn der junge Mann ist zwar Physiotherapeut, aber eben auch ein junger Mann.
Von Emma ist er jedenfalls fasziniert und er schmeißt ihr ganz sanfte Blicke zu
Ich muss grinsen.
Wenn der wüsste.
“Wo kommst du denn sonst her?“ fragt er Emma.
Sie wirft mir einen Blick zu, bei dem mein Mutterinstinkt von Null auf Hundert springt.
Auf solche Frage war sie nicht vorbereitet und ich eigentlich auch nicht.
Allerdings bin ich durch diese Situation, in der wir uns ja schon einige Monate befinden, gedanklich- sagen wir, recht flexibel geworden .
Und so antworte ich, anstatt Emma:“ Sie ist meistens bei ihrer Familie Mütterlicherseits, in Polen.
Immer nur spontan auf Besuch bei mir“.
Dabei ziehe ich die junge Frau an meine Seite und freue mich sehr, dass sie sich bei mir anlehnt.
Luca scheint zu resignieren.
“ Naja,“ sagt er. “ Vielleicht trifft es sich ja mal wieder, wenn ich hier bin, daß du auch zu Besuch bist.“
Dann steht er auf, nimmt seine Jacke vom Haken, hängt sich die schwere Liege um die Schulter und hält Emma die Hand hin.
“Alles Gute“, wünscht er ihr und sie ergreift seine Hand und antwortet
“ Dir auch“.
Dann bringe ich ihn zur Türe.
Nach dem ich sie hinter ihm geschlossen habe, atme ich noch mal tief durch und gehe ins Wohnzimmer.
Emma sitzt im Schneidersitz auf der Couch und schaut zu mir hoch.
Sie hat wieder dieses seltsame Strahlen in den Augen.
“Der ist aber nett“, sagt sie.
Aber als ich etwas erwidern will, höre ich Ricos Stimme vom Türrahmen her.
“Ja, nett, aber Emma, bitte.“.
Er spricht nicht weiter und ich schaue ihn lieb an.
Hab mal wieder nicht mitbekommen, daß sich die Energie verändert hat.
Erst jetzt spüre ich es und im gleichen Augenblick merke ich auch warum.
Emma hat sich auf den Weg ins Schlafzimmer gemacht und in dem Moment, als sie von der Couch steigt, sich in die kleine graue Katze verwandelt, die sie ja eigentlich ist.
Vielleicht jetzt eine verliebte, kleine graue Katze,- denke ich.
Ich räume die Kaffeetassen vom Tisch, lüfte nochmal durch und ziehe mein Nachtzeug an.
Dann lege ich mich zu Rico ins Bett, der einfach nur da liegt und wie immer, wenn er seine menschliche Form wieder ändern will, nichts anderes tut, als im Bett nur da zu liegen.
Aber heute lasse ich ihn nicht einfach nur in meinem Arm auf die Wandlung warten.
“Meinst du, Emma wäre in der Lage,mehr in Luca zu sehen, als nur einen netten jungen Mann?“frage ich und Rico dreht mir mit großen Augen seinen Kopf zu.
“ Ich glaube nur so, wie wir Katzen Menschen mögen“, antwortet er und schließt demonstrativ die Augen.
So liegen wir da.
Er still und ich mal wieder mit dem Kopf voller Gedanken.
Bevor ich das Licht ausmache, schaue ich noch zu Emma hoch auf den Schrank.
Sie äugt zu mir herunter und ich könnte schwören, ihre Augen funkeln.

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