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Bin ich nur ich? Oder alles in einem?

Bin ich nur ich? Oder alles in einem?

Sonja Bissbort
05.05.2014, 15:03 Uhr
Beitrag von Sonja Bissbort

Wie viel Ich muss, darf, kann und soll man sein, wenn man mit anderen Menschen, vor allem einem Partner eine Beziehung eingeht? Ich glaube, die Frage stellt man sich oft erst am Ende einer Beziehung. Dann kommt der Moment, wo viele das Gefühl haben, sich verloren zu haben, sich erst wieder finden zu müssen, wieder aus dem "wir" ein neues, gereiftes, vielleicht auch "gerupftes" Ich heraus wachsen zu lassen.

Gibt es überhaupt ein "Ich" ohne ein "Wir", ohne die Anderen, ohne die Welt?


Große Philosophen haben diese Frage vielfach erörtert. Karlfried Graf Dürckheim, Diplomat, Zen-Meister und Begründer einer eigenen Psychologie-Schule hat in meinen Augen dazu eine ebenso einfach wie lebenstaugliche Antwort und Vorstellung formuliert. Das "Ich" sei wie unser Vorname, das "Wir", die "Welt" so wie unser Familienname. Beides gehört zusammen und inspiriert, aber bedingt sich auch gegenseitig. Wie sehr es bereichert und beflügelt, wie sehr es umgekehrt bedingt und beengt, liegt danach bei jedem Einzelnen selbst und daran, wie er die Balance zwischen den beiden Polen schafft.

Dabei muss ich an die Erdachse unserer Weltkugel denken.


Die beiden Pole am nördlichsten und südlichsten Punkt liegen wohl deutlich weiter auseinander als die Pole Vor- und Zuname. Und wenn die Erde es schafft, die beiden zu zentrieren und dabei auch noch flugs auf ihrer Bahn durchs Universum zu schweben, dann sollten wir dies doch auch können?!

Ich hätte dazu folgende Vorstellung: Man hat einen Standort in sich, für sich und bei sich - das wäre mein Vorname, mein "Ich". Und eine zweite Heimat, die mehr oder weniger nah ist, die mehr oder weniger anders und fremd ist - das wäre der Familienname, das "Wir", die "Welt".

Nun kann ich - theoretisch und möglicherweise noch an sehr entlegenen Punkten unserer Erde tatsächlich - Eremit werden und mich von allem abschließen, um ganz bei mir zu bleiben und mein "Ich" in Reinform zu leben. Oder ich gehe ganz im Außen auf und suche überall nach dem, was ich vielleicht gerne wäre oder sein könnte. Oder ich nehme den Mittelweg, der mal ein schmalerer Pfad und mal eine breite Prachtstraße ist. Alles darf hier um mich sein und mich inspirieren, aber ich wähle aus und eigne mir an, was mich anspricht oder was mir fremd ist mich deshalb neugierig macht, um zu wachsen und zu werden, wer ich bin.

Oft führt mich die Welt auch weit weg von mir, um mich ganz nah zu mir zu bringen.


Und mal ist die ganze Welt in einem Menschen präsent wie in einem Brennspiegel, dann wieder in vielen lieben Freunden oder auch in einem Beruf, einer Familie, einem Erlebnis. Immer ist mein Ich dabei, mal als Zaungast oder gar blinder Passagier, mal als Pilot im Cockpit oder Astronaut in fernster Galaxie.

Mein Ich wäre also ein riesiger Spielraum, grenzenlos und doch zentriert um einen Mittelpunkt, von dem aus alles möglich ist und ich mein "Ich" entfalten kann und soll, darf und muss.

Dann wäre ich also immer "Ich" und zugleich unendlich mehr? Alles und All? Die Welt? Das Universum?


Albert Einstein hat es so formuliert:

«Der Mensch ist ein Teil des Ganzen, das wir Universum nennen – ein in Raum und Zeit begrenzter Teil. Wir erfahren uns, unsere Gedanken und Gefühle als etwas vom Rest Getrenntes – eine Art optischer Täuschung des Bewusstseins. Diese Täuschung ist für uns eine Art Gefängnis, die uns auf unsere persönlichen Wünsche, und auf die Gefühle für die wenigen Personen reduziert, die uns am nächsten sind. Unser Ziel muss es sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir den Kreis unserer Nächstenliebe so erweitern, dass er alle lebenden Wesen und das Ganze der Natur in ihrer Schönheit einschließt. Der wahre Wert eines menschlichen Wesens wird bezeichnet durch das Maß und den Sinn, in dem es Befreiung vom Selbst erlangt hat. Wir werden eine grundlegend neue Art des Denkens notwendig haben, wenn die Menschheit überleben soll.»

29 Kommentare

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ich empfehle das Buch von Richard David Precht, "Wer bin ich und wenn ja wie viele?". Kennst Du das, ist zwar nicht ganz einschlägig zu dem Thema aber sehr interessant.
  • 05.05.2014, 17:48 Uhr
Sonja Bissbort
Ja, ein interessantes Buch. Ich fand auch seine Sendung spannend.
  • 05.05.2014, 19:28 Uhr
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Nein, es gibt kein "Ich" ohne "Wir". Kein Menschenkind könnte überleben ohne die ganz persönliche Fürsorge eines anderen Menschen. Aber da sind wir keine Ausnahme von hochentwickelten Tieren. Sicher, der Mensch braucht den anderen Menschen - das würde ich eher in der neuesten Gehirnforschung nachlesen als im Kosmos. Zu Einsteins Zeiten war die Gehirnforschung noch banal und das ist eine Frage, woran man alle Art von Mythen hängen kann ...
  • 05.05.2014, 15:41 Uhr
Sonja Bissbort
Die neueste Gehirnforschung zeigt, dass unser Bewusstsein sehr viel größer ist als das Gehirn selbst, das Gehirn sozusagen nur ein Teil eines umfassenden Bewusstseins. Diese kosmische Sichtweise ist bereits sehr alt - wie so oft "hinkt" die Wissenschaft dem Wissen etwas hinterher )
  • 05.05.2014, 16:41 Uhr
Sonja Bissbort
Allan Snyder ist einer von vielen Gehirn- und Mindforschern, die den engen Definitionsbegriff Gehirn = Bewusstsein deutlich hinterfragen und neu sehen. Auch Hirnforscher wie Prof. Spitzer zeigen in vielen Studien und Experimenten, dass wir die Leistung unseres Hirns weit überschätzen. Wie in allen Wissenschaften gibt verschiedene Auffassungen. Dass es Bewusstsein außerhalb des Gehirns gibt, würde ich deshalb nicht in Frage stellen, sondern vielmehr die Annahme, dass sich Bewusstsein auf unser Gehirn konzentriert. Schließlich gibt es namhafte renommierte Wissenschaftler weltweit, die ähnlich wie schon vor Jahrzehnten Max Planck, gerade weil sie die Welt der Materie so durchdrungen haben, zu der klaren Feststellung kamen und kommen, dass es jenseits der Materie etwas ganz anderes gibt: Geist.
  • 05.05.2014, 19:18 Uhr
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Ich sehe in allem einen Dualismus wirken, wobei zwei Teile jeweils ein "wir", ein Ganzes bilden. Auf der nächst höheren Ebene wird das" wir" wieder zu einer neuen Hälfte, die zusammen mit ihrer anderen Hälfte ein neues" wir" bildet. Und so von Stufe zu Stufe in immer größeren Dimensionen.

männlich und weiblich, ich und Du = zusammen 1 Paar
1 Paar und Kinder = zusammen 1 Familien
1 Familie + verwandte Familien = zusammen 1 Sippe

Als" Ich" kann ich mich nur wahrnehmen, wenn es außer mir andere Menschen gibt, die sich ebenso als eigenständiges Ich wahrnehmen. In den verschiedenen Beziehungen zu diesen anderen Menschen erlebe ich, wie sie mich sehen, behandeln.. Mein" Ich" erfahre ich, indem ich all diese Erfahrungen in mir verarbeite, mir von mir selber ein Bild mache, mich als getrenntes eigenständiges Ich erlebe.

"all-eins" ist für mich das Höchste, was wir erreichen können, sich als Ich mit allem verbunden zu fühlen.
  • 02.05.2014, 23:11 Uhr
Sonja Bissbort
Ja, das sehe ich auch so: "All-eins" ist das Höchste, das, woher wir kommen und wohin wir gehen auf unserem Weg.
  • 03.05.2014, 09:24 Uhr
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Sicher gibt es ein ICH - ohne WIR ...
ICH bin ein Individuum ----- WIR nicht !!
  • 02.05.2014, 22:57 Uhr
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ICH komme alleine zur welt...
ICH werde diese - unsere welt - WIR -
auch alleine wieder verlassen
mein lebensweg wird ein WIR oder ein ICH werden
an mutters hand in vaters haus
werde ICH mit dem WIR eine zeitlang gemeinsam den weg gehen
ob es ein ICH oder ein WIR in meinem leben sein wird
ein WIR mit partner
ein WIR mit kindern
oder mit einem freund
oder ob ich nur als ICH leben werde
entscheidet mein schicksal
  • 02.05.2014, 22:54 Uhr
Sonja Bissbort
Das erinnert mich an die Worte der Dichterin Droste-Hülshoff. Sie hat einmal gesagt, dass es Paarwesen und Einzelwesen gibt und sie wohl eher zu den Einzelwesen gehöre.
  • 03.05.2014, 09:25 Uhr
danke sonja
  • 03.05.2014, 09:50 Uhr
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Als mein Mann noch lebte, gab es nur ein WIR, ohne das ICH zu vergessen, jeder war noch ein eigenständiger Mensch. Wir haben auch in der Freizeit nicht jede Minute zusammen verbracht. War für uns immer wichtig. Ich war und bin (wie er auch war) kein Mensch, der ständig am anderen kleben muß und will.
Ich ertappe mich allerdings nach drei Jahren immer noch, daß ich "wir" sage. Trage auch noch den Ehering.
  • 02.05.2014, 22:48 Uhr
Sonja Bissbort
Das glaube ich: die wahre Liebe bleibt und führt das Ich zum Wir und das Wir zum Ich.
  • 03.05.2014, 10:31 Uhr
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was für ein wertvoller Beitrag. Meine Gedanken müssen das alles noch sortieren um einen Ansatzpunkt zu finden , wo ich stehe-mit 70 ?!-hoffentlich schon auf dem richtigen Weg
  • 02.05.2014, 22:37 Uhr
Sonja Bissbort
Danke, Kunigunde.
  • 03.05.2014, 10:32 Uhr
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...kein Wir ohne mein ICH...
  • 02.05.2014, 22:32 Uhr
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Ich und wir ....
wir und ich .....
Wo ist das DU ???
  • 02.05.2014, 22:30 Uhr
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  • 02.05.2014, 22:26 Uhr
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