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Henning Scherf: Der Film und das Alten-Ghetto

Henning Scherf: Der Film und das Alten-Ghetto

Hans-Herbert Holzamer
29.03.2012, 11:15 Uhr
Beitrag von Hans-Herbert Holzamer

Henning Scherf hat Rentner und Pensionäre aufgerufen, aktiv zu bleiben und sich einzumischen. Anlässlich der Erfolgskomödie „Best Exotic Marigold Hotel“, in der Briten in Indien eine Art Alten-WG gründen, schrieb Scherf im Nachrichtenmagazin Focus: „Gebt euch nicht auf! Ihr könnt die spannendsten Sachen erleben, ihr müsst einfach einen Schritt aus eurer Behausung machen und euch auf andere zu bewegen! Und wenn es Indien ist, dann ist es eben Indien. Kann aber auch genauso München sein, Berlin oder wo auch immer!“

"Die Alten sind mobil"

„Wir erleben eine immer älter werdende Bevölkerung, und diese Alten sind mobil. Es ist falsch, diesen Millionen das Bild des 19. Jahrhunderts aufzubinden – alt ist normal, sage ich mal. Und in der Normalität gibt es eben alles. Etwa viele Leute, die sich noch einmischen wollen – wie ich.“ Alten-WGs sind in, kein Wunder, dass sie der Film entdeckt. Neben „Best Exotic Marigold“ locken Filme wie „Und wenn wir alle zusammenziehen“ und „Quartett“ von Dustin Hoffmann die Zuschauer ins Kino und zu Rührungstränen, wie Henning Scherf, der ausruft: „Wir wollen ja gar nicht in diese Altenpflege-Quartiere, in solche Alten-Ghettos rein. Die meisten von uns wollen mitten im Leben bleiben. Es gibt eben ganz unglaublich viele alte Leute, die mit anpacken wollen. Und das ist ein Schatz. Und diesen Schatz möchte ich nicht ungehoben lassen.“

Seitdem polemisiert er

Na klar, ein erfülltes, kreatives, selbstbestimmtes Leben will jeder, auch im Alter. Scherf verdient mit diesem Wunsch auch noch Geld. Er zieht übers Land uns liest aus seinem Buch: „Grau ist bunt“. Henning Scherf lebt seit 22 Jahren in der wohl „berühmtesten Wohngemeinschaft Deutschlands“, wie er sagt. Scherf und „seine Luise“, seine Frau, hatten sich nach dem Auszug der drei Kinder, mit Freunden zusammen überlegt, wie sie künftig –bis zum Alter und dem Tod – leben wollten. Schließlich wurde mit Freunden ein großes Haus mitten in Bremen gekauft. Scherf war 2005, nachdem er seit 1971 Abgeordneter im Bremer Senat, schließlich ab 1995 Bürgermeister war, zurückgetreten, um Jüngeren Platz zu machen. Und seitdem polemisiert er.

Das ist gut, nur mit dem Begriff „Alten-Ghetto“ sollte er vorsichtig sein. Zum einen weckt der Begriff Ghetto Emotionen, das ist beabsichtigt. Zum anderen aber schweigt er sich aus, was ein Alten-Ghetto ist und was es so furchtbar macht. Ist eine Alten-WG ein Alten-Ghetto? Warum ist seine „berühmteste Wohngemeinschaft“ kein Ghetto? Ist das Marigold Hotel ein Modell? Allenfalls für die Superreichen wie Judi Dench oder Maggie Smith. Und können die anderen nicht ein erfülltes, kreatives, selbstbestimmtes Leben führen? Natürlich können sie das.

Was Teilhabe wirklich heißt

Aber dahin kommt man nicht mit Polemik sondern mit Maßnahmen. Ganz profan. Zunächst mit baulichen. Teilhabe heißt, auch mit eingeschränkter Beweglichkeit aus und zurück in die Wohnung zu kommen, den „Schritt aus der Behausung zu machen.“ Teilhabe heißt auch, betreut, auch gepflegt zu werden. In einer Alten-WG ist das nicht gesichert. Da braucht man professionelle Kräfte. Würde eine Judi Dench eine Maggie Smith oder einen Henning Scherf wickeln. Wohl nicht.

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3 Kommentare

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Sich an den Begriffen fest zu halten ist das eine, die eigentliche Botschaft annehmen zu wollen bzw. zu können ist gerade bei den Älteren eine tolle andere Fähigkeit. Die Gruppe der Senioren wird bekanntermaßen immer größer. Der Erfahrungsschatz - ich sage extra Schatz - ist wert zu schätzen. Wenn sich heute sog. öffentliche Persönlichkeiten einbringen wollen ist es doch toll. Meistens sind diese wirtschaftlich unabhängig und brauchen sich nicht wie andere Politiker an die Partei-raison halten - nicht zu unterschätzen! Senioren/ (Un-) Ruheständler, Pensionäre und Privatiers haben mehr Zeit als die arbeitetende Bevölkerung und sollten von uns unterstützt werden, unser zukünftiges Rentner-Dasein vorzubereiten. Ein "25-jähriger karrieregeiler Berufspolitiker" wird es schwer haben, sich empathisch in die Lebenssituationen der Eltern/ Großeltern hinein zu denken. Ich freue mich sehr über aktive Senioren, die unser Deutschland nach einem großen Fehler wieder aufgebaut haben. Danke!
  • 26.02.2013, 23:46 Uhr
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Eher ein Kommentar, aber ein durchaus berechtigter. Ins Altenheim geht eh nur noch, wer muss. Eintrittsalter 87,irgendwas. Und natürlich Hans-Jochen Vogel, der Vorzeige-Altenheimer. Wäre doch ein nettes Gespräch zwischen den Genossen zur Frage, wie will ich im Alter leben.
  • 31.03.2012, 13:07 Uhr
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„Wir wollen ja gar nicht in diese Altenpflege-Quartiere, in solche Alten-Ghettos rein." - Manche haben aber eben keine andere Wahl, auch wenn sie gar nicht wollen.
  • 29.03.2012, 12:09 Uhr
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