wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Viele Fragen, auf die wir noch keine Antwort haben

Viele Fragen, auf die wir noch keine Antwort haben

Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern
09.08.2016, 14:55 Uhr

Hass, Wut, sinnlose Zerstörung, Mord

So springen uns die Schlagzeilen in den letzten Tagen des Juli 2016 ins Auge.

Es ist endlich Sommer, Ferienzeit, Festivalzeit. Viele Menschen genießen die Atmosphäre der lauen Sommernächte, sie feiern draußen, sie reisen mit dem Zug zu Sehenswürdigkeiten, sie gehen shoppen. Alles ganz alltäglich und doch auf einmal ist alles anders. Schleichend hat sich ein Gefühl der Unsicherheit breit gemacht. Menschenansammlungen meiden, Menschen mit fremdem Aussehen meiden?

Wenn Sie dieses Heft in Händen halten, im September, sind hoffentlich keine weiteren Attentate geschehen. Die Aufmerksamkeit der Polizei und der Sicherheitskräfte schärft sich mit jedem neuen Vorkommnis.

Drei Attacken, so unterschiedlich sie auch waren, haben unser Verhältnis zu Flüchtlingen verändert.

Schon die Sylvesternacht in Köln und in anderen Großstädten hat gezeigt, dass unsere offene Gesellschaft Probleme machen kann. Aber das waren Großstädte. Gerade in der Sylvesternacht war es vor allem eigentlich ganz normale Kriminalität, verbunden mit starker sexueller Gewalt.
Würzburg und Ansbach und München, sind anders.

Es waren Einzeltäter, deren Lebensgeschichte langsam erzählt wird, was aber ihre Taten nicht völlig erklären kann.

Wir haben den Eindruck, dass unsere Lebensart, unsere Kultur unsere Gesellschaft angegriffen wird.

Der Islamische Staat will diese Taten nur zu gerne für sich reklamieren. Aber waren diese Täter wirklich fanatisch religiös oder wussten sie nur, dass sie mit dem Hinweis auf Allah die größtmögliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen würden? Im alltäglichen Leben waren sie nie als besonders religiös aufgefallen. Wie schnell kann so eine Radikalisierung geschehen?
Gerade junge Männer kommen mit großen Träumen in unser Land und werden dann in großen Unterkünften, ohne Beschäftigung, aus ihren Träumen gerissen. Sie waren vielleicht auch vor den starren Traditionen in ihren Heimatländern geflohen, aber jetzt geben ihnen diese Traditionen Halt und ein gewisses Heimatgefühl, das sie hier verständlicherweise noch nicht gefunden haben.

Daher ist ihnen ihr Mobiltelefon auch so wichtig.

Das Handy ist für die Menschen die einzige Möglichkeit Verbindung zu ihrer Familie, ihren Freunden zu halten, aber es ist auch die Chance für Propaganda. Und der IS nutzt diese Gegebenheiten. So strikt er gegen moderne Lebensformen agiert, so weiß er doch bestens diese Technologie für seine Zwecke einzusetzen.

Viele Menschen haben sich für die Flüchtlinge und Asylbewerber engagiert, haben versucht ihnen unsere Welt und unsere Kultur nahe zu bringen. Haben mit Hilfe von Sprachunterricht Kontakte geknüpft, damit die Flüchtlinge eine Chance in unserem Land haben. Diese Männer und Frauen sind verunsichert, ob sie die jungen Männer überhaupt erreicht haben. Junge Männer wie der 17jährige Afghane, der mit einer Axt auf Touristen einschlug. Ein junger Mann, der in seinem Heimatland nichts anderes als Krieg und Gewalt kennen gelernt hat, und trotzdem eigentlich gute Chancen zur Integration hatte. Ein Deutsch-Iraner, der hier bei uns aufgewachsen ist, nicht auffällig war, aber seit seiner Kindheit gemobbt wurde und keiner ihm geholfen hat, und ein Syrer, dessen Asylgesuch abgelehnt worden war, der aber geduldet wurde.

Aber es gab und gibt nicht nur die Willkommenskultur sondern auch viele fremdenfeindliche Angriffe bei uns. Demonstrationen gegen Flüchtlingsunterkünfte und brennende Flüchtlingsheime bis hin zu tätlichen Angriffen auf erkennbar ausländische Mitbürger.
Auch dies müssen wir berücksichtigen, wenn wir fragen: Konnten diese jungen Männer irgendwelche Perspektiven für sich und ihr Leben erkennen?
Sind sie mit uns und unserem Leben nicht klar gekommen?
Sind wir mit unseren Vorstellungen überhaupt zu ihnen durchgedrungen?

Viele Fragen auf die wir noch keine Antworten haben.

Und während ich an meinem Computer sitze und mir Gedanken mache, sehe und höre ich Kinder verschiedenster Hautfarbe im Hinterhof spielen. Buben und Mädchen, unterschiedlichen Alters, rennen und toben auf der Grünfläche. Die Buben spielen Fußball, und die Mütter, mit und ohne Kopftuch, hängen ihre Wäsche auf.

Dies scheint eine kleine Idylle zu sein.

Es ist also möglich, zusammen zu leben, mit etwas gegenseitigem Verständnis, Rücksichtnahme und vielleicht auch dem Hinterfragen des eigenen Tuns.

Inge Gehlert
Landesvorsitzende des DEF

Vorwort zum neuen def-aktuell

1 Kommentar

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Hier wurde ein Kommentar aufgrund eines Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen gelöscht.