wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?

Das I Ging - Wer fragt, bekommt eine Antwort

15.04.2018, 18:38 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Das I Ging [i:'ʤɪŋ]
Wer fragt, bekommt eine Antwort.

1. Wo und wie habe ich das I Ging kennengelernt?

Ich lernte den jungen Sinologie-Studenten in der Mensa der University of Pittsburgh kennen, er ging an Krücken. Wir kamen ins Gespräch, und er berichtete mir von seinem Motorradunfall, bei dem er einen Fuß verloren hatte, und als ich ihn fragte, wie er diesen Verlust bewältigt hatte, meinte er: „Das I Ging hat mir geholfen.“
Er holte ein kleines, abgegriffenes Buch aus seiner Manteltasche, auf dem ich die beiden Worte las, die mir fremd waren.
„Ich bin Sinologe“, sagte er, I Ging heißt „Das Buch der Wandlungen“.

Diese kleine Szene in der Cathedral of Learning, dem riesigen Wolkenkratzer, wo sich die Universität befand, habe ich nie vergessen. Ich sah das Leid in den Augen des jungen Mannes und spürte, dass es ihn verwandelt hatte, dass er wissend geworden war und weise werden würde.

2. Die Geschichte des I Ging

Jedes Buch hat seine Geschichte, hat einen oder seine Verfasser. Manchmal verliert sich seine Entstehung im Dunkel der Vergangenheit. Manchmal kennt man die Namen nicht, deren Gedanken niedergeschrieben worden sind.
Die Ursprünge des I Ging gehen weit zurück, etwa in die Zeit 3000 v.Chr. . Es entstand in China, und Konfuzius schrieb etwa 500 v. Chr. seine Kommentare dazu. Die chinesische Kultur ist ohne das I Ging nicht vorstellbar.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts blieb es für die westliche Welt ein Rätsel. Zwar gab es schon im 19. Jahrhundert einzelne Übersetzungen, aber sie verstanden die Philosophie des I Ging nicht.
Erst Richard Wilhelm, ein christlicher Missionar, fand einen Kenner der chinesischen Philosophei und übersetzte das Buch adäquat ins Deutsche (1924).
C.G. Jung war einer der ersten Wissenschaftler, der die Bedeutung des Inhalts erfasste und schätzte.
Hermann Hesse widmete dem Thema I Ging in seinem letzten Roman Das Glasperlenspiel ein ganzes Kapitel. Er war von der Bedeutung des Buches und der Weisheit seiner Philosophie zutiefst überzeugt.

3. Die Bedeutung des I Ging

I = das Chamäleon (die Veränderung, Wandlung)
Ging = Text, Buch

Will man den chinesischen Titel exakt ins Deutsche übersetzen, so bezeichnet man es als Das Buch der Wandlungen.
Leben ist immer Veränderung, Wandlung.
So scheint es die Absicht der Verfasser zu sein, dem Leser Informationen über das Leben zu geben, allerdings in verschlüsselter Form.
Man bezeichnet es deshalb als Weisheitsbuch.

Allerdings kann es auch präzise Antworten auf Fragen geben, die der jeweilige Leser stellt.
Es kann daher auch als Orakel benutzt werden.

4. Die Technik der Befragung

Ursprünglich verwendete man Schafgarbenstängel, eine zeitaufwendige Methode. Heute genügen 3 Münzen, die 6mal geworfen werden und Hexagramme ergeben.
Einige Linien gelten als Wandlungslinien, denen eine besondere Bedeutung zukommt und die zu einem zweiten Hexagramm führen, dass die Wirkung des im 1. Hexagramm empfohlenen Verhaltens anzeigt.
In insgesamt 64 Hexagrammen werden alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

Frage – allgemeine Antwort – spezifische Antwort – endgültiges Ergebnis

5. Warum Antworten m ö g l i c h sind

Zeit lässt sich nicht nur messen (Quantität), sondern hat auch in jedem Augenblick eine ganz spezifische Q u a l i t ä t.
Die energetische Qualität der Frageminute bestimmt also die Antwort.
Der Fragesteller wird jedesmal erstaunt sein, mit welcher Präzision seine Frage beantwortet wird. Mitunter wird er wegen seiner Einstellung oder wegen der Zeitverhältnisse auch gelobt, gerügt oder beraten werden.

6. Beispiel


Ich stelle die Frage (14.4.2018, 21 .00), ob es sinnvoll ist, einen Beitrag über das Thema I Ging zu schreiben und ihn bei wize.life einzustellen.

Ich werfe also 6x 3 Münzen und erhalte das Hexagramm 42 = I = Die Mehrung (Hamann, S. 233)

-------- 7 --------
-------- 7 --------
--- --- 8 --- ---
wird zu
--- --- 6 --------
--- --- 8 --- ---
------- 7 --------

Es ist schon sehr verblüffend, dass das I Ging mit dem Hexagramm „I“ antwortet, das doch gerade der kardinale Teil des Titels ist: Mehrung – Erweiterung – Fortschritt – Wandlung.

Die historische (chinesische) Bedeutung heißt:

„Fördernd ist es, etwas zu unternehmen. Fördernd ist es, das große Wasser zu durchqueren.“

In moderner Sprache:
„Was Sie haben oder bekommen, sollte einen sozialen oder gesellschaftlichen Nutzen bringen ...“ (Hamann, S. 234).

Diese Antwort wird durch eine Wandlungslinie (6) p r ä z i s i e r t. Sie befindet sich in der 3. Zeile. Dort heißt es:
„Eine ungewöhnliche Zeit. Selbst unheilvolle Ereignisse werden Ihnen nutzen und zu Ihrem Erfolg beitragen. Wenn Sie an ihren Grundsäzen festhalten und gemäß dem handeln, was Sie als richtig und gut empfinden ... wird niemand Sie dafür tadeln.“ (Hamann S. 237)

Da es eine Wandlungslinie gegeben hat, entsteht aus dem Hexagramm 42 das Hexagramm 37, das die ENTWICKLUNG der Situation angibt oder einfacher ausgedrückt, einen Blick in die weitere Zukunft erlaubt.

Das Hexagramm 37 = Gia Jen = Die Familie

Brigitte Hamann, eine besondere Kennerin des I Gings, schreibt dazu:

„Wie in einer Familie, deren Wohlergehen davon abhängt, dass die Familienmitglieder bestimmte Rollen übernehmen und sie mit echtem Engagement ausfüllen, so braucht jede Form von Gemeinschaft Klarheit darüber, wer wofür zuständig ist. Jeder muss seine Rolle und Aufgabe verstehen und das Wohlergehen der Gemeinschaft ebenso im Auge haben wie sein eigenes. (S. 207f.)

Obwohl durchaus darauf hingewiesen wird, dass der Verfasser des Beitrags auch getadelt werden wird, wage ich es, Sie mit dem I Ging bekannt zu machen oder Ihnen wenigstens zu verraten, dass es diese schier unglaubliche Möglichkeit gibt, einen Blick hinter die Kulissen des Lebens zu werfen.

xxx

Sollten Sie einmal eine Frage haben, wenden Sie sich vertrauensvoll an das I Ging. Es wird Sie nicht enttäuschen. Es könnte Sie verblüffen, erstaunen, begeistern und zum Nachdenken über sich selber und das Leben anregen.

Literatur:
Richard Wilhelm, Das Buch der Wandlungen.1956.
Carol K. Anthony, Handbuch zum klassischen I Ging.2. Aufl. 1998
Claus Claussen, I Ging, kurz und praktisch. 1998.
Brigitte Hamann, I Ging. 2011 (für Einsteiger sehr empfehlenswert)

© Edith Zeile

Mehr zum Thema

30 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Korrektur:
Leider lässt sich ein Fehler unter 6 im Text nicht korrigieren.

Es ist so, dass sich die unterbrochene Linie in der 3. Zeile zu einer nic ht unterbrochenen verändert. Also --- --- wird zu ........
  • 16.04.2018, 10:17 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Edith und Jochen... DAS sind zwei Typen..!
  • 15.04.2018, 23:01 Uhr
Für mich kaum vergleichbar.
  • 16.04.2018, 03:41 Uhr
Hallo, Ihr zwei.
Schade, dass Ihr so viel im Leben nicht ausprobiert.
Erfahrung ist Leben. Skepsis ist der erste Schritt, der zweite heißt: Experiment.
  • 16.04.2018, 07:39 Uhr
Ich habe gar vieles im Leben ausprobiert und dabei auch experimentiert.
  • 16.04.2018, 08:49 Uhr
Rumprobieren gilt - mindestens in der Mathematik - als Pfuscherei.
Nachdenken, Schlüsse ziehen,prüfen, Erkenntnisse gewinnen: das hat sich bewährt.
  • 16.04.2018, 08:57 Uhr
"rumprobieren" klingt schon wieder so abfällig. Ausprobiert wurde auch in der Mathematk vieles. Danach natürlich verifiziert oder eben auch nicht. Abgesehen davon war hier nicht von Mathematik die Rede, sondern vom Leben. wize.life-Nutzer
  • 16.04.2018, 08:58 Uhr
Knight,

Es war allgemein von Erkenntnisgewinn die Rede.

Das Rumprobieren war auch abfällig gemeint.
Ich dachte dabei an die Schüler in der Mittelstufe, die Gleichungen "lösen", indem sie einfach irgendwelche Werte einsetzen und nachrechnen, ob es stimmt - anstatt die Gleichungen nach der Unbekannten aufzulösen.
  • 16.04.2018, 09:03 Uhr
Auch zum allgemeinem Erkenntnisgewinn ist probieren durchaus hilfreich.
Man kann es auch spielen nennen, was du vielleicht ja auch mal als Kind getan hast. - oder vielleicht auch nicht und das würde einige deiner Ansichten erklären.
  • 16.04.2018, 09:05 Uhr
Knight, danke, Du sprichst genau das aus, was ich sagen wollte.
Bevor in der Wissenschaft eine gültige Aussage getroffen werden kann, werden Versuche gemacht, verglichen, verändert, spielerisch ausprobiert, - dann entsteht zunächst eine Vermutung, dass etwas so sein k ö n n t e.
Diese Stufe wird als Hypothese bezeichnet.

Die ganze medizinische Foschung besteht doch auch aus dem Sammeln von Erfahrungen bei den Patienten, Volker.

Und im Übrigen - Dein Vergleich meiner Person mit JG !!
Ist das Deine Menschenkenntnis? Für mich ist die Vergleichende Religionswissenschaft, also das ganze Konzert der Weltreligionen wichtig; JG sucht eher in e i n e r Religion den Sinn. Wir sind absolute Gegensätze.

Im Übrigen frage doch mal einen Buddhisten, was er vom I Ging hält.

Der Unterschied zwischen Dir und mir, hättest Du den jungen Motorradfahrer/Sinologen getroffen, ist wohl folgender: Du hättest Dir das angehört und hättest die Begegnung vergessen. OK.
Ich war erstaunt, weil ich die Sache nicht kannte und weil mir die Haltung des jungen verletzten Mannes imponierte. Ich bin neugierig, gehe unbekannten DIngen zunächst nach. Ich sammle Erfahrungen, und fast könnte ich sagen, die Quintessenz meines Lebens besteht darin, dass ich ERFAHRUNGEN für absolut wichtig halte.
  • 16.04.2018, 10:08 Uhr
U.a. weil ich dich und eben auch JWG schon lange hier kenne, finde ich einen Vergleich sehr unpassend. Man könnte allenfalls auf einzelnen Gebieten eine ähnlich festgefahrene Meinung bei beiden finden, was allerdings auf viele zutrifft. Die Gebiete unterscheiden sich aber dabei oft deutlich.
  • 16.04.2018, 10:12 Uhr
"könnte allenfalls auf einzelnen Gebieten eine ähnlich festgefahrene Meinung bei beiden finden, ."

Das ist es, was ich meinte.
  • 16.04.2018, 13:54 Uhr
Für macht den Unterschied, dass JWG nur ein Thema kennt offenbar: Bibelkult und damit einhergehend Leugnung jeglicher Evolution.
Da ist Edith schon bisl vielseitiger.
  • 16.04.2018, 14:15 Uhr

Habt Ihr schon Personen, die Ihr bei wize.life kennengelernt habt, im realen Leben getroffen?
Ich sehr wohl - allerdings fand ich beide schon vorher sehr nett und sehr intelligent.
  • 16.04.2018, 15:04 Uhr
Ich hier nicht, auf anderen Plattformen schon.
  • 16.04.2018, 15:06 Uhr
Die reale Begegnung war für mich immer eine Bestätigung - und es hätten sich echte Freundschaften daraus entwickeln können, wenn die Entfernung nicht zu groß gewesen wäre.
  • 16.04.2018, 15:13 Uhr
Entfernung ist da oft Problem. Ich hatte mich sogar u.a. auch mal echt verliebt dann und fast 2 Jahre Fernbeziehung.
  • 16.04.2018, 15:15 Uhr
Wenn Volker Einseitigkeit und Vielseitigkeit gegeneinander ausspielt, so hat er nicht verstanden, dass BEIDES sehr wohl gut sein kann.
Ein Herzchirurg muss ein Spezialist sein - ein Philologe kann ein Spezialist sein, hat aber auch Möglichkeiten, falls er alt genug wird und interessiert ist, seinen Horizont zu erweitern.
W i e jemand sich entscheidet, ist absolut s e i n e Sache oder sein Schicksalsauftrag
  • 16.04.2018, 15:20 Uhr
Fernbeziehungen sind schmerzhaft. Ich habe sogar bei meiner Studienfreundin, als sie wegen Heirat nach Ulm gezogen ist, nicht mehr lange den Kontakt aufrecht gehalten.
Ich finde räumliche Nähe absolut wichtig.
  • 16.04.2018, 15:24 Uhr
Ich werde mal das I Ging fragen, was es von Fernbeziehungen hält.
  • 16.04.2018, 15:26 Uhr
Entscheiden kann jeder selbst und sollte, wenn nicht zu sehr beeinflusst von außen. - auch über Horizonterweiterung.
Schicksalsauftrag ist für mich kein sinnvolles Wort.
Für mich war es eine super schöne Zeit ne Weile und ich wär fast umgezogen bzw. hatte eine 2. Heimatstadt. Ich bereue da nix.
  • 16.04.2018, 15:26 Uhr
Du bist auch viel jünger als ich. Ich habe meinen Freundeskreis hier in meiner Stadt, aber mit einem Cousin in München habe ich auch einen Dauer-Email-Kontakt.
Aber das ist mein einziger Verwandter in Deutschland, und wir sind eigentlich wie Geschwister.

Früher hatte ich auch Fernbeziehungen, die ich aber immer beendet habe.
  • 16.04.2018, 15:30 Uhr
Ich bin ja auch hier sehr verwurzelt. Familiär und auch anderweitig.
Das Pendeln hat mich ne gute Weile nicht sehr gestört zumal ich ja da nicht so konkret Zeit- und Ortsgebunden war und bin in Sachen Arbeit.
Selbst die Fahrten über Mitfahrzentrale waren oft selbst ein Erlebnis.
  • 16.04.2018, 15:33 Uhr
Ja, wenn die Würfel fallen, kann sich der eine so und der andere anders entscheiden.
Vielleicht bin ich jetzt so festgefahren, weil ich 14 Jahre lang eine Ehe mit zwei Wohnsitzen hatte. Ich habe dann entscheiden, mich offiziell zu trennen.
Leider hatte ich damals auch keine Zeit, das I Ging zu befragen, was besser gewesen wäre.

Heute weiß ich, dass Akzeptanz einen hohen Stellenwert haben muss.
  • 16.04.2018, 15:40 Uhr
Ich habe schon oft andere Menschen und auch Bücher "befragt" aber letztlich kann das alles nur ergänzend wirken für eigene Entscheidungen.
  • 16.04.2018, 15:43 Uhr
Warum habe ich diesen Beitrag geschrieben?
Vor etwa einer Woche rief mich eine junge Augenärztin an (32 Jahre), die mich schonmal in HD besucht hat. Sie arbeitet in einer Praxis in Würzburg.
Ihre Frage an mich war, ob sie in der Praxis , in der sie jetzt arbeitet, aber kaum mehr Operationstechniken lernen kann, bleiben soll - die Menschen da seien sehr lieb - oder ob sie ein anderes Angebot annehmen sollte.
Ich habe gemeint, sie sollte sich für die weitere Ausbildung entscheiden.

D a n n erinnerte ich mich spontan an das I Ging.
Ich erzählte ihr davon und schickte ihr auch zwei Bücher. Ich bin gespannt, wie sie entscheidet.

Das war der Auslöser für diesen Beitrag. Ich fand dabei das Buch von der Hamann, entdeckte es sozusagen neu, denn ich hatte vorher immer die schwierige Ausgabe des Übersetzers Wilhelm benutzt.

Knight, eigene Entscheidungen, ja natürlich, aber ich weiß z.B. jetzt auch nicht, ob ich weiter in meiner schönen Wohnung bleiben soll oder vielleicht doch in das hiesige Augustinum ziehen sollte. Iirgendwann muss man Abschied nehmen, auch von den DIngen, nicht nur von den Menschen.
  • 16.04.2018, 16:10 Uhr
Letzteres erlebe ich grad speziell bei meiner Mutter, die wohl kaum noch lange in dem unsanierten Elternhaus bleiben kann.
Abschied von Dingen ist meist sehr befreiend, vor allem, wenn man sie weiter geben kann und nicht in den Müll werfen muss.
Bei Menschen ist Abschied natürlich oft schwieriger.
  • 16.04.2018, 16:30 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
"... welcome back my friend, to the show that never ends ..."
  • 15.04.2018, 19:25 Uhr
Hier wurde ein Kommentar durch den Ersteller entfernt.
Hallo, Peter, manche habe ich vermisst, aber eine Pause war wichtig und richtig.
  • 16.04.2018, 07:40 Uhr
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren