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Was Frauen wirklich denken: Schenken Frauen anders als Männer?

Was Frauen wirklich denken: Schenken Frauen anders als Männer?

Sonja Bissbort
06.04.2015, 08:56 Uhr
Beitrag von Sonja Bissbort

Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach ergab: 87 % der Deutschen werden nicht nur gerne beschenkt, sie schenken auch selbst gerne. Warum machen uns Geschenke so viel Freude? Nicht nur die großen, sondern auch die kleinen? Jene, die mit viel Liebe ausgesucht werden?

Eine Freundin z.B. schenkte ihrem Lebensgefährten zum Geburtstag ein selbstgerechtes Album ihrer 15jährigen gemeinsamen Lebensgeschichte. Es war geschmückt mit vielen kleinen Erinnerungsstücken: von den Kinokarten des ersten gemeinsamen Films bis hin zum letzten Post-it, das ihm einen schönen Tag wünschte - einfach so mitten in der Woche. Der Mann, ein erfolgreicher Kunsthändler, blätterte eher gelangweilt in dem Album und überredete sich dann zu einem "Ach wie schön". Irgendwann in einem Streit warf er ihr vor, dass ihr nichts Besseres einfiele als ein Album, er schenke ihr immer tollen Schmuck oder ein teures Kleid.

Stimmt es also, dass Frauen andere Geschenke mögen als Männer?


Schenken ist ein Ritual, ein Brauchtum, mit dem wir dem Beschenkten mitunter unausgesprochen etwas vielleicht Unaussprechliches sagen wollen. Vor allem, wenn wir jemanden gut kennen, können wir mit dem richtig ausgewählten Geschenk mehr als nur Freude machen. Wir können z.B. etwas gut machen, ein Zeichen setzen, ein Signal geben, um Verzeihung bitten und auf mannigfaltige Art "ich liebe dich" sagen.

Kann eine Kaffeemaschine "Ich liebe dich" sagen?


In Zeiten, in denen großer Bedarf herrscht, sind praktische Geschenke sehr gefragt und beliebt. Als Studentin freute mich über einen Geldbetrag mehr als über alles andere. Wer vieles oder gar alles hat, der verbindet mit dem Geschenk eher die Frage: Hat der andere an mich gedacht? Hat er sich Gedanken gemacht, womit er mir eine Freude machen kann? Für meine Freundin z.B. war irgendwann das fünfte tolle Kleid oder der dritte teure Ring nicht mehr Grund zur Freude, sondern Ausdruck von Gedankenlosigkeit und damit eher Anlass zur Enttäuschung.

Sprich: der materielle Wert ist unterm Strich eher bedeutungslos. Ein teures Schmuckstück muss nicht unbedingt sagen: Du bist mir teuer. Wünscht sich die Beschenkte gemeinsame Zeit, so spricht das Juwel Bände - nur die falschen.

Im Schenken zeigt sich, wie einfühlsam und auch altruistisch jemand ist. D.h., schenke ich, was mir gefällt, oder schenke ich etwas, das ich eigentlich nicht mag, von dem ich aber weiß, es bereitet dem Beschenkten Freude.

Aber können - und wollen - wir das überhaupt? Wollen wir mit einem Geschenk nicht immer auch ein bisschen den eigenen Einfallsreichtum, das eigen Ego leben und inszenieren?

Schenken ist eine hohe Kunst. Und man kann dabei vielfach scheitern.


Der Ehemann einer Geschäftspartnerin hasste es Blumen zu schenken. Also tat er es nie, nur aufgefordert und von seiner Frau eingefordert. Dann rannte er mit schlechtem Gewissen los, kaufte den größten Blumenstrauß und wunderte sich, dass sie sich nicht freute. Die Blumen an und für sich waren wirklich wunderschön, aber die Botschaft war es deutlich weniger: Also gut, dann kriegst du eben...

Mein ehemaliger Lebensgefährte hatte auch irgendwo und irgendwie gelernt, "Mann" bringt "irgendetwas" mit, wenn er länger weg war. Also stand er nach einer Geschäftsreise regelmäßig mit einem sündhaft teuren Parfüm unterm Arm vor der Tür und strahlte, als hätte er eine geniale Idee ebenso genial umgesetzt. Das Parfüm war irgendwo noch schnell im Duty Free gekauft und es fiel mir schwer, Freude zu zeigen. Er war stolz wie Oskar, weil er an ein Geschenk gedacht hatte, und ich gab es nach einigen mehr oder minder psychologisch geschickt vorgetragenen Hinweisen auf, auf ein persönlicheres Geschenk zu hoffen. Meine Mutter meinte, sie habe dies auch immer vermisst und dann irgendwann erkannt, dass ihre in Stunden ausgesuchte Krawatte oder das großartige Sachbuch, von dem mein Vater so lange erzählt hatte und das sie ihm einfach so auf den Nachttisch gelegt hatte, wohl auch nicht das Tüpfelchen auf dem i verdient hätten, betrachte man es mit den Augen des Beschenkten.

Sind wir Frauen also zu anspruchsvoll? Zu erwartungsvoll? Und Männer zu pragmatisch?

Der österreichische Psychotherapeut Anton Töle erklärt den feinen Unterschied im Schenken mit der Entwicklungsgeschichte. Männer wollen danach lieber Besitz ausdrücken, Frauen einen Ausdruck für Zuneigung.

Sind Frauen und Männer also beim Schenken wirklich so verschieden?


Oder gibt es diesen feinen Unterschied doch erst mit unserer modernen Zivilisation, in der man das Anderssein von Mars und Venus immer auch ein bisschen zelebriert?

Mir gefällt ein Brauch der Inuits. Der Legende nach schenken Eskimos nicht einfach so, sondern um dem Beschenkten Ziel und Sinn zu geben. Schenkt ein Vater z.B. seinem Sohn eine Feder, so will er ihm sagen: "Mein Junge, ich möchte, dass du fliegen kannst. Wie ein Adler. Und weil ich weiß, dass du es kannst, gebe ich dir dieses Geschenk." Nimmt der Beschenkte das Geschenk an, so akzeptiert er auch die Botschaft und wird alles tun, um sich dieser Gabe würdig zu erweisen.

Wäre dies nicht eine schöne Anregung, wenn wir also zum nächsten Geburtstag, Hochzeitstag, Weihnachts- oder Osterfest ein Geschenk suchen?

4 Kommentare

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Frauen denken nach, welches Geschenk zu dem , ich sag jetzt mal Beschenkten passt. Männer hingegen denken nicht darüber nach, und tun sich auch sonst schwer, irgend etwas zu organisieren.
  • 20.05.2015, 19:46 Uhr
Mein Mann braucht immer seine Frau fürs Geschenk kaufen! Das bin ich natürlich!
  • 20.05.2015, 20:27 Uhr
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Ja, Frauen schenken in der Tat anders als Männer, ist auch meine Erfahrung.
Für Männer ist oft so, dass sie materielle Werte schenken, wie in diesem Artikel geschrieben. Es könnte daran liegen, dass sie auch zeigen möchten, das bist du mir wert und ich kann es mir leisten, bzw. ich leiste mir das!
Dazu kommt, dass es den meisten Männern wirklich daran fehlt, zu erkennen, was sich Frauen wirklich wünschen. Wenn sie dann den Wunsch kennen, bzw. erkennen, können sie sich oft nicht vorstellen, dass dieser Wunsch/dieses Geschenk wirklich ankommt.
Geschenke haben auch nicht so den Stellenwert bei Männern, wie bei Frauen.
Umgekehrt ist es dann bei Frauen, sie überlegen immer sehr lange, womit sie eine Freude machen können, aber, weil sie dann von ihrem eigenen Erwartungen heraus diese Geschenke dann aussuchen und nicht immer auf die Bedürfnisse der Männer eingehen, ist dann auch hier Enttäuschung oft vorprogrammiert.

Für Männer ist es wichtig, dass sie überhaupt an ein Geschenk gedacht haben. Das sollte honoriert werden. Und sie sind eher dankbar, das man ihnen Hinweise gibt, was Frau gerne hätte.

Frauen geht das nicht weit genug, denn an ein Geschenk denken ist für sie selbstverständlich und für sie kein Grund es zu honorieren. Und dann die Erwartung, dass es auch noch das richtige Geschenk sein soll.
So sind dann am Ende beide enttäuscht. Und beide verstehen sich nicht richtig.

Im obigen Artikel erkannte der Mann nicht den Wert des Albums. Er sah nur den materiellen Wert, aber nicht den ideellen. Sie sah nur, dass er den Wert und die Arbeit nicht erkannte. Für sie war es vermutlich sogar so, dass sie dachte, dass ihm die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit nicht wichtig ist und dass ihm dann vermutlich auch die gemeinsame Zeit nicht wichtig ist
Bei beiden große Enttäuschung.
Reden ist dann der richtige Weg. Warum nicht darüber reden. Warum nicht sagen, welche Geschenke einem wichtig sind und warum.

Deswegen freut sich Mann ganz besonders über die Bohrmaschine und Frau würde die geschenke Kaffeemaschine am liebsten zurück geben. Und er versteht sie nicht, dass sie die Kaffeemaschine nicht will. Und sie versteht nicht, dass er sich über einen Haushaltsartikel freuen würde und verschenkt ihn nicht.

Denn Schenken ist eine Empfindung für beide.
Schenken bereitet fast mehr Freude, als beschenkt zu werden.
Und insgeheim möchte jeder, der schenkt wissen und hören, dass er dem anderen eine Freude gemacht hat. Das honoriert wird, dass Liebe dahinter steckt, das honoriert wird, dass man sich die Zeit genommen hat, dass man sich Gedanken gemacht hat, usw. Wenn schon nicht honoriert, dann wenigstens erkannt.

Also, wenn einem Mann ein Geschenk nicht gefällt, dann soll er es sagen und umgekehrt auch! Oder schon im Vorfeld klären!
  • 06.04.2015, 10:14 Uhr
Wenn man einem Menschen , der einem Nahe steht ein Geschenk macht, dann sollte dies immer ein persönliches Geschenk sein. Ich würde meinem Mädchen (meine Frau) nie ein Küchengerät oder ähnliches schenken. Immer nur das, wo ich weiß dass sie sich freut.
  • 06.04.2015, 11:33 Uhr
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