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„Religionen sind für mich wie eine Seuche“

03.09.2017, 08:03 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Heute in der Welt am Sonntag ein Interview mit Salam Rushdie, hier einige Auszüge.


Salman Rushdies neuer Roman, „Golden House“ beschreibt die Zeitenwende von der Obama-Regierung zu Trump. Ein Gespräch über das Leben mit der Angst und Fehler im Kampf gegen den Terror

Was sagen Sie jenen, die nach solchen Anschlägen oft behaupten, diese Form des Terrors habe nichts mit dem Islam zu tun?

Ich finde das falsch. Wenn Angreifer nach solchen Attacken „Allahu Akbar“ schreien und es dann heißt: „Das sind keine Muslime, das sind böse Menschen“ – dann bin ich nicht bereit, dieser Argumentation zu folgen.

Denn es handelt sich ganz klar um eine extremistische Auslegung des Islams – eine, die der Großteil der Muslime auf der Welt komplett ablehnen würde. Aber die Wurzeln dieses Terrors gehen auf eine Propaganda zurück, betrieben unter anderem von den Saudis, dem Iran und anderen, verbreitet durch ein Netzwerk von Imamen.

Sie radikalisieren Generationen junger Männer, denn meistens sind es ja Männer. All dies geschieht seit Langem. Zu behaupten, der IS-Terror habe nichts mit dem Islam zu tun, bedeutet, die Realität nicht sehen zu wollen.

Sie haben immer wieder kritische Schriften über den Islam verfasst. Ist diese Form von Radikalismus Teil dieser Religion? Das ist zurzeit der Fall. Ich glaube aber nicht, dass Religionen per se Gewalt innewohnt, und das gilt für alle Religionen. Zu Zeiten der Inquisition beispielsweise war das Christentum auch zu unglaublicher Gewalt fähig. Heute allerdings hat nicht das Christentum ein Gewaltproblem, heute ist es ein Problem innerhalb des Islams. Ich bin grundsätzlich kein Fan von Religionen, weil ich sie für eine dumme Anomalie des Geistes halte. Wir können auch ohne Religion leben. Religionen sind für mich wie eine Seuche.

…und nach dem Terror gefragt

Wenn Sie sich anschauen, wie sich das Bedrohungspotenzial islamistischen Terrors seit der Zeit der Fatwa gegen Sie verändert hat – welche Fehler sind im Kampf dagegen gemacht worden?

In England hat man im Umgang mit islamistischen Extremisten einen großen historischen Fehler begangen, der sich in der sogenannten „Londonistan-Politik“ niederschlug. Man ließ zu, dass extremistische Gruppen ihre Anlaufstellen in London hatten, weil man sich davon erhoffte, sie so besser beobachten zu können, wissen zu können, was sie vorhaben. Und man glaubte, dass sie nicht angreifen würden, wenn sie sich in dem Land selbst aufhielten. Beides waren komplette Fehleinschätzungen.

Bei all den Angriffen der letzten Zeit wusste man weder, dass sie bevorstanden, noch auf welche Weise sie geschehen würden. Man konnte allerdings im Nachhinein erkennen, wie verwachsen die Täter mit den Vierteln waren, in denen es diese Zentren gab. Ich finde: Auch eine tolerante Gesellschaft darf nicht so tolerant sein, Menschen zu unterstützen, die diese Gesellschaft zerstören wollen.

Hinzu kommt, dass viele dieser Terroristen in westlichen Ländern aufgewachsen, zum Teil dort geboren sind. Besonders verstörend ist es, dass es vor allem die jungen Menschen sind, die sich radikalisieren, während die Älteren liberaler sind.

Auch das zeigt, dass unsere Welt derzeit kopfsteht. Aber fragen Sie mich jetzt bitte nicht nach Lösungen. Ich bin sehr froh, dass ich kein Politiker sein muss.

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12 Kommentare

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Mich stört eigentlich nur, dass die Gewaltbereitschaft allein den Muslimen zugesprochen wird.

Erstens sind natürlich nicht alle Muslime gewaltbereit, es ist nur ein verschwindend geringer Teil von ihnen. Der Rest wird diskriminiert, wenn man "Muslimen" allgemein Gewaltbereitschaft vorwirft.

Zweites ist Gewaltbereitschaft ein allgemeines Merkmal ALLER monotheistischen Religionen. Wenn das im Christentum zur Zeit nicht so zutage tritt dann deswegen, weil kaum noch jemand hierzulande das Christentum ernst nimmt. Die Menschen laufen den Kirchen in Scharen davon - glücklicherweise. Wer die Geschichte des Christentum kennt, weiss, dass Christen genauso schlimm waren wir heutzutage die wenigen radikalen Islamisten. Also, bitteschön, keinesfalls den Schluss ziehen dass das Christentum besser sei als der Islam. Das Christentum ist nur schwächer, gar am Absterben und deswegen nicht zu Gewalttaten fähig. Radikale Christen in den USA morden durchaus noch zur Ehre Gottes: z.B. erschiessen sie Ärzte, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen.

Religion allgemein verführt leicht zu Gewalttaten.
  • 21.09.2017, 13:34 Uhr
  • 0
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Zitat von S.R. :

"Ich glaube aber nicht, dass Religionen per se Gewalt innewohnt, und das gilt für alle Religionen..... "

Dem ist nichts hinzuzufügen ... !!!
  • 10.09.2017, 17:54 Uhr
  • 0
Das denke ich nicht, denn Gewalt spielt in Religionen von Beginn an eine wesentliche Rolle.
Während hierzulande und in Europa das Christentum "gezähmt" wurde (auch wenn es natürlich auch christlich-radikale Bewegungen gibt), sehe ich speziell beim Islam eine zunehmende Radikalisierung weltweit.
  • 10.09.2017, 18:19 Uhr
  • 0
... wenn die Aktivitäten weniger "radikaler Spinner" Deine "Denke" lenkt, dann solltest Du mal versuchen zu quantifizieren .....
  • 10.09.2017, 18:51 Uhr
  • 0
Nunja - wenige ist relativ, speziell bei dem jeweils angerichteten Schaden. Ich sehe da eben besorgniserregende Tendenzen - speziell beim Islam.
  • 10.09.2017, 18:53 Uhr
  • 0
Islam (etwa 1,6 Mrd. Anhänger)

IS: (Quelle Wikipedia)
Truppenstärke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Schätzungen des US-Außenministeriums vom Mai 2013 bezifferten die Truppenstärke des IS im Irak mit 1000 bis 2000 Mann.[61] Schätzungen eines Irak-Experten der Friedrich-Naumann-Stiftung vom Juni 2014 gehen jedoch von einer Stärke von 10.000 bis zu 15.000 Mann aus.[62] In Syrien wurde die Anzahl der Kämpfer des IS je nach Quelle auf 3000 bis 8000 geschätzt.[63][64][65] Im August 2014 berichtete der Leiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, von 50.000 Mann, die mittlerweile in Syrien kämpfen – 20.000 davon seien aus dem Ausland,[66] laut Schätzungen der EU-Kommission waren 2.000 davon aus Europa.[67] Der Sprecher des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, Ryan Trapani, sagte im September 2014, man gehe von 20.000 bis 31.500 Kämpfern aus.[68] Die Zahl der ausländischen Kämpfer beim IS wurde (September 2014) mit etwa 1000 Türken, 2000 Europäern und 100 US-Amerikanern angegeben. Die tunesische Regierung ging im Oktober 2014 von 2400 bis 3000 Tunesiern beim IS aus. Ein UNO-Bericht vom 29. September 2014 berichtet von 15.000 Kämpfern aus 80 Ländern. Ende Dezember 2014 wurden 550 Deutsche beim IS gezählt.[69] Bis Mitte 2015 wurden mindestens 20.000 Ausländer aus über 100 Ländern vermutet, unter den ausländischen Dschihadisten 3000 Tunesier, 2500 Saudis, 1400 Franzosen, jeweils 700 Deutsche und Briten, 400 Belgier und 220 Österreicher. Obwohl bei Luftschlägen der Anti-IS-Allianz bis Juni 2015 mehr als 10.000 IS-Kämpfer getötet wurden, ist die Kampfkraft des IS intakt geblieben, da monatlich 1000 neue Kämpfer zureisten.[70]
Im Dezember 2015 veröffentlichte die Denkfabrik Soufan Group einen Bericht, wonach die meisten ausländischen Kämpfer aus Tunesien (6.000), Saudi-Arabien (2.500), Russland (2.400), der Türkei (2.100) und Jordanien (2.000) stammen. Aus Westeuropa stammen demnach 5.000 Kämpfer, davon 1.700 aus Frankreich, 760 aus Großbritannien, 760 aus Deutschland und 470 aus Belgien. Hinzu kommen jeweils 300 Personen aus Österreich und Schweden. Aus den USA und Kanada kommen insgesamt etwa 280.[71]
Im Februar 2017 schloss sich die Miliz Liwa al-Aqsa offiziell dem IS an.
  • 10.09.2017, 18:57 Uhr
  • 1
Die identifizierten und bekannten sind ja nur die Spitze des Eisbergs, sonst könnte man ja das Elend in den Griff bekommen ...
  • 10.09.2017, 19:01 Uhr
  • 1
... na dann lasse ich Dich mal mit Deiner "vermeintlichen Islamophobie" alleine
  • 10.09.2017, 19:02 Uhr
  • 0
Ich versuche nur, die Dinge realistisch zu betrachten und eben nix zu verharmlosen.
  • 10.09.2017, 19:03 Uhr
  • 0
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Ich halte da wie ein mir bekannter ev. Theologe aus Niedersachsen:
" Da mag Salman Rushdie in Bezug auf den Islam wohl recht haben; ansonsten ist es eine unverschämte Behauptung eines Flüchtlings, der sein Leben letztendlich einem christlichen Land verdankt und dessen Staatsoberhaupt Königin Elisabeth II. eine überzeugte Christin ist. Der große evangelische Theologe Adolf von Harnack wischt die oberflächliche Meinung dieses Schriftstellers überzeugend weg, wenn er in seiner Berliner Vorlesung von 1899 "Das Wesen des Christentums" folgendes sagt: "Allein, man mag das Christentum ansehen, wie man es wolle; ja auch zugeben, es sei ein Irrtum; ist es da nicht von dem größten Interesse, der Geschichte dieses Irrtums nachzugehen und sich zu überzeugen, welche weltbewegenden Ereignisse, Umwälzungen dieser Irrtum hervorgerufen hat, in welche ungewohnten Bahnen er den Geist der Jahrhunderte gelenkt hat, wie er unsere ganze heutige Kultur und Bildung durchzogen hat und untrennbar von ihr ist...Je länger ich lebe...desto mehr erfahre ich es täglich, wie alle Probleme und Konflikte immer schließlich auf das Gebiet des Religiösen rekurrieren und dort zum Austrag kommen und wie deshalb ein christlicher Standpunkt niemals ein überwundener sein kann...Wer einen frischen Blick für das Lebendige und wahre Empfindung für das wirklich Große besitzt, der muß das immer Gültige im Wesen des Christentums sehen." Im Islam jedenfalls jeder Vernünftige nicht!"

Prof.em.Dr.Dr.h.c. Karl-Heinz Kuhlmann, Pastor i.R. Militärpfarrer a.D.
(Hoogleraar Godgeleerdheid, Evangelische Theologische Faculteit,Leuven/Vlaanderen)
  • 10.09.2017, 16:20 Uhr
  • 0
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Vielleicht schreibt ja mal jemand ein Buch über die Zeitenwende von der Merkelregierung zu Merkel. )
  • 03.09.2017, 09:17 Uhr
  • 1
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