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Die Weltstars von der "roten Insel"

Die Weltstars von der "roten Insel"

29.01.2018, 12:13 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Die Dietrich und die Knef spielten als Kinder in der selben Straße

Vermutlich haben sich die beiden Weltstars Marlene Dietrich und Hildegard Knef in ihrer Jugend nie gesehen, obwohl sie nur ein paar Meter auseinander in der Leberstraße in Berlin-Schöneberg einige Zeit ihres Lebens verbracht haben.

Der Kiez rund um die Leberstraße wird auch die „rote Insel“ Schönebergs genannt. Die Häuser aus der Kaiserzeit und die alten Fabrikgebäude stehen für den Widerstandsgeist ihrer Bewohner gegen die Nationalsozialisten.

Marlene Dietrich kam am 27. Dezember 1901 zur Welt, ihr Geburtshaus befindet sich in der Leberstraße 65, während Hildegard Knef, die am 28. Dezember 1925 ihren Geburtstag feiert, in der Leberstraße 33 bei ihren Großeltern einen Teil ihrer Kindheit verbracht hat.

Marlene Dietrich gilt als Hollywood- und Stilikone und ist eine der wenigen deutschsprachigen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, die auch international Ruhm erlangten. Sie nahm 1939 die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten an und das American Film Institute wählte sie 1999 unter die 25 größten weiblichen Leinwandlegenden aller Zeiten. Typisch für sie waren ihre tiefe rauchig-erotische Stimme und die von ihr getragenen Hosenanzüge. Das Kleidungsstück wurde in den 30er Jahren für Frauen salonfähig. Während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland weigerte sich die Schauspielerin, die NS-Propaganda zu unterstützen. Stattdessen engagierte sie sich im Zweiten Weltkrieg bei der US-amerikanischen Truppenbetreuung, indem sie für die Soldaten sang und Verwundete in Lazaretten besuchte. 1947 verlieh ihr US-Präsident Harry S. Truman die Freiheitsmedaille. Nach den Dreharbeiten zu ihrem letzten Film Schöner Gigolo, armer Gigolo (1978) beendete die Künstlerin ihre Karriere aus gesundheitlichen Gründen. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1992 lebte sie zurückgezogen in ihrer Pariser Wohnung.

Hildegard Knef war eine deutsche Schauspielerin, Chansonsängerin und Autorin. Sie wurde als Tochter des Tabakkaufmannes und Prokuristen Hans Theodor Knef und seiner Frau Frieda in Ulm geboren. Als der Vater 1926 verstarb, zog die Mutter mit ihrer Tochter nach Berlin.
Im Alter von 15 Jahren verließ sie mit der mittleren Reife die Schule und begann eine Ausbildung als Zeichnerin in der Trickfilmabteilung der UFA-Filmstudios in Berlin-Mitte. 1943 wurde UFA-Filmchef Wolfgang Liebeneiner auf sie aufmerksam, und sie erhielt eine Ausbildung zur Schauspielerin. Noch vor Ende des Krieges trat sie erstmals in Filmen auf (u. a. Unter den Brücken, 1944; Fahrt ins Glück, 1945).
1945 trat Hildegard Knef im Kabarett sowie im Theater auf und lernte den US-Kontrolloffizier Kurt Hirsch kennen, den sie am 15. Dezember 1947 heiratete. Ihre ersten Theaterrollen übernahm sie am Schlosspark Theater in Berlin-Steglitz. Wolfgang Staudte sah die Knef auf der Bühne und engagierte sie für den ersten deutschen Nachkriegsfilm Die Mörder sind unter uns (1946), der sie auch international bekannt machte. Im August 1948 war Hildegard Knef das Cover der ersten Ausgabe der neuen Illustrierten Stern. Sie wurde zum ersten großen deutschen Nachkriegsstar. 1950 drehte sie den Willi-Forst-Film „Die Sünderin“. Erst durch Proteste der katholischen Kirche wurde der melodramatische Film mit einer kurzen Nacktszene Knefs zu einem der größten Skandale im deutschen Nachkriegskino. Es folgten ein Verbot des Films in zahlreichen deutschen und europäischen Städten mit Klageverfahren bis hin zum Bundesverwaltungsgericht und Bundesgerichtshof.

Die Dietrich und die Knef gehören zu den wenigen Menschen, bei denen nur der Nachname oder auch nur der Vorname genügt, um trotzdem zu wissen, wer gemeint ist. "Sie ist wie ich, als ich jung war", urteilte Marlene Dietrich über Hildegard Knef. Die sah das ganz anders: Die Dietrich, meinte sie, habe eine "majestätische Aura", während sie sich selbst als "knochige Dogge" empfand.
Marlene Dietrich und Hildegard Knef hatten sich erst 1948 in Amerika kennengelernt, als auch die Knef in Übersee Konzerte gab. Als Marlene Dietrich 1960 zu ihrem ersten Konzert nach dem Krieg nach Deutschland zurückkehrte und teils als "Vaterlandsverräterin" diffamiert wurde, war es wiederum Hilde, die sie empfing und umsorgte. Was die beiden aber am stärksten zusammenhielt, vor allem in der Fremde, war ihre Heimat, war Berlin.

Marlene Dietrich starb an Herz- und Nierenversagen. Dietrichs Sekretärin und Freundin Norma Bosquet, erklärte allerdings, dass sich die Schauspielerin wahrscheinlich mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben genommen habe, nachdem sie zwei Tage zuvor einen zweiten Schlaganfall erlitten hatte. Die Dietrich wurde nach einer großen Trauerfeier in Paris in Berlin mit großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem III. Städtischen Friedhof Stubenrauchstraße in einem schlichten Grab in der Nähe ihrer Mutter beigesetzt. Sie hat ebenso ein Ehrengrab Landes Berlin wie Hildegard Knef, die zwei Wochen nach ihrem letzten öffentlichen Auftritt im Alter von 76 Jahren an einer akuten Lungenentzündung verstarb. Ihr Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Zehlendorf an der Potsdamer Straße in Nikolassee. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

Leberstraße 33, 10777 Berlin auf der Karte anzeigen:
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1 Kommentar

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Sie spielten vielleicht in derselben Strasse, aber ich traue mir zu behaupten nicht miteinander. Die Knef war eine echte Berlinerin mit Herz und Schnauze und hätte sich nie mit der Dietrich verstanden.
  • 05.02.2018, 07:56 Uhr
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