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Gedankenspiel: Steuererleichterungen in der Praxis

Gedankenspiel: Steuererleichterungen in der Praxis

12.09.2017, 16:47 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Es waren einmal 10 Männer, die jeden Tag miteinander zum Essen gingen und die Rechnung für alle zusammen betrug jeden Tag genau 100,00 Euro.
Die Gäste zahlten ihre Rechnung - wie wir unsere Steuern - und das sah ungefähr so aus:
Vier Gäste (die Ärmsten) zahlten nichts.
Der fünfte Gast zahlte 1,00 Euro.
Der sechste zahlte 3,00 Euro.
Der siebte zahlte 7,00 Euro.
Der achte zahlte 12,00 Euro.
Der neunte zahlte 18,00 Euro.
Der zehnte (der Reichste) zahlte 59 Euro.
Das ging eine ganze Zeitlang gut. Jeden Tag kamen sie zum Essen und alle waren zufrieden. Bis der Wirt Unruhe in das Arrangement brachte indem er vorschlug, den Preis für das Essen um 20 Euro zu reduzieren. "Weil alle so gute Gäste sind!" Wie nett von ihm!
Jetzt kostete das Essen für die 10 nur noch 80,00 Euro, aber die Gruppe wollte unbedingt beibehalten so zu bezahlen, wie wir besteuert werden. Dabei änderte sich für die ersten vier nichts, sie aßen weiterhin kostenlos.
Wie sah es aber mit den restlichen sechs aus? Wie konnten sie die 20 Euro Ersparnis so aufteilen, dass jeder etwas davon hatte?
Die sechs stellten fest, dass 20,00 Euro geteilt durch sechs Zahler 3,33 Euro ergibt. Aber wenn sie das von den einzelnen Teilen abziehen würden, bekämen der fünfte und der sechste Gast noch Geld dafür, dass sie überhaupt zum Essen gehen.
Also schlug der Wirt vor, dass jeder ungefähr prozentual so viel weniger zahlen sollte wie er insgesamt beisteuere. Er setzte sich also hin und begann dies für seine Gäste auszurechnen.
Heraus kam folgendes:
Der fünfte Gast, ebenso wie die ersten vier, zahlte ab sofort nichts mehr (100 % Ersparnis).
Der sechste zahlte 2,00 Euro statt 3,00 Euro (33 % Ersparnis).
Der siebte zahlte 5 statt 7 Euro (28 % Ersparnis).
Der achte zahlte 9 statt 12 Euro (25 % Ersparnis).
Der neunte zahlte 14 statt 18 Euro (22 % Ersparnis).
Und der zehnte (der Reichste) zahlte 49 statt 59 Euro (16 % Ersparnis).
Jeder der sechs kam günstiger weg als vorher und die ersten vier aßen immer noch kostenlos.
Aber als sie vor der Wirtschaft noch mal nachrechneten, war das alles doch nicht so ideal wie sie dachten.
"Ich hab' nur 1 Euro von den 20 Euro bekommen!" sagte der sechste Gast und zeigte auf den zehnten Gast, den Reichen. "Aber er bekommt 10 Euro!"
"Stimmt!" rief der fünfte. "Ich hab' nur einen Euro gespart und er spart sich zehnmal so viel wie ich."
"Wie wahr!!" rief der siebte. "Warum bekommt er 10 Euro zurück und ich nur 2 Euro? Alles kriegen wieder die Reichen!"
"Moment mal," riefen da die ersten vier aus einem Munde. "Wir haben überhaupt nichts bekommen. Das System beutet die Ärmsten aus!!"
Und wie aus heiterem Himmel gingen die neun gemeinsam auf den zehnten los und verprügelten ihn.
Am nächsten Abend tauchte der zehnte Gast nicht zum Essen auf. Also setzten die übrigen 9 sich zusammen und aßen ohne ihn.
Aber als es an der Zeit war die Rechnung zu bezahlen, stellten sie etwas Außerordentliches fest:
Alle zusammen hatten nicht genügend Geld um auch nur die Hälfte der Rechnung bezahlen zu können! Und wenn sie nicht verhungert sind, wundern sie sich noch heute.
Und so, liebe Steuerzahler, funktioniert unser Steuersystem:
Die Menschen, die hier die höchsten Steuern zahlen, haben auch die größten Vorteile einer Steuererleichterung. Wenn Sie aber zu viel zahlen müssen, kann es passieren, dass sie einfach nicht mehr am Tisch erscheinen (in der Schweiz und in der Karibik gibt es auch ganz tolle Restaurants). Und alleine können die anderen die Rechnung nicht bezahlen.

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21 Kommentare

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Danke!
  • 12.09.2017, 19:54 Uhr
  • 1
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Oha, eine Rechnung von einem Waldorfschüler. Vielleicht aber auch aus der Parteizentrale der FDP, die haben ja alle die Befürchtung daß wenn man von denen 1 % mehr haben will, die sofort das Land verlassen. Der Fehler ist aber im Gedanken, denn die, welche das Vermögen haben, versteuern gar nicht hier sondern in Steueroasen. Arbeitnehmer, Handwerker und die Mittelschicht der Familienbetriebe versteuern hier und diese Gruppen werden immer ärmer. Der Zehnte sitzt schon lange nicht mehr mit uns am Tisch in den Tafeln sondern im Briefkasten in Luxemburg oder auf den Bahamas, bei denen kostet ein Nachmittagstrip mit der Jacht mehr als 10 Arbeiter im Monat verdienen. Perverse Welt!
  • 12.09.2017, 19:17 Uhr
  • 7
Jürgen ich bin auch der Meinung, dass die Mittelschicht die Säulen unserer Gesellschaft sind. Und die großen Konzerne sich geschickt (aber im Rahmen der Gesetze) um Steuerzahlungen drücken können.
"Arbeitnehmer, Handwerker und die Mittelschicht der Familienbetriebe versteuern hier und diese Gruppen werden immer ärmer" und trotz allem gibt es Gruppen (siehe den G20 Gipfel) die keinen Respekt vor fremden Eigentum haben und in ihrer Zerstörungswut gerade die vorgenannte Mittelschicht schädigen, die in ihren Augen zu den Kapitalisten gehören.
  • 12.09.2017, 22:25 Uhr
  • 1
Richtig, Linke und Grüne Phantasten
  • 13.09.2017, 16:23 Uhr
  • 3
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Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können.
  • 12.09.2017, 19:14 Uhr
  • 3
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"Wenn Sie aber zu viel zahlen müssen, kann es passieren, dass sie einfach nicht mehr am Tisch erscheinen ("
so ist es, und ich insinuiere, daß zu denen, die nicht mehr am Tisch erscheinen vermutlich alle 4,4 Millionen Hartz4- Bezieher gehören ...
die wandern ab, aber nicht in die Schweiz oder Karibik, sondern zu den Tafeln ...
so funktioniert die (un-) soziale Marktwirtschaft ... wenige haben viel, viele haben nichts, außer vielleicht Schulden ...
  • 12.09.2017, 18:08 Uhr
  • 3
Die Hartz4-Bezieher sind in dieser Geschichte die 4 Ärmsten die nichts bezahlen müssen.

Ich muss mir zu meiner Rente noch etwas hinzu verdienen und bei meinen 1.085,31 € brutto werden keine Steuern fällig, sondern nur Krankenversicherung und Pflegeversicherung i.H.v. 106,09 €.

Demnach zahlen die unteren Einkommen (der Arme) keine Steuern.
  • 12.09.2017, 22:28 Uhr
  • 1
Selbst wenn sie Steuern zahlen müssten, so ist der Betrag zur Aufstockung um vieles höher. Siehe dazu Vergleich Mindestlohn oder Leihahrbeit, auch da muss aufgestockt werden. Der Staat übernimmt somit die Pflicht der Unternehmen, Löhne zu zahlen, die auch zum Leben reichen.
  • 12.09.2017, 23:03 Uhr
  • 3
@Carina,
"Ich muss mir zu meiner Rente noch etwas hinzu verdienen und bei meinen 1.085,31 € brutto werden keine Steuern fällig,"
ich sprach von Hartz4-Bezieher, oder um es auf deine Situation als Rentnerin deutlich zumachen, von Menschen die Grundsicherung beantragen müssen, da ihre Rente zum Überleben nicht reicht.
Die Grundsicherung, d.h. auch Hartz4, beträgt zur Zeit etwas mehr als 700.- €
Deine Rente liegt über 380.- € über dem was jemand der Grusi bekommt.!

"Demnach zahlen die unteren Einkommen (der Arme) keine Steuern."
hm ...
gehen wir mal von einem, der vom Mindestlohn leben muß aus.
Er verdient be einer 40 Stundenwoche etwa 1530.- € brutto im Monat.
Von diesen 1530.- werden dann noch Steuern und Sozialabgaben fällig. Netto bekommt er 1116.- €!
insoweit ist klar, daß auch die Ärmsten der Armen Steuern zahlen müssen ...
übrigens, wer 2005 oder früher in Rente ging, der muß 50% seiner Rente versteuern ...
ab 2017 sind es bereits 74% ...
merkst du was?
  • 13.09.2017, 02:49 Uhr
  • 0
Wenn aber große Arbeitgeber ihren Firmensitz ins Ausland verlegen und hier Arbeitsplätze abgebaut werden. Was dann? Wenn Arbeitsplätze weg fallen, ist auch kein Geld mehr da um eine Unterstützung (gleich wie) zahlen zu können.
Aber macht ja nichts, es kann ja Geld gedruckt werden.

Ich bin 2011 mit 67 in Rente gegangen und meine Rente wird auch nicht versteuert. Dafür muss ich dann eine EK-Erklärung abgeben.

Im übrigen muss ich noch dazu sagen: Ich habe mein ganzes Leben gearbeitet und 2 Kinder groß gezogen. Das meine Rente so niedrig ausfällt habe ich der Tatsache zu verdanken, dass ich 15 Jahre (in erster Ehe) im Geschäft meines Mannes - ohne Entlohnung - gearbeitet habe.
Und jetzt sag nicht ich sei dumm gewesen.
Das Geschäft hat sich gerade selbst getragen und wir konnten keine großen Sprünge machen.
  • 13.09.2017, 08:42 Uhr
  • 0
". Das meine Rente so niedrig ausfällt habe ich der Tatsache zu verdanken, dass ich 15 Jahre (in erster Ehe) im Geschäft meines Mannes - ohne Entlohnung - gearbeitet habe."
Wie, niedrig?
Ab 2030, wenn die "Segnungen" der Agenda 2010 voll zuschlagen, werden mindestens 40% der dann in Rente gehenden Arbeiter, einen so geringen Rentenanspruch haben, daß sie Grundsicherung bekommen, damit ihre Rente auf Hart4-Niveau angehoben wird!
Harz4-Niveau heißt, sie bekommen etwa 380.- €WENIGER als du!
Anders gesagt, den heutigen Rentnern geht es sehr gut ... aber jene, die ab 2030 in Rente gehen, können sich einen Strick nehmen und erschießen ...
  • 13.09.2017, 09:42 Uhr
  • 1
Tommy B woher hast du diese Zahl 40% bezogen auf Arbeiter?
  • 13.09.2017, 09:46 Uhr
  • 0
"Grundsicherung nach 38 Jahren Arbeit
Regierungsdaten zeigen: Jeder zweite Beschäftigte muss mit Armutsrente rechnen"
Quelle: http://www.focus.de/finanzen/altersv...401121.html
  • 13.09.2017, 09:49 Uhr
  • 1
HartzIV -Bezieher erhalten aber auch die Miete. Stehen also oft besser da als diejenigen, die grad über der Armutsgrenze liegen. Und wenn man der "Pech" hat in einer vom Tourismus bevorzugten Gegend oder in der Nähe einer Uni zu wohnen, dann sind Kaltmieten von 10 Euro/qm fast normal. Macht bei einer kleinen 40 qm-Wohnung 400 Euro kalt im Monat. Nebenkosten, Telefon, Fernstehen nochmals rund 250. Und wer rechnen kann, sieht was dann noch zu Leben bleibt. Da ist nicht mal eine kleine Busreise oder ein Theaterbesuch drin. Und ich denke, dieses Ausgegrenztsein macht erst wirklich arm.
  • 13.09.2017, 09:53 Uhr
  • 2
Tommy B. danke, aber soweit ich das beurteilen kann nach kurz Überfliegen, bezieht sich der Artikel bzw. die Daten auf Durchschnittswerte rentenversicherungspflichtig Beschäftigter, nicht explizit auf Arbeiter. Zumindest Industriearbeiter liegen oft mit ihrem brt. deutlich über 2300 € (IG Metall, IG Chemie oä. im Rücken). Das soll natürlich das Problem bei vielen schlecht bezahlten Berufen nicht mindern, das besteht zweifelsfrei (Verkäuferinnen, Friseurinnen, Paketboten , Altenpflege usw.)
  • 13.09.2017, 10:00 Uhr
  • 1
du meinst, die Zahlen stimmen nicht?
"Wer heute weniger als 2500 Euro verdient, dem droht Altersarmut
Die neue Renten-Schock-Tabelle
Ministerin von der Leyen: Legitimität des Rentensystems in Gefahr"
Quelle: http://www.bild.de/geld/wirtschaft/w...2.bild.html
  • 13.09.2017, 10:02 Uhr
  • 0
Das habe ich nicht behauptet. Aber sie gehen nicht so aus dem Artikel hervor, wie du schriebst, sind aber dennoch besorgniserregend und im Ergebnis sind 40% der gesetzlich rentenversichert Beschäftigten betroffen bei durchschnittlich 38 Beitragsjahren. Mich störte der Bezug auf Arbeiter. -- Es ist ja nicht mal nur ein problem bei Rentenversicherten, sondern auch bei vielen Selbständigen und Beamten der utneren Dienstgruppen, dass Altersarmut droht. Die Dimension ist also insgesamt eher noch größer, 47 Jahre und plus zu arbeiten und das möglichst Vollzeit dürfte wohl meistens unrealistisch sein.
  • 13.09.2017, 10:16 Uhr
  • 1
Machen wir uns nicht verrückt, wenigstens haben unsere Politiker ausgesorgt und davon gibt es mehr als genug.
deren Altersversorgung ist in stattlicher (und staatlicher) Höhe sicher.
  • 13.09.2017, 10:33 Uhr
  • 1
Tommy: Einen Strick nehmen oder erschiessen? Soweit wird es nicht kommen, denn das Rentenalter wird soweit angehoben werden, dass man - noch bevor man in den Genuss der Rente kommt - bereits "ins Gras beißt".
  • 13.09.2017, 10:36 Uhr
  • 2
Ich frage mich oft, wie das gehen soll. Ich habe mit 63 durch Umstrukturierung meiner Firma meinen Arbeitsplatz verloren und konnte mich zum Glück mit dem ALG bis zur Rente retten. Ich arbeitete in einem Steuerbüro - und war froh, als das vorbei war. So ging es allen Älteren in dieser Branche. Die Steuergesetze änderten sich andauernd und die Computerprogramme kamen oft nicht nach und wurden immer komplizierter. Da musste man fast schon Informatiker sein, um damit zurecht zu kommen. Überall wurde die Zeiterfassung eingeführt, d. h. man wurde mittels PC kontrolliert, wie lange man für eine Arbeit brauchte. Besser ist das doch nirgendwo geworden. Immer schneller arbeiten, immer mehr Druck, Erreichbarkeit auch in der Freizeit.....
Ich denke, das wird unserer Gesellschaft mal ganz schön um die Ohren fliegen: Es werden sich nicht nur die Friedhöfe füllen sondern auch und vor allem die Kliniken für Psychosomatik und Psychiatrie.
  • 13.09.2017, 12:19 Uhr
  • 2
Heidi, das kenne ich auch genau wie von Dir beschrieben.
  • 13.09.2017, 12:32 Uhr
  • 0
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