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Die Anderen waren es

Die Anderen waren es

Peter Leopold
24.06.2016, 04:28 Uhr
Beitrag von Peter Leopold

Schon komisch, in welcher Geschwindigkeit manche Viren um sich greifen. Ein ganz hinterhältiges Virus nennt sich "Die Anderen waren es" und ist verstärkt in Deutschland zu finden. Nicht, dass es tatsächlich etwas mit der aktuellen Politik zu tun hätte, denn dieses Phänomen gibt es schon sehr viel länger. Ob es nun mit Selbstverleumdung zu tun hat, oder sich die Dinge einfach verselbstständigen, ist schwer zu sagen. Schön ist diese Schuldzuweisung nicht - jedenfalls nicht für Diejenigen, die das Schuldpaket übernehmen dürfen. Die "Zuweiser" lehnen sich zurück und genießen beinahe in sadistischem Wohlgefallen das Ergebnis ihrer Tat.

Ein ganz tolles Beispiel ist die Idee der Türkei, den Italienern die Schuld für ihr eigenes Verlieren beim Fußball zuzuweisen. Das Beste daran ist das vorgebrachte Scheinargument, Italien hätte nicht mit dem "vorgeschriebenen besten Team" gespielt und nur deshalb wäre die Türkei bei der EM kläglich gescheitert. Da fällt mir nur ein: Die schlechteste Ausrede des Jahres ! Und jetzt sollen Pizza und andere italienische Waren in der Türkei boykottiert werden. Gleichzeitig sollen aber die EU-Beitrittsverhandlungen wieder aufgenommen werden. Lustig sind sie schon...die Türken!

Aber auch bei anderen Gelegenheiten zeigt sich dieses Phänomen sehr deutlich. So ziemlich alles, was in Deutschland schief läuft, muss natürlich die Schuld der EU sein oder den bösen anderen Staaten, die eine eher negative Bilanz aufweisen. Eigenes Versagen wird nicht einmal in Erwägung gezogen. Und die immer weiter zunehmende Kinderlosigkeit muss an den niedrigen Hartz IV-Sätzen liegen, weil man sich natürlich damit keine Kinder leisten kann. Dass eigentlich Hartz IV oder auch Sozialhilfe kein Lebensmodell ist, das für junge Menschen erstrebenswert sein sollte, sei dabei nur am Rande erwähnt. Bei Rentnern ist das wieder eine ganz andere Sache. Wenn Jemand tatsächlich staatliche Hilfe braucht, wäre ich der Letzte, der sie verweigern würde. Aber wenn man immer wieder sieht, dass am Auszahlungstag zuerst einmal der Vorrat an Tabak und Alkohol aufgefüllt wird, sehe ich keinen echten Bedarf. Das ist leider gar nicht so selten. Die Kinder sind in diesen Fällen tatsächlich die Leid tragenden, die zurecht sagen könnten "Die Anderen sind schuld".

Und dann wären da noch die vielen Drogensüchtigen und Andere, die vor dem Leben selbst davon laufen. Die Ausreden von "böser Kindheit" und Schicksalsschlägen hört man immer wieder und für diese Menschen scheint es tatsächlich eine bequeme Erklärung zu sein. Aber es gibt auch die Andere Seite. Diejenigen, die nicht aufgeben und - ganz im Gegenteil - sagen "Und jetzt erst recht". Sie brauchen nichts um sich aus der Realität zu katapultieren. Man könnte durchaus sagen, dass mein Leben auch nicht immer das Beste war und es auch viele Rückschläge gab. Aber Anderen dafür die Schuld zuweisen ? Nööö... das wäre, wie die Verantwortung für sich und sein Leben aufzugeben. Und sowas würde nie in Frage kommen.

Auch die sozialen Netzwerke sind voll von Schuldzuweisungen und hier bei SB hat sich ein interessantes Detail eingebürgert. Wenn sich Jemand plötzlich auf der Ignorierliste wieder findet, liegt es natürlich nur an der mangelnden Diskussionsbereitschaft und am nicht akzeptieren von anderen "Meinungen". Dass es am "armen ignorierten Opfer" liegen könnte, wird gleich ausgeschlossen. Teilweise mag das auch stimmen, denn nur die Streitlustigsten diskutieren gerne mit Berufsbeleidigern, politisch Radikalen, Nutzern, die nur zum Stänkern hier sind Trollen, die immer wieder auftauchen. Mit der angeblichen "Schuld" die Einem dann von den Ignorierten vorgeworfen wird, kann ich selbst übrigens sehr gut leben. Immerhin würde ich mich auch nicht im realen Leben mit solchen Leuten abgeben.

Natürlich gibt es Dinge, für die man gar nichts kann. Aber auch dann sollte man niemals sich selbst aufgeben. Wenn man ganz unten ist, kann es nur besser werden und Schuldzuweisungen sind da völlig fehl am Platz.

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