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Selbstüberschätzung - Ursprung, Sinn und ihre (fatalen) Folgen

Selbstüberschätzung - Ursprung, Sinn und ihre (fatalen) Folgen

04.07.2016, 19:30 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Wer könnte von sich behaupten, sich noch nie selbst überschätzt zu haben. Manche haben die Folgen dieser Selbstüberschätzung genutzt und etwas daraus gelernt, andere nutzten die Gelegenheit lieber dazu, ihre Selbstüberschätzung zu vertiefen und zu festigen. Diese Verfestigung und das ständige Selbstüberschätzen kann zu folgeschweren Krankheiten führen.

Die Ursachen, die zur Selbstüberschätzung führen sind vielfältig.

Erstens sehen sich die meisten Menschen selber als kompetent und sachkundig. Eine Überschätzung der eigenen Fähigkeiten stimmt mit diesem Selbstbild überein.
Zweitens wollen sich die meisten Menschen in einem guten Licht darstellen. Sie glauben vielleicht nicht tatsächlich, dass sie besser als der Durchschnitt sind, aber geben dies gegenüber Dritten an.
Drittens suchen sie in erster Linie nach Informationen, die ihre Annahme – beispielsweise, dass sie sich nicht scheiden lassen werden – unterstützen. Da sie keine vergleichbaren Informati­onen über die Ehen Dritter haben, schliessen sie beispielsweise aus den vorhan­denen Daten, dass ihre Ehe überdurchschnittlich ist.
Viertens ist Erinnerung eigennützig in dem Sinn, dass eigene Handlungen besser erinnert werden als fremde Taten. Wenn wir über unseren Anteil an der gemeinsamen Hausarbeit gefragt werden, erinnern wir uns besser an die Arbeiten, die wir erledigt haben, und überschätzen daher deren Anteil an der Gesamtarbeit.
Fünftens sind zahlreiche positive Eigenschaften unklar definiert, und jeder der Befragten erfüllt daher möglicherweise seine persönliche Definition der Eigen­schaft. Beispielsweise verstehen Personen unter einem guten Autofahrer ganz Verschiede­nes, und daher kann sich jeder einbilden, ein überdurchschnittlicher Autofahrer zu sein – immer gemäss seinen persönlichen Kriterien.

In meiner Überschrift spreche ich vom Sinn der Selbstüberschätzung, wobei ich mir nicht sicher bin, ob man es wirklich als Sinn bezeichnen sollte. Selbstüberschätzung führt uns immer wieder in Situationen, in der wir auf uns selbst gestellt und eigenverantwortlich handeln müssen. Aber gerade dieses eigenverantwortliche Handeln wird umso stärker abgelehnt, je größer die Selbstüberschätzung ist.
Wie es der Zufall will fand ich dazu passend heute eine Notiz am schwarzen Brett. Es ging dabei um vermehrte sexuelle Übergriffe gegen jugendliche und Kinder in Schwimmbädern. Man regte sich auf, dass die Polizei eingreifen musste.
Wir hatten hier in den Themenchats auch schon über "Zivilcourage" gesprochen. So stellt sich mir die Frage, wo das Problem von Erwachsenen - die es in jedem Schwimmbad zu jeder Zeit reichlcih gibt - nicht wenigstens den Bademeister darauf hinzuweisen, wenn man schon zu feige ist, sich selbst helfend dem Kind/Jugendlichem zu widmen. Ein Phänomen der Selbstüberschätzung - man meckert und vermeidet so, selbst eingreifen zu müssen, kann sich aber auf die Schulter klopfen, was man doch für ein toller Hecht sei, denn man hat es ja zur Sprache gebracht.

Ähnliches Verhalten, wie es unter o.g. Punkten "Erstens" und "Drittens" ausgeführt wird, fällt gerade bei SB immer wieder besonders in politischen Diskussionen und der Art wie Meinungen mit sogenannten "sachlichen" Berichten untermauert werden, auf.

Wie kann man Selbstüberschätzung entgegen wirken?

Menschen die zur extremen Selbstüberschätzung neigen - ich rede noch nicht von krankhafter Selbstüberschätzung - neigen dazu andere, besonders andere mit anderer Meinung zu kritisieren. Dies kann bis zu bösartigen Beleidigungen gehen. Kritik wäre das beste Mittel, um seiner eigenen Selbstüberschätzung zu begegnen und vielleicht sogar Herr zu werden, vorausgesetzt es handelt sich um ehrliche Selbstkritik.

Eine Steigerung der Selbstüberschätzung führt über den Narzissmus zum maligner Narzissmuss. Merkmale werden von Sven Grüttefien folgendermassen beschrieben:

"

Merkmale des maligner Narzissmus

1. Entwicklung eines nicht der Realität angemessenen Größenselbst bis zum vollständigen Realitätsverlust
2. Herrschaftsanspruch innerhalb einer Gruppe ohne jegliches Verantwortungsgefühl und Gewissen sich selbst und anderen gegenüber
3. Einsatz von Lügen und Intrigen, ohne Schuld- und Schamgefühle. Der Narzisst täuscht, um sich Zuwendung, Anerkennung und Geltung zu sichern oder seinen Willen durchzusetzen.
4. Bei Stress und in gespannter Atmosphäre reagiert er ungeduldig und aggressiv.
5. Er neigt zu einer primitiven Machtausübung, sieht nur den eigenen Vorteil, humanitäres Denken findet keine Anwendung.
6. Er ist unbarmherzig, rücksichtslos, ausbeuterisch, sadistisch und sprunghaft.
7. Er sucht zwanghaft nach Macht und Reichtum, drängt nach Erfolg und persönlicher Erhöhung.
8. Er zeigt einen ausgeprägten Neid, der zu einer ständigen Entwertung und Entwürdigung anderer führt. Andere Menschen in seinem Umfeld werden ständig gedemütigt und unterdrückt.
9. Manchmal ist er auch in der Lage, moralische Bedenken zu entwickeln, wenn er sich dadurch einen Vorteil erhofft.
10. Weil er das Auftreten noch großartigerer Personen fürchtet, die ihn von seiner Empore verdrängen könnten, ist er extrem misstrauisch und sieht in seinen Mitmenschen überwiegend unwillige, bösartige und hinterhältige Wesen.
11. Für ihn gelten nur die eigenen Regeln. Er schert sich nicht um das Gesetz oder die allgemeinen Sitten. Für ihn gilt das Recht des Stärkeren und Mächtigeren, weshalb er auch nicht vor Gewalttätigkeiten zurückschreckt."

Hierzu darf und sollte sich nun jeder seine eigenen Gedanken machen.

Bleibt zuguterletzt die Krankhafte Selbstüberschätzung, die sich zum Beispiel bei Borderline Patienten findet. Dies würde aber hier zu weit führen, wollte man es näher beleuchten.

Dieser Beitrag beansprucht nicht das Thema erschöpfend behandelt zu haben. Er soll lediglich einen kleinen Anstoss zum Nachdenken liefern. Für Kritik bin ich immer empfänglich, denn nur daraus kann man lernen

Wer meint hier Beleidigungen äußern zu müssen, muss damit rechnen, dass seine "Beiträge" umgehend entfernt werden.

23 Kommentare

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Bist du Psychologe oder Psychiater das du so ein Thema hier rein stellst?
  • 06.07.2016, 22:37 Uhr
  • 0
Dürfen nur die eine Meinung haben bzw. können nur die recherchieren?
  • 07.07.2016, 13:53 Uhr
  • 0
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Punkt 11) kann einem da schon zum Grübeln bringen...wer wird es ausbaden, unter der Gewalt leiden müssen...schlimm dass Leute mit solchen Tendenzen hier ein Forum für ihre Krankheitssymptome finden, tut mir leid ,anders kann ich das nicht bezeichnen.
  • 06.07.2016, 09:55 Uhr
  • 1
Ich würde Dir gerne widersprechen, aber das wäre dann Zynismus
  • 06.07.2016, 16:05 Uhr
  • 0
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Ist es nicht so , dass , wenn eine Person , die zu Sebstüberschätzung oder zu Narzissmus neigt ...es selbst gar nicht wahr haben will oder nicht merkt und somit auch gar nicht in der Lage ist , dies selbst anhand dieser Punkte , die im Beitrag aufgeführt sind , zu erkennen ??
  • 05.07.2016, 17:05 Uhr
  • 2
Genau so ist es leider. Ich dachte allerdings, dass sich das auch aus den Punkten ergibt.
Andererseits hab ich die verschwindend geringe Hoffnung, dass der eine oder andere angeregt wird, einmal über sich selbst ein wenig kritisch nachzudenken.
  • 05.07.2016, 17:10 Uhr
  • 1
ich denke darüber nach wie und ob ich überhaupt auf solche Personen reagieren soll...ohne Moderation und auch manchmal eine bitternötige Zensur/ Verbannung , ist es hier manchmal nur zum Abschalten
  • 06.07.2016, 09:57 Uhr
  • 0
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Wenn das Bewußtsein der menschlichen Seele nichts Unangenehmes und nichts Böses im Menschen spürt, öffnet sich auch das Herz dieses Menschen der Freude, so wie sich die Blumen der Sonnenwärme öffnen.
Hildegard von Bingen
  • 05.07.2016, 07:21 Uhr
  • 0
Solche Sprüche, auch wenn der Kern ihrer Aussage zutrifft, helfen leider nicht weiter. Und das ist nun in keiner Weise böse oder gar abfällig gemeint.
  • 05.07.2016, 17:00 Uhr
  • 2
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Was sind Bordeline Patienten ? warum ziehst du eine Krankheit bei Dir ein??????
  • 04.07.2016, 22:53 Uhr
  • 0
Es heißt Borderline. Das kann man googeln. Diese Krankheit kann die Folge dessen sein, deshalb.
  • 05.07.2016, 16:58 Uhr
  • 0
ja auch du machst Fehler ziehe dich nicht hoch dran das ich das r vergessen habe
  • 06.07.2016, 22:35 Uhr
  • 0
Es war nur eine richtig-Stellung. Und nein ... ich bin kein Deutschlehrer
  • 07.07.2016, 13:54 Uhr
  • 0
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Oweia,wenn das hier jemand liest ,der sich für den Größten aller Zeiten hält Aber ich fürchte auch er wird das nicht lesen
  • 04.07.2016, 21:27 Uhr
  • 3
Hier wurde ein Kommentar durch den Eigentümer des Inhalts entfernt.
Linda, ich kann und will hier nicht zulassen, dass jemand über einen Link oder wie auch immer diffamiert wird.
  • 04.07.2016, 21:39 Uhr
  • 2
Na gut,aber das ist leider Realität. Und nicht erst seit heute
  • 04.07.2016, 21:42 Uhr
  • 1
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Interessanter Beitrag Harry. Der eine oder andere wird sich hier, zum Teil, wieder finden.
  • 04.07.2016, 21:04 Uhr
  • 1
Die, denen es gut täte, lesen das noch nicht mal!
  • 04.07.2016, 21:18 Uhr
  • 3
Ja, da hast du leider recht.
  • 04.07.2016, 21:22 Uhr
  • 0
ja harry, die lesen es deshalb nicht, weil sie sich NICHT angesprochen fühlen..wenn diese Selbstüberschätzung in ne krankhafte Borderlinestörung übergeht, ich weiss wovon ich rede, hab das in meiner family, denn das ist ja eine persönlichkeitsstörung, die verhindert den kritischen Blick auf die verschiedenen ICH´S ::::::
  • 28.08.2016, 14:15 Uhr
  • 0
Deshalb bin ich immer wieder froh, dass ich Freunde habe, die mich auf den Boden zurück holen.
Ich denke, dass es niemanden gibt, der von sich behaupten könnte noch nie der Selbstüberschätzung zum Opfer gefallen zu sein.
  • 28.08.2016, 17:46 Uhr
  • 0
ja, ich auch und zwar in der schlimmsten Form ist mir das passiert, hat mich min ganzes Vermögen und meine Gesundheit gekostet. zum Glück bin ich ne resiliente Type..oh je
  • 28.08.2016, 19:26 Uhr
  • 0
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