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Wahhabismus: Ein radikaler sunnitischer Islamismus

17.08.2017, 19:58 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Wahhabismus: Ein radikaler sunnitischer Islamismus

Der Begründer des Wahhabismus
Der Begründer des Wahhabismus ist Scheich Mohammed Ibn Abdul Wahhab Ibn Sulaiman Ibn Ali Ibn Mohammed Ibn Ahmad Ibn Raschid al-Tamimi, der im Jahre 1703 in Ayina, Saudi-Arabien, geboren wurde.
Er studierte in Bagdad die Rechtsdogmatik von Ahmad Ibn Hanbals, der alle Gesetze aus dem Koran und der Sunna ohne Analogieschluss und Lehrmeinung unverändert übernahm und schrieb daraufhin das Buch der Einheit (Unitarismus), das von der einfachen Natur Gottes und seiner Offenbarung handelt.
Abdul Wahhab beschäftigte sich auch mit den Schriften des aus Syrien stammenden Hanbaliten Ibn Taimiya, der nach dem Zusammenbruch des abbasidischen Kalifats von Bagdad die Khilafa durch das im Koran offenbarte göttliche Gesetz der Scharia ersetzte.
Der Zusammenbruch des Kalifats erfolgte, so Ibn Taimiyas, durch die Einflüsse von Hellenismus und Christentum und durch den Sufismus. Daher kam er zu dem Schluss, die Verkündigung des Propheten von allen äußeren Einflüssen rein zu halten.
Mit der Überzeugung ‚Gott braucht keine Kultstätten, sein Wort hat zu genügen‘ verwüsteten Abdul Wahhab und seine saudischen Beduinen im 19. Jahrhundert in Kerbela die Grabmoschee von Hussein, einem Enkel des Propheten sowie in Mekka die Kaaba und in Medina die Grabmoschee des Propheten, deren Beschützer sie heute sind.
Die Ägypter unter Mohammed Ali und Ibrahim Pascha vertrieben die saudischen Beduinen von der arabischen Halbinsel mit Hilfe der Briten nach Kuweit.
Aus dem kuwaitischen Exil zurück, musste sich Saudi-Arabiens König Abd al-Aziz Ibn Saud gegen rivalisierende Clans, den Ikhwan oder Brüder, durchsetzen, bevor er 1932 das Königreich Saudi-Arabien ausrief.
Für die Wahhabiten ist ihre Interpretation des Islam die einzig wahre.

Auf dem Weg zu einer weltweiten Theokratie
Missionierung durch Organisationen
Mit der Organisation ‚Muslim World League‘ (MWL), versuchen die Wahhabiten mit großem finanziellen Aufwand eine weltweite Anhängerschaft für ihre Staatsreligion zu gewinnen und damit auch die zunehmende Säkularisierung zu bekämpfen.
Die MWL ist mit ihren zahlreichen Tochterorganisationen in wichtigen UN-Organisationen und wird in derzeit 94 Länder durch ca. tausend eifrig missionierende Prediger in sozialen und pädagogischen Einrichtungen, wie Schulen, Kindergärten, Universitäten, Moscheen, Begegnungszentren usw., mit Verweis auf die Scharia vertreten.
Neben dem Bau von Moscheen und islamische Begegnungsstätten soll der MWL auch weltweit Terroristen wie z. B. al-Qaida finanzieren.
Zacarias Moussaoui, ein in den USA inhaftiertes Al-Qaida-Mitglied, berichtet gar, dass das Terrornetz vom September 2001 von Mitgliedern der saudischen Königsfamilie unterstützt worden sei.
Auch der Islamische Staat fand in seinen Anfängen die Unterstützung von reichen Saudis, da seine Wurzeln im Wahhabismus liegen.
Mittlerweile sieht Saudi-Arabien den Islamischen Staat als Feind und befürchtet eine zunehmende Anhängerschaft im eigenen Land, das immer häufiger von Unruhen erschüttert wird.
Der IS kritisiert die pro-westliche und liberale Politik Saudi-Arabiens als Abkehr der ursprünglichen Ideologie und fordert ‚eine Rückkehr zu den wahren Ursprüngen des saudisch-wahhabitischen Projektes‘, so Alastair Crooke, der in Beirut das Conflicts Forum leitet und zuvor Nahostberater der EU war.
Eine weitere Organisation der Wahhabiten ist die ‚Internationale Islamische Hilfsorganisation‘ (IIRO), die sich speziell um Arme, Waisenkinder und die religiöse Ausbildung von Jugendlichen in und aus Somalia, Pakistan, Afghanistan, Jordanien, dem Jemen, Sudan, dem Libanon und Syrien kümmert.
‚Wir konnten mit Gottes Hilfe unsere Aktivitäten ausdehnen, in Saudi-Arabien und im Ausland‘, heißt es.
Die IIRO ist allerdings nicht nur eine humanitäre Organisation: sie stellte unter Osama Bin Laden den Mudschaheddin in Afghanistan ihre Büros zur Verfügung und überließ ihre IIRO-Filiale auf den Philippinen einem Schwager von Bin Laden, der sie als Tarnung für terroristische Aktivitäten benutzte.
Der jetzige König von Saudi-Arabien, Salman ibn Abd al-Asis, soll im Sommer 1998 ein tschetschenisches Militär- und Trainingslager unweit von Riad unter dem Deckmantel der IIRO mit Geld und Waffen unterstützt haben, so Robert Baer, einem ehemaligen CIA-Spion.
Die ‚World Assembly of Muslim Youth‘ (WAMY), von dem Muslimbruder Kamal Helwabi gegründet, hat ihren Sitz in Saudi-Arabien und unterhält 56 Niederlassungen u. a. in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und in den USA.
Die 9/11-US-Untersuchungskommission vermutet Beziehungen zwischen WAMY und den Entführern der Flugzeuge.
Der aus Ägypten stammende und in Katar wohnende Vorsitzende des ‚European Council for Fatwa and Research‘ (ECFR), Scheich Yusuf Abdallah al Qaradawi, führt die europäischen islamischen Gelehrten zusammen, um die Alltagsprobleme für die europäischen Muslime gemäß der Scharia zu regeln.
Der Verfassungsschutz Baden-Württemberg charakterisierte im Jahr 2011 die Organisation wie folgt:
‚Der ECFR sieht sich als Repräsentant der islamischen Welt und vor allem der muslimischen Minderheiten im Westen. Den Verlautbarungen des Rates ist zu entnehmen, dass die Entwicklung eines Islam europäischer Prägung und einer Islam-Auslegung, die sich an demokratischen Werten und dem westlichen Verständnis von Menschenrechten und Selbstbestimmung orientiert, verhindern werden soll.‘
Die Organisationen ECFR und MWL sind organisatorisch und personell eng miteinander verbunden: zwei ECFR-Mitglieder sind auch im religiösen Rat der MWL vertreten.
Die ‚Organisation of Islamic Conferences‘ (OIC) als die weltweit größte Vertretung islamischer Länder will als kollektive Stimme der muslimischen Welt auf dem internationalen Parkett und der Diplomatie eine internationale Organisation sein.
Diese islamische Parallelorganisation zur UNO wird hauptsächlich von Saudi-Arabien finanziert und somit auch ideologisch beeinflusst.
In ihrer ‚Menschenrechtserklärung‘ wird dann auch im wahhabitischen Verständnis die Religionsfreiheit eingeschränkt, die Gleichberechtigung der Frau verneint, und verboten, den Islam zu kritisieren oder ihn auszulegen.

Wahhabitische Moscheen in Europa
Es wird geschätzt, dass in den USA bis zu 80 % der Moscheen unter wahhabitischem Einfluss stehen. Um seinen Einfluss zu vergrößern investiert das saudische Königshaus in Südasien 35 Milliarden Dollar zum Bau von Moscheen und Religionsschulen.
In Genf wurde als erste saudische Moschee die ‚Mosquée du Petit-Saconnex‘ gebaut, ‚um in der UNO-Stadt ihre religiöse und politische Diplomatie zu stärken‘, so Samir Amghar von der Université libre de Bruxelles, spezialisiert auf den Islam in Europa.
Die wahhabitischen Imame der ‚Mosquée du Petit-Saconnex‘ werden, wie bereits der erste wahhabitische Imam, von der MWL, also dem saudischen Königshaus, bezahlt.
Während der ersten Sitzungen der MWL wurden die Einführung der islamischen Strafen gefordert: das Abhacken der Hand eines Diebes, die Steinigung des Ehebrechers, die Bigamie, die Verschleierung der Frau, das Verbot der Gleichstellung von Mann und Frau und die Abschaffung der säkularen Gesetzgebung.
In Basel wollte ein in Wien ansässiges Islaminstitut einen Lehrstuhl für eine Imam-Ausbildung finanzieren. Die Basler Universität lehnte das Angebot ab, nachdem sie feststellten, dass sich hinter den Wiener Investoren ein Institut mit enger Verbindung zu den Muslimbrüdern verbarg, die mit den Wahhabiten ideologisch wesensverwandt sind.
Die Muslimbruderschaft und der Salafismus sind ideologische Zweige des Wahhabismus.
Saudi-Arabien hat die Muslimbruderschaft nicht wegen ideologischer Differenzen als Terrorgruppe eingestuft, sondern aus Angst vor einer Machtübernahme.

Parallel ließ der Außenminister von Saudi-Arabiens verlauten, dass sein Land keine Probleme mit der Muslimbruderschaft habe.

6 Kommentare

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Zuerst klar gestellt: Weder Wahabismus(eine Sekte und Sekten kann man und darf man verbieten!)noch Islam gehört nach Deutschland , gar zu Europa(ausgenommen zu muslimischen Teilen des alten Jugoslavien). Islam ist genau wie Judentum , Hinduismus, Buddhismus etc. eine Minderheitsreligion, welche -wenn nicht staats-und bürgerfeindliche Formen annimmt-toleriert ausgeübt werden sollte.Bei jedwede Gefahr sollte ISLAM unter Kontrolle gestellt und eventuell auch in der öff. Ausübung verboten werden .
  • 19.08.2017, 10:04 Uhr
  • 0
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Erschreckend die Ausbreitung dieses Wahhabismus und was
dahintersteckt. Hier fällt man wieder in die "graue Vorzeit" zurück.
Mich wundert, dass dieser radikale Islamismus fast überall Fuß
fassen kann und nichts dagegen unternommen wird, zumindest
in den europäischen Regionen.
  • 17.08.2017, 20:55 Uhr
  • 2
Hier herrscht Religionsfreiheit und dies wird zur Genüge
von den Islamisten ausgenutzt. Dazu kommt noch die
Aussage: "Der Islam gehört zu Deutschland" !
Die Basler Universität hat zumindest den Anfang gemacht
und einen Lehrstuhl für eine Imamausbildung abgelehnt.
Es ist zu wünschen, dass man auch hier endlich mal
"aufwacht"!
  • 18.08.2017, 09:05 Uhr
  • 3
Das kann ich mir denken,es würde dauern,das
alles zu erörtern,..ich sage dennoch:der Islam gehört nicht
zu uns..auch nicht zu Europa....es sind ganz andere Welten..
  • 19.08.2017, 02:15 Uhr
  • 0
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