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Stippvisite in der Hauptstadt

Stippvisite in der Hauptstadt

08.10.2016, 10:07 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Es war eine prickelnde Atmosphäre in Berlin am ersten Wochenende im Oktober. Ab Sonntag war die Sonne mit von der Partie. Die Geschäfte waren offen und am Alexanderplatz war eine große fröhliche Menschenmenge unterwegs. Die Sicherheitsvorkehrungen für den Nationalfeiertag am Montag waren kaum zu spüren. Flanieren war angesagt. In Friedrichshain subtil schöne Werke einer Künstlerin bestaunen und am Boxhagener Platz auf dem Flohmarkt, Kostbarkeiten einer vergangenen Zeit entdecken. Am 3. Oktober blieb die ausgelassene Stimmung trotz Demos erhalten. Konflikte sind nun einmal Bestandteil der Demokratie.

Doch vom Osten her zog ein kalter Wind auf.

Die Nachrichten am Abend zeigten Bilder aus Dresden. Bürger, die voller Wut Politiker beschimpften und rassistischen Pöbeleien freien Lauf ließen. Angesichts solcher Ausbrüche wird man nachdenklich und fragt sich: ‘Ist der Mann, der einem zufällig an der nächsten Straßenecke begegnet, vielleicht einer von denen? Ist das mein Volk?’
Meine Zeit in der Hauptstadt ging zu Ende und ich bestieg den Zug für meine Rückfahrt. Fast zeitgleich mit mir betrat ein junger Mann dasselbe Abteil, fast noch ein Kind. Er hatte kein Gepäck und keine Tasche. Er ging ans Fenster und schaute voller Sehnsucht auf Verwandte, die ihm vom Bahnsteig zuwinkten. Seine Herkunft konnte er nicht leugnen – so dunkel seine Haut, so dunkel sein Haar. Seine Tristesse weckte die Aufmerksamkeit der Mitreisenden und plötzlich umspült ihn eine Welle der Sympathie. Eben noch ein anonymer Mitreisender, strahlt ihm nun aufmunterndes Lächeln aus den unbekannten Gesichtern entgegen. Während der Fahrt reicht ihm eine Frau eine Wasserflasche, andere teilen mit ihm ihr Essen. Jemand setzt sich neben ihn und hilft ihm, die Steckdose für das Ladegerät seines Handys zu finden.
Diese spontane Hilfsbereitschaft bringt mir die freudige Erkenntnis: Das sind die Menschen, die mein Land ausmachen, es positiv gestalten und mir Zuversicht geben. Jene, bei denen ich mich wiederfinde im "Wir".

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41 Kommentare

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In der Hauptstadt ist es natuerlich leicht, in lockerer Stimmung zu sein.
Dort lebt man auch schon seit ewiger Zeit vom Geld der Anderen.

Wuerde man das Land Berlin und die Stadt nicht mit vielen Mio. aus anderen Laendern stuetzen, waere es laengst ein Ghetto aber das wird es auch mit diesen Finanzhilfen bald sein.

Berlin ist auch gut bekannt durch sinnlose Randale.
Der 1. Mai ist dort das Volksfest der Autoanzuender und genug Viertel wo sich nicht mal die Polizei hintraut haben sie auch in Berlin.

Kein Grund also, diese Stadt als bluehende Landschaft zu beschreiben.

Ach ja, da ist noch die Sache mit dem Flughafen, wofuer ganz Deutschland von Moskau bis Tokio, von Peking bis New York und von London bis Sydney ausgelacht wird.
  • 09.10.2016, 00:07 Uhr
  • 0
Moin Hugo,
es war nicht mein Intention, Berlin in den Vordergrund zu bringen!
Sicher war es genau so in vielen anderen Städten an diesem Tag,
Die Bilder aus Dresden gingen um die Welt.
Ist Deutschland so?
Demos ja, aber so?
Nein, sicher nicht!
Man hätte sie verhindern können durch Absperrungen, aber es spricht für unser Land, dass es nicht getan wurde.

Auch habe ich Freunde im Osten, nein, auch sie verdienen nicht, dass eine Minderheit einen ganzen Landstrich in Verruf bringt.
Es schleicht sich schon der Gedanke ein, dass "Verkrustungen" des DDR Regimes noch agieren.
Meine Intention war ganz simpel:
Die erlebte Menschlichkeit im Zug, die ganz spontan war, weiterzutragen,
Von Rassismus keine Spur.
  • 09.10.2016, 08:59 Uhr
  • 3
Berlin ist eine Reise wert !
Das hat sich inzwischen in der ganzen Welt herumgesprochen - außer in Australien vielleicht? Aber die Aussis werden das auch noch merken - irgendwann.
Und was das Gelächter über das Flughafen-Fiasko angeht, so sind es die Berliner selbst, die am meisten und am herzlichsten darüber ihre Witze machen können. Und über sich selbst lachen zu können ist allemal besser als jammern und schlechtreden,
Zugegeben, das bunte Berlin hat auch ein paar dunkle Flecken, jedoch auch nicht mehr als alle Großstädte weltweit. Jedenfalls ist es seit längerem schon voll von pulsierendem Leben, besonders attraktiv für junge Leute, für Künstler und Kulturschaffende, und als Bundeshauptstadt natürlich auch für Politiker aller Couleur. Kurz gesagt: Berlin ist 'the place to be!"
  • 09.10.2016, 09:38 Uhr
  • 2
Friedhelm
So empfinde ich auch Berlin, ich war im letzten Jahr ganz oft dort!
Die Jugend der Welt schaut auf Berlin und sagt, da will ich hin
  • 09.10.2016, 09:41 Uhr
  • 0
Berlin regt auf vielfältige Weise an. Es gibt die unterschiedlichsten Kunstarten, die verschiedensten Kulturen und viele ruhig Plätze und Plätzchen. Aber auch viele verschiedene Lokale und Cafés, in denen man angenehm sitzen kann. Nicht zu vergessen, ein Ausflug mit einem Spreedampfer. Ich finde, eine sehr interessante und vielfältige Großstadt.
  • 09.10.2016, 11:49 Uhr
  • 1
Stimmt Cornelia.
Vor allem eine Stadt in der Multi Kulti gelebt wird, auch wenn es Probleme gibt!
Welche Metropole in der Welt tut dies nicht!
Nur die ewig Gestrige meinen, die Zeit anhalten zu können!
  • 09.10.2016, 11:54 Uhr
  • 2
  • 09.10.2016, 12:24 Uhr
  • 1
wize.life-Nutzer
Wir haben schoenere Staedte als Berlin, die auch sicherer sind.
Hier ist man schon am ueberlegen, ob man nicht eine Reisewarnung fuer Germanistan ausruft.
  • 09.10.2016, 12:55 Uhr
  • 0
Hugo überliesst Frauen?
Ich kenn auch Paris ziemlich gut!
  • 09.10.2016, 12:57 Uhr
  • 0
Ja, Paris ist auch richtig schoen multikulti, auch da brennen immer wieder die Autos vor lauter Multikulti-Freude.
  • 09.10.2016, 13:04 Uhr
  • 0
Ich weiss warum die Autos dort gebrannt haben, Du sicher nicht, mon vieux
  • 09.10.2016, 13:06 Uhr
  • 1
Hugo, wie gefällt dir denn Hamburg?
  • 09.10.2016, 13:08 Uhr
  • 0
Weil in Paris, wie auch in Berlin, wo ebenso gerne Autos angezuendet werden, einfach alles so toll ist so mulitikulti und weltoffen, da steckt man vor lauter ueberschwenglicher Freude einfach mal gerne ein Auto in Brand.
  • 09.10.2016, 13:09 Uhr
  • 0
  • 09.10.2016, 13:10 Uhr
  • 0
Hamburg ist auch nicht besser, die Zeiten dieser Staedte ist vorbei, die Ghettos werden groesser, die Kriminalitaet steigt rapide und Polizei und Staat sind immer machtloser.
  • 09.10.2016, 13:11 Uhr
  • 0
Das ist die eine Seite. Die nächste Seite ist für mich, Berlin und Hamburg liegen an Flüssen. Damit bleiben diese Städte auch "im Fluß". Es ist Bewegung da die sich wunderbarer Weise auch auf die Köpfe der meisten Bewohner auswirkt.
In Hamburg kommt auch noch der Wind dazu, der einen manchmal so richtig "durchpustet". Ich weiß durchaus, dass es auch die Seiten gibt, die du aufgezählt hast.
  • 09.10.2016, 13:16 Uhr
  • 1
Na wenn es darauf ankommt, da habe ich ja Wasser im Ueberfluss und der Wind der weht ist gefuellt mit sauberer Luft.
Gold Coast City, hat mehr Kanaele und mehr Bruecken als Venedig und vor der Tuere liegt der Pazifik und nicht die braune Nordseebruehe.

Kein Grund also fuer teures Geld ins immer gefaehrlicher werdende Deutschland zu reisen.
  • 09.10.2016, 13:21 Uhr
  • 0
Hugo, du mußt nix alles kann, gell.
  • 09.10.2016, 13:23 Uhr
  • 1
Hugo, Du hast die Wahl. Ich denke, niemand hier vermisst jemanden wie Dich, der Angst vor dem 'gefährlichen' Deutschland hat.
  • 09.10.2016, 13:24 Uhr
  • 1
Allerdings wenn du deine Infos nur aus der Presse beziehst.... musst nicht alles glauben was über den großen Teich berichtet wird.
  • 09.10.2016, 13:25 Uhr
  • 1
wize.life-Nutzer Ich habe meine Wahl schon vor 9 Jahren getroffen, und damals war Deutschland noch nicht so gefaehrlich wie heute.
  • 09.10.2016, 13:30 Uhr
  • 0
wize.life-Nutzer
Am wenigsten glaubhaft ist die deutsche Medienwelt.
Ich sehe Nachrichten aus ueber 20 Laendern in englischer Sprache, rund um die Uhr, wenn ich moechte und das kostenlos.
Hier bekommt man nicht von oeffentlich rechtlichen Sendern regierungsgetreue Meinungsmache vorgesetzt.
  • 09.10.2016, 13:32 Uhr
  • 0
Nur mal so viel zu Berlin, so toll und soooo mulitkulti.....
http://www.tagesschau.de/inland/chem...tz-105.html
  • 09.10.2016, 23:26 Uhr
  • 0
Berlin war nicht das Thema sondern Menschlichkeit und das unsägliche Verhalten der Krawallmacher in Dresden,
  • 10.10.2016, 07:47 Uhr
  • 2
Die Krawallmacher sitzen in Berlin in der Regierung und nicht in Dresden, da verstehtst du was falsch.

Die machen Krwall in Syrien, in der Ukraine gestallten sie den Krawall mit, in der EU Politik ebenso und mit der "Fluechtlings"Krise schueren sie erst recht den Krawall an.

Das wissen die und das wollen die auch so.
Nur ein paar ewig gestrige durchschauen das noch nicht.
  • 10.10.2016, 10:11 Uhr
  • 0
Für dich und Tschüß
"Das sind die Schwachen, die sich noch Schwächere suchen. Die Furchtsamen, die sich solche suchen, die noch verwundbarer sind. Denen müssen wir die Augen öffnen. Die müssen wir mitnehmen. Also brauchen wir schon Demonstrationen. Hier in Dresden und in ganz Deutschland. Aber nicht gegen die Islamisierung des Abendlandes, sondern gegen seine Prekarisierung.
Nicht gegen Ausländer. Sondern gegen Armut.
Nicht gegen Einwanderer. Sondern gegen die Ungleichheit.
Nicht gegen fremde Kulturen. Sondern gegen die eigene Kultur der Kälte.
Ich gebe diese Hoffnung nicht auf.
Vielen Dank."

(Jakob Augstein)
  • 10.10.2016, 10:26 Uhr
  • 2
  • 10.10.2016, 12:06 Uhr
  • 1
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Das ist MEIN Deutschland
  • 08.10.2016, 21:31 Uhr
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Unser
  • 08.10.2016, 21:32 Uhr
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Komm in meine Arme
  • 08.10.2016, 21:33 Uhr
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  • 08.10.2016, 21:33 Uhr
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  • 08.10.2016, 21:34 Uhr
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  • 08.10.2016, 22:17 Uhr
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Sympathischer Beitrag!
  • 08.10.2016, 16:41 Uhr
  • 1
Danke Digger
  • 08.10.2016, 21:28 Uhr
  • 1
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Es tut besonders gut, einmal einen solchen Bericht zu lesen. Warum ist das so?
Ja, er besticht im wahrsten Sinne des Wortes, er sticht förmlich heraus aus der Masse der Negativzeilen, in welchen man von Chaos, Untergang, Verderben, Verbrechen, Vergewaltigung, Mord und Totschlag lesen kann, besser noch: lesen muss. Es sind fast ausschließlich Horrorgemälde, die uns dort präsentiert werden.

Und hier ein anderes Bild, ein Bild voller Menschlichkeit und Hoffnung. Ein Bild, dass zumindest ein paar Sonnenstrahlen durch den teilweise düsteren Himmel - verdeutlicht durch den Hinweis auf die Dresdner Pöbelszenen - aufscheinen lässt.

Wir sollten uns nicht verwirren oder einschüchtern lassen durch die lauten, beängstigenden, hasserfüllten, boshaften, beleidigenden, drohenden Töne und Gebärden von ein paar Hundert Schreihälsen vor der Frauenkirche in Dresden, die von sich behaupten, sie seien 'das Volk'.

Es sind die kleinen, oft unscheinbaren Gesten, die leisen und nicht die grellen und lauten Töne, die das wahre Gesicht unseres Landes ausmachen. Das aufmunternde und freundliche Lächeln, die gereichte Wasserflasche, die geteilte 'Stulle', die hilfreiche Hand - , ja das ist es, worauf wir stolz sein sollten. Das ist es, was uns das Gefühl geben kann, 'ein Volk' zu sein. Wir sollten uns den Blick dafür nicht verstellen lassen.
  • 08.10.2016, 11:22 Uhr
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  • 08.10.2016, 11:26 Uhr
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  • 08.10.2016, 21:32 Uhr
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  • 08.10.2016, 22:20 Uhr
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WIR ! Heißt das Zauberwort.
  • 08.10.2016, 10:24 Uhr
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Ja und "uns"gibt es Welweit
  • 08.10.2016, 10:25 Uhr
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