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Der Antiquitätenhändler

23.10.2017, 15:20 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Er wusste, dass er sie nicht zum ersten Mal gesehen hatte. Immer wieder kam er und betrachtete sie und erinnerte sich an sie. Nicht nur an ihr Aussehen, sondern auch an ihre schlanke Kühle, als er ihren zarten Hals mit seinen Händen umfasst hatte. Jetzt konnte er es nicht tun. Er stand draußen vor dem Fenster und formte seine Hände zu einer Schale. Was hätte er darum gegeben, sie berühren zu dürfen!

Er kam täglich zur selben Zeit, meist in den frühen Abendstunden, wenn die Sonne die letzten Strahlen auf sie lenkte. Dann glitten seine Blicke über sie hinweg, sehnsüchtig sog er das Alabasterweiß ihres Körpers in sich ein und zeichnete mit dem Finger die zarten blauen Adern nach, die durch das Weiß hindurch schimmerten. Geheimnisvolle weiß-blaue Kühle.

Er musste sie einmal besessen haben, dachte er. Sie musste in seinem Haus gestanden haben, sonst würde er sich nicht so gut an sie erinnern. Sonst hätte sie nicht so viel Macht über seine Seele.

Er war reich, jedenfalls hatte er genug Geld, um sie zu kaufen. Sie stand da zwischen all den anderen exotischen Objekten aus fernen, geheimnisvollen Ländern, still, zart und unnahbar. Als er den Laden betrat und nach dem Preis fragte, sagte der Besitzer freundlich: "Ach, Sie meinen die Vase aus Mysore? Die ist unverkäuflich. Ich habe sie nur als Blickfang ins Fenster gestellt. Jemand hat sie mir mal geschenkt, und Geschenke sind unverkäuflich."

Er ging nach Hause, und in der Nacht hatte er einen Traum. Die Vase hatte ihm tatsächlich einmal gehört, als er ein reicher Raja in Mysore gewesen war. Damals hatte er die Frau eines anderen begehrt, und sie hatte seine Liebe nicht erwidern dürfen. Da hatte sie ihm diese Vase geschenkt, die mit ihren kühlen Farben seine Leidenschaft mäßigen sollte. Und jetzt begegnete er ihr wieder.

Am nächsten Tag meldete er dem Antiquitätenhändler seinen Besuch an. Bei einem Glas Wein fragte er ihn erneut, warum er die Vase nicht kaufen dürfe.

Der Händler lächelte wehmütig: "Sie wissen doch, dass ich sie einmal geschenkt bekam. Auf meiner letzten Indienreise sah ich eine junge Frau. Sie trug einen weißen Seidensari aus Kaschmir mit zarten blau gestickten Blumen. Ich bat sie um ihre Hand. Am nächsten Tag erschien eine Dienerin mit dieser Vase, so schön wie sie, so zart und kühl und zerbrechlich wie sie.

Da erzählte er dem Antiquitätenhändler seinen Traum, und da wussten sie, dass sie beide im Abstand von Hunderten von Jahren derselben Frau begegnet waren.

13 Kommentare

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Schön, aber nicht real.
Ein Traum eben.
Darüber kann man nicht diskutieren.
  • 09.11.2017, 21:15 Uhr
  • 0
Hallo, Volker, nein, das ist eine Erzählung, die ich vor Jahren einmal geschrieben habe, Das gehört zu meinem Leben als Schriftstellerin.

Jeder Mensch hat seine Facetten, Du mit Deinem Marathonlaufen und Deiner Sehnsucht nach etwas jenseits der Materie
  • 09.11.2017, 21:39 Uhr
  • 0
Edith,

Es wäre interessant, die Emotionen, die beim Lesen der Erzählung auftreten, mit den entsprechenden Hirnfunktionen verknüpfen zu können.

Man könnte vielleicht erkennen, unter welchen Bedingungen eine Erzählung (oder überhaupt eine Kunstform) als "schön" oder "beeindruckend" oder "ansprechend" empfunden wird und wieso das bei manchen Menschen so unterschiedlich ausfällt.

Der nächste Schritt wäre dann, eine Optimierung des Werkes vornehmen zu können, damit es möglichst viele (oder möglichst viele Menschen mit gewissen Eigenschaften und Erfahrungen) anspricht.

Möglicherweise könnten dann Computer beeindruckendere Kunstwerke schaffen als Menschen.

Sicher erscheint mir jedenfalls, dass jede Art von Gefühl, Erfahrung, Erinnerung einem bestimmten Muster von Synapsenwerten entspricht. Es gibt ca 10 Milliarden Hirnzellen, jede hat schätzungsweise 1000 bis 10000 Synapsen, welche vielleicht 100 verschiedende Zustände annehmen können. Danach wäre der Geisteszustand eines jeden Menschen zu jedem Augenblick vollständig beschreibbar durch 10 000 000 000 mal 10 000 zweistellige Zahlen. Wenn ich das richtig rechne, ca 100 Billionen dreistellige Zahlen. Das ist etwa die Kapazität einer Festplatte von 100 Terrabyte - gar kein utopischer Wert... Ob es jemals möglich ist(oder gar wünschenswert wäre), dies zu können, darüber kann man spekulieren.
Aber das ist Zukunftsmusik.
  • 10.11.2017, 11:48 Uhr
  • 0
Leider weiß ich nicht mehr, wer oder was mir damals "den Zündstoff" geliefert hat.
Bei einigen Texten erinnert man sich daran.

Das Gehirn ist wohl eine der letzten Bastionen, die noch lange nicht von der Wissenschaft hinreichend erobert worden sind.
Ich weiß nur, dass Autisten meist die rechte Hirnhälfte nutzen und deswegen über sehr viele paranormale Fähigkeiten verfügen.
Kunst, Musik, Spiritualität ist alles wohl 'rechts-hirnig'

Du erinnerst Dich vielleicht an einen früheren Thread, in dem ich auch die Vermutung äußerte, dass Menschen, die sich auf Kunst einlassen, eher den Weg zu feinstofflichen Ebenen finden als die reinen Linkshirn- Betonten.

Wenn man spontan die Hände faltet, liegt ein Daumen über dem anderen.
Daraus lässt sich ablesen, zu welchem Typ man gehört.
  • 10.11.2017, 13:26 Uhr
  • 0
Habs probiert.
Bin anscheinend links-hirnig. Überraschung...
  • 10.11.2017, 18:47 Uhr
  • 1
Probiers mit Deiner Frau Ich bin natürlich rechts-hirnig.

Um ein Gleichgewicht herzustellen, könntest Du es mal mit dem Buch versuchen von Gerhard Klügl, "Quantenland".

Klügl ist Schweizer, hat bei dem englischen Aura-Chirurgen Steven Turov gelernt und bietet Seminare für Ärzte an - das nächste im März -, wo gelernt wird, in der feinstofflichen Aura des Patienten Krankheiten zu beseitigen.

Für einen Links-Hirn-Arzt natürlich aboluter Quatsch. Aber er hat schon über 1000 Patienten auf diese Weise geheilt, ist eben ein Arzt der Zukunft.
  • 10.11.2017, 19:12 Uhr
  • 0
Wirklich...
Bei Bea isses umgekehrt!
  • 11.11.2017, 15:12 Uhr
  • 0
Damit hast du einen ersten Hinweis darauf, warum eure Sicht der Dinge sich unterscheidet.

Übrigens könntest du dieses Jahr etwas Außergewöhnliches erleben. Jupiter läuft ein Jahr lang über deinen Mond (allerdings mit Quadrat zum Pluto).

Das Buch von Klügl könnte Dir entscheidende Erkenntnisse vermitteln.

EIne Freundin von mir, Kieferorthopädin, hat ihn als Heiler in Liechtenstein besucht. Ist sehr beeindruckt.
Am Do nächste Woche, fährt eine andere Freundin, Apothekerin, zu ihm. Wir planen, im März sein Wochenseminar für Ärzte (ich darf auch kommen zu besuchen und Aurachirurgie zu lernen.

Mir hat das Martin Zoller (www.martinzoller.com ) in einer EInzelsitzung Anfang Oktober vorausgesagt.
Alles sehr spannend.
  • 11.11.2017, 17:12 Uhr
  • 0
Bei meinem ältesten Sohn ist es wie bei mir... links-hirnig.
Könnte ein Hobby von mir werden. Ich werd mal alle Bekannten testen...
  • 11.11.2017, 20:44 Uhr
  • 0
Du wirst die LInks-Hirne vielleicht besser verstehen - aber von den Rechts-Hirnen könntest Du Anregungen bekommen,
die Dein Leben noch interessanter machen würden.
  • 12.11.2017, 08:31 Uhr
  • 0
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wunderschön, lädt zum Träumen ein. Merci an Dich
  • 27.10.2017, 18:24 Uhr
  • 1
Danke, liebe Erika, das entstand aber schon vor ein paarJahren.
  • 27.10.2017, 19:10 Uhr
  • 0
ist noch immer wunderschön und - für mich - nachvollziehbar. Lädt zum Träumen ein, also mich jetzt
  • 27.10.2017, 19:13 Uhr
  • 1
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