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Mainstreamgeschwätz der Welt und einer Studie

Mainstreamgeschwätz der Welt und einer Studie

20.07.2017, 20:58 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Die WELT: "Zu Beginn der Flüchtlingskrise haben deutsche Zeitungen laut einer neuen Studie nicht kritisch genug berichtet. Die "Mainstream-Medien" hätten damals geschlossen hinter Merkels Flüchtlingspolitik gestanden, wird kritisiert.
Die Studie kommt zu dem Schluss: Wichtige deutsche Tageszeitungen haben während der Flüchtlingskrise der Jahre 2015 und 2016 bei der kritischen Berichterstattung nach Einschätzung von Experten versagt. Nicht nur hätten sich die "so genannten Mainstreammedien" geschlossen hinter Angela Merkels Flüchtlingspolitik versammelt, sie hätten auch 'Losungen der politischen Elite' unkritisch übernommen und eine 'euphemistisch-persuasive Diktion' des Begriffs der Willkommenskultur verbreitet."

Für mich ist dieses Ergebnis erstens politisch höchst zweifelhaft angehaucht und ansonsten "kalter Kaffee" - schon deshalb, weil sich Merkel zu Beginn der Krise nicht einer Politik, sondern reinste humanistischer Hilfe verbunden fühlte. Ob das eher richtig oder falsch war, sei dahingestellt.

Die Studie zeigt tatsächlich auf, dass große Teile der Journalisten ihre Berufsrolle verkannt und die Pflicht zur Dokumentation vollkommen verdrängt haben. Mangels einer guten Ausbildung? Oder weil sie sich gefallen ließen, vom rechten Büttel als Mainstreammedien verlacht zu werden?

Beschäftigt man sich jedenfalls näher mit der Studie, fallen heftige Fehlinterpretationen auf. Obwohl gerade die Hamburg Media School genug Erfahrung haben sollte, versagt sie hier in der Analyse auf intellektueller Ebene vollkommen.
Möglicherweise auch deshalb, weil sie aufgrund ihres typischen "Generation RTL II"-Verhaltens selber nicht aufmerksam genug darauf Rücksicht nimmt, dass guter Journalismus in erster Linie gute Dokumentation UND sehr gute Recherche und Prüfung des Wahrheits- und Wahrscheinlichkeitsgehaltes ist.

Ein deutlicher Hinweis auf die Vernachlässigung dieser Ziele ist der Ausrutscher, den sich pikanterweise Absolventen eben jener Schule beim Focus leisteten. Sie berichteten frank und frei als Tatsachenbericht über seit den 20er Jahren bekanntes Seemannsgarn, ohne die kleinste Minimalrecherche: Die Branche hat sich wochenlang köstlich amüsiert: Bildblog

Wie lautet doch das Ergebnis der Studie: "Statt als neutrale Beobachter die Politik und deren Vollzugsorgane kritisch zu begleiten und nachzufragen, übernahm der Informationsjournalismus die Sicht, auch die Losungen der politischen Elite. Die Befunde belegen die große Entfremdung, die zwischen dem etablierten Journalismus und Teilen der Bevölkerung entstanden ist."

Unsinn³. Tatsächlich galt: Statt als neutrale Beobachter der Ereignisse die Reaktionen der Politik und deren Vollzugsorgane zu begleiten und zu hinterfragen, übernahm der Sensationsjournalismus die humane Sicht der hilfswilligen Politik und erfreute sich darüber hinaus an den in schwindende Höhen schießende Auflagen. Er verletzte damit in erster Linie die alte Journalistenregel, dass allzu große menschliche Nähe zu einem journalistischen Gau führen kann. Das viel ihm umso leichter, als große Teile der Bevölkerung die humane "Schnellhilfe" unterstützten und den Pressegau damit weiter beschleunigten: Die Berichterstattung entfernte sich immer weiter von den Fakten und entwickelte ein Eigenleben, dessen ureigenstes Interesse nicht Berichterstattung, sondern Befriedigung der sensationshungrigen Massen war. Selbst der Uni Leipzig bleibt hier der Blick verstellt, möglicherweise weil sie sich nicht eingestehen will, wie sehr durch diese Versäumnisse der Rechtspopulismus besonders im Osten gewachsen ist.

Damit war dieser Journalismus nicht mehr die vierte Macht im Staate, kontrollierte nicht mehr die Politik sondern folgte ohne jedes Pflichtbewusstsein dem Mammon. Und der Presse und der von ihr gefütterte Masse folgte die Politik: Eine Katze, die sich (siehe Pegida und AfD) heftig in den buschigen Schwanz kniff und den Hauptteil der gesellschaftlichen Verantwortung dafür trägt, dass nicht viel früher neben aller humaner Hilfe Logik, Sachverstand und Aufarbeitung der mit der Hilfe verursachten Probleme begonnen wurde.
Ein Manifest einer immer nachlässiger werdenden journalistischen Ausbildung und die Missachtung faktisch aller journalistischen Grundregeln hat hier die Presse an sich ad absurdung geführt.

Wer dieser Argumentation nicht so ganz folgen kann, brauchte sich nur anzusehen, wie hier auf wize.life dazu kommentiert wurde: Obwohl alle professionell beteiligten der Vorgänge bei Politik, Presse und die Bürger der Vernunft sich inzwischen mit Lösungsansätzen und Lösungen der Probleme beschäftigen, wird hier immer noch ideologisch oder aufs schlimmste bösartig gehetzt, vorverurteilt und verleumdet.

Quellen:
https://www.welt.de
https://www.otto-brenner-stiftung.de/
http://www.hamburgmediaschool.com/
https://www.uni-leipzig.de/
Die 'Flüchtlingskrise' in den Medien", AH93 Autor/en: Haller, Michael

3 Kommentare

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Aussterben werden sie nie, eher "sterben" die die es aufrichtig meinen, siehe Udo Ulfkotte, oder Andreas Clauss.
Da sie unterschreiben müssen PRO amerikanisch zu berichten.
Politik geht anders, wie es auch Christoph Hörstel sagt.
Auch der "Silberjunge" spricht über dieses Thema.
MfG
  • 22.07.2017, 22:56 Uhr
  • 1
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Hier wurde ein Kommentar durch den Eigentümer des Inhalts entfernt.
Letzteres ist leider so. Da es aber immer dieselben sind - so ein klägliches Häuflein - habe ich immer noch Hoffnung, dass die bald austerben
  • 20.07.2017, 21:01 Uhr
  • 5
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