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Altersmilde, altersweise, altersmüde – alles nur Klischees?

Altersmilde, altersweise, altersmüde – alles nur Klischees?

Christine Kammerer
30.08.2014, 09:29 Uhr
Beitrag von Christine Kammerer

Werden wir milder im Alter? Ein bisschen trifft das sicher zu. Wir sehen die Dinge gelassener, müssen nicht mehr alles auf Teufel kommt raus ausdiskutieren oder um jeden Preis Recht behalten. Unser Kampfgeist lässt tatsächlich nach. Das ist auch biologisch begründet. Ab einem bestimmten Alter verändert sich der Hormonspiegel:

Altersmilde
Der Anteil an Testosteron, dem männlichen Sexualhormon, das nicht nur mit der Lust, sondern auch mit dem Aggressionstrieb in Verbindung gebracht wird, nimmt bei beiden Geschlechtern kontinuierlich ab – bei Männern stärker als bei Frauen. Wir werden also mit den Jahren wirklich milder und ausgeglichener, toleranter und nachsichtiger. Und tatsächlich haben Großeltern oft mehr Verständnis für die Eskapaden ihrer Enkel als deren Eltern – selbst für solche Dinge, die sie ihren eigenen Kindern früher nie erlaubt hätten.

Altersweise
Aber wie ist es mit der Weisheit? Dass ältere Menschen der Jugend einiges an Reife und Erfahrungsreichtum voraus haben ist unbestritten. Doch was ist das eigentlich – altersweise? Ist es die Erkenntnis, dass man im Grunde alles, was einem im Leben wiederfährt, mit einem heiteren Gemüt hinnehmen sollte? Auch die unangenehmen Dinge, die Schicksalsschläge und alle Widernisse? Das wäre wohl zu viel verlangt.

Wir wissen, dass wir nichts wissen
Oder ist es vielleicht das Wissen darum, dass Menschen bestimmte Dinge erst begreifen können, wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben? Dinge, über die wir in jüngeren Jahren viel diskutiert haben, die wir vielleicht an den Älteren – unseren Eltern zum Beispiel – auch häufig kritisiert haben.

Jedenfalls so lange, bis wir dann selbst ganz ähnliche Fehler gemacht haben oder genau in die gleichen Fallen getappt sind – zum Beispiel in der Partnerschaft, bei der Erziehung der Kinder oder beim beruflichen Engagement, das uns mitunter wichtiger war als die eigene Gesundheit. Und irgendwann wissen wir, dass unsere Kinder und Enkel diese Fehler wieder machen werden und wir sie nicht davon abhalten können.

(K)ein bisschen Altersmüde
Aber ist es denn wirklich so, dass wir mit zunehmendem Alter weiser werden? Oder gewinnen wir vielleicht nur einen gewissen Grad an Abgeklärtheit dem Leben gegenüber?

Vielleicht ist die Altersweisheit auch nur eine gereiftere Haltung zum Leben, nämlich ganz einfach die Erkenntnis, dass wir eigentlich niemals wirklich weise sein werden. Was ist schon der letzte Schluss der Weisheit?

Was wir aber erreichen können, ist eine gewisse Demut dem Leben gegenüber. Einem Leben, von dem wir jetzt nicht mehr ganz so viel erwarten wie früher.
Also doch ein bisschen Altersmüdigkeit.
Wir haben aufgehört, zu kämpfen, weil wir wissen, dass die Dinge ohnehin ihren Lauf nehmen und wir darauf nur allzu oft wenig Einfluss nehmen können.

Das Wichtigste: Leben!
Aber wir haben noch lange nicht aufgehört, zu leben. So lange wir auch einen Funken davon in uns spüren, trotzen wir den Widernissen. Und so erinnert uns selbst die Altersmüdigkeit wieder an das Wichtigste - an das Leben!

26 Kommentare

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kann mit dem Wort Alter nichts anfangen. Ich habe mich noch nie so
wohl in meinem Körper gefühlt und so zufrieden mit mir wie jetzt mit
60 Jahren. Mach auch noch jeden Blödsinn mit und nehme keine Rücksicht mehr auf Konventionen. Ich mache was mir Spaß macht
und Andere nicht verletzt.
Altersmilde, weiß nicht, rege mich nur nicht mehr über jede Kleinig-
keit auf, die mich vom wirklichen Leben und Genießen abhält.
Allerdings schiebe ich nichts mehr auf die lange Bank, weiß ja nicht
was morgen ist. Ob es mir dann gesundheitlich noch so gut geht.
Und nach dem Tod von meinem Mann geht es mir 1 1/2 Jahre später
mit einem neuen Partner so gut wie seit langen Jahren nicht mehr.
Wo ich wirklich Angst vor habe, ist wie meine Mutter später mal an
Alzheimer zu erkranken.
  • 05.09.2014, 13:39 Uhr
  • 0
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das schlimmste an der alters---- ist der altersgeiz --kenne etwas davon DAK (der alte knacker) OBBY---ü80.
  • 03.09.2014, 10:30 Uhr
  • 0
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Im Alter weise und milde zu werden, bzw. zu sein, schein mir erstrebenswert. Erstens macht man sich damit selbst das Leben leichter und für die Leute drumrum ist der Umgang dann auch angenehmer.

Mir sind aber haufenweise alte Leute begegnet, die waren unzufrieden mit sich und der Welt, schienen zu kurz gekommen zu sein, waren verbittert, grantelig, fordernd und teilweise unerträglich. Das macht überhaupt keinen Spaß, sich mit solchen Menschen abzugeben. Sie wundern sich aber auch, dass sie alleine dastehen.
Die Weisen haben nicht etwa weniger schlimme Schicksalsschäge hinnehmen müssen. Sie fanden aber eine Möglichkeit des Umgangs damit. Sie waren im allgemeinen recht gut informiert, was auf der Welt vor sich geht, waren an allem möglichen interessiert. Ihr Verhalten, auch jüngeren gegenüber, war höflich, freundlich, zugewandt und wertschätzend.

Mit anderen Worten: Man kann/muss selbst eine Menge tun, um milde und weise zu werden. Von alleine geht das eher nicht.
  • 30.08.2014, 20:04 Uhr
  • 7
Christine Kammerer
Ich glaube auch, dass gerade die Menschen, die viel Schlimmes erlebt haben, dadurch weiser werden - sie können sich auch besser einfühlen in andere, denen es nicht so gut geht und werden dadurch milder in ihren Urteilen über andere, dankbarer für alles Gute etc.
  • 31.08.2014, 10:51 Uhr
  • 3
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Täglich auf's Neue beweist diese Plattform nur eines:
der Altersstarrsinn überwiegt
  • 30.08.2014, 19:20 Uhr
  • 2
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Aus jeder Situation das Beste daraus machen ,ist mein Lebensmotto.Schon seit 40 Jahren.Dadurch geht es mir heute gut.
  • 30.08.2014, 16:38 Uhr
  • 1
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ich denke jeder erlebt sein alter und älterwerden anders, wenn er/sie es sich erlaubt.
das ......wir......halte ich für gefährlich, es birgt nicht nur jede menge von verallgemeinerungen sondern auch so etwas wie kollektives älterwerden mit allen einschränkungen, die das alter angeblich so vorschreibt.
drum gefällt mir auch wolfgangs kommentar so gut.

auch ist natürlich, weisheit, milde und müdigkeit nicht immer und ausschließlich eine begleiterscheinung des älterwerdens.
  • 30.08.2014, 14:17 Uhr
  • 1
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Ich habe mich Jung mit bestimmten Sachen weniger befasst,da ich
mit beruflichen und geschäftlichen Sachen so stark in Anspruch genommen wurde,das ich die Zeit gar nicht dazu hatte mir Gedanken
für die ich im Alter die Zeit habe zu befassen.
Wenn man als Rentner sorgenfrei von allem, (zum Beispiel,Arbeit,
Geschäft,Familie) zum Nachdenken kommt,befaßt man sich plötzlich mit ganz anderen Dingen wie vorher.Man befasst sich plötzlich mehr mit
der Zukunft der kommenden Generation und dem politischen
Geschehen der Welt.
WEIL MAN JA ZEIT HAT IM ALTER.
  • 30.08.2014, 13:39 Uhr
  • 1
Christine Kammerer
Man muss das Geschenk der Zeit natürlich auch zu schätzen wissen - viele Alte haben gar keine Zeit...
  • 31.08.2014, 10:53 Uhr
  • 0
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Wolfg.Schuster
Ich bin 72 und fitter wie andere mit 30 oder 40. Von Altersmüdigkeit merke ich nichts. Ein gesundes Leben und Sport ist das Beste was man tun kann. Ich bin nie Krank,nehme keine Tabetten und gehe nur alle 2 Jahre zur Vorsorge zum Arzt. Alle Werte Blut usw. sind bestens.
Lesen Sie mein Buch:' Mein erster Marathon mit 61' mit vielen Gesundheitstips und meinen Läufen Weltweit. Für 9,90 Eu. im Buchhandel und im Internet. Am 14.Sept. laufe ich in Köln und demnächst in Mainz und Berlin. Den Winter verbringe ich immer auf den Kanaren.
  • 30.08.2014, 13:31 Uhr
  • 3
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gerade wenn uns Schicksalsschläge ereilen, erkennen wir, dass das Leben nicht planbar ist, sondern dass wir nur auf das reagieren können, was das Leben uns täglich beschert. Diese Erkenntnis hat mich gelassener, milder und ruhiger gemacht. Ich kämpfe nicht mehr um, für oder gegen Etwas. Dadurch wird mein Leben leichter und entspannter.
  • 30.08.2014, 13:27 Uhr
  • 6
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Vielleicht ist der Schlüssel zur Anwort hier eingebettet:

Gebe man mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. (ursprüngliche Quelle unbekannt .... Wiederholer gibt es viele.....))
  • 30.08.2014, 12:45 Uhr
  • 2
soweit ich weiß, stammt das aus dem Programm der Anonymen Alkoholiker ...
  • 30.08.2014, 13:03 Uhr
  • 2
ja , das ist sicher wirklich weise und schon lange eine anleitung zum leben für mich ! wenn man auch noch die einsicht hat , das sich das ändern können mit zunehmenden alter durch weniger kraft verringert und man milder wird, weil man die kräfte nicht sinnlos verplempern will , hat man doch eine gute zeit !
  • 30.08.2014, 13:16 Uhr
  • 3
@Silvia .... die AA sagen "Was du nicht willst, dass ich dir tu(e), das füge ich einer Anderen zu (kleiner Scherz am Rande )
  • 30.08.2014, 14:43 Uhr
  • 0
Der Spruch stammt aus dem Buch 'Sorge dich nicht, lebe'
  • 30.08.2014, 19:38 Uhr
  • 0
Christine Kammerer
Ich glaube ja, dass der Spruch schon (wie die meisten klugen Dinge, die Menschen mal gesagt haben) viel, viel älter ist, siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Gelasse...Hintergrund
  • 31.08.2014, 11:01 Uhr
  • 2
@Christine .... so ist es und wenn man alle "klugen Sprüche" und Lehren betrachtet, so werden sie überall übernommen. Das beste Beispiel hierfür sind die "Allgemeinpläteze" der Weltreligionen .... (natürlich ohne die sog. "sinnstiftenden" Alleinstellungsmerkmale.....)
  • 31.08.2014, 11:32 Uhr
  • 1
es ist letztlich auch nicht wichtig, woher der Spruch stammt - für mich ist er ein wichtiger Wegweiser geworden!
  • 31.08.2014, 13:21 Uhr
  • 2
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