wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Lichtmess – Frühlingsboten aus heidnischer Zeit

Lichtmess – Frühlingsboten aus heidnischer Zeit

Christine Kammerer
02.02.2013, 15:15 Uhr
Beitrag von Christine Kammerer

Die Tradition des Lichtmess-Tages ist schon beinahe in Vergessenheit geraten und auch wenn mancher Kalender noch darauf hinweist, ist kaum jemandem bekannt, dass der vermeintlich christliche Feiertag tief im heidnischen Brauchtum verwurzelt ist. Gerade in jenen Regionen, die einst unter dem Einfluss der keltischen Kultur standen wie zum Beispiel Süddeutschland sind die ursprüglichen Sitten und Gebräuche heute noch weit verbreitet.

Noch liegt die Natur im Winterschlaf, doch die Sonne geht jeden neuen Tag ein klein wenig früher auf und ragt bereits über machen Berggipfel, der vorher im Schatten lag. Die Tage ringen den dunklen Nächten mit jedem neuen Morgen mehr Licht ab und werden spürbar länger.

Brigid und der göttliche Bär
Das neue Licht verdanken wir nach der Legende der keltischen Göttin Brigid. Sie löst die dunkle Göttin ab, die den Winter beherrscht und mit ihr steigen die Elementarwesen und Fruchtbarkeitsgeister aus der Erde auf, allen voran der Bär. Meister Petz ist noch tapsig, müde und schlaftrunken, wenn er an diesem Tag zum ersten Mal vorsichtig seine Nase aus der Höhle streckt, um zu erschnuppern, wie weit der Frühling wohl schon gediehen ist. In der keltischen Mythologie ist er der wiedergeborene Sonnengott. Die dunkle Göttin und auch alle anderen Wesen dieser zauberhaften Welt begegnen uns wieder in der Symbolik der alten Märchen, die das Kulturgut bis in die heutige Zeit bewahren: Sie ist niemand anderes als unsere Frau Holle, die germanische Perchta - die Erdmutter, die dem Bären im Winter Unterschlupf gewährt.

An Lichtmess fängt der Bauersmann neu mit des Jahres Arbeit an

Das keltische Sonnenjahr ist eng mit den bäuerlichen Traditionen verwoben. Das Jahr der Bauern endet am 29. September, dem Michaelitag. Die Arbeit ist getan. Das Licht schwindet. Die stille Zeit beginnt. Erst mit Lichtmess fängt es von neuem an und das so genannte Bauern-Neujahr war bis vor 100 Jahren sogar ein offizieller Feiertag. Insbesondere die Dienstboten feierten den Schlenkertag, denn dann erhielten sie ihren Lohn. Es war zudem der einzige Tag, an dem sie ihren Dienstherrn wechseln (schlenkern) konnten.

Im astronomischen Jahreslauf liegt Lichtmess genau zwischen Wintersonnwende (21.12.) und Frühjahrs-Tagundnachtgleiche (21.03.) und wer mit wachen Augen durch die Natur geht, kann Brigid jetzt schon auf einem Hirsch durch die Wälder reiten sehen. Sie erweckt die Samen aus dem Winterschlaf und rüttelte die Bäume wach, so dass ihre Säfte wieder zu schießen beginnen. Brigid ist auch die Hüterin des Feuers und entfacht mit der Macht des Ostens und des neuen Morgens das Feuer der Sonne nach der Winterruhe. Ihre feurigen Pfeile – die von uns so ungeduldig ersehnten ersten warmen Sonnenstrahlen – berühren uns und sorgen für Frühlings-Gefühle.

Immer wenn sich das Sonnenrad weiterdrehte, also zum Beginn jeder neuen Jahreszeit feierten die Kelten ein großes Fest und so eben auch am 1. Februar zu Ehren ihrer hellen Göttin. Imbolg, was so viel bedeutet wie „das Anlegen der Schafe zum Säugen“ war ein Reinigungsritual, aber auch ein Fruchtbarkeitsfest, denn zur gleichen Zeit begannen die Mutterschafe, die bald darauf die ersten Lämmlein warfen, zum ersten Mal wieder Milch zu geben. Die Kelten begrüßten das Licht mit Freudenfeuern und befragten das Orakel. Ein Brauchtum, das sich in vielen Regionen bis heute erhalten hat: Traditionsgemäß werden dort alle Lampen des Hauses für kurze Zeit entzündet. Auch das Neuentfachen des jungen Lichtes in Form von Lichtmess-Feuern und der Lichtweihe, das Orakeln und der Verzehr traditioneller Lebensmittel wie Butter, Milch und Mehlfladen gehören zu den üblichen Gebräuchen.

Wenn der Bär zu Lichtmess seinen Schatten sieht, so kriecht er wieder auf sechs Wochen ins Loch
Lichtmess ist einer der so genannten Lostage. An diesen fixen Zeitpunkten im Jahr lässt sich nach alter Auffassung das Wetter der kommenden Wochen und Monate bestimmen und eine Prognose über wichtige Termine wie zum Beispiel Aussaat oder Ernte erstellen. Informationen, die in vorwissenschaftlicher Zeit für das Auskommen der Bauern von großer Bedeutung waren. Und wenn man wissen wollte, wie lange der Winter noch dauern wird, befragte man den Bären. Bis zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche gehen noch sechs Wochen oder vierzig Tage ins Land. Erst dann hat Meister Petz seinen Winterschlaf ganz abgeschüttelt und der Bann des Winters ist endgültig gebrochen. Selbst wenn es an Lichtmess mild und sonnig ist, muss er noch einmal vierzig Tage in seiner Höhle zubringen. Bär und Bienen bringen die Fruchtbarkeit - sie verkörpern zwei Seiten einer Medaille: Der dicke, genussfreudige und träge Petz und die zarten kleinen, keuschen und emsigen Immen. Traditionsverbunde Bauern rütteln heute noch ihre Obstbäume wach, flüstern den Bienen im Stock die frohe Botschaft zu und stellen das Dreschen und Spinnen ein, denn nun kommt der fruchtbare Kornbär.

Die Christen tragen das Licht in die Nacht
Die Christen übernahmen die alten Traditionen – aus Imbolg wurde „Lichtmess“, aus Brigid Maria und aus den Feuerritualen die Kerzenweihe und das Lichtmessfeuer, das von Haus zu Haus getragen wird, um die Herdfeuer oder eine Kerze am Hausaltar damit zu entzünden und neuen Segen in Heim und Hof zu bringen. Fackelzüge, Lichterschiffchen und Schwimmkerzen auf Flüssen und Seen tragen bei Dämmerung das Licht in die Nacht und nach wie vor entzünden Feuerpfeile die Lichtmessfeuer.

Auch in der jüdischen und katholischen Tradition ist Lichtmess ein Reinigungsritual – daran erinnert der früher gebräuchliche Name Mariä Purificatio. Nach den Vorschriften des Alten Testaments galt die Mutter 40 Tage nach der Geburt eines Sohnes als unrein und musste ein Reinigungsopfer darbringen. Maria pilgerte also in den Tempel und da Jesus ihr erster Sohn war, galt er als Eigentum Gottes und musste von den Eltern ausgelöst werden. Lichtmess ist das Fest der Darstellung Jesus im Tempel. Die christliche Tradition überträgt die heidnische Symbolik auf ihren Messias. Er ist das helle Licht, das den Menschen leuchtet und die Sonne der Gerechtigkeit. Jesus, der durch den Tod zum Leben hindurchgegangen sei, könne alle Finsternis unseres Herzens und unserer Welt erhellen.

Nach dem katholischen Ritual wird an Lichtmess der Jahresbedarf an Kerzen für die Kirchen und den häuslichen Gebrauch geweiht. Diese gesegneten Kerzen sollten vor allem in der dunklen Jahreszeit das Gebetbuch beleuchten, Schutz und Hilfe in der Not bieten oder als schwarze Wetterkerzen Unwetter abwehren. In einigen Regionen wie zum Beispiel in der fränkischen Schweiz finden noch heute Lichterprozession statt.

Bauernregeln:

Ist's zu Lichtmess mild und rein wird‘s ein langer Winter sein.

Lichtmess-Sonnenschein bringt großen Schnee herein.

Scheint zu Lichtmess die Sonne heiß, gibt‘s noch sehr viel Schnee und Eis.

Lichtmess trüb ist dem Bauern lieb
ist Lichtmess aber licht weicht der Winter nicht.

Wenn's an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit
ist es aber klar und hell, kommt der Lenz wohl nicht so schnell.

Lichtmess im Klee, Palmsonntag im Schnee.

Zu Stephani a Muckngahn, zu Neujahr a Hahnentritt, zu Heilig Drei König a Hirschensprung und zu Maria Lichtmess a ganze Stund. (Die Tage werden länger gegenüber dem kürzesten Tag des Jahres am 21. Dezember bis zum Stephanstag um einen Mückenschritt, zu Neujahr um einen Hahnentritt, am Tag der Heiligen Drei Könige um einen Hirschsprung und zu Mariä Lichtmess um eine ganze Stunde)

Einst der wichtigste Tag für Mägde und Knechte - eine alte Magd im Landkreis Miesbach berichtet über Lichtmess in den 30er Jahren

3 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Erscheint zu Lichtmess dir ein Bär
wird das Jahr gar lang und schwer
(Neu-österreichische Bauernregel anno 2013)

Ach Brigid, ach Brigid
nimm mich auf dem Hirschen mit
(Fränkischer Bauer nach einer Traktorpanne)

Um den Acker schert der Landwirt sich die Bohn'
seit er setzt ... auf nachhaltige Genmanipulation
(aus dem Jahrbuch der Firma MONSANTO)
  • 03.02.2013, 21:41 Uhr
  • 0
Christine Kammerer
Hauptsache, das alte Kulturgut wird überhaupt irgendwie fantasievoll überliefert und verändert haben sich die Traditionen ja auch entsprechend dem jeweils vorherrschenden Zeitgeist...
  • 04.02.2013, 09:00 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Auf dem Land wird Lichtmess noch gehalten,besonders bei den Bauern hier in Oberschwaben .
  • 02.02.2013, 16:30 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren