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Die Aussteiger-Nationalisten machen unser Europa kaputt

Die Aussteiger-Nationalisten machen unser Europa kaputt

27.06.2016, 10:24 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Der Kommunismus ist gegessen. Nun geht das Gespenst des des Nationalismus um. England hat es vorgemacht. Hinter der großen Politragödie steht die rückwärtsgewandte Illusion eines völkischen Nationalismus, der sich in Europa brfeit zu machen versuchen. Im Grunde genommen haben die Briten gegen die Vorstellungen von Winston Churchills entschieden, der im Jahre 1946 in seiner „Rede an die akademische Jugend“ die Vereinigten Staaten von Europa forderte. Heute ist es die britische Jugend, die um ihre Zukunft betrogen wurde, denn es war in erster Linie die ältere Generation, die den Brexit wollte. Angetrieben durch den erbitterten Brexitbefürworters und Londons ehemaligen Ex-Bürgermeisters Boris Johnson hat sich das Land der Europäischen Union eine Absage erteilt.

Interessant ist es, einen Blick auf diesen Mr. Johnson zu werfen, der die Einflußnahme der EU mit Hitlers kontinentalen Machtansprüchen verglichen hat. Boris Johnson gibt durch sein exzentrisches Auftreten Stoff und wurstelt durch Boulevardblätter. Er ist ein Machtmensch, der schon in der Schulzeit damit angab, ein „Weltkönig“ zu werden (Evelyn Roll, vgl. Pos.119) und wurde zum Gegenspieler von David Cameron. Johnson setzt sich für den Brexit ein um Cameron eines auszuwischen, aus rein egoistischen Motiven. Denn er will Premierminister sein. Noch ist nicht zu erkennen, wie Johnson England aus der Krise helfen will, wenn sie erstmal aus der EU draußen sind.

Es ist kein Zufall, das Johnsons Partei die »Conservative Party« ist, die sich im rechten, bzw. mittelrechtem Lager bewegt. Kein Wunder, die Rechtspopulisten freuen sich auf den Brexit, In Wien haben sie sich diese nationalen Europazerstörer erst kürzlich getroffen und erstmals Vor etwa einem Jahr gründeten sie im Eu-Parlament die rechtspopulistische Fraktion "Europa der Nationen und der Freiheit" (ENF), darunter Vertreter der französischen Front National und der östererischischen FPÖ. IN Wien war erstmals ein Vertreter der AfD mit dabei. Diese Antieuropäer interessieren sich nur für Belange ihres Heimatlandes, deswegen sind sie ja Nationalisten. Der jetzige Londoner Bürgermeister Sadiq Khan warf den Brexitbefürwortern Hass vor:

„Was das Thema Zuwanderung angeht, war Ihr Wahlkampf nicht das Projekt Angst, sondern das Projekt Hass"

Schottland und Nordrland sind über die Antieuropa-Attaken verärgert. Schottland will ein Referendum über ihre Unabhängigkeit. Damit würde das Vereinigte Königreich zerbrechen. Um Haaresbreite haben die Österreicher ihren rechtspopulistrischen Kandidaten für das Bundespräsidentenamt verjagt. Das Gespenst des Nationalismus geht aber weiter herum in Europa und hat sich in der »Alternative für Deutschland« etabliert, einer rechtspopulistischen Partei, die Unterwandert ist mit den »Neuen Rechten«, auch extreme sind darunter, mit Antisemiten müssen sie sich auch herumplagen.

Der Brexit spielt allen Nationalisten in die Hände, vor allem dem rechtspopulistischem Lager, die eine multikulturelle Gesellschaft gar nicht wollen. Von allem Fremden wollen sie nichts wissen und sich von der äußeren Welt abschotten. Warum kappen sie nicht ihre Internetverbindung und schreiben wieder Briefe mit der Hand, mit dem Füllfederhalter aus Schulzeiten. In diesen Kreisen bewegt sich ein ewig gestriger Geist mit Verschwörungstheorien. So erzittern sie vor einer sog. iIslamisierung des Abendlandes ist. Es ist anzunehmen, dass sie die abendländische Literatur genau kennen, denn wenn sie für das Abendland kämpfen, müssten sie wissen, wofür sie kämpfen. So ist ihnen sicher Friedrich Schillers „Lied von der Glocke“ bestens bekannt, in der es heißt:

„Und drinnen waltet die züchtige Hausfrau, die Mutter der Kinder und herrschet weise im häuslichen Kreise und lehret die Mädchen und wehret den Knaben und reget ohn Ende...“

Im AfD-Programm heißt es, Frauen sollen mehr Kinder gebären, eine Masseneinwanderung brauche unser Land nicht. Das Ziel ist klar: Es sollen nur Deutsche in Deutschland leben dürfen, von Ausländern und Flüchtlingen will man nichts wissen, egal aus welchen Gründen, z.B. aufgrund der Bedrohung ihres Lebens, sie nach Deutschland gekommen sind. Hier sehen wir, was für ein perfider menschenverachtender Geist in dieser Partei weht.
Wenn sie dann im Grundsatzprogramm eine Leitkultur befürworten, die sich bezüglich der Religion nur auf das Christentum bezieht, wird uns weiterhin vor Augen geführt, wie rückständig diese Partei ist. Jeder weiß, in Deutschland leben auch Juden, Moslems, Buddhisten und so weiter. In einer globalisierten Welt leben Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Religion in einem Land. Das ist so. Nur die ewigen gestrigen wollen nichts davon wissen und pfeifen auf die Religionsfreiheit und andere Freiheiten. Die Nationalisten wollen unser Europa kaputt machen. Marine Le Pen von der Front National sagte gegenüber dem »Spiegel«: »Ich will die EU zerstören«.

Die Rechten wüten auch auf Seniorbook. Da wird aus einem rechtsextremistischen Blog kopiert oder eine Fakemeldung kopiert, die Moslems verunglimpft. Wenn wir nicht aufpassen, rotten sich die EU – Zerstörer auch hier zusammen. Hetze und illegale Kopien wird von Seniorbook geahndet, es sollte nur gemeldet werden. Im Grunde genommen alles, was für die Justiz relevant ist.

Eine aggressive Minderheit versucht die EU zu zerstören. Und das auf undemokratische Weise. Mit Volksabstimmungen, wie z.B: in den Niederlanden oder in der Schweiz behindern sie die demokratische Politik, denn mit Sachverstand wird dort nicht abgestimmt, sondern sie wollen der bestehenden Regierung eine Watschen verpassen, wie sie es auch in England jetzt getan haben. Über die Folgen eines Brexits waren sich die Befürworter sich sicher nicht im Klaren. Auch jetzt hat es Boris Johnson nicht eilig. Erst im Oktober tritt Cameron zurück und dann können sie mal sehen, wie sie damit fertig werden. Kleine Trump-Ableger, Idioten, wollen regieren. Idiot ist aus dem altgriechischen »idiotes« abgeleitet. Das ist ein Privatmann, also kein Politiker, der für das allgemeine Landeswohl zuständig ist, auch nicht für die Interessen der EU. Solche Idioten wollten also regieren. Ich denke nur an den Internationalen Terrorismus, den wir mit solchen nationalistischen Eigenbrötlern nichts entgegenzusetzen haben, einmal abgesehen von den verheerenden wirtschaftlichen Folgen.

Der Philosoph Immanuel Kant stand dem Fortschrittsglauben im Gang der Geschichte, wie ihn Gottfried Wilhelm Friedrich Hegel später formulierte, sehr skeptisch gegenüber. Da wird der Königsberger Philisoph recht gehabt haben. Die Journalistin und Publizistin Evelyn Roll
schreibt in ihrem Buch »Wir sind Europa«:

»Der Glaube an den vollautomatischen Fortschritt der Geschichte ist ein Aberglaube … Demokratie, Menschenrechte, Aufklärung und Rechtsstaatlichkeit sind nicht nur sehr schwer zu exportieren, sie müssen auch entschlossen verteidigt und gepflegt werden.« (Evelyn Roll, Pos. 224).

Literatur:
Evelyn Roll: Wir sind Europa, Ullstein, 2016

12 Kommentare

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Kompliment! Irgenwie hätten die Beiträge von Martin Maddin Stauder einen anderen Rahmen verdient als das SB.
Ein wenig ist es wie mit den Perlen, die am falschen Ort landen.
  • 26.07.2016, 15:54 Uhr
  • 0
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Hier wurden Kommentare durch den Eigentümer des Inhalts entfernt.
Gottseidank ist eine Zerstörung der EU bzw. ein Austritt Deutschlands aus der EU nie möglich - weder durch die Parlamente noch durch eine Volksbefragung.

Die entsprechenden Artikel des Grundgesetzes verhindern dies für alle Zeit und für alle Zukunft durch den direkten Hinweis auf die Ewigkeitsklausel des Grundgesetzes. Eine Entscheidung wäre sofort nichtig.

Eine weise und gute Entscheidung, die wir auch allen Völkern nach der Wiedervereinigung zugesagt haben, dass Deutschland nie wieder einen Sonderweg eingehen wird und ein verbindliches Bekenntnis zu Europa.

Es will ja auch niemand - nur Idioten spielen manchmal schon mit diesen Gedanken...Es nützt aber gar nichts....sie bleiben Idioten...und wir in der EU.
  • 27.06.2016, 18:24 Uhr
  • 1
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Ein gute Artikel - auch wenn ich etwas widerspreche, wenn vom vergangenen Geist des Kommunismus geschrieben wird. Diese Menschenfeinde sind unter dem Decknamen des Sozialismus leider immer noch nicht ganz ausgerottet und machen sich wieder mausig. Sie sind eine ebensolche Gefahr wie die ewiggestrigen Nationalisten, bloß haben diese zurzeit Oberwasser.
  • 27.06.2016, 14:28 Uhr
  • 3
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Wenn wir von Rechts-Populismus sprechen, dann sprechen sie auch über die bei uns regierende CDU. Populismus so wurde gestern Abend im Spätprogramm erklärt, sind Personen und Parteien die keinem neben sich dulden. Die Entscheidung die die Engländer getroffen haben war eindeutig gegen die EU. Die Abstimmung war demokratisch - was haben wir Deutsche dagegen auszusetzen. Hier haben sich die Eliten, durch das Fernbleiben von dieser Abstimmung, eindeutig verzockt. In dem heutigen Deutschland scheut man sich überhaupt jetzt so eine Volksabstimmung durchzuführen. Die Groko - Parteien befürchten, daß manche Volksabstimmung anderst verlaufen könnte wie sich die Elite das wünscht.
Unsere Verteidigungsministerin eierte gestern auch bei manchen Fragen herum und ging auf die Fragen nicht ein, weil auch sie keine Antwort parat hatte, nur auf den Gedanken zu kommen, daß etwas an und innerhalb der EU etwas geändert werden muß, auf den kam sie nicht. Der slowakische Gast und EU-Ageordneter sagte es eindeutig, Schuld sind die elitären Gestalten die schon über Jahrzehnte in der EU wirken und darüber vergessen, was beschlossen worden ist.
  • 27.06.2016, 11:03 Uhr
  • 3
  • 27.06.2016, 12:14 Uhr
  • 1
wow Digger,
wie immer argumentativ extrem stark ...
und die Auflistung sehr überzeugende Gegenargumente, die nicht zu widerlegen sind, beeindruckt immer wieder ...
es macht wirklich Spaß mit dir zu diskutieren ...
  • 27.06.2016, 12:37 Uhr
  • 2
Nicht wahr, es ist ein großer Daumen!
  • 27.06.2016, 13:11 Uhr
  • 1
Langsam bin ich es gewohnt, daß Digger Wersin nur kurze Kommentare abgeben kann, da er anscheinend nicht gelernt hat sich zu artikulieren, um mit vernünftigen Argumenten entgegen zu halten. Es ist müßig in Zukunft mit ihm über Politik sich auseinander zu setzen.
  • 27.06.2016, 14:46 Uhr
  • 2
Ich verbeuge mich vor Deiner Weisheit!
  • 27.06.2016, 14:59 Uhr
  • 0
Hallo Klaus gleichgültig wer von den eltären Kreisen etwas von sich gegeben hat, keiner kam auf die Idee zusagen mea Culpa, mea Culpa, nein die Schuld hatten immer nur die Anderen, die Alten, die Briten und die jungen Nichtwähler. So war und ist es immer die Schuld der Nachlässigkeit immer bei anderen suchen nur nicht bei sich selbst. Doch warten wir es einmal ab, so wie die Sache aussieht, will GB so schnell nicht den Artikel 50 der Lissaboner Verträge ziehen und wenn das Parlament die Brexit-Entscheidung nicht mit trägt - was dann? Geht es dann nach dem Motto weiter so? Oder denkt man einmal die Argumente die fielen, einmal zu überprüfen?
  • 27.06.2016, 15:42 Uhr
  • 2
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