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Die Jagd auf den Terror - und in die Angst

Die Jagd auf den Terror - und in die Angst

28.07.2016, 13:55 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Wer heute behauptet, dass wir uns in einem Strudel besonderer, nie da gewesener Gewalt befinden, der lügt einfach. Es kam auch bei uns schon immer zu schrecklichen Gewaltaktionen in unserem Land und zu brutalen Terror- oder Amokanschlägen mit unsäglich vielen Toten. Mit einem gravierenden Unterschied: Niemand hat versucht, diese Vorfälle als angstmachenden Hebel zu nutzen, um in unserem freien, demokratischen Land den Wunsch nach einer Volksgemeinschaft auf "rassischer" Grundlage, die die Rechte des Einzelnen beliebig einschränkt und der pluralistischen Gesellschaft das Modell des "Volkskollektivismus" (Du bist nichts, Dein Volk ist alles) entgegensetzt.
Wir mussten diese Gewaltakte immer wieder zur Kenntnis nehmen und wir mussten damit fertig werden - und wir wurden damit fertig. Irgendwie. Die Welt, auch nicht die Welt Deutschlands, ist eine Krabbelstube.

Heute wird, sicher auch wegen der schnelleren Informationen des digitalen Zeitalters, aber in erster Linie wegen denen, die Gewaltakte instrumentalisieren, Angst forciert, Panik nur deswegen erzeugt um bestimmte Ziele zu erreichen. Einer der Autoren, der das immer wieder (und zum Teil mit beachtlichem Erfolg) praktiziert, hat erst jetzt wieder unter dem Stichwort Migration und dem reißerischen Titel Stell dir vor, es ist Krieg und du öffnest deine Grenzen – dann kommt der Krieg zu dir! auf philosophia-perennis.com seinen Gedanken freien Lauf gelassen:

Um diesen bösen Text als das zu entlarven, was er wirklich ist, habe ich mich so eng wie möglich an die Vorlage gehalten – alle geschilderten Verbrechen sind so tatsächlich passiert, wie die des philosophia-perennis.com-Autors, nur zu viel früheren Zeitpunkten und ohne jeden Migrations-Hintergrund:

Apeldoorn: (Niederlande) Karst T. hat am 30. April, dem Niederländischen Nationalfeiertag, seinen Wagen in die Menge feiernden Menschen gesteuert. Drei Männer und zwei Frauen wurden getötet. Zwölf Menschen erlitten schwerste Verletzungen
Pforzheim: Ein Mann rastet in einem Kaufhaus aus und läuft Amok. Er spaltet einer 27-jährigen Frau mit einem Schwert die Stirn. Sie starb auf der Stelle. Danach schlug der 24-jährige die Waffe mit so großer Kraft gegen drei weitere Frauen, dass ein 20 Zentimeter großes Stück der Klinge abbrach.
Köln: In einer Volksschule läuft der 42-jährige Frührentner Walter Seifert Amok. Mit einem selbstgebauten Flammenwerfer und einer Lanze tötet er acht Schüler und zwei Lehrerinnen. 20 Kinder und zwei Lehrerinnen werden verletzt. Auf der Flucht begeht der Täter Selbstmord.
Aschaffenburg: Mitten auf dem Friedhof hat am Montagmittag ein 15-jähriger versucht, eine Rentnerin zu vergewaltigen. Nach Aussage der Rentnerin packte sie der 15-Jährige plötzlich am Hals, entblößte sein Geschlechtsteil und drückte sie in der Folge immer wieder zu Boden.
Ein anderer Friedhofsbesucher rannte sofort zu der Frau und verfolgte dann den flüchtenden Jugendlichen, bekam ihn zu fassen und hielt ihn fest, bis die Polizei eintraf.
Hamburg: Ein Radfahrer ist am Sonntag in Hamburg von einem Unbekannten angeschossen worden. Wenig später starb das Opfer im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Der Täter soll zwischen 20 und 25 Jahre alt sein.
Köln: In Köln-Mülheim explodiert eine Nagelbombe. Dabei werden 22 Menschen verletzt, vier davon schwer.
Teneriffa: Auf Teneriffa ist eine Frau in einem Supermarkt enthauptet worden. Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich nach Behördenangaben um einen vorbestraften obdachlosen Bulgaren handeln. Er wurde fest genommen, nachdem er den Supermarkt mit dem Kopf in seinen Händen verlassen wollte. Der Mann hatte die Frau mit einem im Supermarkt gestohlenen Messer attackiert.

Dann folgt eine Schilderung der Einzelheiten zu den in Stichworten vorab gelieferten Verbrechen, die ihm beängstigen und eine rhetorische Einlassung. Die Angst machend, warnend endet (Zitat J.F.) "Ich frage mich, ob wir nicht endlich alle zusammen anfangen sollten, darüber nachzudenken, was uns innere Sicherheit und der innere Friede wert sind. Ob wir diesen inneren Frieden durch die massenweise Aufnahme von Menschen, die bedingt durch die islamische Weltanschauung tiefsitzende Ressentiments und ein anderes Verhältnis zur Gewalt in sich tragen, tatsächlich massiv gefährden wollen, Menschen, die sich unserer Gesellschaft in ihrem Innersten nicht wirklich verbunden fühlen."

Ich weiß nicht, ob wir mit der von uns den Flüchtlingen geleistet Hilfe unseren inneren Frieden durch die massenweise Aufnahme von Menschen gefährden. Ich glaube eher nicht.
Ich weiß auch nicht, ob die islamische Weltanschauung wirklich tiefsitzende Ressentiments und ein anderes Verhältnis zur Gewalt in sich trägt, als wir. Ich bezweifle auch, dass wir uns dadurch gefährden, weil wir Menschen helfen, selbst dann nicht, wenn behauptet wird, dass sie uns angeblich massiv gefährden. Und die sich unserer Gesellschaft in ihrem Innersten nicht wirklich verbunden fühlen."

Was ich weiß und hier aufgeschrieben habe, ist etwas ganz anderes. Es ist die Tatsache, dass solche Geschehnisse, wie sie der Autor als gefährlich für uns, unser Land und unsere Kultur schildert, weil sie angeblich von Muslimen, Ausländern, Andersgläubigen begangen werden, eben nicht Eigenschaften speziell nichtdeutscher Ethnien sind.
Sie sind ebenso ein böser Teil unserer Gesellschaft, wie sie das anderswo auch sind.

Diese schlimmen "Angst-Macher" unserer Gesellschaft der letzten Jahre, die wir alle überstehen mussten, die wir betrauern mussten und die es ohne den heutigen Hintergrund des IS-Terrors schon gegeben hat, die deswegen aber nicht minder schrecklich waren:

  • 1970er Jahre: Die RAF-Terroristen ermordeten mehr als 30 Menschen.
  • Seit 1990 bis heute: Mindestens 178 Todesopfer rechter Gewalt
  • 28. Februar 2014, Düsseldorf/Erkrath: Der 48-jährige Koch Yanqing T. tötet zwei Frauen und einen 54-jährigen Anwalt. (Rache)
  • 9. Mai 2013, Kerpen/Langerwehe: Ein Amokläufer erschießt in den Orten Kerpen und Langerwehe bei Aachen 3 Menschen und verletzt drei weitere schwer
  • 20. Juni 1913, Bremen-Walle: Beim Amoklauf an einer Mädchenschule werden fünf Mädchen im Alter von sieben bis acht Jahren getötet sowie 18 weitere Kinder und fünf Erwachsene teilweise lebensgefährlich verletzt
  • 21. August 2013, Dossenheim: Drei Tote und fünf Verletzte fordert ein Amoklauf wegen oder nach einer Eigentümerversammlung.
  • 19. September 2010, Lörrach: Eine 41-jährige Rechtsanwältin erschießt in Lörrach in Baden-Württemberg ihren Mann, erstickt ihren fünfjährigen Sohn und schießt dann einen 56-jährigen Pfleger nieder, bevor sie selbst von der Polizei erschossen wird.
  • 17. September 2009, Ansbach: Ein 18-Jähriger verletzt 15 Schüler und Lehrer, einige davon schwer. Er wird später wegen versuchten Mordes in 47 Fällen verurteilt.
  • 11. Mai 2009, Sankt Augustin: Ein geplanter Amoklauf einer 16-jährigen Schülerin an einem Gymnasium in Sankt Augustin wird gerade noch vereitelt. Bei der Vorbereitung der Bluttat wird die mit Molotowcocktails, einer Schreckschusswaffe und einem Kurzschwert bewaffnete Jugendliche auf der Schultoilette von einer 17-jährigen Mitschülerin überrascht. Die 16-Jährige attackiert sie mit dem Schwert und verletzt sie schwer. Die Täterin flieht, stellt sich aber später der Polizei.
  • 1. März 2009, Winnenden: Bei einem Amoklauf in Baden-Württemberg sterben 16 Menschen.
  • 20. November 2006, Emsdetten: Bei einem Amoklauf eines schwer bewaffneten Ex-Schülers einer Realschule in Emsdetten im Münsterland werden 37 Menschen verletzt. Der 18-Jährige zündet selbst gebaute Rohrbomben und Rauchkörper, bevor er sich in dem Schulgebäude mit einem Kopfschuss selbst tötet.
  • 26. April 2002, Erfurt: Ein 19-jähriger Amokläufer erschießt 16 Menschen am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt.
  • 19. Februar 2002, Eching/Freising: Ein mit zwei Pistolen, drei Rohrbomben und einer Handgranate bewaffneter 22-Jähriger bringt in Bayern drei Menschen und sich selber um.
  • 2000 - 2006 Eine deutschlandweite Serie von Tötungsdelikten an Männern mit Migrationshintergrund kostet 10 Menschenleben
  • 1. November 1999, Bad Reichenhall: Ein 16-Jähriger schießt in Bad Reichenhall aus seinem Elternhaus heraus wahllos auf Passanten: Er tötet drei Menschen und dann sich selbst.
  • 3. Juni 1983. In der Freiherr-vom-Stein-Gesamtschule in Eppstein schießt der 34-jährige Karel Charva um sich und tötet drei Schüler, einen Lehrer sowie einen Polizisten und verletzt 15 Menschen, ehe er sich selbst richtet.
  • 26. September 1980, München: Am Haupteingang des Oktoberfests in München explodiert eine Rohrbombe, 13 Menschen und der Bombenbauer werden getötet und 211 verletzt, 68 davon schwer.
  • 5. September 1972, München: Im Laufen eines versuchten Entführungs-Attentates auf die israelischen Sportler kommen 17 Menschen ums Leben.
  • 11. Juni 1964, Köln: In einer Volksschule läuft der 42-jährige Frührentner Walter Seifert Amok. Mit einem selbstgebauten Flammenwerfer und einer Lanze tötet er acht Schüler und zwei Lehrerinnen. 20 Kinder und zwei Lehrerinnen werden verletzt. Auf der Flucht begeht der Täter Selbstmord.

Und es soll mir bitte niemand vorwerfen, dass ich etwas relativieren würde. Ich zähle hier nur Fakten und Tatsachen auf, die stattgefunden haben, ohne dass uns die damit verbundene Angst und Sorge in unsägliche Situationen getrieben hat, wie heute.
Ein gutes Beispiel von dummen Ankündigungen hat der Ministerpräsident Bayerns, Seehofer, erst gestern wieder geliefert:
Er fordert angesichts des letzten Terroranschlages in Ansbach sofortige Gesetzesänderungen und die elektronische Beinfessel für die als Gefährder erkannten Personen. Und hat doch gerade in Frankreich bei dem IS-Überfall auf eine Kirche erfahren dürfen, dass einer der Mörder eine solche Fessel trug: Sie hat nichts verhindert. Schnelle Aktionen bringen hier vielleicht Wählerstimmen, aber nicht mehr Sicherheit. Seine Aufgabe wäre es, sich besonnen, überlegt und zielgerichtet zu verhalten. Eben wie ein Politiker. Er aber verhält sich wie die Strasse.

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20 Kommentare

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Wahnsinn, das alles mal so zusammen zu stellen und zu bündeln.

Aber, wie immer: du bist doch nur ein --wie war das?--
[f]"moslemischer Steigbügelhalter"[/f]
(Ich habe es mal fett gesetzt, das ist einfach zu drollig!)

Nun merk dir das aber auch und gehe in dich!
...es geht doch nicht an, dass hier Tatsachen sachlich zusammengefasst werden, damit man die in aller Ruhe nachlesen kann!
  • 20.10.2016, 09:59 Uhr
  • 1
Ja, fett macht sich eine solche Aussage noch besser und sichtbarer: Blödheit sollte stets fett dargestellt werden.
  • 20.10.2016, 10:02 Uhr
  • 1
Das genau meine ich auch. Löschen (lassen) hilft/ist nicht halb so wirksam....
  • 20.10.2016, 10:34 Uhr
  • 1
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In der Aktuellen Stunde des WDR hörte ich eine mir einleuchtende Beschreibung der Menschen, wie sie mit der Angst vor den Gefahren umgehen. So gibt es die Wölfe, die die Gefahr suchen, die Schafe, die die echte Angst vor der Gefahr haben und die Hirtenhunde, die der Gefahr lentgegen sehen...
  • 31.07.2016, 12:03 Uhr
  • 2
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Das ist genau das was Die Merkel in ihrer sogenanten Pressekonferenz gemeint hat,mit dem Satz "Wir haben in den letzen 11 Monaten viel erreicht",damit hat sie gemeint noch mehr Verbrecher ins Land zu holen.Die hat ja dafür gesorgt das deutsche Bürger gemordet werden ,unsere Frauen von den Muselmännern sexuell begrabscht und belästigt werden und die Ein -und Verbrechensrate ins unermässliche gestigen ist.
Danke Merkel & Co !!!
  • 30.07.2016, 07:33 Uhr
  • 2
Und du, wize.life-Nutzer, glaubst, dass du den Platz auf meinem Artikel benutzen darfst, um unserer Bundeskanzlerin zu bashen ?

Ja, du solltest nie glauben, dass die anderen noch blöder sind, als du es bist.

Du darfst hier kritisieren, aber für deine dummen Sprüche musst du dir einen anderen Platz suchen.
  • 30.07.2016, 09:18 Uhr
  • 5
ich verbitte mir ausdrücklich von Herrn Müller unter "unsere Frauen" vereinahmt zu werden. Ich bin nicht irgendjemandes was auch immer..
und für solche Sprüche gleich zweimal nicht
  • 31.07.2016, 14:50 Uhr
  • 3
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  • 28.07.2016, 23:18 Uhr
  • 1
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sehr gut recherchiert und du sprichst mir voll aus der Seele, wünsche vielen Usern hier, dieses mal zu lesen, darüber nachzudenken und für sich dann zu entscheiden:

will ich mit Angstneurosen mein Leben leben oder stelle ich mich dem und lebe mein Leben so wie ich es möchte.
  • 28.07.2016, 22:35 Uhr
  • 2
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ich halte das derzeitige Klima der Hysterie, dass durch einige noch bewusst aufgeheizt wird für wesentlich schädlicher und letztendlich auch für gefährlicher für unsere freie Gesellschaft als die Aufnahme von Flüchtlingen.
  • 28.07.2016, 15:44 Uhr
  • 5
absolut richtig, dieses künstliche Angstgebilde ist einfach nur abartig.
  • 28.07.2016, 22:36 Uhr
  • 0
  • 29.07.2016, 15:02 Uhr
  • 1

genau- so sehe ich das auch!

da darf auch gefragt werden:
ist unsere Freiheit das erste Opfer der Terrorangst?
  • 20.10.2016, 09:40 Uhr
  • 1
Dann hat das Opfer seit den 60er Jahren aber lange gebraucht, um eine solche einfache Frage zu formulieren.
  • 20.10.2016, 09:53 Uhr
  • 2
Hier wurde ein Kommentar durch den Eigentümer des Inhalts entfernt.
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Richtig und notwendig!
  • 28.07.2016, 14:52 Uhr
  • 2
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Ein entlarvender Beitrag. Ich habe es geahnt, bin aber sicherheitshalber dem Link gefolgt und meine Vermutung wurde bestätigt.
Die Brandstifter sind mitten unter uns
Da wird Angst geschürt, wo sie nicht angebracht ist, da wird Vertrauen zerstört, wo sie dringend notwendig ist.
Ich habe keine Angst vor Terroristen........ ich habe Angst vor unserer Gesellschaft.
  • 28.07.2016, 14:43 Uhr
  • 7
Sehe ich auch so, D. wize.life-Nutzer.
Aber war die Gesellschaft/Menschheit je besser?
  • 28.07.2016, 15:32 Uhr
  • 2
Nein, Ja, sie ist immer beides gewesen.
  • 28.07.2016, 22:37 Uhr
  • 0
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Sehr guter Beitrag Mike!
  • 28.07.2016, 14:11 Uhr
  • 4
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