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Sommerliebe, ganz lange her

Sommerliebe, ganz lange her

12.07.2017, 14:31 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Ich war 14 und es war Sommer.
Ins Kinderferienlager durfte ich zum letzten Mal mitfahren.
Wir standen auf dem Hof, der zu der Firma gehörte, in der mein Vater arbeitete. Die größeren kannten sich schon untereinander – vom gemeinsamen Ferienlager, von den alljährlichen Weihnachtsfeiern und von den Mai-Demos, bei denen waren wir Kinder auch immer dabei.
Der Bus kam. Unsere Koffer und Rucksäcke wurden verstaut und wir drängelten ein bisschen, denn auch wo man am besten saß, wussten wir schon.
Noch ein paar gute Ratschläge und Ermahnungen von Papa und Mama auf den Weg.
Winken und weg.
Eigentlich war alles wie immer.
Die Fahrt war nicht weit. Nach etwa einer Stunde waren wir schon dort in jenem kleinen Harzstädtchen. Das Ferienlager lag etwas außerhalb des Ortes, direkt im Wald vor einem großen Berg und inmitten großer Bäume.
Es war wie immer. Als unser Bus ankam und auf dem großen Hof anhielt, wuselten schon einige Kinder dort umher und Erwachsene erwarteten uns.
Der Lagerleiter, die Köchin und einige Helfer, wie sie genannt wurden, erwarteten uns schon.
Ich kannte einige der Erwachsenen von den Jahren zuvor und freute mich.
Es war immer schön hier. Das Essen war lecker, die Wanderungen durch den Wald, Schnitzeljagd, schwimmen gehen, aber auch Freizeit zum Lesen und zum Spaß haben mit den anderen.
Da sagte jemand „Hallo“ zu mir und ich schaute in zwei Augen so blau wie das Meer, zumindest stellte ich mir das Meer so vor. Selbst gesehen hatte ich es noch nicht.
„Ich bin Armin“, sagte er. Ich muss rot geworden sein, wie eine Tomate. Ich sah das nicht selbst, aber ich fühlte meinen heiß werdenden Kopf.
Wieso werde ich rot? So was hatte ich bisher nur erlebt, wenn ich im Musikunterricht vorsingen musste.
Armin lächelte.
Fortan sahen wir uns jeden Tag.
Ich suchte ihn jeden Morgen, wenn ich zum Frühstück in den großen Saal kam und ich hielt nach ihm Ausschau, was immer ich tat auf dem Gelände. Nach ein paar Tagen war nachmittags Kino. Armin fragte: „Darf ich? Und setzte sich neben mich. Von da an saßen wir öfters nebeneinander. Zumindest immer dann, wenn es sich fügte, dass seine und meine Gruppe rein zufällig etwas zusammen unternahmen.
Als drei Tage später wieder Kino war, hatte er einen Platz für mich neben sich frei gehalten.
Irgendwann während des Filmes nahm er meine Hand.
Wie schön das war.
Jetzt waren wir „zusammen“. Wann immer es ging, hielten wir uns an den Händen.
Die zwei Wochen vergingen wie im Fluge.
Als der Bus kam, um uns wieder abzuholen, klappte es, dass wir in einem Bus und nebeneinander sitzen konnten. Wir versprachen uns gegenseitig, uns nie zu vergessen.
Wir umarmten uns, als ich aussteigen musste.
Armin winkte von drinnen. Ich von draußen. Ich sah dem Bus hinterher.
Ich habe Armin nie wieder gesehen.

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25 Kommentare

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Es könnte meine Geschichte sein, nur haben wir uns noch lange regelmäßig geschrieben. Er war ins Ausland zum Studium gegangen und plötzlich war von heut auf morgen Schluß. Ich habe nicht erfahren was los war.Von niemandem eine Antwort---es nagt heute noch an mir.
  • 11.08.2017, 21:54 Uhr
  • 0
das glaube ich Dir.
Das ist so was wie etwas Unerledigtes.
  • 12.08.2017, 09:12 Uhr
  • 0
genau, obwohl es schon bald 50 Jahre her sind
  • 12.08.2017, 12:15 Uhr
  • 0
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"Ja, genau so wart es" könnte man sagen. Was willst du mehr?
Damit hast du mich berührt.
  • 13.07.2017, 14:11 Uhr
  • 1
Danke Do.
Andere Menschen berühren mit dem, was man schreibt...dann ist es scheinbar gelungen
  • 13.07.2017, 17:24 Uhr
  • 1
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Hallo Monika, das hast du sehr gut geschildert. So wird es nie wieder sein das Kribbeln im Bauch. Sehr schade
  • 13.07.2017, 11:13 Uhr
  • 1
Marga, heute Kribbelt es anders.
  • 13.07.2017, 17:25 Uhr
  • 1
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Eine sehr schöne Geschichte liebe Monika. Es ist schade das ihr euch nicht wieder gesehen habt, aber die wunderschöne Erinnerung bleibt.
  • 12.07.2017, 15:50 Uhr
  • 4
  • 12.07.2017, 16:35 Uhr
  • 2
  • 13.07.2017, 11:40 Uhr
  • 1
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Erste ,zarte Ahnungen kommen wieder und vor allem Dankbarkeit, dass es so hat sein dürfen! Das prägte und blieb unvergessen....
Herzlichen Dank dafür, auch das erste Händchenhalten wird einem ewig begleiten
  • 12.07.2017, 15:28 Uhr
  • 2
-- für mich ein sehr interessanter berührender bericht, habe es fast ähnlich so erlebt. es war auf einer kinderfreizeit in Cuxhaven a.d. nordsee. sie hieß Marion ! habe sie auch nie wieder gesehen. kann mich noch gut an den sehr lange anhaltenden liebeskummer erinnern.
danke für den bericht Monika.
(vielleicht ließt Armin ja Deine erzählung)
  • 13.07.2017, 22:08 Uhr
  • 1
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Danke dir liebe Monika, gefällt mir sehr deine Erzählung, denn beim lesen bekam ich Gänsehaut..es erweckte die Erinnerung in mir zurück- aus längst vergessene Tage, was im Herzen aber auf ewig verankert blieb: die erste bittersüße und zärtliche Berührung... Erfahrung mit der Liebe..
  • 12.07.2017, 15:04 Uhr
  • 2
Danke Tina.
Dass ich Dir eine Gänsehaut zaubern konnte. Irgendwie sind doch unsere Erinnerungen alle gleich
  • 13.07.2017, 17:26 Uhr
  • 1
Stimmt..keiner ging am Leben vorbei...
  • 13.07.2017, 21:22 Uhr
  • 0
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Im Leben kommt alles so, wie es kommen soll.. Sei nicht traurig Moni.. Ihr hattet eine schöne Zeit, mehr sollte es nicht sein.
  • 12.07.2017, 15:01 Uhr
  • 2
Nein traurig bin ich gar nicht Rika, alles hat eben seine Zeit.
Das Thema Sommerliebe, ließ mich halt wieder einmal an ihn denken
  • 13.07.2017, 17:27 Uhr
  • 3
Das wird man auch nicht vergessen, es gehört zu unserem Leben und es ist doch etwas Schönes sich an so etwas immer mal wieder zu erinnern...
  • 13.07.2017, 17:30 Uhr
  • 3
Ja, die Erinnerungen sind das Paradies...
  • 13.07.2017, 17:31 Uhr
  • 2
und ein lieber Mann der Apfel.. in den man reinbeißen kann
  • 13.07.2017, 17:33 Uhr
  • 3
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Sehr schade, Monika...Wer weiß was die Zukunft gebracht hätte, wäre es anders gekommen....Aber so spielt das Leben.....Ach wenn sie doch ewig grünen bliebe,
die schöne Zeit der jungen Liebe...
Schiller, die Glocke
  • 12.07.2017, 14:42 Uhr
  • 4
Ich weiß nicht, Karin. Es war wohl viel zu früh für die richtige Liebe
  • 13.07.2017, 17:28 Uhr
  • 2
Mag ja sein...Aber man vergisst sie nie...Dier erste Liebe...
  • 13.07.2017, 22:23 Uhr
  • 1
Schön geschrieben Monika, ja die Erinnerungen an die erste Liebe, bei mir war es eine Krankenschwester Anita behält man für immer in Erinnerung. Wir sind ja noch die Generation die auch die Liebesbriefe sauber gebündelt in der Schubkaste verwahren kann. Briefumschlage mit rosa Herzen und rosa Briefpapier und bunten Aufklebern. Wir haben beim letzten Klassentreffen mal die Poesiealben mitgebracht, selbst wir Jungen hatten diese... mit allen Ecken in den Liebe tut stecken..... Arme Jugend was ist dagegen SMS , Twitter und Whatsapp !
  • 03.08.2017, 17:40 Uhr
  • 1
Wenn ich mit meinen Gedanken auch bei anderen (Dir) Erinnerungen wecken konnte...dann habe ich doch alles richtig gemacht


Aber schön, dass es das jetzt alles gibt (SMS, Whatsapp, WL usw) und auch wir "Alten" dabei sein können
  • 04.08.2017, 10:21 Uhr
  • 0
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