wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?

Diskussionskultur

26.12.2016, 11:50 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Da praktisch jeder die mangelnde Diskussionskultur im wl beklagt, muss wohl irgendetwas in den Diskussionen schief laufen.
Wer lange im wl bzw SB ist, kann feststellen dass (neben persönlichen Animositäten) das wohl grundlegende Problem in dem Umgang mit Begriffen wie Wahrheit, Tatsache, angenommene Tatsache, Glauben, Meinung, und Argument, liegt.
Die Bedeutung dieser Begriffe ist nicht so allgemein bekannt, wie man annehmen möchte.

Eine Wahrheit ist dadurch gekennzeichnet, dass alle Menschen es gleich wahrnehmen (können). Z.B. dass etwas herunterfällt, wenn man es loslässt oder dass die Erde eine Kugel ist. Selbst wenn etwas von allen Menschen geglaubt wird, ist es noch keine Wahrheit. Zur Wahrheit gehört das gemeinsame (durch unsere Sinne) wahrnehmen können. Naturgemäß gibt es wenige, absolute Wahrheiten.

Eine Tatsache kann eine Wahrheit sein, wenn die obigen Kriterien eingehalten sind. In der Regel ist es aber so, das es sich um etwas handelt, was nicht für alle Menschen gleich wahrnehmbar war oder ist. Wenn ein Weihnachtsbaum umfällt, dann ist das ist es für alle anwesenden Personen ein Tatsache. Für abwesende aber noch lange nicht. Denn zur Tatsache gehört die eigene Wahrnehmung.

Eine angenommene Tatsache entsteht, wenn ich meinem Nachbarn von dem umgefallen Weihnachtsbaum erzähle, und er nimmt an, dass das stimmt. So gehören praktisch alle Informationen, die wir erhalten (über Dinge die wir nicht selbst wahrgenommen haben) zu den angenommenen Tatsachen. Eine Kontrolle darüber, ob eine angenommene Tatsache eine wirkliche Tatsache ist, haben wir in der Regel nicht. Eine "Wahrheit" aber, kann es schon gar nicht sein. s.O.

Das Glauben: Wahrheiten und Tatsachen kann (braucht) man nicht glauben, denn sie sind mir durch meine Sinne (Wahrnehmungen) offensichtlich. Alles andere dagegen, kann ich glauben oder nicht. Dieser Glaube unterscheidet sich in nichts von dem religiösen Glauben, denn wenn ich etwas nicht mit meinen eigenen Sinnen wahrnehmen kann, es aber trotzdem für wahr halte, dann glaube ich es eben nur. Das gilt besonders für die oben erwähnten, angenommenen Tatsachen. Es ist eine ganz persönliche Entscheidung, was man glauben will und was nicht. Kein Glaube kann "wahr" sein, oder gar "wahrer" als ein anderer Glaube, solange er nicht mit den eigenen Sinnen bestätigt ist.

Die Meinung ist ebenso frei wie das Glauben. Jeder Mensch bildet sich seine Meinung nach seiner individuellen Konstitution. Zur Bildung dieser Meinung werden in der Regel sowohl Wahrheiten als auch Tatsachen benutzt (oder ignoriert). Da es von diesen beiden, aber naturgemäß sehr wenig gibt, besteht der größte Teil einer Meinung immer aus dem geglaubten. Das ist unvermeidbar.

Das Argument ist etwas verzwicktes. Es gibt deduktive, induktive, indirekte und noch mehr Formen davon. Eines haben sie gemeinsam: Sie verlangen eine gewisse Übereinstimmung der Beteiligten bei den angenommenen Tatsachen, bzw. dem Glauben, sowie die Einhaltung der Grundzüge der Logik.
Z.B. "Die allgemeine Verdummung ist die Folge der Chemtrails", ist ein klares Argument unter Leuten, die an die Existenz von Chemtrails glauben. Ansonsten ist es einfach kein Argument. Ohne solche gemeinsame Grundannahmen, ist keine Aussage ein Argument, egal wie sehr man darauf pocht und wie "wahr" die Aussage dem einem einzelnen vorkommt.

Schauen wir uns jetzt einmal eine übliche "Diskussion" im wl an, dann können wir leicht sehen, dass ständig Meinungen mit Wahrheiten verwechselt werden, so wie Glauben mit Tatsachen. Angenommene Tatsachen werden ebenso wie Tatsachen behandelt, Glaube wird zu Wahrheit und alles davon soll immer ein Argument sein.

So ist eigentlich klar, warum die meisten Diskussionen hier ablaufen, wie der Versuch sich mit einem Zeugen Jehovas zu unterhalten, wo jeder Glaube eine Wahrheit sein soll.

Hilfreich wäre es, wenn wir uns alle erst einmal fragen, in wie weit besteht meine Meinung aus wirklicher Wahrheit (im obigen Sinn), wie viel davon ist selbst mit meinen Sinnen wahrgenommene Tatsache (dazu gehört eben NICHT gelesenes oder gehörtes), wie viel ist angenommene Tatsache, also Glaube (sicher das meiste).

Nun spricht nichts dagegen, über die vielfältigen Glauben zu diskutieren, egal ob politisch, persönlich oder religiös. Das setzt aber voraus, das jeder Beteiligte seinen Glauben als solchen erkennt und auch (zumindest ansatzweise) berücksichtigt, dass kein Glaube "wahr", oder gar "wahrer" sein kann, als ein anderer Glaube.

Auch was ich jetzt hier geschrieben habe, ist Glaube und als solcher diskutierbar, steht also dem Austauch von Argumenten offen (s.O.). Alternativ kann man darauf aber auch verzichten und einfach seinen eigenen Standpunkt darlegen. Nur dann ist es eben wieder keine Diskussion.

PS: Der Begriff "Fakt" wurde hier nicht mit behandelt, weil ich davon ausgehe, dass wir soweit des Deutschen mächtig sind, dass wir auch den Begriff "Tatsache" dafür verwenden können

47 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Das Problem mit der WAHRHEIT ist, dass sie von den meisten mit der Wirklichkeit verwechselt bzw. identifiziert wird.
Das Problem mit dem GLAUBEN ist, dass er für viele Ersatz für ein Nichtwissen, ja für ein Gar-nicht-wissen-Können ist, weil sie sich ihr Nichtwissen nicht erlauben.
Das Problem mit den TATSACHEN ist, dass sie der eine so und der andere anders sieht.
Das Problem mit der DISKUSSIONSKULTUR ist, dass wir größßtenteils nicht akzeptieren wollen, das ALLES, wirklich alles, was wir in unserem Kopf so als vermeintliches Wissen pflegen, nichts anderes ist, als meine persönliche Meinung die nicht "wahrer" ist, als deine.

p.s.: Nicht mal meinen eigenen Gedanken muss ich glauben!!!
  • 25.03.2017, 12:34 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Nun, die aktuellen Ereignisse auf WL und der Welt halten uns jeden Tag den Spiegel vor die Nase.
Glauben wir etwa, dass wir in unserem Informationszeitalter eins wären mit dieser Welt?
Doch im Grunde wissen wir nicht, was die Menschen hier wirklich umtreibt.

Vereinsamung, Überreizung, Freudlosigkeit und Ignoranz nehmen Formen an, die mich überaus nachdenklich machen. Die implizierte Angst vor der Zukunft wird in den Kommentaren und Notizen leider nur sehr diffus ausgedrückt.
Oft zeigen sie sich in Projektionen und Schuldzuweisungen.
Im Grunde tanzen viele hier auf ihrem selbstgebauten Vulkan.

Ganz viele Menschen leben hier jedoch in einer eigenen Welt. Doch was genau diese Menschen umtreibt, wird oft arrogant ins soziale Abseits gelächelt.
So werden sie dann zum Futter für Agitatoren und Propagandisten, die sich angeblich um ihre Bedürfnisse kümmern möchten. Die einschlägigen Fakes mit ihren Hetz-, Angst- und Hasskampagnen sind daran nicht ganz unbeteiligt.

Was können wir also tun, individuell und kollektiv, um aus dieser Abwärtsspirale auszusteigen?

Wir können beispeilsweise einen Kontrapunkt setzen, indem wir uns unseren innersten Schatten, Projektionen und Ängsten stellen. So übernehmen wir Verantwortung für unsere Ideen und Vorstellungen, können sie bewusst zurücknehmen und befrieden so unsere innere Welt. Agitatoren werden in einer selbstverantwortlichen und bewussten Welt keine Landefläche finden und verschwinden.
Menschliche Werte stehen dann vor den Materiellen.

Im Grunde haben wir alle die gleichen Bedürfnisse.
Wir wollen gesehen, beachtet, geliebt und wertgeschätzt werden.
Wir wollen zu einer mitfühlenden, unterstützenden Gemeinschaft zählen.
Und wir wollen unsere Grundbedürfnisse befriedigt haben.
Wir wollen alle "nur" glücklich sein!

Hat die WL-Welt Dich schon konsumiert?
Reitest Du noch die Welle der sogenannten Anderen?
... oder schon Deine eigene?
Hast Du Dich schon erinnert,
was/wer Du wirklich bist?

Oder lässt Du Dich von der Energie,
der verwirrten, orientierungslosen,
indoktrinierten Menschheit hier
am Schlafittchen nehmen?

Im Sinne des inneren und äußeren Friedens wünsche ich eine gute Entscheidung.
  • 19.02.2017, 12:24 Uhr
  • 2
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Dein Wahrheitsbegriff ist mir nicht klar. Dass etwas herunterfällt, wenn man es loslässt, ist keine Wahrheit sondern ein Ereignis. Wahr können nur Sätze sein, nicht Ereignisse.
"Von etwas, das ist, zu sagen, dass es nicht ist, oder von etwas, das nicht ist, zu sagen, dass es ist, ist falsch; Hingegen von etwas, das ist, zu sagen, dass es ist, oder von etwas, das nicht ist, zu sagen, dass es ist, ist wahr." So schon Aristoteles in seiner Metaphysik. Nach ihm ist Wahrheit die Übereinstimmung einer Aussage mit der Sache, auf die sie sich bezieht. Aber das ist nur ein kleiner Teil des Wahrheitsproblems.
  • 27.12.2016, 11:54 Uhr
  • 0
Wo siehst Du den Unterschied zwischen der Definition im Beitrag und der von Aristoteles?
"Hingegen von etwas, das ist, zu sagen, dass es ist ... ist wahr"
Woher kommt das Wissen, dass etwas ist? Einzig aus der menschlichen Wahrnehmung.
  • 27.12.2016, 12:02 Uhr
  • 0
"Eine Wahrheit ist dadurch gekennzeichnet, dass alle Menschen es gleich wahrnehmen (können). Z.B. dass etwas herunterfällt, wenn man es loslässt oder dass die Erde eine Kugel ist."
In dem Wörtchen "es". "Es" ist die Wirklichkeit, die wahrgenommen wird, nicht die Wahrnehmung. Auch die Wahrnehmung selbst ist noch ein Ereignis im Gehirn. Erst der Satz, der etwas über dieses "Es" aussagt, kann wahr oder falsch sein, nicht das "Es" selbst.
Aristoteles sagt nicht, dass etwas ist, ist wahr. Er sagt auch nicht, dass die Wahrnehmung, dass etwas ist, wahr sei. Er sagt, etwas über etwas "zu sagen", ist entweder wahr oder falsch.
  • 27.12.2016, 13:19 Uhr
  • 0
Du hast Recht. Das "es" bezieht sich auf die "Wirklichkeit" und damit ist Deine Kritik berechtigt.
Natürlich kann auch nur eine Aussage wahr oder falsch sein. Eine Wirklichkeit kann das nicht.

Aber wie stellt auch Aristoteles fest, ob ein Satz wahr ist?
In dem der die Aussage mit dem Wahrgenommenen vergleicht. Eine andere Möglichkeit haben wir nicht. Das Wort Wahrnehmung sagt es ja schon: Wahr-Nehmung.

Korrekt hätte ich den Satz dann wohl so formulieren müssen:
Eine wahre Aussage, d.h. das was wir allgemein als "Wahrheit" bezeichnen, ist dadurch gekennzeichnet, dass ihr Wahrheitsgehalt durch allgemeine Wahrnehmung bestätigt ist.
Besser bekomme ich es nicht hin. Hast Du eine Idee?
  • 27.12.2016, 14:10 Uhr
  • 0
Auch da habe ich mein Problem.Man kann nur gleichartiges miteinander vergleiche: Äpfel mit Birnen = Zusammen "Obst". Aber ein Satz mit "dem Wahrgenommenen"? Wohl nicht mal mit der Wahrnehmung.
Ich bin ehrlich gesagt mit der Wahrheit nie ganz klat gekommen. Beispiel: "Herr Müller ist im Wohnzimmer" ist wahr, wenn der Satz auf die Frage antwortet: "Wo ist Herr Müller?" Ist er auch wahr, wenn er auf die Frage antwortet: "Wer ist im Wohnzimmer?" wenn außer ihm noch seine Frau im Wohnzimmer ist? Falsch ist er nicht, denn er ist ja dort.

Sätze abstrahieren von der Wahrnehmung, sagen nur einen Teil von dieser aus. "Halbwahrheit". Wahrheit steht offenbar nicht allein da. Es kommt auf den Kontext an.
  • 27.12.2016, 15:31 Uhr
  • 0
Der Satz ""Herr Müller ist im Wohnzimmer", ist wahr, wenn er wirklich dort ist. Selbst wenn das Wohnzimmer voll ist, ist er immer noch da. Aber:
Dieser Satz wird erst dann wahr, wenn ich Herrn Müller im Wohnzimmer gesehen habe. Er kann nicht von sich heraus (eben ohne diesen Kontext) wahr sein. Aber selbst dann, ist er erst einmal nur für mich selbst wahr (bis noch jemand anders Herrn Müller dort gesehen hat).

Wir bewegen uns da in Richtung von der Frage: "Wenn ein Baum Umfällt, macht er auch dann ein Geräusch, wenn keiner da ist, der es hört?"
Und die Antwort ist, so verblüffend es sein mag: Nein.

Denn erst unser Ohr macht die von dem fallenden Baum ausgehenden Luftdruckschwankungen zu dem, was wir Geräusch nennen.

Und so macht erst die Bestätigung durch unsere Sinne, eine Behauptung zu einer Wahrheit.
Es gibt keine Möglichkeit, durch Logik die Wahrheit einer Aussage zu bestimmen. Bestenfalls können wir damit Wahrscheinlichkeiten definieren.
  • 27.12.2016, 15:51 Uhr
  • 0
Wahrheit und Wahrnehmung sind nicht so miteinander verknüpft, wie du es schilderst. Ein Geräusch ist die psychische Umsetzung von elektrischen Schwingugen im Hörnerv. Die Übereinstimmung von Satz und Wirklichkeit ist von der Wahrnehmung unabhängig.
Dass ein Mensch, der sich Michael Hoffmann nennt, die obigen Zeilen geschrieben hat, ist weahr, auch wenn ich ihn nicht beim Schreiben beobachtet habe, wenn er ihn tatsächlich geschrieben hat (und er nicht aus einem anderen Text per Copy & paste übertragen worden ist). Eine entsprechende Beobachtung ist nur ein Beweis für den Satz.
Welche Sinne bestätigen den Satz "2 hoch 10 ist 1024"?
Ich glaube, diese Suche nach Wahrheit führt nicht sehr weit.

Die alten Israeliten gingen einen anderen Weg. Ihr Wort für "Wahrheit" ist "mæt". Man ist der Auffassung, dass das Wort aus dem Stamm "mn" abgeleitet ist. Das bedeutet "fest, zuverlässig". Da kommt in den Wahrheitsbegriff eine zwischenmenschliche Note. Wahr ist dann eine Aussage, wenn ich mich auf sie verlassen kann. Wenn ich also weiß, dass die Frage "Wer ist im Wohnzimmer?" auf die Personen im Wohnzimmer abzielt, dann ist die Antwort "Herr Müller ist im Wohnzimmer" insofern unwahr, als ich mich auf sie nicht verlassen kann, und sie ist nicht halbwahr, weil ja Herr Müller immerhin dort ist.
Der Zeugeneid lautet daher: Sie schwören (bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden), dass Sie nach bestem Wissen die reine Wahrheit gesagt und nichts verschwiegen haben.“ Das "nichts verschwiegen" ist damit Bestandteil der Wahrheit einer Aussage.
  • 27.12.2016, 17:03 Uhr
  • 0
Wie können wir entscheiden, ob etwas "fest, zuverlässig" ist, ohne unsere Sinne zu gebrauchen?

Oder kann ein blinder, tauber Mensch, der nicht im Besitz seiner Sinne ist, als Zeuge die Wahrheit sagen?
  • 27.12.2016, 17:13 Uhr
  • 1
Natürlich gebrauchen wir unsere Sinne für eine solche Entscheidung. Aber die gebrauchen wir für alles Mögliche. Aber schon eine Prise Exstasy zeigt, dass damit ja noch nichts gewonnen ist, dass das nicht ausreicht. Und die Frage "Welche Sinne bestätigen den Satz "2 hoch 10 ist 1024"? harrt noch der Antwort.
  • 27.12.2016, 20:48 Uhr
  • 0
Ein Mensch unter Exstasy kann keine Wahrheiten mehr erkennen, denn er kann seine Wahrnehmung nicht mehr mit anderen teilen. Er ist nicht mehr im Besitz seiner Sinne.

Die Menschen haben ein mathematisches System entwickelt, in dem der Satz "2 hoch 10 ist 1024" zwangsläufig logisch ist. Die Sumerer z.B. mit ihrem 12er System, hätten ihn für Unsinn (also unlogisch, unwahr) erklären müssen.
Die Wahrheit dieses Satzes gibt es nur innerhalb dieses Systems, so kann man ihn als "logisch" ansehen und das ist auch ratsam, wenn man mit diesem System rechnen will
Außerhalb dieses abgegrenzten Systems, hat der Satz keinerlei Bedeutung, ist weder wahr noch unwahr.
Logische Konstrukte gibt es viele. Alles was in die jeweilige Logik passt, ist im Sinne dieser Logik "wahr". Aber eben nur im "Sinne dieser Logik". Mit unserem allgemeinen Wahrheitsbegriff, um den es auch Aristoteles ging, hat das nichts zu tun.

Die offene Frage bleibt: Wie kann der Wahrheitsgehalt einer Aussage überprüft werden, ohne unsere Sinne?
  • 27.12.2016, 21:27 Uhr
  • 0
Bei der Mathematik weichst du aus:
Auch die Sumerer werden den Satz als wahr beurteilen, wenn man das Zehnersystem hinzufügt, also formuliert: In einem Zehnersystem ist der Satz "2 hoch 10 ist 1024" wahr. Und nun? Mit welchen Sinnen wird ihnen die Wahrheit bestätigt?

Gut, lassen wir Exstasy. Nehmen wir die optischen Täuschungen. Diese Wahrnehmungeen kann man mit jedem teilen.
https://www.google.de/search?q=optis...024&bih=659
Für die Überprüfung des Wahrheitsgehaltes bedarf es vielerlei, nicht nur der Sinne, auch der Logik, also ein Urteilsvermögen, die Möglichkeit, überprüfbare Sätze zu bilden, ja überhaupt der eigenen bewussten Existenz. Ein Mensch ohne irgendwelche Sinne, (und wenn er taub und blind ist, hat er noch den Tastsinn), stellt keine Wahrheitsfrage. Wenn überhaupt alles fehlt, ist er im Koma oder tot. Da erübrigt sich für ihn die Wahrheitsfrage.

"Woher kommt das Wissen, dass etwas ist? Einzig aus der menschlichen Wahrnehmung." Eben nicht "einzig", dazu gehört eben mehr. Die Wahrnehmung allein kann täuschen. Wenn mir einer aufs Auge schlägt, nehme ich Sternchen wahr. Mein Nachbar ist beinamputiert. Er nimmt Schmerzen im nichtvorhandenen Fuß wahr. Für das Wissen muss es zwar Wahrnehmung geben. Aber das ist nicht entscheidend. Selbst der Regenwurm mit einer Ganglie nimmt seine feuchte Umgebung in der Erde wahr.
  • 28.12.2016, 10:52 Uhr
  • 0
Gut, gehen wir davon aus, dass das alles so ist. Dann ist aber immer noch nicht geklärt, wie der Wahrheitsgehalt einer Aussage ansonsten geprüft werden kann. Was ist dieses "mehr", das es noch dazu braucht?
  • 28.12.2016, 11:01 Uhr
  • 0
So ein komplexes "Organ" wie das Urteilsvermögen. Gerade in einer Zeit, wo die Vokabel "Lügenpresse" geprägt wurde, scheint darüber hinaus auch das Vertrauen von Bedeutung zu sein. Wahrheit als etwas, auf das man bauen kann. Diese Wahrheit wäre vom Urteilsvermögen unabhängig, wäre auch dann wahr, wenn sie von niemandem als Wahrheit erkannt wird. Das wäre dann eine Eigenschaft eines ausgesagten Sachverhalts.
Der Satz "Das Bungee-Seil ist nicht zu lang" bedeutet, wenn er wahr ist, dass ich mich darauf verlassen kann, dass ich nicht unten aufklatsche. Ob er wahr ist, kann ich im Vorhinein selbst nicht beurteilen, weil ich nicht weiß, wie lang es sich ausdehnt. Aber, wenn ich springe, verlasse ich mich auf die fachliche Kompetenz des Veranstalters und halte den Satz für wahr. Meine Wahrnehmung, das aufgerollte Seil auf dem Boden, gibt mir dazu keine Auskunft.
Ich komme damit zurück auf den semitischen Gebrauch, wo Wahrheit mit Zuverlässigkeit zu tun hat, was ein Gelenk zum Glauben ist (Damit Wahrheit eine Bedetung bekommt, muss man sie glauben), und wenn es nur die eigenen Sinne sind, denen man glauben muss.
Der Evangelist Johannes war ja kein Spinner. Er legt Jesus die Worte in den Mund: "Ich bin der Weg und die Wahrheit ..." - eine sehr rätselhafte Formulierung.
  • 28.12.2016, 13:05 Uhr
  • 0
"Damit Wahrheit eine Bedeutung bekommt, muss man sie glauben"
Da kommen wir bestimmt nicht zusammen. Eine Wahrheit kann man nicht glauben. Entweder man kennt diese Wahrheit oder man kennt sie nicht. Glauben schließt das Wissen um eine Wahrheit aus.
Und über den "Wahrheitsgehalt" von Religionen zu diskutieren, ist das widersinnigste was man versuchen kann.
  • 28.12.2016, 15:17 Uhr
  • 0
Es geht nicht um den Wahrheitsgehalt von Religionen.
Es geht darum, wie man entscheidet, was Wahrheit ist. "Entweder man kennt die Wahrheit...?" Man kennt sie nie, man ist allenfalls davon überzeugt, dass dies oder jenes die Wahrheit sei - so lange, bis sich herausstellt, dass es sich um eine Illusion handelte.
  • 28.12.2016, 16:33 Uhr
  • 0
Oder solange, bis jeder sich mit eigenen Sinnen davon überzeugen kann
Ich interpretiere Deinen vorletzten Kommentar so, dass man zur Kenntnis der Wahrheit einen "gesunden Menschenverstand" braucht. Du nennst es Urteilsvermögen.
Welche Voraussetzungen braucht es Deiner Meinung nach, dass dieses Urteilsvermögen etwas als Wahrheit erkennen kann?
  • 28.12.2016, 16:54 Uhr
  • 0
1. "Dass jeder sich mit eigenen Sinnen davon überzeugen kann"? Ich habe im Garten rote Rosen. Das ist nicht wahr, weil sich ein Farbenblinder davon nicht überzeugen kann.
2. "Gesunder Menschenverstand" ist etwas anderes als Urteilsvermögen. Urteilsvermögen ist die Fähigkeit, eine Aussage mit einer in Sprache gegossenen Wahrnehmung zu vergleichen. Man vrgleicht nur Gleichartiges, also einen gegebenen Satz über einen Sachverhalt mit einem selbst formulierten Satz über diesen Sachverhalt. Das Urteilsvermögen - so sehe ich das - gebiert diesen selbst formulierten Satz.
Ich denke an das Höhlengleichnis bei Platon. Die Wirklichkeit ist nicht erkennbar, nur ihr Schatten. Über diese gibt es prinzipiell keine übereinstimmende Wahrnehmung von Jedermann. Insofern gibt es Wahrheit nur da, wo es auf die sinnliche Wahrnehmung nicht ankommt, wie in der Mathematik.

"Und über den "Wahrheitsgehalt" von Religionen zu diskutieren, ist das widersinnigste was man versuchen kann." Kommt drauf an, wie man das macht. Ich habe grundsätzlich etwas gegen Religions- und Gottesphobie, die das Denken einschränkt. Allerdings ist richtig, dass dort ein anderer Wahrheitsbegriff verwendet wird.
  • 28.12.2016, 17:14 Uhr
  • 0
"Jeder mit eigenen Sinnen" ist eben nicht ein Farbenblinder
Aber lassen wir das besser.
Ich habe auch etwas gegen Religions- und Gottesphobie, phobisch werde ich nur dann, wenn der Wahrheitsanspruch dazu kommt.
Ich habe mich etwas schwer getan, weil ich immer das Thema des Beitrags mit im Auge hatte. Also den Begriff der Wahrheit in der Diskussion.

Andererseits kann ich Dir schon beistimmen, im Sinne des Höhlengleichnis: Die wirkliche Wirklichkeit (wenn es sie den gibt) ist als solche nicht für uns Menschen erkennbar. Wir können nur deren Schatten interpretieren. Damit können wir eine Vorstellung von der angenommenen Wahrheit bekommen, aber diese Vorstellung letzten Endes niemals verifizieren.
So können wir nur die Vorstellungen auf ihre Logik prüfen und dazu haben wir nichts als den Verstand. Oder wie Du es nennst, das Urteilsvermögen.

Das ist ein möglicher Ausgangspunkt. Dieser bedeutet aber, das wir von der Vorstellung einer "wirklichen Wahrheit" die erkennbar wäre, Abschied nehmen müssen.
Außer natürlich in der Mathematik, aber eine "Wahrheit" die sich nicht der Menschen selbst kreiert hat, die auch vor und nach dem Menschen bestand hätte, finden wir dort auch nicht.
Vielleicht ist dann der Schluss, dass "Wahrheit" prinzipiell nur ein Produkt des Geistes und genau so variabel wie ein Urteilsvermögen ist. Also keinerlei feste Größe?
  • 28.12.2016, 17:45 Uhr
  • 0
Das ist mal zunächst ein sehr fruchtbarer Ausgangspunkt. Allerdings habe ich erhebliche Zweifel, dass das, was ich wahrnehme, der Wirklichkeit entspricht. Schließlich hat die Evolution uns dazu ausgestattet, zu überleben und nicht, um die Wahrheit zu erkennen.
Zu den Konsequenzen muss ich nochmal nachdenken.

"Ich habe auch etwas gegen Religions- und Gottesphobie, phobisch werde ich nur dann, wenn der Wahrheitsanspruch dazu kommt." Das sehe ich gelassener. Schließlich erhebe ich mit jeder meiner Äußerungen in gewissem Sinne einen Wahrheitsanspruch. Wenn ich diesen nicht hätte, würde ich die Äußerung unterlassen. Der Anspruch ist allerdings nicht durchsetzbar und oft genug unerfüllt. Eine Religion ohne Wahrheitsanspruch ist keine. Das ist der Unterschied zu Hänsel und Gretel.
Die euklidsche Geometrie erhebt einen Wahrheitsanspruch. Er ist ihr immanent. Aber ich kann den Anspruch zurückweisen und behaupten, dass es zu einer Geraden durch einen Punkt außerhalb mehr als eine Parallele gibt. Dann bekomme ich die Gauß-Lobatschewskische Geometrie. Die christliche Religion erhebt einen Wahrheitsanspruch. Ich kann ihn zurückweisen und komme zum Islam oder Buddhismus oder Atheismus oder zu sonstwas. Aber ich kann auch innerhalb solcher (geometrischer oder religiöser) Systeme ihre Implikationen diskutieren. Ich habe einen guten Freund, der ist Mönch und Priester. Ich diskutiere mit ihm lange und ausführlich über Probleme innerhalb des Christentums, obwohl er weiß, dass ich dem Glauben an Gott sehr skeptisch gegenüberstehe, um es vorsichtig auzudrücken. Aber die Religion ist ein Konstrukt und Zeichensystem, das man durchaus von seinen eigenen Voraussetzungen her diskutieren kann. Das ist die wahre Freiheit des Denkens.

Das mache ich aber nicht in WL. Da sind nur pöbelnde Proleten zugange, die meinen, Religion und religiöse Menschen lächerlich zu machen, sei schon "Kirchenkritik", und kommen sich dabei richtig aufgeklärt vor.

Für die gilt Wilhelm Busch:

Wenn einer, der mit Mühe kaum
Gekrochen ist auf einen Baum
Schon meint, dass er ein Vogel wär,
So irrt sich der.

Für die bin ich ein arroganter Besserwisser. Wenn nicht, dann mache ich was falsch!
  • 28.12.2016, 20:08 Uhr
  • 1
Entschuldige Christian, ich habe Dich von Anfang an falsch eingeschätzt, weil es solche Gesprächspartner hier sonst eher selten gibt.
Im Anfang der Diskussion habe ich "Wahrheit" als etwas genommen, auf das jeder Mensch sich zweifelsfrei beziehen kann. Diesen Standpunkt hatte ich eingenommen, weil in den Diskussionen hier, stets eine Konfusion zwischen den Begriffen Meinung und Wahrheit herrscht. Mit ging es da überhaupt nicht um die philosophische Bedeutung von "Wahrheit".
Um so besser, dass Du es in diese Richtung gedrängt hast.

Ist "Wirklichkeit" gleich mit "Wahrheit"? Ich glaube eher nicht. Vom Wort her ist es "das was wirkt", oder die Wahrnehmung einer Wirkung.
Wie definierst Du Wahrheit? Für mich wäre sie (wenn es sie denn gibt), das Unumstößliche, nicht Bezweifelbare.
Von so etwas geht ja wohl auch Platon aus, von dem "einzig realen", das seine Schatten wirft.
Kann es aber überhaupt das unumstößliche, nicht bezweifelbare, geben, außerhalb, unabhängig von uns Menschen, sozusagen eine kosmische Wahrheit?

Dann noch eine ketzerische Frage: Brauchen wir überhaupt eine Wahrheit? Ist ihre Existenz überhaupt notwendig?
Als psychologische Stütze, zur Orientierung, kann ich einen Sinn sehen. Wobei es da aber wiederum wenig darauf ankommt, wie wahr diese Wahrheit ist.
  • 28.12.2016, 21:05 Uhr
  • 0
Ich fürchte, wir beginnen, uns zu verheddern, was darauf zurückzuführen ist, dass das Wort "wahr" verschiedene Bedeutungen hat, die leicht vermengt werden. Ein wahrer Satz ist etwas anderes als ein wahrer Freund.

Von Aristoteles bis zum Ende des Mittelalters konnten auch Dinge wahr sein. In der Renaissance ist man davon abgekommen. Schließlich wurde der Begriff der Wahrheit auf die Geschichtsschreibung beschränkt. Dem Historiker obliege es, die Wahrheit zu sagen, die sich in der Übereinstimmung von Sache und Wort manifestiert. Wahrheit ist danach eine Eigenschaft von Sätzen. Die Wahrheit sei vom Menschen nicht zu erkennen; aber es gebe zwei Mittel, die Wahrheit zu suchen: die Erfahrung und das Urteil. Descartes formuliert: "Wahr ist alles, was ich sehr klar und deutlich erkenne". Damit wären wir wieder bei deinem Eingangsstatement. Für Montaigne ist die Wahrheit eine moralische Größe: "Der erste Schritt zur Korrumpierung der Sitten ist die Verbannung der Wahrheit". Er stellt die intellektuelle Redlichkeit des Einzelnen in den Vordergrund. Insofern ist das Ziel der Wahrheit (wie ein Leuchtturm am Horizont, der den Schiffen den Weg weist) auch für mich unverzichtbar.
  • 29.12.2016, 11:04 Uhr
  • 0
Wenn wir Wahrheit als moralische Größe, als Leuchtturm ansehen, sie also zu Orientierung nutzen wollen, dann brauchen wir aber unbedingt eine Möglichkeit die Wahrheit von der Unwahrheit unterscheiden zu können.
Gäbe es diese Möglichkeit nicht, gäbe es auch keine Wahrheit und damit keinen Leuchtturm.

Nun können wir einen Satz anhand der Aussagenlogik prüfen. Wenn er mit ihr übereinstimmt, dann könnten wir ihn als "wahr" bezeichnen. Aber das hilft uns nicht weiter, denn diese Wahrheit bezieht sich nur auf die formale Logik. (die Eigenschaft von Sätzen).
Wann können wir z.B. den Satz "In Ohio sind Fische vom Himmel gefallen" als so intellektuell redlich einstufen, dass er uns zur Orientierung nutzen kann, ohne dass jemand hinfährt und nachschaut?

Dieses Dilemma lässt sich nur umgehen, wenn wir intellektuelle Redlichkeit auf ein "nach bestem Wissen und Gewissen" reduzieren. Sozusagen auf den Willen zur Wahrheit. Damit sind wir bei der Wahrheitssuche mittels Erfahrung und Urteil. Also bestenfalls bei einer Annäherung an eine Wahrheit, denn Erfahrung und Urteil von Menschen kann extrem unterschiedlich sein, bei aller Redlichkeit.

Diesen Weg möchte ich nicht schlecht reden, denn echte Redlichkeit ist sehr wertvoll. Damit geben wir aber die "wirkliche Wahrheit" auf. Eine auf die ich mich bedingungslos beziehen kann.
(Außer ich akzeptiere daneben auch ein Wahrheit, die sich durch Wahrnehmung feststellen lässt )
  • 29.12.2016, 15:35 Uhr
  • 0
... sofern die Sinne dich nicht täuschen. Sie wurden nämlich nicht zur Feststellung von Wahrheit sondern zur Erhöhung der Überlebenswahrscheinlichkeit entwickelt.

Im Übrigen scheint es mir, als ob wir eine Illusion seien. Die Materie besteht im Wesentlichen aus Leere. Vieles deutet darauf hin, dass wir dreidimensionale Schatten von 4- oder mehrdimensionalen Entitäten sind (ähnlich dem Höhlengleichnis, auch da nehmen die Menschen die Dinge um eine Dimension vermindert wahr, die Gegenstände (dreidimensional) werden auf die Schatten (zweidimensional) reduziert. Das ließ sich im Gleichnis nicht anders darstellen. Wenn man das Gleichnis aber rückwärts nimmt, also dreidimensionale Schatten, dann sind die verursachenden Gegenstände mindestens um eine Dimension reicher.

Insofern glaube ich nicht, dass die Wahrnehmung eine echte Wahrheit vermittelt, aber eine praktisch brauchbare: Wenn ich aus dem Fenster sehe und dort Regen wahrnehme, dann führt das dazu, dass ich einen Schirm mitnehme - ganz losgelöst von metaphysischen Überlegungen über das absolut Wahre.
  • 29.12.2016, 17:07 Uhr
  • 1
Darum reichen eben auch nicht die Sinne eines einzelnen Menschen um etwas in den Status einer "Wahrheit" zu erheben. Auch in der Wissenschaft wird ein Experiment, dass nicht von anderen nachvollzogen werden kann, nicht als Beweis gewertet. Aber Du hast natürlich Recht, absolute Wahrheiten können die Sinne nicht vermitteln.

Kennst Du "The Law of Form" von George Spencer-Brown?
Ein Mathematiker, der eine Basis der Mathematik definiert hat. Sie erlaubt einen ganz anderen Blick auf die Natur von "Wahrheit". Wenn Du ihn noch nicht kennen solltest, dann sei Vorsichtig mit so manchen Rezessionen im Internet. Über ihn wird viel Unsinn geschrieben, von Leuten die ihn offensichtlich nicht verstanden haben. Wobei es für Nichtmathematiker (wie mich) auch sehr schwer ist.
Hier habe ich mal einen Text gefunden, der zwar etwas einseitig ist, aber zumindest eine Grundidee, worum es geht, vermittelt:
http://literaturkritik.de/id/8116
Besser als das dort beschriebene Buch, ist die Einführung von Felix Lau. Wenn Du interessiert bist, kann ich sie dir als PDF schicken.

Deine Überlegung über 4- oder mehrdimensionale Entitäten finde ich sehr gut und nachvollziehbar. Sie definieren auch eine klare Grenze unserer Erkenntnismöglichkeit. Mir stellt sich dabei die Frage, ob man dann überhaupt von getrennten Entitäten ausgehen muss? Denn das getrennt-sein (von der Leere oder vom "Kosmos" ist ja auch ein Produkt unserer Sinne und unseres Geistes.
  • 29.12.2016, 18:13 Uhr
  • 0
Als ich diesen nicht ganz einfach zu verstehenden Text gelesen hatte, kam mir spontan die Frage, auf welche mich bewegende Frage dieser Text eine Antwort sein soll. Da habe ich keine Idee.

Aber zurück zur Wahrnehmung: Ich habe zwei Rätsel, von denen ich eines mal hier nennen möchte: Sehen wir beide das gleiche, und wie stellen wir das fest? Ist dein Regenbogen der gleiche wie meiner? Wie wäre es, wenn einer von uns einen gegenüber dem anderen inversen Regenbogen hätte? Da, wo ich Violett sehe siehst du Rot? Beide würden wir uns gegenseitig bestätigen, dass der Himmel blau ist, weil wir beide gelernt haben, die Farbe des Himmels und alles, was die Farbe des Himmels hat, "blau" zu nennen. Ich habe weiter oben mal den Farbenblinden erwähnt. Du hast das mir nicht ganz verständlich zurückgewiesen. Aber nehme ich mal einen, der eine Farbe mehr sieht (wie die Biene). Es gibt für ihn keine Möglichkeit mitzuteilen, was er sieht. Niemand kann das nachvollziehen. Gleichwohl kann man anhand seiner Reaktionen objektiv feststellen, dass er die Farbe sieht. Was "sehen" Tiere, die sich an Magnetlinien der Erde orientieren?
  • 29.12.2016, 19:47 Uhr
  • 0
Wir beide sehen mit Sicherheit nicht das gleiche. Selbst wenn unsere Sehzellen genau das gleiche erreicht, gibt es kein Sehen ohne die entsprechende Bearbeitung im Gehirn. Es gibt aber Teilmengen des Sehens, die sind für fast alle Lebewesen (die sehen können) gleich: Einen auf sie zufliegenden Stein zum Beispiel.
Diese Teilmenge ist unerlässlich, damit wir gemeinschaftlich Handeln können.
Wenn ein Einzelner, warum auch immer, in den Wahrnehmungen durch seine Sinne eingeschränkt ist (wie z.B. ein Farbenblinder), dann ist damit seine Fähigkeit zum gemeinsamen Handeln eingeschränkt.
Die Vereinbarung, das wir die Farbe des Himmels "Blau" nennen, ist nur dadurch möglich, dass jeder (der nicht eingeschränkt ist), die gleiche Wellenlänge des Lichts sieht.
Diese Vereinbarung bezieht sich immer auf das wahrnehmen dieser bestimmten Wellenlänge.
Es ist nicht logisch zu sagen: Weil der Farbenblinde diese Wellenlänge nicht unterscheiden kann, deswegen ist die Existenz (die "Wahrheit") der Farbe Blau (dieser Wellenlänge) anzuzweifeln.

Sinne vermitteln Empfindungen. Also eigentlich Gefühle. Für die Interpretation dieser Gefühle gibt es (in der Kindheit) gelernte Standards. Eine Wärmequelle vermittelt ein bestimmtes Gefühl. Dieses Gefühl kann bei jedem Menschen anders sein (das lässt sich nicht nachprüfen), aber wir haben gelernt, das dieses Gefühl wärme bedeutet und können so, ganz wahrhaft, redlich, zu jemand anderem sagen: Das ist warm.
Und der andere kann es bestätigen, obwohl sein Gefühl evtl. nicht identisch ist.
Für diese beiden Personen ist es jetzt "wahr", das es warm ist. Die Übereinstimmung bei solchen "Wahrheiten" ist unerlässlich für unser gemeinsames Handeln und damit für unser Überleben.
Auf Grund der unterschiedlichen Sinne, hat eine Biene nicht die gleichen Wahrnehmungen wie ein Mensch. Aber selbst bei ihr gibt es Teilmengen der Wahrnehmung die sich mit meiner decken. Das sind dann die Bereiche, in denen eine Biene und ich, die gleichen "Wahrheiten" haben können. Z.B. einen anfliegenden Vogel.
Dort, wo unsere Sinne eingeschränkt sind gegenüber der Biene (oder dem Geruchssinn eines Hundes), dort können wir keine, mit Biene oder Hund gemeinsamen, "Wahrheiten" festlegen. Bienen oder Hunde untereinander erleben aber wieder die gleiche Wirklichkeit.

Das Wort Wahrheit habe ich jedesmal in Hochkomma gestellt, damit es nicht wieder eine Verwechslung mit der Wahrheit im tieferen Sinn gibt.
  • 29.12.2016, 21:33 Uhr
  • 0
Dem stimme ich voll zu. Aber mein Statement ging darauf hinaus, dass zwar die gleiche Wellenlänge von uns beiden registriert wird, die Frage aber bleibt, ob die psychische Umsetzung in Farbe identisch ist. Darauf bist du nicht eingegangen.
  • 30.12.2016, 10:31 Uhr
  • 0
Ich denke, mein ganzer Kommentar befasst sich fast nur damit.
"Wir beide sehen mit Sicherheit nicht das gleiche. Selbst wenn unsere Sehzellen genau das gleiche erreicht, gibt es kein Sehen ohne die entsprechende Bearbeitung im Gehirn."
"Sinne vermitteln Empfindungen. Also eigentlich Gefühle. Für die Interpretation dieser Gefühle gibt es (in der Kindheit) gelernte Standards. Eine Wärmequelle vermittelt ein bestimmtes Gefühl. Dieses Gefühl kann bei jedem Menschen anders sein (das lässt sich nicht nachprüfen), aber wir haben gelernt, das dieses Gefühl wärme bedeutet und können so, ganz wahrhaft, redlich, zu jemand anderem sagen: Das ist warm. Und der andere kann es bestätigen, obwohl sein Gefühl evtl. nicht identisch ist."

Damit habe ich recht deutlich gesagt, das die die psychische Umsetzung einer Wahrnehmung durchaus unterschiedlich sein kann, wir dass aber nicht prüfen können.
Dabei müsste ich mich in so fern berichtigen, dass es Randbereiche gibt, in denen sich die unterschiedliche Wahrnehmung schon nachweisen lässt. So kann man die unterschiedliche Schmerz- oder Temperaturempfindlichkeit messen, war ja die psychische Umsetzung eines Sinneseindrucks ist. Solche Randbereiche gibt es auch bei der Farbwahrnehmung. Das gleiche Türkis z.B., wird manchmal mehr Blau und manchmal mehr Grün interpretiert.

So, jetzt muss ich mich ein wenig um meine Silvestervorbereitungen kümmern und klinke mich erst einmal aus. Ich danke Dir für unseren Austausch und wünsche Dir einen guten Rutsch.
  • 30.12.2016, 14:34 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Von mir aus kann jeder seine Wahrheit hier vorbringen.
Tatsache ist jedoch, wer seine Wahrheit in Gossensprache und unter jeglicher Missachtung der Person des lesenden Users meint vorbringen zu können und auch noch hofft Glauben zu finden, irrt sich gewaltig.
Das zeugt von nichts anderem als einem miesen Charakter und wenig Bildung.
  • 27.12.2016, 09:40 Uhr
  • 1
Gossensprache und persönliche Beleidigungen kommen aus der Wut darüber, dass das Gegenüber die eigenen, "offensichtlichen Wahrheiten" abstreitet.
Zu erkennen, dass niemand so eine Wahrheit hat, könnte da helfen.
  • 27.12.2016, 10:56 Uhr
  • 1
Stimmt, trotzdem ist eine gewisse Etikette im Umgang mit Anderen nie verkehrt. Das zeugt auch von Toleranz, Empathie und guter Kinderstube.
  • 27.12.2016, 14:35 Uhr
  • 2
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Sehr gut geschrieben.
Ich befürchte nur, dass er nicht viel gelesen wird
Ja, es fehlt hier an Diskussions- und auch an Streitkultur.
  • 26.12.2016, 21:02 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
der individuelle "Mensch" auf der Suche nach seiner für ihn geltenden Wahrheit. ?
Sehr interessanter Artikel, danke für Deine Recherche.
Kann es sein, dass Dein Empfinden, dass viele Nutzer hier nicht diskutieren können, wertfrei, wohlgemerkt, so ein wenig Antrieb war
  • 26.12.2016, 20:44 Uhr
  • 0
Ja sicher. Das Dilemma ist ja nicht so sehr die Suche nach einer Wahrheit (was, nach obiger Definition von Wahrheit, ohnehin Unsinn ist), sondern die Überzeugung vieler, sie bereits gefunden zu haben
Siehe den Kommentar hier darunter.
  • 26.12.2016, 20:51 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
WAHRHEIT
Es gibt sehr viele absolute Wahrheiten. ALLE Wahrheiten sind wahr. Sie müssen nur jedem wahrheitsgemäß nahegebracht werden. Sonst ist es Lüge! Wahrheit muss allerdings auch angenommen werden WOLLEN! Da kommt es auf die eigenen Beweggründe an. Beweggründe können einem verwegenen Herzen entspringen.

TATSACHEN
Eine TATSACHE ist auch eine Wahrheit, wenn man ein Geschehnis nicht selbst miterlebt hat und durch glaubwürdige Zeugen bestätigt wird. Darüberhinaus kann man an einer Wirkung (Tatsache) auch eine Ursache erkennen.

GLAUBE
Der Glaube ist die gesicherte Erwartung erhoffter Dinge, der offenkundige Erweis von Wirklichkeiten, obwohl man sie nicht sieht.
  • 26.12.2016, 15:17 Uhr
  • 0
Das ist auch eine mögliche, individuelle Betrachtung, die zur Diskussionskultur nur leider nicht beitragen kann. Und darum geht es in dem Beitrag.
  • 26.12.2016, 20:11 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Du machst gleich zu Anfang in Sachen "Wahrheit" einen entscheidenden Fehler - bezüglich der Kugel, die die Erde darstellt. Der zukünftige Präsident der USA hat bewiesen, dass diese Wahrheit keine ist - denn er war so oft geflogen und immer hatter er unter dem Flieger eine flache Erde und keine Kugel wahrgenommen. Also ist Wahrheit immer relativ zur Wahrnehmung zu begreifen.
  • 26.12.2016, 12:43 Uhr
  • 2
Die Wahrheiten eines Trump bräuchten eine ganz eigenen Kategorie
Es gibt viele Menschen, die es noch nicht selbst wahrgenommen haben, dass die Erde eine Kugel ist. Aber jeder Mensch KANN es wahrnehmen. Er muss nur über eine gerade Mauer auf den Horizont schauen.
  • 26.12.2016, 12:52 Uhr
  • 1
Oder denselben fotografieren und dann das Raster einer Bildbearbeitung benutzen. (Finde ich persönlich ehrlich gesagt faszinierend).
  • 26.12.2016, 12:59 Uhr
  • 0
Die Trumpsche Wahrheit wird uns mindestens vier Jahre beschäftigen.....und wenn bis dahin nicht klar ist, dass dies' blaue Ding ne Kuller ist, dann folgen evt. nochmal vier Jahre.
  • 06.01.2017, 21:06 Uhr
  • 0
Ein amerikanischer Präsident hat genauso wenig aus seiner persönlichen Meinung heraus zu entscheiden, wie eine deutsche Kanzlerin. Im Fall Trump dürfte das ein Glück sein.
Das war es aber auch schon bei Reagan und Busch.
  • 06.01.2017, 21:16 Uhr
  • 1
  • 06.01.2017, 21:19 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
VIELEN Dank für diesen GUZEN Beitrag. Jochen
  • 26.12.2016, 12:28 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
gut geschrieben Michael.
Wenn wir alles vermischt zur Kenntnis nehmen, lernen wir den "Sound" unserer Mitmenschen kennen und verstehen, um mit eine Prise Humor, zu einer besseren Kommunikation kommen
  • 26.12.2016, 12:14 Uhr
  • 2
Humor setzt eine wenig Abstand voraus. Und genau das ist auch für eine gute Diskussion notwendig.
  • 26.12.2016, 12:54 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.