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Erkenne dich selbst - Vielfalt der Methoden

16.08.2017, 15:30 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Als ich vor Jahren während einer Reise rund um den Peloponnes den Apollo-Tempel in Delphi besuchte und dem Zauber der grünen bewaldeten Hügel ringsumher verfiel, erinnerte ich mich sofort an Wassilij Lepanto, einen griechischen Maler, mittlerweile international bekannt, der in Heidelberg und Mannheim Germanistik studiert und auch ein merkwürdiges Bild von Delphi gemalt hatte. Damals war mir der eigenartige Kontrast der Farben Weiß und Grün aufgefallen, Symbole für Leben und Erkenntnis schlechthin.

'Erkenne dich selbst' ist im Laufe der Jahrhunderte, die uns von dem griechischen Philosophen Sokrates trennen, zu einem geflügelten Wort geworden.
Platon, der ja in seinen Schriften Sokrates auftreten und sprechen lässt, berichtet im Phaidros, dass dieser Spruch über dem Eingang zum Apollo-Tempel jeden Besucher des Heiligtums mit dieser Mahnung empfing.
Sokrates selber hat den Schwierigkeitsgrad dieser Aufforderung erkannt und gesagt: „Ich kann noch immer nicht nach dem delphischen Spruch mich selbst erkennen.“

Gab es Probleme, so standen ihm zwei Mittel zur Verfügung: Einmal eine innere Stimme (Daimonion): „Mir aber ist dieses von meiner Kindheit angeschehen, eine Stimme nämlich, welche mir jedesmal abrät, etwa zu tun. ...“
Zum anderen sucht er die Priesterin in Delphi auf und befragt das Orakel. Es galt damals als oberste und unbezweifelte Instanz.

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Eine andere bekannte Gestalt aus der griechischen Mythologie war Narkissos. Der schöne Jüngling verschmähte die Liebe zu einer Nymphe und wurde dafür bestraft. Als er sich einmal über eine Quelle beugte, sah er sein Gesicht und verliebte sich in sein eigenes Bild. Schließlich wurde er in eine Narzisse verwandelt.

Sokrates konnte sich nicht selbst erkennen, nahm Hilfen in Anspruch.
Narziss verfiel einem äußeren Bild und wurde bewusstseinsmäßig herabgestuft.

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Wie also lernen wir uns selber kennen?

Die erste Begegnung findet sicher vor einem Spiegel statt. Fasziniert betrachten sich Kinder immer wieder vor einem Spiegel.
Eine interessante Spiegelszene hat auch Hermann Hesse in seinem Roman „Steppenwolf“ entworfen, die den Protagonisten Harry Haller zur Erkenntnis seiner selbst bringt. Er ist nicht e i n Wolf, sonder ein Bündel aus vielen Ichs, die als Wölfe aus dem Spiegel purzeln.

Wir sind also vielschichtig, verbergen eine Fülle von Eigenschaften hinter der äußeren, im Spiegel erkennbaren Form.
Ein eingehendes Studium des menschlichen Gesichts (Physiognomik) sagt sehr viel über den Charakter des Menschen aus.
Betrachten wir z.B. Buddha-Statuen, so fallen uns regelmäßig die sehr langen Ohrläppchen auf. Das deutet immer auf eine spirituelle Lebenseinstellung hin.
Anders ist es bei kleinen, angewachsenen Ohrläppchen. Sie deuten auf eine eher materielle Einstellung hin, was natürlich nicht als qualitatives Urteil zu verstehen ist
Aus dem Bereich der Ohr-Akupunktur weiß man, dass „im Ohr ein kleiner Mensch sitzt“, wobei das Ohrläppchen der Kopf ist.

Das Kinn eines Menschen verrät durch seine Ausprägung die Willenskraft eines Menschen.
Ist das Kinn etwas vorgeschoben, was man im Profil recht gut erkennen kann, so besitzt diese Person, z.B. unsere Bundeskanzlerin, ein hohes Maß an Willensstärke.

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Wesentlich mehr lässt sich aus den Händen eines Menschen herauslesen (Chirologie, Handlesekunst). Kein anderer Körperteil ist durch eine so große Zahl von Nervensträngen mit dem Gehirn verbunden wie die Hände.
Gerade ist die Neuerscheinung, der Bildband „Hände“ von Walter Schels in der RNZ (Rhein-Neckar-Zeitung) sehr positiv besprochen worden.
Vergleicht man z.B. die Länge von Zeige- und Ringfinger und stellt sich dabei heraus, dass der Ringfinger länger ist, so verfügt der Besitzer über mehr 'maskuline' Eigenschaften. Emanzipierte Frauen sollten also durchweg längere Ringfinger haben. Wieviele Ringe sie tragen, spielt natürlich gar keine Rolle .
Dass dem Daumen eine besondere Rolle zukommt, überrascht nicht. Er ist als historische Geste – und als Smiley – hinreichend bekannt. Aber man erkennt an der Biegsamkeit des ersten Daumenglieds auch die generelle Lebenseinstellung. Ist der Daumen gerade, ist er ein Indikator für einen konservativen Lebensstil, lässt er sich von der Hand abbiegen, so ist die Lebenseinstellung eher liberal-extravagant.

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Noch aufschlussreicher ist die Handschrift eines Menschen (Graphologie). Die Mutter eines Kollegen, Dipl. Psychologin, hatte natürlich noch gelernt, Handschriften zu deuten und hatte danach die Aufgabe, in einer Firma bei Neueinstellungen solche Handschrift-Analysen zu machen.
An der Heidelberger Universität wurde noch im SS 1955 ein 3-semestriger Kurs in Graphologie angeboten. Schade, dass die Psychologie auf solch großartiges Material verzichtet.
Schon die Links- oder Rechtsläufigkeit einer Handschrift lässt Hinweise auf die Sozialkkompetenz des Schreibenden zu.

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Am besten kann man sich und anderen auf die Spur kommen, d.h. ERKENNEN, wenn man sich mit der uralten Kunst/Wissenschaft der Astrologie befasst. Eine großartige „Geschichte der Astrologie“ stammt von Prof. Dr. Kocku von Stuckrad, der auch an den Universitäten Bremen und Bayreuth Veranstaltungen zur praktischen Astrologie durchgeführt hat.
Ich bin sicher, dass die Voraussage des berühmten Psychiaters C.G. Jung, die Astrologie stehe vor den Toren der Universität, eintreffen wird. Er selber erstellte bei seinen Patienten vor jeder Behandlung deren Horoskope.
Wer das Fach beherrscht, erkennt blitzschnell Geschenke und Herausforderungen des Schicksals, er sieht die 'Landschaft der Seele' vor sich, hat aber auch Zugang zu unterschiedlichen Lebensräumen wie z.B. Finanzen, Beruf, Krankheit, Liebe etc.
Er versteht, warum Menschen sich begegnen MÜSSEN und in welchem Bereich sie sich noch etwas 'schulden'. Er entdeckt Gesetzmäßigkeiten, die ihn ahnen lassen, nein, die ihn davon überzeugen, dass ein Genie, ein grandioser Mathematiker ein monumentales Kunstwerk, das Universum, erschaffen hat.

Goethe hat seine Autobiographie mit einer Beschreibung seines Horoskops eingeleitet. Er ist eine Vollmondgeburt, d.h. Sonne im Zeichen Jungfrau und Mond in den Fischen stehen in Opposition. Da diese Lichter die Persönlichkeit eines Menschen kennzeichnen, trägt eine Opposition dazu bei, dass der Betreffende sich vorkommt, als bestünde er aus zwei Personen.
„ Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust!“ (Goethe)

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Erkenne dich selbst!
Die Wege dahin sind verschieden. Vielleicht ist es das Hellhören, die Entwicklung der Intuition, die einem den Weg zeigt.
Vielleicht ist es tiefes Vertrauen zu einem Ratgeber, einem spirituellen Meister.
Vielleicht hilft einem aber auch eine der o.a. Techniken, sich dem Mysterium des Lebens anzunähern.

Wir sind alle unterwegs zu demselben Ziel: Zur Erkenntnis des ICH BIN.


Gottfried Martin, Sokrates, 2002.
Herbert Hunger, Lexikon der griech. und röm. Mythologie, 1959.
Ohashi, Körperdeutung, 1993.
Gertrud Hürlimann, Handlesen, 2006.
Ania Teillard, Handschriftendeutung, 1952.
Kocku von Stuckrad, Geschichte der Astrologie, 2003.

© est

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