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Vor Ankommen wird gewarnt!

Vor Ankommen wird gewarnt!

Agentur für Bildbiographien Susanne Gebert
31.08.2017, 13:09 Uhr

Sich vor dem Ankommen zu drücken, geht ganz einfach: Der Trick ist, dass man das, was man angeblich unbedingt möchte, in unerreichbare Höhen hängt. Aus gutem Grund, denn spätestens seit George Bernard Shaw wissen wir, dass es im Leben zwei Tragödien gibt: Die Nichterfüllung eines Herzenswunsches – und seine Erfüllung.
Über Ziele und wie man sie trotzdem erreichen kann.

Mit den Zielen ist das so eine Sache: Einerseits hebt nichts so sehr die Stimmung wie unerfüllte Wünsche – etwas zu wollen, ist das beste Mittel gegen Langeweile.
Und Langeweile ist für unser Glücks-Gleichgewicht fatal, sie macht uns müde und unglücklich.

Andererseits zwingen uns Ziele zu Entscheidungen.
Das „Ja“ zu einem Ziel bedeutet das „Nein“ zur Alternative. Wer seine Ziele definiert, geht ans ‚Eingemachte‘. Er wählt seinen Weg für die Zukunft und entscheidet sich damit gegen andere Wege.
Ein „bisschen schwanger“ gibt es einfach nicht.

Über das Lieber-Nicht-Ankommen

Wer seinen Urlaub an der Nordsee plant, entscheidet sich gleichzeitig gegen Bergwandern und Hüttenzauber, wer eine Familie mit Kindern haben möchte, muss zumindest für einige Zeit sein Single-Dasein aufgeben.
Wer Ziele definiert, muss sich aber nicht nur entscheiden und festlegen, sondern kann auch noch scheitern statt anzukommen.
Misserfolge und Ziele-nicht-erreichen gehören zum Erfolg zwar genauso dazu wie Schwitzen zum Sport, trotzdem fühlen sie sich erstmal blöd an.
Deswegen scheuen wir uns manchmal davor, Ziele zu definieren und erreichen zu wollen, denn die Angst vor dem Sich-Festlegen und vor Misserfolgen ist immer im Gepäck.
Die zweite Frage ist: Was machen wir eigentlich, wenn wir am richtigen Ziel angekommen sind?

„Ankommen – womit buchstäblich wie metaphorisch das Erreichen eines Ziels gemeint ist – gilt als wichtiger Gradmesser für Erfolg, Macht, Anerkennung und Selbstachtung.
Umgekehrt ist Misserfolg oder tatenloses Dahinleben ein Zeichen von Dummheit, Faulheit, Verantwortungslosigkeit oder Feigheit. Der Weg zum Erfolg ist aber beschwerlich, denn erstens müsste man sich anstrengen, und zweitens kann auch die beste Anstrengung schiefgehen.“

Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein

Es gibt viele gute Gründe für ewiges Reisen und vorsichtshalber Lieber-Nicht-Ankommen. Nicht umsonst heißt es: „Der Weg ist das Ziel“.

Komfortzone und Katzenjammer

Tatsächlich neigen wir Menschen dazu, uns vor realistischen Zielen, die wir mit Anstrengung erreichen könnten, zu drücken.
Das hat Vorteile, denn wer keine klaren Ziele definiert oder sie unerreichbar hoch hängt, wer also immer unterwegs sein möchte, muss sich nicht anstrengen und mühevoll mit einer „Politik der kleinen Schritte“ an sein Ziel heranarbeiten.
Er muss sich auch keine Sorgen machen, zu scheitern oder möglicherweise anzukommen und festzustellen, dass er dort, am Ziel, statt der ‚Blauen Blume‘ nichts als Katzenjammer vorfindet.

Und außerdem – mal ehrlich – sind unerreichte Ziele viel spannender, verklärter und schöner, als es erreichte jemals sein können:

Die Flitterwochen hören vorzeitig zu flittern auf; bei Ankunft in der fernen exotischen Stadt versucht uns der Taxifahrer übers Ohr zu hauen; die erfolgreiche Ablegung der entscheidenden Prüfung bewirkt wenig mehr als das Hereinbrechen zusätzlicher, unerwarteter Komplikationen und Verantwortungen; und mit der Serenität des Lebensabends nach der Pensionierung ist es bekanntlich auch nicht so weit her.
Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein

Wir Menschen sind im Nicht-Erreichen unserer Ziele sehr kreativ. Theoretisch wissen wir meistens gut Bescheid, nur mit der praktischen Umsetzung, dem Festlegen realistischer Ziele und der „Politik der kleinen Schritte“ hapert es. Besonders blöd: Für konkrete und erreichbare Ziele müsste man seine Komfortzone verlassen und tatsächlich etwas ändern. Tag für Tag, Woche für Woche.

Oder wie der Psychoanalytiker Paul Watzlawick in seinem bememerkenswerten Ratgeber Anleitung zum Unglücklichsein schreibt:

Wenn das Ziel in weiter Ferne liegt, begreift auch der Dümmste, dass der Weg dorthin lang und beschwerlich und die Reisevorbereitungen umfassend und zeitraubend sind. Da soll einen nur jemand dafür tadeln, noch nicht einmal aufgebrochen zu sein – und noch weniger droht einem Kritik, wenn man, einmal unterwegs, vom Weg abkommt und im Kreis marschiert oder längere Marschpausen einlegt. Im Gegenteil, für das Verirren im Labyrinth und das Scheitern an übermenschlichen Aufgaben gibt es heroische Vorbilder, in deren Licht man dann selbst etwas mitglänzt.
Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein

Warum es sich trotzdem lohnt, realistische Ziele zu haben

„Glück bedeutet nicht, das zu kriegen, was wir wollen, sondern das zu wollen, was wir kriegen“, sagt der Volksmund.

Wenn die Zielsetzung so kompliziert ist, wir uns festlegen müssen, möglicherweise sogar scheitern und wir uns durch falsche Entscheidungen sogar noch andere und bessere Wege verbauen – dann lieber ohne? Dann lieber „Carpe diem“ – Pflücke den Tag, und: „Was kommt, kommt„?

Dazu der Psychoanalytiker und Glücksforscher, der „Vater des Flow“, Mihály Csíkszentmihályi:

„Glück ist nicht etwas, das einfach geschieht. Es ist keine Folge von angenehmen Zufällen. Es ist nichts, was man mit Geld kaufen oder mit Macht bestimmen kann.“
Mihály Csíkszentmihályi

Glück ist harte Arbeit. Nicht am Glücklichsein, sondern an sich selbst.

Denn den Selbstbewussten, die sich selbst mögen, den Selbständigen, die Kontrolle über ihr Leben haben, den Optimisten und den Menschen, die gerne arbeiten und gute Freunde haben, winkt das Glück viel häufiger als allen anderen.

Wer keine Ziele hat und sich treiben lässt, riskiert, zum Getriebenen zu werden.
Wer mal schaut, was so kommt, wer nur reagiert, statt zu agieren, läuft Gefahr, von einer Dringlichkeit zur nächsten hetzen zu müssen und die Kontrolle über sein eigenes Leben zu verlieren. Und außerdem: Erfolg, der einem zufällig in den Schoß fällt, ist ein viel kleinerer Beitrag zu unserem Glück. als ein Volltreffer, den wir gewollt und uns hart erarbeitet haben.
Rückschläge, Umwege und Pausen sind unvermeidbar, möglicherweise muss man zwischendurch auch in die Revision und kommt dann doch ganz woanders an.
Aber die Richtung stimmt! Und man kommt in der Regel dort an, wo man hinwollte.

Wer sich ein Ziel gesetzt hat, hat ein geistiges Dach über’m Kopf und läuft weniger Gefahr, vor lauter „Klein-Klein“ und Alltag das große Ganze – sein Ziel – aus den Augen zu verlieren. Wer sich ein Ziel gesetzt hat, weiß (oder ahnt) in der Regel, was zu tun ist – und was nicht. Und kann in großen, manchmal auch in kleinen Etappen auf sein Ziel zusteuern. Deshalb gehören zum Glücklichsein Ziele einfach dazu.

SMARTe Ziele

Es gehört Mut dazu, ans ‚Eingemachte‘ zu gehen und sich für Ziele zu entscheiden.

Wer konkret etwas erreichen möchte, wird stolpern, möglicherweise auch scheitern. Gelegentlich wird er aber auch ankommen – und dabei immer das gute Gefühl haben, Agierender und nicht Reagierender in seinem eigenen Leben zu sein.

Schon die Frage „Wo möchte ich ankommen?“ ist eine spannende Reise zu sich selbst. Eine ehrliche Antwort erfordert Mut, Selbstreflektion und gelegentlich die Verabschiedung alter Hemmschuhe, fauler Ausreden und falscher Freunde.

Wer seine Leitplanken aufstellt und die Richtung nach seinen persönlichen Wünschen und Vorstellungen definiert, nimmt sein Leben selbst in die Hand. Eigenregie und Selbstbestimmung sind zwei der wichtigsten Voraussetzungen für ein glückliches und erfülltes Leben.
Einen Weg geht man so oder so – und besser ist es, das Zepter selbst in der Hand zu halten, um sich nicht irgendwann als Opfer der Umstände wiederzufinden.

„Eine Vision ohne Tat ist nur ein Traum, eine Tat ohne Vision schlägt die Zeit tot, Vision und Tat können die Welt verändern.“

ALLES lässt sich in der Regel nicht erreichen – vieles schon.

Den vollständigen Artikel mit allen Darstellungen und weiterführenden Leseempfehlungen ist in meinem Blog Generationengespräch zum Nachlesen: Vor Ankommen wird gewarnt!

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