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Welle der Gewalt – Amok oder Terror?

Welle der Gewalt – Amok oder Terror?

25.07.2016, 11:25 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Ist der Islamistische Terrorismus in Deutschland angekommen?

Terrorismusexperte Peter Neumann sagte nach den verheerenden Pariser Anschlägen vom November 2015:

»Dass so ein Anschlag an sich stattgefunden hat, ist jedoch keine Überraschung. Mit Bedrohungen dieser Art rechnen wir seit gut zwei Jahren. Ich bin mir sicher, dass heute Morgen jeder europäische Politiker, auch Bundeskanzlerin Merkel, gedacht hat: Das hätte auch bei uns passieren können.«

Da schlägt in einem Zug bei Würzburg jemand mit einer Axt auf Menschen ein und dann eine Bombenexplosion in Ansbach. Asylbewerber aus muslimischen Ländern. Einzeltäter. Im Falle von Ansbach wir sofort auf eine Islamistischen Hintergrund getippt. Der Durchgeknallte im Zug bei Würzburg hatte auch sehr schnell den IS an der Backe. Ich bin mit solchen vorschnellen Urteilen sehr vorsichtig.

Unser Innenminister sagte:

»Es ist vielleicht auch ein Fall, der im Grenzgebiet zwischen Amoklauf und Terror liegt«.

Einzeltäter könnten sich durch die Propaganda des sog. Islamistischen Terrors angestachelt fühlen, und setzen mit einem Verbrechen ihr verkorkstes Leben ein Ende.

Am letzten Wochenende hatte ich auf einem Fest der Sozialen Initiativen einen Stand in Regensburg zu betreuen. In dieser Zeit geschah auch der Amoklauf in München, von dem ich erst einen Tag später erfuhr. Ich hatte aber den Kopf aber einfach zu voll und kannte zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Details der Vorkommnisse, außerdem war ich am Samstag wieder am Stand und fand keine Minute, darüber nachzudenken, was wäre, wenn ein durchgeknallter Irrer Gedanke auf dem Fest in Regensburg ein ein Blutbad anrichtet. Erst am Sonntag machte ich mir ein Bild von der Lage in München. Das Vorbild des Täters war der Massenmörder Anders Behring Breivik. Man stelle es sich nur vor, dieser durchgeknallte psychisch Gestörte junge Mann pilgerte sogar an den Ort des Verbrechens in Winnenden.

Ob sich wirklich der Islamistische Terror Deutschland erreicht hat, wird sich vielleicht später klären. Für die Opfer ist es egal, wer ihr Leben ein Ende gesetzt hat, für die Hinterbliebenden spielt das auch keine Rolle.

Schnell wird aber die Schuldige für diese Verbrechen gefunden. Jedenfalls konnte ich dass heute am Schwarzen Brett lesen. Nur weil Frau Merkel Flüchtlinge ins Land lässt, soll angeblich der islamistische Terrorismus nach Deutschland gelangt sein. Wenn ich so was lese, komme ich mir so vor wie im Mittelalter, als den Juden Brunnenvergiftungen angelastet wurde, durch dieses Vorgehen sie die Pest unter die Menschen gebracht haben sollen. Ich denke auch an den römischen Imperator, der die Christen für den Brand Roms verantwortlich machte. Eines sollte uns klar sein: Die Terroristen sind so klug, dass sie auch ohne die bekannten Flüchtlingsrouten nach Europa gelangen können. Es gibt keinen einzigen Nachweis, dass die Terrorgefahr durch die Flüchtlinge zugenommen hat. Verbrechen von Einzeltätern wie die von Nizza oder Würzburg, können kaum aufgehalten werden. Entweder radikalisieren sich die Täter sehr schnell, oder eben sehr langsam, dass es nicht jedem Nachbarn auffällt. »Na, ja, er ist ein Sonderling, aber gegrüßt hat er immer freundlich.« Wer glaubt schon, dass jemand seine Taten wahr macht, die er in einem Chatraum ankündigt? Würdet ihr bei jedem Hassposting die Polizei verständigen? Der beruhigt sich schon wieder und gut ist. Vorwürfe können wir niemanden machen. Gefragt ist unsere Wachsamkeit. Wenn sich jemand sehr schnell verändert, eine IS-Flagge in seinem Zimmer herumliegen hat und in neuerdings eine salafistische Hinterhofmoschee besucht, ist sicher Gefahr im Verzug. Das sollte uns klar sein. Und heute wissen wir: Wenn jemand nach Winnenden pilgert, ist es auch verdächtig. Trotzdem, niemandem ist ein Vorwurf zu machen. Die meisten Sonderlinge in Deutschland machen nie einen Amoklauf. Im Zweifelsfall immer die Polizei verständigen, erst danach einen Psychiater. Nicht umgekehrt. Die Polizei selbst ist sensibilisiert genug, dass sie besorgte Anrufe unter 110 auch wirklich ernst nimmt. Nur eindeutiger Missbrauch der Notrufnummern ist strafbar. Also, bei mir war die Polizei immer freundlich, wenn jemand im Chat oder am Schwarzen Brett einen Suizid ankündigte. Im Chat kopiere ich dann solche Aussagen mit Name und Uhrzeit und vermerke auch den Chatraum. Wenn jemand am Schwarzen Brett eine Gewalttat angekündigen würde, dann würde ich auch die Polizei verständigen. Sicher ist sicher. Mit einem Besuch von Polizeibeamten ist dann zu rechnen. Also den Computer anlassen …. Wenn im Chat eine Gewalttat angekündigt wird, dann lasse man den Chat einfach weiterlaufen und klickt nicht woanders hin, dann kann man nämlich das ganze Chatprotokoll noch lesen, wenn die Polizei kommt. In der Zwiswchenzeit kann man ja in der Wohnung das Nötigste aufräumen. Trotzdem aber bitte auch in eine Datei kopieren. Es kann ja sein, dass mal Strom ausfällt.

Der Schock sitzt tief. Menschen, die Zeugen eines Verbrechens wurden oder Verwandte durch ein Verbrechen verloren haben, sind von heute auf morgen zu anderen Menschen geworden. Wir können uns alle daran erinnern, wo wir waren, als das Attentat am 11. September geschah. Ich war in meiner Wohnung und schaltete am frühen Nachmittag MEZ den Fernseher an, was ich um diese Uhrzeit gewöhnlich gar nicht mache. Ich sah Bilder von unserem Reichstag, von irgendeinem Terroranschlag war die Rede. Ich dachte, in Berlin sei etwas schreckliches passiert und dann flammten diese Bilder über den Bilddschirm. Ein Flugzeug flieg in ein Hochhaus. Dann noch eines. Zwei Wochen lang habe ich mich kaum mehr aus dem Haus getraut. Nur zum Einkaufen. Ich hatte genau das getan, was falsch ist. Aber der Schock saß zu tief. Ich hatte gerade den Roman »Das Glück der anderen“ des amerikanischen Schriftstellers Stewart O‘Nan gelesen.Der Roman spielt in einer amerikanischen Kleinstadt, in der eine Seuche ausbricht. Jacob Hansen, Sheriff, Leichenbestatter und Pastor nimmt den Kampf gegen diese Seuche auf, aber er verliert den Kampf. Alles endet in einem Flammeninferno. Und dann, sah ich diese Bilder im Fernsehen.
Heute ziehe ich mich nicht mehr in meine Wohnung zurück. Wenn mir ein Islamistischer Terrorist gegenübersteht, sage ich ihm: » Du wirst niemals 72 Jungfrauen sehen, du scheiß Versager.« Vielleicht mache ich mir auch in die Hose. Aber ich hoffe nicht.

2 Kommentare

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Martin, was am Wochenende passiert ist macht mich sprachlos und hilflos. Allerdings frage ich mich, ob es wirklich nötig ist, diese Vorkommnisse, vorallem die Münchner, an einem Tag mit ca. fünf Sondersendungen immer wieder mit gleichem Inhalt zu kommentieren. Irgendwie ist doch klar, dass sich so einige Trittbrettfahrer animiert fühlen müssen. Ich hoffe sehr, dass die Presse es zukünftig nicht weiter mit dieser Flut von Meldungen übertreibt.
Es kann einem Angst machen, wenn man sich weiter mit diesen Katastrophen beschäft. Trotzdem dürfen wir uns nicht unterkriegen lassen.
  • 25.07.2016, 12:57 Uhr
  • 1
Ja, die übertriebenen Berichterstattungen müssen nicht sein. Das heizt an.
  • 25.07.2016, 12:58 Uhr
  • 1
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