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Brexit ist kein Exit!

Brexit ist kein Exit!

24.06.2016, 11:23 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Ich gebe es ja zu, es ist über 50 Jahre her, und der Nebel des Vergessens liegt schon in Schleiern darüber.


Aber, ich habe die Bilder noch lebhaft vor Augen, auf denen zu sehen war, wie durch einen furchtbaren Krieg, um ihre Jugend betrogene junge Menschen, im Freudentaumel um den Beginn eines einigen Europas, die Schlagbäume an deutschen Grenzen niederlegten.
Da war er, der europäische Gedanke, geboren im Folgeelend von 2 vernichtenden Weltkriegen, getragen von Menschen, Politikern vieler Nationen, die erkannt haben, dass das Finden neuer, friedlicher Formen des miteinander Umgehens, der einzige Überlebensweg für die Menschen in Europa ist.
Über 50 Jahre hat es gedauert, von: Visumzwang bei der Einreise nach Frankreich, über das lässige Vorzeigen des Persos, dem Wegfall der innereuropäischen Grenzkontrollen, bis hin zu der Tatsache, dass ich in Schwalmstadt meine Brötchen mit der gleichen Währung kaufen kann, wie mein Baguette in der Bretagne.
Ein langer, ein guter, ein wichtiger Weg. Keine Angst haben müssen, um militärische Auseinandersetzungen zwischen europäischen Ländern, ist ein riesen Erfolg.

Mit dem Brexit hat dieser Prozess einen Schlag ins Genick bekommen.
Warum?
Die beiden Hauptargumente waren zum einen, die Zahlungen an die EU, so wie die drohende Abgabe von Entscheidungsbefugnissen an die EU.

Ich verstehe es nicht.
In der BRD hat jedes Bundesland einen kommunalen Finanzausgleich. Wirtschaftlich starke Kommunen stützen schwache. Es gibt den Länderfinanzausgleich. Wirtschaftlich starke Bundesländer stützen schwächere. In anderen Nationalstaaten, auch in GB ist es ähnlich.
Es ist doch logisch, dass dieser Grundsatz des sozialen Ausgleiches, auch auf ein vereintes Europa ausgeweitet wird.
Hat auch nur einer derer, die für den Brexit stimmten, einen Gedanken daran verschwendet, dass die 3 Milliarden, die GB netto in die EU zahlen, keinen Vergleich mit dem wirtschaftlichen Schaden eines 2. Weltkrieges standhält?

Ja, schon klar, es sind über 50 Jahre vergangen, und der Nebel des Vergessens … .

Gut, England hat das alles ja nie so wirklich mit gemacht. Wer einen Kanal als Grenze hat, braucht keinen Schlagbaum. Wer noch immer den Vergangenheitstraum einer Weltmacht träumt, der trut sich schwer, sich in ein Europa ein zu gliedern.
In so fern ist der Brexit schon fast eine logische Folge.
Allerdings eine Folge mit Folgen.
Denn wenn jetzt die Nordiren zu Irland heimkehren, um ihre EU-Mitgliedschaft zu retten, wenn die Schotten die sich von England lösen, um in der EU zu bleiben, dann versinkt England in der Bedeutungslosigkeit.

In einer Zeit des europäischen Gedankens, wird Kleinstaaterei eben bestraft.

Innerhalb Kerneuropas bedeutete solch ein Vorgehen eine ernste Bedrohung des europäischen Friedens.
Ultrarechte in einigen Ländern Europas sind auf dem Weg, die europäische Idee zu vernichten und der säbelrasselnden Nationalstaaterei die Türe zu öffnen.
Dies gilt es, mit aller Macht zu verhindern.

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11 Kommentare

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M.E. macht der Verfasser dieses Beitrages einen der typischen Denk- und Argumentationsfehler, den die meisten EU-Befürworter in diesen Tagen machen, nämlich die hervorragend gute und richtige Idee eines wie auch immer vereinigten und friedlichen Europas mit DIESER EU gleichzusetzen. Beides sind völlig verschiedene Paar Schuhe.
Ich möchte nur stichwortartig einige Kritikpunkte an DIESER EU auflisten, welche hätten längst geändert werden können und m.E. auch müssen:

1. Der fortwährende Bruch nahezu fast sämtlicher Verträge, die diese EU selbst konzipiert und z.T. ratifiziert hat, angeblich "alternativlos zur Rettung der EU". Hauptakteurin Angela Merkel. Wer die gesetzten Pfeiler unterminiert, auf denen diese EU ruht, darf sich nicht wundern, wenn das gesamte Gebäude einstürzt.
2. Die vorschnelle Ost- und Süderweiterung der EU auf Staaten, die garantiert noch keine institutionelle Reife dafür aufwiesen; nun auch noch geplant für eine diktatorisch islamistische außereuropäische Nation, wie die Türkei, um die wahnhafte Flüchtlingspolitik von AM zu sanktionieren.
3. Das gescheiterte €-Projekt, sämtliche von den Kritikern bei Einführung genannten negativen Folgen wie Schulden- und Subventionstransfers und Zerstörung schwächerer Volkswirtschaften, Jugendarbeitslosigkeit usw. usw. sind einge- und übertroffen worden.
4. Es gab Gewinner und Verlierer des EU-Projektes, die Verlierer (gern auch abfällig die "Abgehängten" genannt) stellen aber mittlerweile die Mehrheit in fast jedem EU-Land. Demokratie funktioniert aber mit der Mehrheit der abgegebenen Stimmen, nicht mit dem Einkommen, Bildungsgrad, Staatsversorgungsgrad usw.
5. Und nicht zu vergessen die deutsche Arroganz und Dominanz in sämtlichen Belangen wie Finanzpolitik, Einigungsprozess, Flüchtlingspolitik usw..

Wer an diesem gemeinsamen Friedens- und Wohlstandsprojekt namens EU noch ein minimales Interesse hat, sollte sich dringendst für weitreichende Reformen stark machen, anstatt mit der "Ich weiß es besser"-Keule die kritischen EU-Bürger zu bearbeiten. Besonders hier in D ist die politische Dummheit besonders bei den sich klüger dünkenden Zeitgenossen sehr weit verbreitet.
  • 25.06.2016, 15:40 Uhr
  • 0
Danke für diesen Kommentar.
Allerdings vermute ich, dass der Denkfehler nicht bei mir liegt.
"Diese" EU hat ihren Ursprung in der Sehnsucht nach einem friedlichen und vereinigten Europa.
Wer neue Wege geht, kann auch in die Irre gehen.
Es sind erhebliche Fehler gemacht worden, da stimme ich zu.
Und die bedürfen ohne Frage der nachhaltigen Korrektur, da würde ich auch zustimmen.
Aber, es ist ein epochaler Fehler, sich von der Grundidee abzuwenden, statt Energie einzubringen, am Gelingen der Ursprungsidee mit zu arbeiten.
  • 25.06.2016, 16:15 Uhr
  • 2
Eine Kaulquappe ist noch kein Frosch, aber sie wird einer. Die EU mag noch weit von der Vision eines vollkommen vereinten Europas entfernt sein, mehr als eine Kaulquappe ist sie allemal. Von daher ist deine Argumentation, wize.life-Nutzer, schon im Ansatz falsch.
  • 25.06.2016, 22:15 Uhr
  • 0
Es steht jedem denkfaulen Mitbürger zu, sich weiterhin in seiner Überheblichkeit und Ignoranz zu wälzen.
Ich nehme mir aber die Freiheit seit weit über 40 Jahren, eigenständig zu denken und zu argumentieren.
Wem das nicht passt und wer das nicht aushält, möge sich trollen.
Mich jedenfalls zwingt keiner in die intellektuelle Frosch- oder Kaulquappenperspektive, ich schaue lieber wie ein Vogel von oben herab. Und notfalls gibt es von oben gern auch einen unappetitlichen Klecks dem Frosch aufs Auge.
  • 25.06.2016, 22:30 Uhr
  • 0
LKM, wenn Du meinen Kommentar aufmerksam gelesen hättest, wäre Dir sicher nicht entgangen, dass ich genau das schreibe, was Du als Antwort auf meinen Kommentar siehst.
Es wäre mir schon lieb, wenn Du eine Kritik auch kontrovers formulieren könntest, oder eine Zustimmung auch als solche kenntlich machen würdest. Sonst entsteht Konfusion.
  • 25.06.2016, 22:37 Uhr
  • 0
[k]"Mich jedenfalls zwingt keiner in die intellektuelle Frosch- oder Kaulquappenperspektive"[/k]
Da hast du Recht, nicht einmal diese bescheidene Höhe könntest du je erreichen
  • 25.06.2016, 22:58 Uhr
  • 0
Am Anfang dachte ich ja, er hätte das Ding mit den Argumenten tatsächlich inkorporiert. Aber dann brach es doch wieder durch.
  • 26.06.2016, 19:54 Uhr
  • 0
  • 26.06.2016, 22:26 Uhr
  • 0
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Noch ein Gedanke im Zusammenhang mit dem Ausgang des 'Brexit-Referendums':
Hier wird häufig beklagt, dass die Politik - besonders in der EU - den Bezug zur Basis, zum Volk, verloren hat. Daraus erklärt sich sicher ein Teil der Unzufriedenheit und die Hinwendung zu 'alternativen' Bewegungen, die allesamt 'mehr Demokratie' , 'mehr Beteiligung der Wählerschaft' fordern und auch - für den Fall ihrer 'Machtübernahme' - versprechen. 'Wir wollen bei wichtigen Entscheidungen gefragt werden!' ist ein zur Zeit sehr verbreiteter Slogan.
Das Ergebnis der Brexit-Wahl ist ein typisches Beispiel dafür, was bei einer Volksbefragung passieren kann: Was wir jetzt in Großbritannien vorfinden, ist ein total gespaltenes Land, so gespalten, wie es selten in seiner Geschichte war. Ausschlaggebend für das Wahlergebnis waren nicht in erster Linie Vernunftgründe, was man schon daran erkennen kann, dass am Tag vor dem Referendum mehr als 10 % der abstimmungsberechtigen Bürger, also mehrere Millionen, noch unentschlossen waren, wo sie ihr Kreuzchen machen sollten. Es ist also davon auszugehen, dass viele von diesen ihre Entscheidung in letzter Sekunde, 'aus dem Bauch heraus', also je nach Stimmungslage, getroffen haben. Daraus ergibt sich logischerweise, dass das Endergebnis mehr oder weniger zufällig ausgefallen ist. Es hätte - ohne dass sich an der Sachlage irgend etwas geändert hätte - ganz anders sein können. Und von einer solchen Zufallsentscheidung soll nun das Schicksal Europas - mindestens aber das der Briten -- abhängen?
Als Cameron dieses Referendum ankündigte, hat er bestimmt nicht an diese Folgen gedacht. Seine Motivation war eine andere: er wollte mit diesem Angebot der erkennbar wachsenden Rechten den Wind aus dem Segel nehmen. Nun hat er das Gegenteil erreicht.
Mit dem angeblich so demokratischen Instrument des 'Volksentscheids' kann man nur sinnvoll agieren, wenn man es äußerst sparsam und vorsichtig - d.h. mit 'Voraussicht' der möglichen Folgen - handhabt.
  • 24.06.2016, 12:35 Uhr
  • 5
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Sehr überzeugend argumentiert - aber wer versteht das noch?
Dass die Engländer sich mit Europa so schwer tun, besonders die ältere Generation, liegt sicher an ihrer 'imperialen' Geschichte. Die 'Alten' haben den Verlust des British Empire als Folge des zweiten Weltkrieges nie verwinden können. Sie haben seit eh und je innerhalb Europas eine Sonderstellung beansprucht und auch gehabt. Ihre Außenpolitik war immer darauf ausgerichtet, dass sie die Vormachtstellung in ihren Händen behielten. Wann immer das Gleichgewicht der Kräfte in Europa sich zu ihren Ungunsten zu entwickeln drohte, sorgten sie durch geschickte Diplomatie und Bündnispolitik dafür, dass die Dinge für sie wieder ins richtige Lot kamen. Konflikte mit konkurrierenden Nationen wie Frankreich und Deutschland waren somit vorprogrammiert.
Im Grunde hat sich an dieser Konstellation nichts geändert - bis zu dem Zeitpunkt, an dem Kontinental-Europa sich zu einigen begann aus der Einsicht heraus, dass die Zersplitterung in viele nationale Einheiten ein Nachteil für alle bedeutete. Und dass die Einigung Europas das Ende der politischen und wirtschaftlichen Vorherrschaft der Briten bedeutet, werden sie irgendwann begreifen - und akzeptieren- müssen. Der 'Brexit' wird ihnen dies nicht leichter machen.
  • 24.06.2016, 12:03 Uhr
  • 5
Friedhelm, danke für dies hervorragende Ergänzung.
Eine Erklärung dafür, warum die jungen Briten mehrheitlich für die EU stimmen.
  • 24.06.2016, 12:19 Uhr
  • 0
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