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US-Wahl: Der Morgen danach

US-Wahl: Der Morgen danach

Hans-Herbert Holzamer
07.11.2012, 11:44 Uhr
Beitrag von Hans-Herbert Holzamer

Für die Beobachter, vor allem die sportgewöhnten an den Fernsehern, hatte die amerikanische Präsidentenwahl alle Ingredienzen eines spannenden Kampfes. Zuerst war der andere vorne, und dann auf der Zielgeraden schiebt sich der eigene Liebling als erster durch die Messung.

Was für eine Nacht. Doch am Morgen danach? Der Sieger Barack Obama weiß, dass er ziemlich knapp gewonnen hat, und er hält in Chicago eine starke, staatstragende Rede. Da ist viel von dem Mythos Amerika die Rede, das auch der unterlegene Mitt Romney als Mantra durch den Wahlkampf getragen hatte. Und wie Obama, Präsident bis 2016, es ankündigt, er geht auf den Republikaner zu, bemüht Bilder, die auch diesem gefallen. Wie das von dem Soldaten, der im Kampf schon schwer verletzt ist und trotzdem den Kameraden nicht zurücklässt. Oder das von dem tapferen Kind, das MS hat und das von seiner Familie und der Gemeinschaft nicht aufgegeben wird. Und das von dem Präsidenten, der "von Euch"gelernt hat und künftig seinen Job besser machen will. Die Zuhörer hatten Tränen in den Augen.

Was will Obama besser machen?

Was will er besser machen? Mitt Romney wurde nicht müde zu fragen, "geht es Euch heute besser als vor vier Jahren?" Und in den Staaten, die er für sich gewinnen konnte, war dies das Top-Thema. Verloren hat er, weil Obama mit dem Versprechen besser rüberkam, er würde die Wähler verstehen. Da zählten seine wirtschaftlichen Misserfolge nicht in dem von Romney gewünschten Maße. Vor allem die Minderheiten misstrauten dem Republikaner, etwa die Latinos, die zehn Prozent des Wahlvolkes ausmachten und wegen ihrer Geburtenrate weitere Staaten, wie Arizona, zu "swing states" machen werden oder direkt zu Parteigängern der Demokraten. Wie Virginia und North Carolina, die von "swing states" 2008 zu einer festen Basis Obamas in 2012 wurden. Auch die anderen Minderheiten, allen voran die Schwarzen, sind auf seiner Seite. Dass die Republikaner Obama versuchten als "Muslim" zu verunglimpfen, trieb auch diese religiösen Minderheit in sein Lager.

Das "Trust me" wird nicht reichen

Doch der verzweifelte und letztlich erfolgreiche Apell Obamas, ihm zu vertrauen, wird nicht weit tragen. Der politische Alltag meint Schulden, Jobs, Steuern, Infrastruktur. Das "Trust me" wird die nächsten Jahre im Kirchenschiff, aber nicht im Parlament seine Berechtigung haben. Und Romney, der weiß, dass er nur seiner geringeren Sympathie, nicht aber den Leistungen seines Gegners die Niederlage verdankt, wird ihn in der Innenpolitik auf sein reales Maß zu reduzieren versuchen.

Wenn die Republikaner aus ihrer Niederlage gelernt haben, werden sie zweierlei künftig vermeiden: Auf den Rassismus zu setzen und soziale Einrichtungen wie das Gesundheitssystem zu torpedieren. Und wenn nicht? Wenn die Hardliner wie die Tea Party und Politiker wie Sarah Palin die Macht in der Republican Party übernehmen? Dann könnten Reagan und Bush die letzten ihrer Arzt gewesen sein, denn die Republikaner werden dann auf Dauer nicht mehr mehrheitsfähig sein, und eine neue politische Gruppierung wird Antworten für die konservativen Amerikaner formulieren müssen. Die 206 Wahlmänner, die Romney gegenüber den 303 Obamas hinter sich bringen konnte, werden nach Gründen der Niederlage suchen.

Denn dass Obama und seine Leute das Vertrauen der Gesamtheit der Minderheiten und zugleich des wirtschafts- und machtpolitischen Machtzirkels rund um die Wallstreet erringt, das kann ausgeschlossen werden.

Was bedeutet das für uns?

Was bedeutet das für uns? Außenpolitik bekommt einen geringeren Stellenwert, hier werden sich die amerikanischen Positionen verhärten, weil sich das im Innern auszahlt. Und finanzpolitisch wird das neue US-Credo sein: "Rette sich wer kann, wir uns zuerst."

 

Weitere Beiträge zur US-Wahl 2012 lesen Sie hier:

http://www.seniorbook.de/themen/schl...s_wahl_2012

 

Foto: Präsident Barack Obama / Copyright: White House

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