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DIE WAHL DER QUAL, von Gerd Quedenbaum

07.09.2017, 17:33 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

DIE WAHL DER QUAL, von Gerd Quedenbaum

Eigentlich heißt es ja die "Qual der Wahl". Man verzeihe bitte die kleine Wortspielerei. Hier wurde das alte Sprichwort umgedreht, um darauf hinzudeuten, daß nicht der Vorgang des Wählens die Qual ist, sondern das Durchackern der Parteiprogramme. Zu sehen, welche Grundrichtung die einzelnen Parteien vertreten; was denn in den Programmen steht - und was nicht drin steht. Ob die Mehrheitspartei letztlich allein regieren kann oder (wie es bei uns ja üblich ist) zwangsläufig koalieren muß, wenn sie regieren will. Koalition heißt geben und nehmen. Hiernach stellt sich dann aber die Kardinalfrage, ob und was denn diese Regierungspartner von ihren eigenen Programmen überhaupt noch durchsetzen können, welche verkündeten Ziele sie zu Gunsten des Partners zurückstecken müssen.

Zu unserer Bundestagswahl stehen sechs dominante Parteien auf der Liste. Das sind die CDU/CSU (Christdemokraten, ), SPD (Sozialdemokraten), Grüne/Bündnis 90,
FDP (Freie Demokraten), Linke (Sozialisten) und die AfD (Aktionsgemeinschaft für Deutschland).
Die Namen der Parteien, das sollte man grundsätzlich wissen, müssen nicht unbedingt mit ihren Zielen zu identifizieren sein. So nennen sich die CDU und CSU zwar beide "christlich", sind aber sehr weit davon entfernt, sich für unser Christentum stark zu machen. - Oder die SPD, die war ursprünglikch und ist immer noch so im Gedächtnis als Partei der Arbeiter. Tatsächlich aber hat die SPD längst ihre ursprünglichen Ziele abgestreift und den Radikalkapitalismus in ihr Kalkül einbezogen. Den Begriff "Sozial" führen alle Parteien in ihren Namen oder Programmen, schon seit ihrer Gründung. Und ob sie nun an der Regierung oder in der Opposition agierten, gemessen an der Zeit seit Gründung der BRD haben sie in sozialen Fragen quasi nichts Wesentliches zustande gebracht.
Der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands entsprang der Gunst der Stunde, die weitere, durchaus glückliche Entwicklung aber war nicht unbedingt das Verdienst der Politik, sondern der technologischen Entwicklung und der Wirtschaft. - Daß die Wiedervereinigung eine Frage der Politik gewesen sei, ist eine Fabel. Sie ist das alleinige Verdienst ehemaligen DDR-Bürger. Man erinnere sich, daß die westdeutsche Politik zum Ende der achtziger Jahre gerade dabei war, sich mit dem (pseudo-) sozialistischen Osten auszusöhnen. - Daß wir in Europa eine so große, inzwischen etwas kleiner gewordene Rolle spielen konnten, das haben
wir dem deutschen Geld und diversen Fehlentscheidungen und -handlungen der Bundesregierungen zu verdanken. - Daß wir in Europa mit unserem Geld so viel fördern konnten, das danken wir dem Umstand unserer vernachlässigten inneren Aufgaben, z.B. an Familien, Bildung, millionenfach einkommensschwache Bürger, die nicht einmal für ihren eigenen Bedarf aufkommen können usw..
In der zweiten Linie, als mögliche Koalitionäre, d.h. als Regierungsgehilfen der zur Wahl anstehenden Parteien, finden sich die Grünen und die FDP. Beide waren bereits wiederholt in Regierung, Koalition und Opposition tätig. Die FDP war zeitweilig über viele Jahre als perlamentarische Mehrheitsbeschafferin verschrien. Bei den Wählern war sie in Ungnade gefallen, inzwischen hat sie sich wieder "etwas" erholt. Diese kleine Partei war mal geliebt und mal gehaßt, wie auch die Grünen. Letztere jedoch erscheinen eher als eine Gruppe in sich zerstrittener Polit-Abenteurer mit viel Aggressivität und überaus bockbeiniger Pseudointellegenz. Es ist die Gruppe der jüngeren Generationen.
Die dritte Linie bilden Linke und die Afd, zwei von Kritikern als extrem behauptete Parteien. Die Linken als vermutete Nachfolger der glücklicherweise untergegangenen SED, sehr auf Sozialpolitik bedacht, aber mehr -wie der Name schon sagt- dem linken Sozialismus zugeneigt. Eine Partei, die es voraussichtlich schwer haben wird, sich zu behaupten - und selbst wenn, es dann immer noch schwer haben wird als möglicher Koalitionär erkannt zu werden. - Die AfD dagegen ist eine neue, klassische Protestpartei, die nach ungebrochener Beschimpfung im Politiker- und Medienspektakel als "extrem rechtsstehend" verleumdet wird. Die pseudo-demokratisch etablierten Parteien (siehe oben) haben die AfD bislang noch nicht als Gesprächspartner anerkannt, müssen sie jedoch ggfs. als wachsende politische Gruppe zur Kenntnis nehmen.

Das mögliche Ergebnis der anstehenden Bundestagswahlen steht noch in den Sternen. Man hat bereits viel diskutiert, jongliert und spekuliert. Nach allgemeiner Auffassung wird es wohl kaum eine Partei mit absoluter Mehrheit geben, sodaß die auch eine Mehrheitspartei jedenfalls koalieren muß - aber mit wem ?
Die große Koalition CDU/CSU mit SPD haben wir ja. Ob diese segensreich für Deutschland gearbeitet hat, läßt sich an der verbreiteten politischen Unzufriedenheit im Lande ablesen. Die Stimmung ist anscheinend vorherrschend negativ. Nun soll hier allerdings nicht spekuliert werden und Ratschläge zu geben verbietet die Wahlfreiheit. So mag also jeder für sich entscheiden, was er wählen möchte. Nur e i n extremes Koalitionsbeispiel soll hier angesprochen werden, um die Problematik der richtigen Wahl zu verdeutlichen:
CDU/CSU bezeichnen sich als Partei der Mitte, d.h. zwischen links und rechts. Dieses "christliche" Bündnis hat sich tendenziös dem Radikalkapitalismus verschrieben, ist europäischer als Europa, betreibt im Regierungsgeschäft eine ruinöse Haushaltspolitik, betreibt damit Klassenpolitik, weil es den Habenden gibt und den Nichthabenden fortgesetzt nimmt. In derenWahlprogramm wird unter anderem, Wohlstand sichern und ausbauen, Familien entlasten und Kinder fördern, innere Sicherheit gewährleisten pp. Nur haben CDU/CSU gerade diese Programmpounkte in den vergangenen Jahrzehnten sträflich vernachlässigt. Sie haben die Familienpolitik und eine ganze Reihe weiterer Ressorts benachteiligt, haben seit über fünfzig Jahren die Bildungs- und Erziehungspolitik zum Nachteil unserer Kinder torpediert. Das aber insbesondere zum Nachteil der nachwuchsarmen Wirtschaft. Sie haben die Grundlagen unserer mitteleuro- päischen Kultur, darunter die Familienpolitik regelrecht verhunzt
Und nun tendiert diese Partei zu einer Koalition mit den Grünen. Das ist Zynismus in Reinkultur.
Die Grünen haben ihr lautes Wahlprogramm ausgerichtet insbesondere auf Umweltschutz, Ökologie und Soziales natürlich. Was weniger laut angesprochen wird ist die mögliche Koalition mit der CDU/CSU. Das hat seinen Grund. Wo man in den Bundesländern bereits koaliert oder zusammenarbeitet, haben sich die Grünen bereits behauptet mit dem, was sie in ihren Programmen herunter spielen. Die harte Politik gegen unsere Kinder und Familien. Sie kämpfen für die Durchsetzung der gleichgeschlechtlichen Ehe, sie kämpfen gegen die Familie, sie kämpfen für Gender, sie kämpfen für die Frühsexualisierung unserer Kinder, sie kämpfen für den fortgesetzten Niveauverlust in Bildung und Erziehung.
CDU/CSU und Grüne sind programmatisch zwei Extreme, die jedoch tendenziös nach einer Regierungsehe streben, sozusagen "koste es was es wolle". Um des Machterhalts willen sind sie geneigt, sich -wenn es ggfs. sein soll- auch mit dem Teufel einzulassen. Hauptsache man ist an der Macht.
Wäre eine derartige Koalition akzeptabel ? -
Der Wähler hat das Wort ! -

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10 Kommentare

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Sehr gut aufgelistet und nun müssen wir die "richtigen" wählen.
  • 08.09.2017, 19:18 Uhr
  • 1
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Eine gute Zusammenfassung. Danke.
  • 08.09.2017, 11:08 Uhr
  • 1
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Christoph Hörstel hat uns was zu sagen.
Andreas Clauss und Udo Ulfkotte ebenfalls, beide leider schon Tot.
MfG
  • 07.09.2017, 23:12 Uhr
  • 1
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Was heißt da 'Qual der Wahl'? Wer Zeitung liest, sonntags den Presseclub bei ARD schaut, im Netz verfügbare Berichte (z. B. unter www.sz.de) studiert, etc., der weiß, wen er wählen muss und braucht keine Zeit zum Überlegen.
  • 07.09.2017, 21:02 Uhr
  • 1
sehr geistreich !
  • 08.09.2017, 11:36 Uhr
  • 1
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Daumen hoch, lieber Gerd Quedenbaum.... - ein toller Beitrag - ich würde sagen: die CDU/CSU und Grün? Niemals...., wird auch nicht soweit kommen, ich denke die Grünen können froh sein, wenn sie "drin" bleiben - das sieht man an den letzten Landtagswahlen, wie z.B in NRW....
  • 07.09.2017, 20:03 Uhr
  • 2
Vielen Dank, Angelika M.
Die "Grünen/Bündnis 90" werden wohl mehr von den jüngeren Generationen gewählt. Bei denen ist allerdings eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber der Politik zu verzeichnen. Also wird man wohl das noch sehr unsichere Wahlergebnis abwarten müssen.
Die Partei hat sich strichweise in der BRD ziemlichen Ärger eingehandelt, aber dennoch keines ihrer umstrittenen Ziele aufgegeben oder aufgeben müssen. Die CDU dort leistete sogar Beistand.
Falls die Grünen bleiben, möglicherweise hier oder dort als Koalitionspartner erwünscht sind, werden wohl die Parteitage bei CDU und CSU entscheiden müssen.
Immerhin haben ein paar von den "Christdemokraten" dominierte Länder ihr Wohlsein mit dem Grünen signalisiert,
zuletzt sehr deutlich der neue Schleswig-Holsteinische MP.
  • 08.09.2017, 15:08 Uhr
  • 0
danke wize.life-Nutzer, ich hab Deinen Beitrag sehr intensiv gelesen und denke, dass Du recht haben könntest..., wobei ich junge Menschen kenne... die niemals grün wählen würden.., das sind Menschen, die in Krankenhäusern und Kliniken arbeiten.....
- schwarz/grün kann niemals funktionieren.., wird aber in meinen Augen gar nicht so weit kommen...., grün sollte froh sein, wenn sie die 5 %Hürde überspringt....
  • 08.09.2017, 20:27 Uhr
  • 0
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