wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Türkei - eine andere Seite der Medaille

Türkei - eine andere Seite der Medaille

30.05.2016, 13:50 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Niemand wird hier aufgefordert, seine Meinung über die Türkei zu ändern, eher im Gegenteil: Mehr zu wissen über ein Land, dass zur Zeit seine Grenzen innen und die nach außen auf sehr bedenklicher Art und Weise auslotet, kann nur hilfreich sein. Insbesondere dann, wen es in erster Linie um die Flüchtlingsproblematik geht: Existieren hier doch besonders große Urteile und Fehlurteile, die sich nicht so ohne weiteres aufdröseln lassen.

Die Türkei gehört zu den 6 größten Aufnahmeländern für Flüchtlinge – sie ist weltweit das Land, dass die meisten Flüchtlinge aufgenommen hat. In 2014 beherbergte sie 1,59 Millionen, in 2015 schon 2,2 Millionen und jetzt, in 2016, bereits 3,3 Millionen Menschen
Zum Vergleich die "weiteren Plätze" der Weltrangliste der Uno für 2014:
Pakistan - 1,51 Millionen
Libanon - 1,15 Millionen
Iran - 982.400
Äthiopien - 659.500
Jordanien - 654.100

Die Flüchtlinge werden, in Relation zur Aufnahme, für ein Land dieser eher weniger demokratischen Struktur, eher gut versorgt. Es gibt viele negative Berichte – aber auch die positiven Berichte sollte niemand übersehen und in seinen Wissensstand mit einbeziehen. Ich habe hie drei exemplarische Links ausgesucht:
Tagesspiegel: Vorbildliche Unterkünfte
Spiegel: Syrische Flüchtlinge gehören dazu
Journalistenblog: Gruß vom Bosporus

Politische Deals mit Herrschern wie Erdogan und anderen sehen nie gut aus – aber es ist immer friedlicher, auch solche Länder in politisches Handeln einzubinden, als ihnen solches zu verwehren.
Das bedeutet: Die Türkei und Erdogan werden zu Recht mehr als kritisch gesehen und per Medien auch entsprechend gescholten – aber es ist genau so wichtig, dass sich die Politik dennoch mit ihnen so beschäftigt, dass das Gesicht nicht verloren geht
Wer das bei einer politischen Betrachtung außen vor lässt, versteht nichts von Politik.

Die Türkei hat sich ihre Kritik mit Fleiß verdient, und ohne jede Entschuldigung sollte bei der politische Einordnung dennoch bedacht werden:

Mustafa Kemal Atatürkhat. beginnend in den 1920er Jahren, hat die Türkei mit "Gewalt" in die Neuzeit katapultiert:
Er hat mit der Abschaffung von Sultanat und Kalifat sowie mit weitreichenden gesellschaftlichen Reformen einen in dieser Form einmaligen Staatstypus geschaffen. Darauf beruhen die personenkultartige Verehrung, die ihm in der Türkei bis heute entgegengebracht wird, und die Unangefochtenheit des ihm 1934 vom türkischen Parlament verliehenen Nachnamens Atatürk (Vater der Türken).
Aber seine Leitworte: "Denn im Gegensatz zu anderen glaube ich nicht, daß sich diese Veränderung erreichen lässt, indem die Ungebildeten nur schrittweise auf ein höheres Niveau geführt werden......Nicht ich darf mich ihnen, sondern sie müssen sich mir annähern", spricht dafür, dass er seine Bürger nicht mitgenommen hat, sondern ihnen westliche Lebensweise über gestülpt hat.
Das hat die Türkei insgesamt zu einem Staat gemacht, der einerseits sehnsüchtig zurück blickt und andererseits mit der westlichen Welt zurechtkommen will. Nicht zerrissen, aber doch gespalten. Das kann nicht einfach so funktionieren - und ein Erdogan nutzt das kaltblütig für sein Machtstreben aus.
So schwankt die demokratische Republik am Bosporus immer wieder zwischen Militärdiktatur und Re-Islamisierung: Ich bin die Türkei - eine Komplettansicht zeichnet dieses Bild sehr aufschlussreich nach.

Quellen:
* Dursun Atilgan: Mustafa Kemal Atatürk. Leben, Leitvorstellungen, Leistung.
* Wikipedia

Mehr zum Thema

15 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Erdogan mag sich zum Diktator entwickeln, Presse- und Meinungsfreiheit unterdrücken, etc.
Aber ist das unser Problem?
Wenn das jemanden angeht, sind es doch die Türken.
Warum müssen sich die Deutschen bzw. ihre Regierungsvertreter zum Schulmeister anderer Regierungen aufspielen?
Erdogan ist der Regierungschef der Türkei und wenn die dortige Bevölkerung seine Machenschaften gut findet (und ihn wählt), geht uns das doch überhaupt nichts an.
  • 30.05.2016, 22:08 Uhr
  • 3
Das ist eine Antwort, die sich im Rahmen der Regeln der Länder untereinander und der menschlichen Vernunft bewegt - hier auf Seniorbook höchst selten !
  • 31.05.2016, 06:16 Uhr
  • 1
Ich finde es genau so verfehlt, wenn unsere Regierungsvertreter in China und anderen Ländern auf die Einhaltung der Menschenrechte pochen, während an den Grenzen der EU die Menschenrechte mit Füßen getreten werden.
  • 31.05.2016, 22:01 Uhr
  • 1
Da ist was dran - aber ich brauche gar nicht bis an unsere Grenze zu gehen, ich sehe solche Rechte auch innerhalb verletzt
  • 31.05.2016, 22:24 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Türkei weniger Einwohner hat als die Bundesrepublik Deutschland.
  • 30.05.2016, 22:06 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Die Türkei sehe ich z. Zt. mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Das lachende Auge steht für die Aufnahme der Flüchtlinge, die Gastfreundschaft, das Land an sich mit seinen Denkmälern.
Das weinende Auge wegen Erdogan, das Machtbestreben dieses Herrn, die Presse-Unfreiheit.
Schade ist, dass man an jeder Ecke Soldaten mit Gewehren sieht, dass man sich überall beobachtet fühlt und dementsprechend unsicher.
Wie es in Anatolien ist kann ich nicht sagen, da ich nur Istanbul, Edirne und Silivri kenne. Doch was ich da an Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft erlebte ist phänomenal. Vor allen Dingen, weil man eben NICHT sexuell belästigt wurde.
  • 30.05.2016, 14:42 Uhr
  • 4
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Türkei.. da schlagen zwei Herzen in einer Brust:

die Moderne - Istanbul

das Gestrige - Anatolien

nicht einfach diese beiden Gegensätze zu vereinen, wenn dies überhaupt erwünscht ist.
  • 30.05.2016, 14:15 Uhr
  • 3
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Ich habe gestern Abend Anne Will angeschaut, glaubst Du mir, dass ich so gut wie nichts verstanden habe.. sie haben derart durcheinander geredet, dass ich weg geschaltet habe..

Was die Türkei an sich betrifft, diese Leute müssen es schwer haben unsere Kultur zu verstehen, genau wie wir Ihre, aber solange ein Erdogan dort die Macht hat, wird sie auch nicht in die EU aufgenommen werden können.
  • 30.05.2016, 13:59 Uhr
  • 3
Die Türkei ist zweigespalten Ich habe z.B. die Silvesterfeier aus Istanbul im türkischen TV gesehen. Es war keinerlei Unterschied festzustellen .Genau so offenherzig gekleidete Frauen wie bei uns.
  • 30.05.2016, 15:24 Uhr
  • 1
Das habe ich auch schon gehört, aber nur in der Großstadt.. sogar offener wie bei uns....
Das soll überall da geduldet werden wo viele Touristen hin kommen.......
  • 30.05.2016, 15:26 Uhr
  • 0
Ich habe türkische Freunde, die hassen diesen Despoten und haben Angst um ihre Familien die dort leben.
  • 30.05.2016, 15:31 Uhr
  • 1
Linda, das glaube ich Dir sofort, wir haben in der näheren Bekanntschaft eine Familie sie sind sogar mit Eltern hier, sie wollen nicht mehr zurück wegen Erdogan....
  • 30.05.2016, 15:32 Uhr
  • 0
Mädels, ihr habt aber schon mitbekommen, dass es mir hier im engeren Sinne um das Verhalten der Türkei in der Flüchtlingsfrage geht, oder ? Also um das wie und das warum.

Auch, wenn dieses Land, das sei zugestanden, breiten Anlass zu allerlei Diskussionen bietet.
  • 30.05.2016, 15:43 Uhr
  • 0
ok. Mike... um das Verhalten in der Flüchtlingsfrage...
2-3 große Zelte sind sehr gut hergerichtet, das sind die, die Frau Merkel gesehen hat, alles andere versinkt im Schlamm und Dreck... glaubst Du wirklich Erdogan tut etwas ohne Hintergrund.. Berechnung, normalerweise sollten die Flüchtlinge überhaupt nicht in die Türkey, das ist kein Europäisches Vorbild....
tut mir leid dass ich nichts anderes dazu sagen bzw. schreiben kann....
  • 30.05.2016, 15:54 Uhr
  • 2
Da das Ganze ich nicht ohne Erdogan zu händeln ist spielt das für mich schon eine große Rolle auch bei dem Thema Flüchtlinge. Die sind nur zum Spielball geworden . So wirklich interessiert es doch weden die EU noch Erdogan wie es den Mneschen geht, Das ist ein pures politisches Machtspiel geworden .
In der EU geht es darum die Rechten zu zügeln und in der Türkei geht es NUR um den Machterhalt Erdogans.
  • 30.05.2016, 17:04 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.