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Ist ein Rentenkonto für alle die Lösung?

Ist ein Rentenkonto für alle die Lösung?

Helmut Achatz
05.10.2017, 12:11 Uhr
Beitrag von Helmut Achatz

Kennen Sie die Höhe Ihrer Rente? Wenn nein, sind Sie in guter Gesellschaft, denn laut Bankenverband kennen zwei von drei Deutschen ihre Rente nicht. Da wäre es doch toll, wenn es ein „Rentenkonto“ für jeden Bürger gäbe. Aber wie realistisch ist ein solches Rentenkonto für alle? In so einem Rentenkonto sollte detailliert drinstehen, wie viel jeder an Altersvorsorgeansprüche zu erwarten hat.

Wer will ein Rentenkonto?


Wer will denn so was? Nun, es gibt einige Befürworter für eine solche übergreifende Infoplattform, in der alles zusammengefasst sein könnte, was der einzelne Bürger wissen muss, um einschätzen zu können, was er im Alter an Versorgungsansprüchen zu erwarten hat. Da ist zum einen der Bankenverband, dann natürlich die Deutsche Renten Information – und nicht zuletzt Peter Altmaier, noch Kanzleramtsminister und übergangsweise sogar Finanzminister. Auch das Deutsche Institut für Altersvorsorge spricht sich dafür aus.

Die Deutsche Renten Information hätte gern von der Bundesregierung, dass sie eine Infoplattform zum Thema Altersvorsorge einführt, weil die überwiegende Mehrheit der Deutschen keinen Überblick über ihre Rente beziehungsweise ihre Ansprüche in Sachen Vorsorge habe. Dabei verweist der Verein auf eine Studie der Frankfurter Goethe-Universität. Vorstandsvorsitzender Professor Andreas Hackethal, der gleichzeitig Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Goethe Universität Frankfurt ist, weiß sehr wohl, dass es in Deutschland in punkto Altersvorsorge einen Paradigmenwechsel braucht. Altmaier unterstützt dieses Begehren und will, dass Bürger auf einen Blick eine Übersicht über ihre Rente bekommen.

Vorsicht vor staatlicher Fürsorge


Klingt aufs Erste plausibel und löblich. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zitiert Altmaier mit den Worten, dass „durch die Einführung eines digitalen Bürgerportals künftig sichergestellt werden soll, dass alle Verwaltungsdienstleistungen deutschlandweit elektronisch verfügbar sind“, so sein hehrer Ansatz. Gleichzeitig müsse ein solches Portal den Bürgern den Zugang zu einer unabhängigen Plattform bieten, die alle Ansprüche aus gesetzlicher Rente, Betriebsrente und privater Vorsorge sicher, einfach und übersichtlich zusammenfasst. Damit solle, so Altmaiers Argument, nachvollziehbar sein, „welche Anwartschaften der Bürger in den verschiedenen Säulen der Altersversicherung angespart hat“.

Wie gesagt, klingt fürsorglich. Nur, wem nützt eine solche Information? Dem Bürger oder dem Staat? Cui bono – wem nützt ein solches Rentenkonto? Wirklich dem Bürger – oder nicht doch eher dem Staat. Dank eines solchen Rentenkontos kann der Staat dann viel besser abschätzen, wo er den Bürger noch schröpfen kann, denn dann liegen ja die ganzen Vermögensverhältnisse des Bürger offen – und für den Staat vergleichsweise bequem erreichbar.

Skepsis ist angebracht


Woher diese Skepsis? Dem Staat ist nicht zu trauen, das hat die Doppelverbeitragung von Direktversicherungen bewiesen. Die Lebensversicherer werden vom Staat gezwungen, jeden Cent an die Krankenversicherung zu melden, den ein Bürger im Laufe seines Lebens über eine Direktversicherung angespart hat. Diese Information ist für Staat und Sozialversicherung Milliarden wert, denn der Besitzer einer Direktversicherung zahlt bei Rentenbeginn den Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil plus Pflegeversicherungsbeitrag an seine Krankenversicherung – annähernd 20 Prozent zehn Jahre lang. Möglich gemacht hat diese Enteignung ein Gesetz aus dem Jahre 2004, initiiert von der damaligen rot-grünen Regierung mit Unterstützung der Union. Das Gesundheitsmodernisierungsgesetz wird rückwirkend auch auf Verträge angewandt, die lang vor Inkrafttreten des Gesetzes abgeschlossen worden waren.

Künftiger leichter, Bürger zu enteignen


Wenn nun das „Rentenkonto“ kommt, dann ist es für den Staat noch viel leichter, die Bürger zu enteignen. Dafür lässt er sich einfach ein neues Gesetz einfallen, das ihm den Zugriff auf das Rentenkonto erlaubt. Wie leicht das geht, hat er ja schon mehrfach bewiesen. Je zentraler die Altersvorsorgeansprüche gespeichert sind, desto einfacher wird das für den Staat. Da beruhigt es auch nicht, wenn der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger, auf andere Länder wie Dänemark, Schweden und Norwegen verweist, in denen es derartige Informationssysteme bereits gebe. Nur, die Skandinavier sind da weit pragmatischer als der deutsche Staat.

Glückliche Skandinavier


In Dänemark beispielsweise ist jeder Bürger seit November 2014 bei der Digitalen Post angemeldet und erledigt vieles online – vom Umzug-Melden bis zum Antrag auf Kinderbetreuung. Deutschland ist da meilenweit entfernt. Wie der Staat mit seiner Altersvorsorge umgeht, kann der dänische Bürger natürlich auch jederzeit einsehen und nachvollziehen auf der Seite der Arbejdsmarkedets Tillægspension ATP oder auf der Seite pensionforalle. Das, worüber die Deutschen reden, praktizieren die Dänen längst. Im Gegensatz zu Deutschland, ist die ATP aber weitgehend unabhängig vom Staat – und somit ihrem Zugriff entzogen. Im Gegensatz zu Deutschland zahlen die Arbeitgeber mit zwei Drittel auch den Löwenanteil in die betriebliche Altersvorsorge.

Norwegen hat Vermögen, Deutschland Schulden


Übrigens, Norwegen hat mit seinem Staatsfonds Vermögen für seine Bürger und das norwegische Sozialsystem angehäuft. Aus 48 Milliarden norwegischen Kronen hat er binnen 20 Jahren durch geschicktes Investieren 7,5 Billionen norwegischer Kronen gemacht – das sind umgerechnet 800 Milliarden Euro. Jeder Norweger verfügt somit über ein Guthaben von annähernd 150 000 Euro; auf jeden Deutsche kommen statistisch gesehen 27 856 Euro Staatsschulden.

Angesichts dieser Zahlen muss sich jeder fragen, wie der deutsche Staat mit dem Geld seiner Bürger in den vergangenen Jahren umgegangen ist. Skepsis ist insofern mehr als berechtigt.

Excel statt Rentenkonto


Aber zurück zum Rentenkonto. Dem deutschen Staat ist in punkto Altersvorsorge nicht zu trauen, das hat er bis lang mehrfach bewiesen. Eigeninitiative in punkto Rentenübersicht ist besser – und dafür gibt es ein einfaches Mittel: eine Excel-Tabelle. Jeder kann in diese Tabelle alle Daten selbst eintragen, Excel summiert die Zahlen auf. Wer diese Tabelle ständig aktualisiert, hat problemlos einen Überblick über seine Altersvorsorge. Ach ja, Excel. Das ist ein Tabellenkalkulationsprogramm von Microsoft – das zu Lernen ist kein Zauberwerk. Viele Windows-Nutzer dürften vermutlich bereits Excel auf ihrem Rechner haben. Die Bundesregierung könnte ja jedem ein Exemplar schenken. Wie wäre es denn, wenn der Staat statt in ein Rentenkonto zu investieren, in Finanzwissen investieren würde, wie es ja schon seit langem von Wirtschaftlern gefordert wird? Bislang sind alle derartigen Vorstöße im Sande verlaufen – oder habe ich da etwas nicht mitbekommen?

Mehr dazu unter vorunruhestand.de

15 Kommentare

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Wer hier auf Wizelife ist, braucht sich keine Sorgen mehr um sein Rentenkonto machen. Entweder bezieht er schon Rente oder steht kurz davor. Da ist dann auch nichts mehr zu retten. Hier wären die Jüngeren anzusprechen.
  • 22.10.2017, 17:05 Uhr
Wenn sie immer gearbeitet haben und ihre Beiträge abgeführt haben, bekommen sie auch Rente. Der eine mehr und der andere weniger, je nach Verdienst.
  • 18.02.2018, 17:24 Uhr
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Das sogenannte "Rentenkonto" wäre für den Staat bzw.dem Finanzamt
eine wunderbare Sache und man hätte noch mehr Einblicke in die
Finanzen der Bürger.
  • 08.10.2017, 21:14 Uhr
So sehe ich das auch.
  • 08.10.2017, 21:24 Uhr
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Diesen Wisch kann man sich auf den Logus hängen, mehr ist er nicht wert. Mit der Industrierevolution-IV muß nicht nur das Steuersystem, sondern auch das Rentensystem neu überdacht werden. Denn wenn das Roboting die Arbeit von Menschen übernimmt, dann muß über die Konsequenz nach gedacht werden, woher kommt das Geld für die Sozialkassen? Die Kranken-, Pflegeversicherungs und Rentenkassen alle werden zum größten Teil vom arbeitenden Menschen bezahlt. Der Staat wie auch die Sozialkassen würden am Liebsten sich vor allen Zahlungen drücken, während in den 60 und 70 er Jahren Prachtbauten bei Kranken - und Sozialkassen entstanden, die Gehälter von Vorständen dauernd in die Höhe geschraubt wurden, wird heute bei jeder Ausgabe, die sie für die Menschen machen müssen, gejammert.
  • 05.10.2017, 16:15 Uhr
Peter Hilbert, diese "Prachtbauten " wurden in den 90ziger Jahren noch prächtiger für die Krankenkassen in den neuen Bundesländern fort geführt.
  • 05.10.2017, 18:13 Uhr
Wenn du von Industrierevolution schreibst, muss auch der Begriff Arbeit überdacht werden und die einseitige Betrachtung, dass nur menschliche - bevorzugt abhängige "Arbeit" Wertschöpfung ist.
  • 05.10.2017, 18:24 Uhr
Da muß ich Dir beipflichten, knight mover, Wertschöpfung bedeutet mehr als nur Arbeit. Aber bei meinem Kommentar ging es darum, daß die Arbeitnehmer am Erfolg der Wertschöpfung gar nicht mehr beteiligt werden und überproportional die Soziallasten selbst tragen müssen.
  • 06.10.2017, 12:01 Uhr
Das "Bedingungslose Grundeinkommen" wird auf lange Sicht die einzige verbleibende Möglichkeit bieten, den sozialen Frieden in unserem Land zu gewährleisten.
  • 06.10.2017, 12:06 Uhr
Hoffentlich haben wir noch Zeit, das umzusetzen, denn aktuell sieht es ja fast nach Auflösung des Landes aus ...
  • 06.10.2017, 12:08 Uhr
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Eine Lösung wäre bedingungsloses Grundeinkommen. Dann würde auch kein Rentner mehr entwürdigend seine letzten Ersparnisse verbraten müssen, um dann "Grundsicherung" beantragen zu dürfen.
  • 05.10.2017, 12:47 Uhr
Sehe ich auch so.

Wer in Rente geht und vorher wenig verdiente, "fällt" nicht durch das soziale Netz sondern landet automatisch bei einem menschenwürdigen Einkommen.

Ohne Formulare, ohne Excel-Tabellen, ohne Behördenwillkür und ohne private Parasi... äh Versicherungen

Und wer viel verdiente, konnte sich zeitlebens genug wegsparen um privat "aufzustocken".

Selbst wer so kurzsichtig war, alle Ersparnisse zu verprassen, fällt nie tiefer, als bis zum Grundeinkommen.
  • 05.10.2017, 15:26 Uhr
Durch die üppigen Renten verfügen die Politiker schon über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Allerdings ist dessen Höhe skandalös, da es aus Steuermitteln bezahlt wird. Kein Wunder, dass es so viele Wutbürger gibt.
  • 05.10.2017, 16:54 Uhr
so ist es ... nach 27 Jahren haben BT-Abgeordnete einen Anspruch auf 6441.- € Altersversorung!
Quelle: https://www.steuerzahler.de/Die-Fina...n/8692c525/
wie Gregor Gysi nannte dies als Groko der Selbstversorger ...
  • 06.10.2017, 06:13 Uhr
Die Abgeordneten sitzen die Kritik einfach aus. Möglich, dass ihnen das noch einmal um die Ohren fliegt!
  • 06.10.2017, 08:43 Uhr
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