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Pfingsten: Nur nicht vom Heiligen Geist erleuchten lassen!

Pfingsten: Nur nicht vom Heiligen Geist erleuchten lassen!
05.06.2017, 09:49 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Selbst Gläubige rechnen heute nicht mehr mit Feuerflammen, die vom Himmel fallen und die Betroffenen "in fremden Zungen" sprechen lassen oder diese gar "erleuchtet" - denn "Wer Visionen hat, der soll zum Arzt" - so höhnt man in der Politik.
Nur erleuchtet zu sein, das bringt oft nicht viel - oder reichlich Ärger, wenn man damit Hausieren geht. Denn das kommt bei den Unerleuchteten gar nicht gut. Besonders kirchliche Würdenträger werden stinkig, wenn da einer als erleuchtet daher kommt, ohne dass die Kirche vorher gefragt wurde. So müssen die Kandidaten für eine "Selig- oder Heiligsprechung" strengen Prüfungen entsprechen, die sich oft über lange Zeiträume ziehen. Besonders dann, wenn "Wunder" im Spiel sind.

Etwas anders sieht es aus, wenn der Erleuchtete etwas vorweisen kann, wie eben Wundertätigkeit bzw. Heilkraft. Da wird es aber auch schon wieder mehr als knifflig. Heilen darf man nicht überall so mir nichts, dir nichts. In Deutschland gibt es da flott Ärger mit dem Staatsanwalt. Zwar darf der Pfarrer am Krankenbett um Heilung beten - das war es dann aber auch. Nicht so in der Schweiz, wo Geistheiler in den Krankenhäusern gar nicht selten mit den Ärzten zusammen arbeiten. Bei uns undenkbar.

Jedenfalls muss ich da an Therese von Konnersreuth denken, zu der mich mein Vater als kleiner Bub mitschleppte. Er erhoffte sich Heilung seines Ohrleidens, das er sich im WKI zugezogen hatte. Als Bub war mir das Reserl eher unheimlich, ganz anders, wie aus den religiösen Engelserzählung etwa, hatte ich ein mehr als komisches Gefühl. Ok, die Wundmale Christi hatte sie, soll angeblich so gut wie nichts gegessen haben - das Ohrleiden meines Vaters hat dies wenig beeindruckt, aber evtl. hat er nicht genug "geglaubt"?
Auch das Reserl musste sich diversen kirchlichen Prüfungen unterziehen - ob denn alles mit rechten Dingen zuginge. Nicht, dass da womöglich "dunkle Kräfte" die Gichtfinger im Spiel haben! Therese Neumann, genannt Resl von Konnersreuth (* 8., 9., 10. oder 11. April 1898 in Konnersreuth; † 18. September 1962 ebenda), war eine Bauernmagd, die als katholische Mystikerin durch ihre angeblichen Stigmata und die ihr nachgesagte jahrelange Nahrungslosigkeit sehr bekannt wurde und regelrechte Wallfahrten auslöste. Erst lange nach ihrem Tode fand mit der Eröffnung eines Seligsprechungsverfahrens 2005 durch Bischof Gerhard Ludwig Müller eine gewisse kirchliche Anerkennung statt.

Bereits 1927 untersuchte die Kirche den Fall und riet von Wallfahrten zur Resl ab, was natürlich nichts half. Bis heute besuchen viele Menschen das Grab und ich war auch mehrmals dort, weil mir da immer sehr schöne Erinnerungen an meinen Vater in den Sinn kommen.

Sei es, wie es sei, mit der Erleuchtung sollte man vorsichtig sein, besonders wenn man sie nicht kraftvoll unter Beweis stellen kann. Denn so argumentieren heute Politiker, wie US Minister Ashcroft, der die Überlegenheit der USA auf eine besondere Beziehung und Segnung durch Gott zurückführt. Wenn man im Auftrag Gottes, quasi als Achse des Guten, unterwegs ist, hat man immerhin den Vorteil einer gewissen Narrenfreiheit.

Nachtrag: Es gibt ja heute Leute, die sich aus einer gewissen Erleuchtung heraus "Souverän" nennen und deshalb dann einen entsprechenden Aufkleber an den Briefkasten kleben. Aber Vorsicht - hier ist es wie bei jeder Erleuchtung: Schnell gilt man als bekloppt, wenn die Erleuchtung "brotlose Kunst" bleibt und man sie nicht souverän verteidigen kann. Dann landet man wie ehedem am Kreuz (in der Klapse), oder erleidet das Schicksal des einen oder anderen "Apostel"!

4 Kommentare

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Welch eine TOLLE Erkenntnis Alfred>>> dass unser Verstand längst nicht alles erklären kann, das habe ich ja selbst erfahren<<<Gratulation.
Darf ich daraus entnehmen, daß Du nicht nur das akzeptierst was Du sehen und fassen kannst?
  • 05.06.2017, 21:57 Uhr
  • 0
Wir akzeptieren fast nur Dinge, die wir nicht sehen und fassen können.
Wir sehen nicht einmal die Sonne in ihrem geenwärtigen Zustand, sondern in dem Zustand, in dem sie vor 8 Minuten war. Wenn wir ins Weltall schauen, sehen wir wahrscheinlich viele Sterne, die es längst nicht mehr gibt, und andere, die es bereits gibt, sehen wir noch lange nicht. Das Licht braucht halt seine Zeit.
Aber wir akzeptieren das alles als selbstverständlich vorhanden.

Bei der "Erleuchtung" frage ich mich immer, welchen Nutzen sie haben soll. Die Erleuchteten, die man so kennt, haben in aller Regel nur von sich reden gemacht - wenn man mal von Buddha absieht, der jaden fernen Osten stark verändert hat. Aber sonst blieb und bleibt die Erleuchtung folgenlos.
  • 06.06.2017, 17:14 Uhr
  • 0
Vielleicht sollte man zuerst einmal festlegen, was man unter einer "Erleuchtung" überhaupt verstehen soll.
Ich denke, eine Erleuchtung ist eine plötzlich auftauchende Erkenntnis, so etwa wie ein "Aha-Erlebnis", die unerwartet aus dem Unterbewusstsein auftaucht ("vom Heiligen Geist"). Erleuchtungen werden vom "Erleuchteten" unmittelbar als unhinterfragbare Wahrheit empfunden.
Dieses Überzeugtsein vom Inhalt der "Erleuchtung" macht diese so interessant. Der (oder die) Erleuchtete vertritt seine Erleuchtung kompromisslos und lässt sich auch nicht durch vernüftige Argumente davon abbringen - was seine Umgebung beeindruckend findet und dazu führt, dass er immer "Jünger" findet, die "an ihn glauben".

("..hält man dich dann für einen Narren
musst du nur eisern drauf beharren
dann fangen immer einige an
zu glauben, es sie doch was dran..
Eugen Roth )

Vor allem Erleuchtete, die etwas versprechen finden reichlich Zulauf, egal ob sie Heilung, ewiges Leben oder die Lottozahlen von nächster Woche versprechen.

Erleuchtete waren die Religionsgründer Jesus und Mohammed genauso wie irgendwelche Geistheiler deren Anhang glücklicherweise nicht so groß geworden ist.
  • 07.06.2017, 21:55 Uhr
  • 0
Jochen,
Wenn der Verstand nicht alles erklären kann, sollte sich der Verstand eben etwas mehr anstrengen, vielleicht auch mehr Geduld haben.
Erleuchtungen bringen uns selten weiter. Obwohl gelegentlich auch brauchbare darunter sein sollen...
Aber die müssen sorgfältig geprüft und nicht einfach geglaubt werden.
  • 07.06.2017, 21:57 Uhr
  • 0
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