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Über das Schräge in der Welt

Über das Schräge in der Welt

12.11.2017, 00:09 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Eine launige Betrachtung dessen, was schief laufen kann:

Vor kurzem stieß ich in einem Beitrag auf einen Begriff, der mir schon häufig genug begegnet ist, um auch bei mir Teil meines Alltagswortschatzes geworden zu sein. Die Rede ist von einem 'schrägen Vogel'. So nennt man schon mal etwas abschätzig oder ironisch Menschen, die – sei es in ihrem Äußeren oder in ihrem Verhalten – 'anders sind', nicht normal, die auffallen, weil sie etwas an sich haben, was Aufmerksamkeit erregt.

In seiner Grundbedeutung bezeichnet das Beiwort 'schräg' zunächst einmal die Abweichung von einer horizontalen oder vertikalen Linie. So gesehen wäre 'schief' das passende Synonym für 'schräg'. Wir sprechen von einer 'schiefen Ebene', wenn sie abschüssig ist, und der Turm von Pisa ist 'schief', weil er nicht lotrecht dasteht. Dennoch käme man nicht auf die Idee, beide 'schräg' zu nennen. Semantisch sind die beiden Wörter wohl doch nicht deckungsgleich.

Die Adjektive 'schräg' oder 'schief' bekommen übrigens nur dann ihren eigentlichen Sinn, wenn sie in Bezug gesetzt werden zu einem gegensätzlichen Begriff, wie z.B. 'horizontal' oder 'senkrecht'. Schief ist der Turm von Pisa lediglich im Verhältnis zum Rest der Welt.

Seltsam finde ich, dass bei der 'schiefen Ebene' der Blick fast immer nach unten geneigt scheint. Das Licht des Mondstrahls fällt schräg auf die Erde. Würde man auch einen ansteigenden Weg als 'schief' oder 'schräg' bezeichnen? Wohl eher nicht. Das 'Schräge' beinhaltet offenbar auch eine Lageveränderung von oben nach unten, nicht aber umgekehrt.

In zahlreichen gebräuchlichen Wendungen begegnet uns das Adjektiv 'schräg' in seiner übertragenen Bedeutung. wie im oben genannten Beispiel. Der schräge Vogel ist nicht wirklich schräg, schief oder uneben, sondern nur nicht so, wie du und ich. Er ist ein besonderer, ein absonderlicher Vogel, Und ein Vogel ist er auch nicht, denn niemand würde auf die Idee kommen, eine Schwalbe oder einen Adler 'schräg' zu nennen.

Das im übertragenen Sinne Schräge, also Abartige, Anormale, wird deutlich, wenn wir uns vergegenwärtigen, was alles 'schräg' sein kann. Es gibt den 'schrägen Blick', den wir jemandem zuwerfen, dem wir nicht recht vertrauen können, oder der uns irgendwie verdächtig vorkommt. Ein solcher Mensch kann uns dann auch meistens nicht 'gerade in die Augen, ins Gesicht schauen', und wer Letzteres kann, zieht keine schrägen Blicke auf sich. Ein 'gradliniger' Mensch, der also nichts Schräges an sich hat, hat auch keine 'schrägen' Gedanken oder Ansichten. Wird man von jemandem schräg angeschaut, empfindet man das als unangenehm und geht ihm aus dem Weg.

Trägt jemand 'schräge' Kleider, dann sind diese entweder von einem ausgefallenen, also ebenfalls 'schrägen' Designer oder aus der Altkleidersammlung. Es kann aber auch daran liegen, dass der auffällig Gekleidete einen 'schrägen' Geschmack hat, Ein 'schräger Typ' favorisiert schon mal 'schräge Musik', gespielt von einer Band, die 'schräge Töne' von sich gibt. Geht es also um Geschmacksfragen, dann nähert sich das Wort 'schräg' immer mehr der Bedeutung von ',
absonderlich, befremdlich, bizarr, eigenartig, merkwürdig schrill, skurril, seltsam, sonderbar, ungewöhnlich, unpassend. Und 'schräge Musik' ist in der Regel auch dissonant.

Wird nun alles, was im übertragenen Sinne 'schräg' ist, als unangenehm, unschön oder gar hässlich empfunden? Aus den aufgeführten Beispielen könnte man diesen Eindruck gewinnen. Sehen wir uns in der uns umgebenden Welt um, dann gibt es dort kaum etwas, was nicht in irgendeiner Weise 'schräg' – also nicht grade oder eben – ist. Ich glaube, es waren bildende Künstler, die zuerst darauf aufmerksam machten, dass in der Natur das Ungerade, das Krumme, das Unebene, das nicht Gleichförmige die Regel ist und nicht die Ausnahme.

Wenn wir ernsthaft darüber nachdenken, ist es doch gerade das Ungewöhnliche, Überraschende, nicht irgendeiner Norm entsprechende, manchmal auf den ersten Blick abwegig und verstörend Erscheinende, welches unsere Welt und unser Dasein, unser Leben interessant und abwechslungsreich macht. Wenn uns etwas zu schräg, zu schief, vorkommt, können wir versuchen, es gerade zu rücken. Nicht immer gelingt uns das. Und wo es uns gelungen ist, stellen wir nachher oft fest, dass uns das 'Schräge' doch besser zusagte.Wo allerdings etwas ganz und gar schiefläuft, wo also etwas aus der Balance gerät, wo etwas 'krumm läuft', kann es doch nötig werden, das Gleichgewicht wieder herzustellen. Eine 'Unwucht' bringt ein Rad zum Taumeln, stört den Gleichlauf.

Ja, es ist schon eine 'schräge' Welt, in die uns das Schicksal hineinversetzt hat. Sie hat scharfe Ecken und Kanten, an denen sich der leicht verletzen kann, der nicht auch ein bisschen 'schräg' ist. Das Schräge ist nun mal Bestandteil dieser Welt. Also tun wir gut daran, uns damit abzufinden.

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72 Kommentare

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Gerade irgendwo geklaut:
"Steigungen sind nichts weiter als Anomalien im Gefälle!"
  • 16.11.2017, 10:49 Uhr
  • 3
. in der Wirtschaft spricht man dann schon mal vom 'Negativ-Wachstum'.
  • 16.11.2017, 13:32 Uhr
  • 0
eine schräge Wirtschaftslage.
Gut, dass die Verantwortlichen sich nicht damit abfinden, und gegensteuern
  • 16.11.2017, 13:51 Uhr
  • 1
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Friedhelm,
kaum bittet man Dich um einen launigen Beitrag und schon fließt er Dir nachts aus der Feder, pardon aus den Fingern
Die natürlich nur die Empfänger deiner Gedanken sind, die sich um das allzu Schräge in dieser Welt ranken.

In der Tat kann man mit diesem Adjektiv 'schräg' alles Mögliche ausdrücken, Positives und Negatives. Ein bedeutungsschillerndes Wort:
eine schräge Bergwand, absolut klare positive Aussage, natürlich nicht für den Bergsteiger ... oder doch?
Ein schräger Vogel = seltsamer Menschentyp, eindeutig pejorativ.

Tragen alle Adjektive Negatives und Positives in sich?

Z.B. "schön" ein schönes Mädchen +
Das ist ja mal eine schöne Bescherung! _

Sicher ist der Kontext entscheidend oder ...??
  • 12.11.2017, 15:06 Uhr
  • 1
Deine Bitte, Edith, war vielleicht der 'Trigger', aber nicht der Urgrund für meinen Beitrag, denn der war bereits in meinem Kopf 'in statu nascendi'.
Wenn allen Menschen bewusst wäre, welch delikates Arbeitsmittel die Sprache ist, die sie täglich benutzen, um miteinander zu kommunizieren, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, dann würden sie etwas sorgsamer damit umgehen.
Sie würden sich dann auch wohl mehr darum bemühen, sich so zu artikulieren, dass beim Empfänger der Botschaft auch das ankommt, was der Sender gemeint hat.
  • 12.11.2017, 16:00 Uhr
  • 3
Darf man so etwas von einem Mathematiker oder Techniker erwarten? Da bin ich anspruchsloser bzw. barmherziger

Zu einer Bemerkung weiter unten - es ging um die Geburt eines Menschen - Du schreibst , der Zeitpunkt der Geburt sei nicht wichtig, nur das Ergebnis.

Da muss ich Dir doch heftigst widersprechen, denn gerade der exakte Zeitpunkt und der -ort der Geburt sind die wichtigsten, da individuellsten Daten für einen Astrologen.

Das sind nicht alle 'schräge Vögel', sie haben meist einen seriösen Beruf wie Dr. Firgau, Notar in Heidelberg oder Kurt Allgeier, München, studierter Philosoph oder eben auch Edith ST
  • 12.11.2017, 16:18 Uhr
  • 2
Unsere Sprache ist tatsächlich ein unglaublich feines Instrument und wir können nur immer mit der Empfindung abwägen, ob das, was wir sagen wollen, auch das ist, was wir formulieren.
Von tausend möglichen Beispielen nur mal eines: merk-würdig wird meistens nicht gebraucht bei Dingen, die es wert sind, gemerkt zu werden. Meistens ist damit nur "eigenartig", "sonderbar" gemeint.
Wie ist es mit den Begriffen: "Grüß Gott", "Dienst", "Be-griff", "weg-gehen", "ehr-geizig", "eifer-süchtig" .....
  • 12.11.2017, 16:39 Uhr
  • 2
Dass übrigens das Beiwort 'schräg' in 'schräger Vogel' eindeutig pejorativ sein soll möchte ich bestreiten. Es gibt durchaus Menschen, die 'schräge Vögel' gerade deshalb mögen, weil sie nicht der Norm entsprechen, weil sie eben 'schräg' sind, unangepasst, besonders, auffällig und speziell.
  • 12.11.2017, 16:44 Uhr
  • 1
"Darf man so etwas von einem Mathematiker oder Techniker erwarten?"

Das klingt verächtlich.

Ist es denn nicht gerade der Techniker, der eine Mensch-Maschinen-Sprache entworfen hat, die nach einer klar durchdachten Architektur funktioniert?
Eine scharfe Sprache, die Mehrdeutigkeit weitgehend ausschließt?

Eine gewachsene Spache dagegen "atmet" im Takte des Zeitgeschehens und wird somit belieb und unscharf.

Ein ganz wesentliches Merkmal einer menschlichen Sprache ist ihre Melodie.

Afrikanerinnen schnallen sich ihre Babies auf den Rücken.
Der Körperschall der mütterlichen Stimme verleiht dem Baby Lebensmut , Kraft und Identität, oder das Gegenteil.

Ich lese deshalb gerne "Schneewittchen" vor.
Der schönen Sprache wegen, der sich meine Stimme gut anpassen kann.

Synthetische Sprachen fehlt diese Eigenschaft.

Aber vielleicht habe ich Dich ja missverstanden.
  • 12.11.2017, 17:57 Uhr
  • 0
Manfred?
Ich mache keinen verächtlich, wenn ich sage, dass jeder Mensch seine ganz eigene Sprache hat, die natürlich auch von seiner Ausbildung, seinem Charakter und unzähligen individuellen EIgenheiten abhängt.

Natürlich muss man kein Philologe sein, um sich sprachlich gewandt ausdrücken zu können.

Ein sehr gutes Beispiel ist meiner Ansicht nach der Schriftsteller Hanns Josef Ortheil, der als Kind 6 Jahre lang stumm war , dann Musik in Rom, studierte , Pianist werden wollte und seinen Berufswunsch aufgeben musste, weil er eine schlimme Epicondölytis bekam.

Dann fing er an zu schreiben.
In den Jahren seiner 'Sprachlosigkeit' hatte er sich eine solche Beobachtungsgabe erarbeitet, dass der Leser aus dem Staunen kaum herauskommt.
______

Manfred, Menschen haben viele Gaben, e i n e davon ist die Sprache.
  • 12.11.2017, 18:41 Uhr
  • 3
Dass eine 'gewachsene' Sprache, Manfred, beliebig und unscharf wird, weil sie - wie Du sagst - 'atmet'. ist m.E. nicht unbedingt richtig.
Betrachtet man einzelne Wörter über einen langen Zeitraum, kann man feststellen, dass sich bei einigen die Bedeutung langsam, unendlich langsam, und daher fast unmerklich verändert hat. Sprache ist einem langsam wachsendem Organismus ähnlich ,etwa einem Baum. Wie ein Baum neue Zweige und Äste entwickelt, die seine Größe und Form bestimmen, so entwickelt sich auch Sprache, Auch wenn die Bedeutung der Wörter sich ändert, diese gar neue Formen entwicckeln, ihre Funktion und Aufgabe wechseln, neue Wörter hinzukommn, so bleiben sie doch wichtige Bestandteile des Ganzen. Manche Wörter und Ausdrücke verschwinden auch ganz oder zeitweise, um dann in neuer Funktion wieder aufzutauchen. Oder sie werden ersetzt durch andere, die einen Sachverhalt besser wiedergeben.
Es stimmt, dass sprachliche Äußerung immer auch der Interpretation, also der Deutung ausgesetzt sind. Das ist die Ursache für mögliche Missverständnisse. Von Beliebigkeit zu reden geht aber zu weit.
Sprache dient in erster Linie zur Übermittlung von Information. Wichtig ist dabei, dass Sender und Empfänger den gleichen sprachlichen Code benutzen, damit Missverständnisse ausgeschlossen werden. Unter dieser Voraussetzung, so behaupte ich, ist es möglich, jede Information, und sei sie noch so komplex, scharf genug zu vermitteln, so dass Eindeutigkeit garantiert ist. Natürlich gehört auch Mühe und guter Wille dazu, und zwar sowohl beim Sender wie beim Empfänger.
Wo der Wille zur Verständigung fehlt, ist Fehlinterpretationen Tor und Tür geöffnet. Das Gleiche gilt, wenn Sprache bewusst zum Zwecke der Manipulation eingesetzt wird.
Die Vielfältigkeit und die fast unüberschaubaren Möglichkeiten, die jede Sprache bietet, machen sie auch zu einem Instrument, auf dem sich kunstvoll spielen lässt. Das zeigen uns in anschaulicher Weise Schriftsteller, Poeten und Liedermacher.
  • 12.11.2017, 18:45 Uhr
  • 2
Das ist ein wunderbarer Kommentar von einem, der Sprache liebt. Und wenn man etwas liebt, entwickelt man sich selber immer weiter. Wer Sprache liebt, wird zu einem Sprachkünstler.

Vor Jahren habe ich von einem deutschen Schriftsteller eine sehr schöne Interpretation gelesen.
Er sagte, ein Gespräch sei dann gut, wenn einer der beiden ein Instrument und der andere der Spieler sei. Und am schönsten sei es, wenn niemand wisse, wer der Spieler und wer das Instrument sei.

Sicher habt ihr auch schon erlebt, dass man mit jedem anders redet, abhängig von der seelischen Konstitution des Gesprächsteilnehmers.
Oft ist die gegenseitige Inspiration sehr groß, und dann können sich wunderbare Augenblicke ergeben, oder manchmal bekommt man am Telefon kaum ein Wort heraus, weil man den Anrufer nicht kennt.
  • 12.11.2017, 19:07 Uhr
  • 2
Ich halte mich für einen 'schrägen Kolibri' - danke, Friedhelm, dass du 'Schräges' nicht total ablehnst.
Es sind vor allem Wassermänner, die selber ziemlich 'schräge Vögel' und außerordentlich farbige, kauzige, originellste Menschen sind.

Ich habe gerade eine junge 31jährige Augenchirurgin kennengelernt, die im Zeichen Wassermann geboren ist, Drachenfliegen und Surfen macht und außerdem sensitiv ist.

Ich habe Merkur und Mars im Wassermann - das erklärt alles
  • 12.11.2017, 19:26 Uhr
  • 2
Für einen 'Sorachkünstler' halte ich mich gar nicht. Seid meiner Schulzeit, allerdings, ist mir bewusst, das man Sprache 'so oder so' nutzen kann, je nachdem, welche Absicht man verfolgt. Und ich erinnere mich daran, dass ich beim Schreiben von Hausaufsätzen in der Oberstufe manchmal stundenlang über einen Satz gebrütet habe, bis ich ihn halbwegs 'erträglich' fand. Wenn ich ihn dann endlich zu Papier gebracht hatte, habe ich ihn mehrfach laut vor mich hin gelesen, um zu hören, wie er auf den Leser wirken könnte.
  • 13.11.2017, 14:57 Uhr
  • 1
Leider ist bei meinen Futterstellen bis jetzt noch kein Kolibri erschienen, geschweige denn ein 'schräger'.
  • 13.11.2017, 14:59 Uhr
  • 1
Wenn einer kommt, musst du ihn aber fotografisch einfangen
  • 13.11.2017, 16:15 Uhr
  • 0
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Danke ,Meine Quintessenz ist , "ständig angepasste Leute haben keinen Mut. Es ist doch viel einfacher mit dem Strom zu schwimmen."
Mein meistgehasstestes Wort ist z.B. "man".
"Man muss schön brav zu sein ,nur nicht mucken..." habe ich mal vor langen Jahren in einem Gedicht geschrieben.
Ich bin ein Idividium ,mich gibt es nur einmal. Da ich in einer Gemeinschaft lebe,muss ich mich gewissen gesellschaftlichen Normen und Regeln beugen,das ist klar.
Das geht aber nicht so weit ,dass ich meine Einmaligkeit nicht zur Schau stelle, wenn mir danach ist.
Ich bin und war schon immer eher ein "buntscheckiger" Hund , das ist nicht weit von schrägen Vogel entfernt. "Hoch lebe die Individualität. "
  • 12.11.2017, 11:40 Uhr
  • 2
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"schräg" bedeutet für mich auch "wider den Stachel löcken". Und das ist manchmal auch gut.
  • 12.11.2017, 11:20 Uhr
  • 1
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Einen, nicht unmaßgeblichen Aspekt hast Du nicht erwähnt, Friedhelm.
Nämlich den Sitz einer Herren- Mütze.

Meine Mutter hat mich immer ermahnt: Setze die Mütze nicht schräg, sondern gerade auf.
Schräg bedeutete für mich damals so viel wie kühn.

Die Abneigung meiner Mutter gegen "schräge Mützen" hatte einen besonderen Hintergrund.
  • 12.11.2017, 11:05 Uhr
  • 2
und der wäre
  • 12.11.2017, 11:08 Uhr
  • 0
genau, der wäre ??
  • 12.11.2017, 11:19 Uhr
  • 1
Weil sie anfangs keine Abneigung gegen Gerade-Mützen-Träger hatte.
Das hat sich dann geändert.
Aber die Abneigung gegen Schräg-Mützenträger ist ihr geblieben.
  • 12.11.2017, 11:30 Uhr
  • 0
Schräg-Mützenträger waren meiner Oma auch suspekt, sie meinte dahinter verstecke sich ein Frauen-Belästiger und Nichtsnutz.
  • 12.11.2017, 13:30 Uhr
  • 2
Hoffentlich hast Du das Vorurteil Deiner Oma nicht übernommen.
  • 12.11.2017, 13:50 Uhr
  • 1
Übrigen, bei denen, die ich meine, hat sich nur der Linzer Skorzeny getraut, die Mütze schräg zu tragen.
  • 12.11.2017, 13:53 Uhr
  • 1
Wie trägst Du Deine Mütze?
Meine Mutter:
Sag mir, wie du deine Mütze trägst und ich sage dir, wer du bist
  • 12.11.2017, 13:56 Uhr
  • 1
Vielleicht weil Skorzeny Österreicher war und seines hohen SS Dienstgrades wegen?
  • 12.11.2017, 16:12 Uhr
  • 0
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Friedhelm,
Wenn es hier schon um die deutsche Sprache geht:

Du hast hier keine "launische Betrachtung" veröffentlicht, sondern eine "launige" Betrachtung...

Mir als eher sprachlich Unbegabtem ist das auch nur aufgefallen, weil wir am Gymnasium einmal eine "launigen" Aufsatz schreiben sollten und ein Mitschüler eben einen "launischen" Aufsatz abgegeben hat - wofür er prompt eine Fünf kassiert hat.
  • 12.11.2017, 10:55 Uhr
  • 1
Ups ! In der Tat, Volker, ein typischer 'lapsus linguae' ist mir da unterlaufen, der unbedingt einer Korrektur bedarf.
'Launische' Beiträge gibt es hier im Übermaß - 'launige' nicht so häufig. Danke für den Hinweis.
  • 12.11.2017, 11:20 Uhr
  • 3
Korrektur ist erfolgt !
  • 12.11.2017, 11:38 Uhr
  • 1
Danke, Friedhelm für den launigen Beitrag, den ich ja von Dir erbettelt habe

Er ist aber auf einem so hohen Gesamtniveau angesiedelt, dass ich mich schon auf die Zehenspitzen stellen müsste, um eine adäquaten Kommentar schreiben zu können.

Es gibt zu "schräg" sogar eine indogermanische Wiurzel - und die Bedeutung war "gekrümmt, gebogen".

Jemand, der aufrecht geht oder ein aufrechter Mensch , sollte nichts Schräges an sich haben, außer einer Mütze.
  • 12.11.2017, 14:53 Uhr
  • 1
Volker, erinnerst du dich, dass ich in deinem Horoskop vor Jahren einen interessanten Aspekt : Venus Sextil Merkur fand. Ich definierte das als "Schriftsteller-Aspekt".
Jemand, der auf Sprache achtet.
Und nun findest du das Wort 'launisch' ... Niemand ist sonst darüber gestolpert.
  • 12.11.2017, 16:21 Uhr
  • 0
Ich kenne Deine Körpergröße nicht, Edith, aber so hoch hatte ich doch die Messlatte gar nicht gesteckt, dass auch Du nicht mit Leichtigkeit darüber hinwegblicken könntest.
  • 12.11.2017, 16:32 Uhr
  • 2
Edith,

Was den "Schriftsteller-Aspekt" betrifft:

Wie an anderer Stelle grade erwähnt finde ich es wichtig, sich nicht selber zu beurteilen sondern sich von anderen, von Fachleuten beurteilen zu lassen.
Ich wurde diesbezüglich im Gymnasium geprüft, von Lehrern, die Germanistik studiert hatten, und ich war immer froh, mit einem "ausreichend" beurteilt zu werden. "Befriedigend" war schon ein seltenes Highlight.
Insofern ist das Horoskop zwar schmeichelhaft, jedoch unzutreffend.

Ich hatte ja auch oben geschrieben, warum mir der Unterschied launig/launisch aufgefallen ist. Hätte es besagtes Schulaufsatz-Thema und das Missverständnis meines Klassenkameraden nicht gegeben, wär mir das im Leben nicht aufgefallen.
  • 12.11.2017, 18:56 Uhr
  • 0
Volker, Deine Bescheidenheit ehrt Dich - und daher möchte ich auch Deinem ehemaligen Deutschlehrer dankbar sein.
  • 12.11.2017, 19:00 Uhr
  • 1
Volker, deine Bescheidenheit ehrt dich und dein Misstrauen gegenüber der Astrologie ent-ehrt dich
  • 12.11.2017, 19:09 Uhr
  • 0
wize.life-Nutzer
ist ein ganz schräger Vogel!" umgangssprachlich; Das seit dem 16. Jahrhundert belegte Adjektiv "schräg" bezieht sich zunächst auf die Lage im Raum und bezeichnet etwas Schiefes, von der Senkrechten oder Waagerechten Abweichendes. In der Umgangssprache wird dies bildlich übertragen für etwas Ungewöhnliches, vom Normalen Abweichendes, Verrücktes verwendet. "Schräg" steht im Gegensatz zu "gerade", das ebenfalls qualitativ gedeutet wird (z. B. ge¬rad¬li¬nig, "gerade Wege gehen"). Diese bildliche Deutung von ursprünglich neutralen Begriffen findet sich auch im Gegensatzpaar krumm-gerade (siehe hierzu auch "ein krummes Ding drehen").
Die Formel "schräg drauf" kann sowohl neutral für exzentrische Personen als auch abwertend für übellaunige Personen oder Menschen mit schlechten Umgangsformen verwendet werden und dürfte im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts entstanden sein
  • 15.11.2017, 11:08 Uhr
  • 0
Danke, Nikolaus - das ist eine sehr präzise Darstellung der Etymologie dieses Wortes/Ausdrucks.
  • 15.11.2017, 11:22 Uhr
  • 1
Is ja alles sehr interessant und lehrreich.
Bloss: das Thema hat nicht das Zeug für kontroverse Diskussionen. Drum wird sich die Unterhaltung wohl weiter so schleppend hinziehen und bald versiegen.
  • 15.11.2017, 11:59 Uhr
  • 1
Das Thema an sich ist sehr interessant, denn Sprachveränderungen haben viel mit den gesellschaftlichen Realitäten zu tun.
Aber auf dieses 'Spielfeld' möchte ich hier nicht.
  • 15.11.2017, 12:16 Uhr
  • 1
Diskussionen, die kein Ende finden, weil die Kontrahenten auf ihren jeweiligen Standpunkten beharren, können aber auch sehr nervtötend sein.
Im vorliegenden Falle ging es ja auch nicht um Meinungen über oder Berurteilungen von Sachverhalten, sondern um den Austausch von Wissen und Erfahrungen mit sprachlichen Eigenheiten. Das muss nicht jeden interessieren, kann aber!
  • 15.11.2017, 12:21 Uhr
  • 2
Welchen Einfluss Sprache auf den Charakter haben kann - und auch umgekehrt - , das hat z.B. die deutsche Sprach- und Kognitionswissenschaftlerin Elisabeth Wehling untersucht. Besonders interessant ist das, was sie in ihrem 2016 erschienenen Buch 'Politisches Framing' über die Sprache als Manipulationsinstrument ausführt.
Bei Youtube findet man zahlreiche Videos von Vorträgen, die sie zu diesem Thema gehalten hat.
  • 15.11.2017, 13:10 Uhr
  • 1
Interessant, aber da wird, so glaube ich, über die Vergewaltigung einer Sprache und deren Missdeutung gesprochen.
  • 15.11.2017, 13:24 Uhr
  • 0
wize.life-Nutzer62 Edith ST]
Frames = Deutungsrahmen
Frames werden durch Sprache im Gehirn aktiviert = suggestive Manipulation des Unterbewusstseins.
Frames sind gleichzeitig immer selektiv. Sie heben bestimmte
Fakten und Realitäten hervor und lassen andere unter den Tisch fallen. Frames bewerten und interpretieren, stimmulieren, manipulieren, sind sie erst einmal über Sprache etwa in einer öffentlichen Debatten in
unseren Köpfen aktiviert, so leiten sie unser Denken und Handeln und zwar ohne dass wir es merken.Es ist höchste Zeit, unsere Naivität gegenüber der Bedeutung
von Sprache in der Politik abzulegen, sonst werden wir stehenden Fußes untergpflügt
  • 15.11.2017, 13:37 Uhr
  • 1
Ja, wir unterliegen der Sprachregelung der öffentlichen Sender. EIne Gehirnwäsche findet statt. Dafür war das Fußballspiel im 1. gestern ein sehr durchsichtiges Beispiel.

Jemand hat mir ein interessantes Buch über George Soros zugeschickt, ab S. 216 erklärt von Retyi sehr genau, erschreckend genau, was sich in den letzten zwei Jahren hier in Europa abgespielt hat.
Natürlich wird gleich das Schlagwort "Verschwörungstheoretiker" hervorgeholt, als ob das als Argument ausreichen würde.

Früher war Wissen Macht, heute ist Geld Macht!
  • 15.11.2017, 14:11 Uhr
  • 1
Mit der Sprache kann man die Deutungshoheit in politischen Debatten erobern. Was eben noch falsch war, kann durch festes Behaupten und ewige Wiederholungen plötzlich richtig erscheinen = Frames. Es ist ja eine einfache eine ganz banale Erkenntnis, dass es nicht nur darauf ankommt, was jemand sagt, sondern auch darauf, wie es jemand sagt. Das ist auch in der Politik so, aber daraus ist in der Politik inzwischen eine relativ komplizierte Technik geworden, auf die viele von uns fast täglich hereinfallen. Man nennt das Ganze Political Framing.
  • 15.11.2017, 17:15 Uhr
  • 1
Political Framing, wohlgemerkt, ist in jeder gewünschten politischen Himmelsrichtung möglich, von extrem links bis extrem rechts. Wenn man sich ein wenig damit befasst und darin übt, ist es nicht schwer, zu erkennen. woher der Wind weht. Also: uffbasse ! So manch einer, der geglaubt hat, ein halbvolles Glas gekauft zu haben, stellt erstaunt fest, dass es halbleer ist.
  • 15.11.2017, 17:29 Uhr
  • 1
Wenn es nicht ganz leer ist, würde ich es schon als preiswert akzeptieren.
  • 15.11.2017, 17:45 Uhr
  • 1
So anspruchslos bist Du doch sonst nicht, Edith !
  • 15.11.2017, 17:50 Uhr
  • 0
Ich bin flexibel, Friedhelm - manchmal. Wenn ich allerdings von etwas überzeugt bin, da bin ich felsenfest davon überzeugt.
  • 15.11.2017, 18:26 Uhr
  • 1
Edith,
Das glaub ich sofort...

Im Übrigen nehm ich alles zurück: ist doch kein langweiliges Thema.
  • 15.11.2017, 21:34 Uhr
  • 0
Volker, du magst wohl Menschen, die heute eine Sache bejahen und morgen verneinen. Zu denen gehöre ich sicherlich nicht.

Das sind für mich traurige Windbeutel. Es gibt genug davon, vor allem in der Politik. Man nennt das dann Kompro-mist.
Aber ich will Friedhelm jetzt nicht noch vor MItternacht aufregen ...

Sein Beitrag war sehr diskussionswürdig und hat ja auch viele verdiente LWs eingeheimst.

___________

Brücken

Worte sind Brücken -
Man kann sie bauen,
Ganz im Vertrauen darauf,
Dass sie nicht brechen.

Mehr kann man nicht tun.
Man muss ihnen trauen,
Den Architekten der Worte,
Den Brücken-Erbauern.

Und doch ist die Brücke zerbrochen
Und viele ertrunken.
Sind die falschen Worte gesprochen
Und tief in die Seele gesunken?
  • 15.11.2017, 21:56 Uhr
  • 1
Nikolaus,

"Es ist ja eine einfache eine ganz banale Erkenntnis, dass es nicht nur darauf ankommt, was jemand sagt, sondern auch darauf, wie es jemand sagt. "

Es will mir in der Politik so vorkommen, als sei es sogar völlig unwichtig, was gesagt wird, ja sogar ob überhaupt etwas gesagt wird - es ist ausschliesslich das "wie" entscheidend.

Die Botschaft, die rüberkommt lautet immer öfter: guck mich an, ich trage Anzug und Krawatte, hör, wie ich rede: ohne regionalen Akzent, schön laut und deutlich und vor allem überzeugend klingend. Deswegen: vertrau mir einfach. Ich weiss sowieso besser Bescheid als du, ich mach das schon. Ich brauch nur dein Kreuzchen auf dem Stimmzettel.
  • 16.11.2017, 11:56 Uhr
  • 1
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Hervorragender Beitrag

also ist "schräg" nicht etwas Besonderes oder Außergewöhnliches wie uns die Begriffe, "schräger Vogel", schräge Gedanken", usw. eigentlich suggerieren, sondern es ist in unserer Welt völlig normal

Das finde ich jetzt echt schräg

Dazu fällt mir eine Episode im Bus ein
Es war Mittagszeit und es waren viele Schüler auf dem Heimweg drin.
Eine Gruppe von 4t-Klässlern, alles Mädchen, warfen sich harmlose Wörter zu, dann kicherten sie. Wenn eine nicht mitkicherte, rief eine: "Denk schief!" und alle prusteten los
Das fand ich dann wiederum schräg
  • 12.11.2017, 10:34 Uhr
  • 2
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Mal ganz abgesehen davon, Friedhelm, dass ich den schiefen Turm von Pisa schon deshalb als etwas absolut Schräges betrachte, weil man, statt ihn endgültig gerade zu richten, immer wieder daran herumoperiert und gebaut hat. Und im Jahre des Herrn 2000 hat man ihn nach vielen Jahren "Bauzeit" an der richtigen Stelle nur um 44 cm angehoben. Die Schieflage beträgt nun "nur" noch 4 Grad: Schließlich ist der schiefe Turm 1987 zum Kulturerbe erklärt worden, der gerade hätte solche Ehre offensichtlich nicht verdient.

Wenn das nicht schräg ist! Denn mit Schrägem, da stimme ich dir zu, haben alle Menschen vom Moment ihrer Entstehung bis zu ihrem Ende ihren Kampf und ihre Freude.

Wenn einer oder eine geboren wird, ist das schon eine prekäre Sache, ungefragt aus dem Schoß einer Mutter purzelnd ausgerechnet auf eine schräge Welt. Später daran glaubend, dass sich sein Leben nach vorne, nach oben, mindestens doch gradlinig entwickelt. Weit gefehlt. Von Anfang an befindet er sich auf dieser schrägen Ebene, an deren Ende er wieder herauskatapultiert wird aus dem Ort, in den er einst so erwartungsvoll hinein purzelte.

Froh sollte dieses Menschlein sein, wenn es zwischendurch nicht noch auf eine schiefe Bahn geraten ist!

Guten Morgen Friedhelm, , du Nacht-Philosoph!
  • 12.11.2017, 10:02 Uhr
  • 7
Danke, Mike, für diese erhellende, erheiternde, auch lückenfüllende Kommentierung meines Beitrags.
  • 12.11.2017, 10:15 Uhr
  • 2
Ich wollte keine Lücke füllen sondern habe eher über den Zeitpunkt der Geburt deines Beitrages gestaunt, wize.life-Nutzer - um die Zeit hat mich meine Muse noch nie geknutscht, geschweige denn, den Philosophen in mir geweckt.
Ich finde es einfach schön, jemanden lesen zu können, der zum "Mitschreiben" geradezu inspiriert!
  • 12.11.2017, 10:19 Uhr
  • 2
Schräge Gedanken können zu jeder Tageszeit das Licht der Welt erblicken. Und die mit der Geburt verbundenen Wehen setzen oft viel früher ein, ziehen sich auch schon mal bis in die frühen Morgenstunden hin. Entscheidend ist schließlich nicht der Zeitpunkt, sondern das, was am Ende rauskommt.
  • 12.11.2017, 10:26 Uhr
  • 7
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am besten gefällt mir der Schlußsatz....
  • 12.11.2017, 09:56 Uhr
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Ein Beitrag, der mir wirklich gut gefällt.
  • 12.11.2017, 09:16 Uhr
  • 3
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