wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?

Würdige Altenpflege ist machbar

Würdige Altenpflege ist machbar
12.02.2018, 20:12 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Der Pflege-Aufstand: Ein Heimleiter entlarvt das System


Unzufriedene Bewohner, erschöpfte Pflegekräfte, katastrophale hygienische Zustände – dennoch verteilt der Pflege-TÜV oft Bestnoten an deutsche Pflegeheime. »Pflegerebell« Armin Rieger, selbst Heimbetreiber, legt sich für die alten Menschen mit dem deutschen Pflegesystem an.

Denn ein Altern in Würde ist in unseren Heimen allzu oft schlicht unmöglich. Die Gründe: Personalmangel, Zeitdruck und vor allem das Streben nach Profit. Schonungslos, offen und gespeist aus der eigenen Erfahrung, macht Armin Rieger einen Skandal sichtbar, der Millionen alte Menschen und ihre Angehörigen betrifft. Zugleich zeigt er aber auch auf, wie man ein gutes Heim erkennt und wie ein Altern in Würde möglich ist.

6 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Es liegt aber nicht nur am System, sondern auch an den Menschen. Meine Mutter war über 5 Jahre in einem Heim, weil sie dement war. Innerhalb dieser 5 Jahre hat 3x das komplette Team gewechselt. Eine Besserung ist nicht eingetreten. Das ging so weit, dass die Bewohner zum Frühstück täglich Marmelade bekamen, die "Berge" von Wurst und Käse waren im Aufenthaltsraum der Pfleger. Meine Mutter hatte eine Betreuerin. Als sie wegen einem Sturz ins Krankenhaus kam, wurde ich nach 7 Tagen durch eine Ärztin der Klinik informiert (!!!), dass meine Mutter einen Schlaganfall gehabt hätte, ob nicht "mal" jemand nach ihr sehen wolle. Meine Mutter ist innerhalb von 7 Tagen gestorben. Die letzten Tage und Nächte bin ich nicht mehr von ihrer Seite gewichen.
Als wir die persönlichen Dinge meiner Mutter im Heim abholten, wurde eine Mitarbeiterin und die Leiterin der Station von mir angesprochen (zufällig war auch die Pflegerin dabei, die an dem Tag als meine Mutter gestürzt ist, anwesend war - sie erzählte noch, dass meine Mutter völlig panisch war und Angst hatte) warum ich nicht informiert wurde, dass meine Mutter ins Krankenhaus kam. Beide Mitarbeiterinnen empfanden keinerlei Schuld - keinerlei Reue und mir wurde noch erklärt, dass sie rechtlich richtig gehandelt hätten und die Betreuerin informiert haben (2 Tage vor Ostern - war sie evtl. in Urlaub?). Ich erwiderte, dass sie evtl. rechtlich aber mit Sicherheit nicht menschlich richtig gehandelt hätten. Erst als ich darauf hinwies, wie sie reagieren würden, wenn es um IHRE Mutter gegangen wäre - da traten der einen Mitarbeiterin Tränen in die Augen. Die Leiterin hingegen beharrte auf ihrem Standpunkt. Mit dem Satz "Vielleicht überdenken sie ihren Standpunkt nochmal und informieren zukünftig auch die Angehörigen." verließen wir das Heim. Vergessen kann ich das alles bis heute nicht.
Ich weiß natürlich, dass es andere Menschen gibt - andere Pfleger, ich selbst habe eine Bekannte die ein Heim leitet und dort geht es den Menschen sehr gut.
Meine Tante war auch dement und in einem Heim, sie lag die letzten Wochen einsam in ihrem Bett - allein zum sterben zurück gelassen.

Ich möchte zu der ganzen Diskussion nur sagen, dass es zum Teil auch an den Menschen liegt. Wo Menschlichkeit nicht vorhanden ist, beziehungsweise man darauf erst hinweisen muss in der Form "wie würden sie es sehen, wenn es um ihre(n) ... geht" versagt auch das "System". Ich wünsche mir SEHR, dass sich etwas ändert - ob das nun "geschnürte" Paket im Koalitionsvertrag etwas ändern kann - solange Pfleger, Krankenschwestern - auch Erzieher, von der Gesellschaft nicht mehr geachtet werden, wohl kaum.
In meinem Kopf und meiner Seele bleibt leider für immer das, was meiner Mutter und meiner Tante geschehen ist.
  • 13.02.2018, 07:53 Uhr
  • 1
Es sind erschreckende Zustände, in denen alte Menschen (gepflegt) werden. Als meine Mutter vom Pflegeheim ins Krankenhaus gebracht wurde, erhielt ich keine Nachricht. Bei Telefonnachfragen wurde wegen Datenschutz keine Auskunft erteilt, auch nicht von umliegenden Krankenhäuser. Als sie dann ins Pflegeheim zurück war, hatte sie einen blauen Arm bis zur Schulter. Auskunft was da vorgefallen ist, gab es nicht. Die Ernährung der alten Leute war eher eine Abfütterung . Das Beatmungsgerät für meine Mutter hatte keinen Waserfilter zur Luftbefeuchtung. Die Folge war ständiger Hustenreiz. Außerdem befanden sich im Beatmungsschlauch Schimmelpilze. Die Textilien meiner Mutter wurdenauch von anderen Heimbewohnern getragen. Ich habe meine Mutter in ein anderes Pflegeheim gebracht. Ihre Nacht- und Unterwäsche in Summe von ca. 400€ haben wir bis heute nicht zurück. Das Personal bestand mehrheitlich aus Hilfskräften. Bei solchen Zuständen möchte man nicht pflegebedürftig sein.
  • 14.02.2018, 14:29 Uhr
  • 1
Wie von mir schon geschrieben, es gibt auch andere Heime, bessere. Aber wenn man selbst betroffen ist, weil Angehörige so behandelt werden, ist das doch sehr erschreckend. Wir konnten leider nichts machen, da meine Mutter eine Betreuerin hatte und die hat eigentlich gar nichts interessiert. Es gibt ja für die Menschen ein "Taschengeldkonto", auf diesem Konto hatten sich im Laufe der Jahre über 5000 € angesammelt. Friseur - Fußpflege - mal frische Wäsche, das alles wäre dringend nötig gewesen. Ich wusste davon nichts, habe das alles erst nach dem Tod meiner Mutter erfahren. Nein, so möchte man nicht alt werden müssen. Meine Mutter hatte wochenlang Probleme mit dem Essen - im Krankenhaus wurde sogar über eine Zwangsernährung gesprochen. Gott sei Dank war die Betreuerin in dem Fall meiner Meinung, dass das nicht gemacht wird. Wieder zurück im Heim fiel mir auf, dass sie sich ständig in Mund fasst, als wenn sie Schmerzen hätte. Mehrmals habe ich die Pfleger darauf angesprochen. Bei so einem Gespräch wurde mir erklärt "zu Herrn ... kommt am ... die Zahnärztin, dass soll sie sich ihre Mutter ansehen". Ich war dabei. Meine Mutter hatte starke Zahnschmerzen, der Zahn musste raus und deshalb hat sie auch nichts mehr gegessen. Monate später erklärte mir die Leiterin "zum Glück haben WIR (!!!) das erkannt". Wie oben erwähnt, 3x hat das gesamte Personal gewechselt aber besser wurde es für die Menschen nicht.
  • 15.02.2018, 07:50 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
  • 12.02.2018, 20:14 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren