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Zum AfD Boom in meiner Heimat,  Bayerischer Wald

Zum AfD Boom in meiner Heimat, Bayerischer Wald

Thomas Bily
25.09.2017, 13:00 Uhr
Beitrag von Thomas Bily

Bundestagswahl 2017: In vielen Wahlkreisen des Bayerischen Waldes hat die AfD 20% und mehr erzielt. Das mag manche Aussenstehenden wundern. Aber wenn man näher dran ist, lässt sich das Ergebnis leicht erklären.

Wählen, wo andere Urlaub machen

Erst am Wahl-Wochenende war ich wieder im wunderschönen Bayerischen Wald. Seit meiner Kindheit haben sich erhebliche Änderungen eingeschlichen. Die Straßen sind geteert, Strom und fließendes Wasser gehören in den allermeisten Haushalten zur Grundausstattung und nicht wenige Häuser schmücken sich mit einem Carport oder einer Doppelgarage. Die Arbeitslosenquote im meinem Heimat-Landkreis Regen lag im Juni bei unter 3%, was landläufig als Vollbeschäftigung bezeichnet wird. Das verfügbare Einkommen in Niederbayern ist zwischen 2004 und 2014 um 25,1% gestiegen - das ist der stärkste Anstieg aller Regierungsbezirke in Bayern. Die Bevölkerungsdichte liegt bei überschaubaren 80 Einwohnern pro Quadratkilometer. Gedränge herrscht, wenn überhaupt, zu Gastspielen des FC Bayern bei einem der hiesigen Fanclubs.

Zwangsläufig unzufrieden

Jahrzehntelang konnte man sich auf die kirchennahe CSU samt Parteiorgan Passauer Neue Presse blind verlassen. Doch seit 2015 sind die Flanken und die Grenzen ein Stück zu weit offen - zumindest nach dem Geschmack der weltoffenen, weit gereisten AfD Wähler, die genau wissen, dass es woanders gar nicht so schlimm ist, wie alle immer sagen. Und wenn schon: dann ist das noch lange kein Grund, dass unser Wald herhalten muss.
Jawoll! Das ohnehin harte Schicksal der Bayerwaldler wurde in letzter Zeit noch stärker strapaziert durch einen enormen Zuzug von Flüchtlingen. 10 Flüchtlinge pro 1.000 Einwohner muss beispielsweise der Landkreis Regen verarbeiten. Bei 80 Einwohnern pro Quadratkilometer bedeutet dies, dass man auf 12 Quadratkilometern (6 x 2 km) im Schnitt mit einem Flüchtling rechnen muss. Gut, nicht alle davon sind verschleiert und Muslime. Aber keiner weiß, wie viele noch kommen über die unsicheren Grenzen aus Italien. Da kann´s schnell mal eng werden.
Und das in einer Zeit, in der eh schon kaum Arbeit da ist für alle. Wenn alle Flüchtlinge arbeiten dürfen würden, dann sprangat (niederbayerischer Konjunktiv "spränge") die AL-Quote schnell auf 2,9%. Dabei wären die zahlreichen Gastpfarrer aus Indien nicht eingerechnet.

Angst vorm schwarzen Mann

Viele Menschen im Woid haben eine abstrakte Angst vor Bedrohungen, die es gar nicht gibt. Diese Angst lenkt sie gleichzeitig davon ab, zu realisieren, wie gut es ihnen eigentlich geht. Sie steigern sich in einen Rausch von sachlich nicht haltbaren Argumenten und am Ende mündet das in einen Riesenpfurz im Wahllokal. Der stinkt ihnen dann selber, zwei Tage später. Aber das ist immer so, wenn Kurzsichtige agieren. Da hört man danach oft: "Das hab ich ja gar nicht so gemeint".
Das Versäumnis der Regierenden liegt vor allem darin, zu wenige konkrete Argumente vorgebracht zu haben und zu wenig Entschlossenheit gezeigt zu haben. Allein mit Aussagen wie: "Wir schaffen das" oder Feigenblatt-Diskussionen um Obergrenzen oder Grenzkontrollen kann man enttäuschte, verbitterte und verängstigte Wähler nicht überzeugen. So blöd sind sie auch wieder nicht.

Lesetips:

Hier geht es zu Wahlergebnissen nach Gemeinden

Ein Erklärungsversuch auf sueddeutsche.de

Vor-Ort-Auskenner: "Da Hog´n, das Online Magazin ausm Woid" über AfD Wähler im Bayerischen Wald

11 Kommentare

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Ich habe einen super Beitrag gefunden. Frage mich aber, warum er erst jetzt, nach der Wahl, veröffentlicht wird.
http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-0...fgabenliste
  • 26.09.2017, 10:47 Uhr
  • 0
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Die Region im Bayrischen Wald war doch eine wirklich gebeutelte, arme Gegend und seine Menschen hart arbeitend.
Und genau betrachtet ist die neuere Zeit in der es ein soziales Netz gibt wie wir es kennen nur einen Wimpernschlag von einer Zeit entfernt in der eine "Zuzugskontrolle" (so nannte man das damals)lebensnotwendig für eine Dorfgemeinschaft war.

Bürger einer Gemeinde zu sein, das bedeutete noch bis in die Tage unserer Großväter in vielem spürbar, daß man Teil einer Dorfgemeinschaft war.
Man konnte sich in Schwierigkeiten und in Not in ihr betreut und versorgt sehen, hatte aber ebenso auch selbst für die anderen, für die Gemeinschaft da zu sein. Ein anonymes soziales Netz von Staats wegen war erst im Entstehen. Gesundheitsfürsorge und soziale Betreuung hatten die Gemeinden für ihre Bürger aus sich selbst sicherzustellen. Diese Belastungen in Grenzen zu halten und zu kontrollieren war ein verständliches anliegen aller. Kaum etwas haben die Gemeinden so sorgsam überwacht wie den Zuzug in ihren Ort. Über eine "Ansäßigmachung" wurde nur von der Gesamtgemeinde, also in Anwesenheit aller Stimmberechtigten verhandelt und entschieden und zwar noch dem Gesichtspunkt, ob der Bewerber
"..eine Familie für die Dauer zu ernähren vermögend ist" und "oder ob er hier den gehofften Verdienst finden kann".
Völlig aussichtslos war es, im Dorf aufgenommen zu werden, wenn eine Versorgung weiterer Angehöriger nicht gesichert war.
(Auszug aus einer Ortschronik von H. Winkler)

So oder so ähnlich dürfte es in allen Gemeinden Bayerns gelaufen sein 1850 - 19.....
So ist das Misstrauen und die Vorsicht Fremden gegenüber sicherlich von Generation zu Generation weiter gegeben worden, bewusst oder auch unbewusst und die Weltoffenheit mag sich dort schwerer durch setzen als in den großen Städten die schon immer mit viel Zuzug gelebt haben, aber die auch keine füreinander sorgende Gemeinschaft gelebt haben. Wer sich dort nicht mehr versorgen konnte ist halt einfach verhungert.
"Bis in die Tage unserer Großväter spürbar" .. und unsere Großväter waren doch auch noch prägend für Menschen unserer Generation. Das darf man nicht einfach so außer acht lassen, wenn man das Verhalten von Menschen versucht nachzuvollziehen, denn ein Verhalten wird immer von vielen verschiedenen Aspekten geprägt und genau deshalb sollte man es auch immer aus mehreren Blickwinkeln beleuchten, will man sich ein Urteil bilden.
Der Beitrag ist humorvoll geschrieben und ich musste schmunzeln, auch wenn er einen ernsten Hintergrund hat. Läd er schnell den Leser dazu ein sich ein bisschen über die sturen misstrauischen und offensichtlich etwas zurück gebliebenen Waidler lustig zu machen.
Deshalb möchte ich an der Stelle für sie ein setzen und ein wenig um Verständnis bitten ob ihrer Handlungsweise, denn auch ich habe einen Teil meiner Wurzeln dort und liebe diesen Menschenschlag wie seine wundervolle Region mit diesem einzigarten Duft nach Wald, Holz, Wiesen, Moos wie man ihn nur dort finden kann.

Und wenn sie mal Zeit haben, dann schauen sie sich doch diesen erstklassigen Film an wenn sie ihn noch nicht kennen, vielleicht entdecken sie darin auch noch, genau wie ich, ein paar Relikte aus ihrer Kindheit. Dann werden sie merken, dass die Vergangenheit gar nicht so weit zurück liegt wie wir manchmal glauben.

  • 25.09.2017, 23:40 Uhr
  • 2
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  • 25.09.2017, 20:33 Uhr
  • 0
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1% Flüchtlinge - nur zu verständlich dass der Wähler angesichts einer derartigen Masseneinwanderung um seine Pfründe, seine Madeln und sein Leben fürchten muss. Wie gut, dass die AfD in mühevoller Kleinarbeit hier Aufklärung betrieben hat.
(Ironie off)
  • 25.09.2017, 16:47 Uhr
  • 3
Da lob ich mir die Verhältnisse in einer 10 000 Einwohner Vorstadt in der Nähe von Saarbrücken.
wenn Sie nachmittags durch die Hauptstrasse schlendern sieht man garantiert mehr als 50 % der Leute ihre islamische Herkunft an.
Na, dass ist doch was.
  • 25.09.2017, 18:36 Uhr
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Übrigens

Eine Salafisten-Szene gibt auch. Die wird vom Verfassungsschutz beobachtet.
Kürzlich haben sie ein leerstehendes ehemaliges Postgebäude direkt im Stadtzentrum gekauft. Geldgeber aus Kuweit. Das Gebäude wird zu einer Großmoschee umgebaut, und soll in Zukunft Zulaufstelle für Salafisten aus dem ganzen Saarland werden.
Es gab wochenlange heftige Bürgerproteste.
Am Ende gab es eine öffentliche Versammlung in der den interressierten Bürgern Erklärungen gegeben wurde.
Der Vertreter des Verfassungsschutzes gab an, dass bisher noch nichts "Verwertbares" gegen die Salafisten gefunden wurde. Er stellte quasi einen "Persilschein" aus.
Darauf war die Diskussion beendet.
Nach dem Motto: "alles im Griff auf dem sinkenden Schiff"

Na dann
  • 25.09.2017, 18:48 Uhr
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O'zapft is! - Himmisakra!
  • 25.09.2017, 16:47 Uhr
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Oh, wie der eine hier sagen würde, alles Rassisten diese Wähler.
  • 25.09.2017, 15:53 Uhr
  • 2
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.... ohne Kommentar: Die CSU hat 10 % verloren!
  • 25.09.2017, 15:32 Uhr
  • 2
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Ja, an der Not kann es nicht liegen
  • 25.09.2017, 13:54 Uhr
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  • 25.09.2017, 13:19 Uhr
  • 0
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